Montag, 21. August 2017

Die Frage nach der Realität oder manchmal ist das Leben ein Fest

Als ich heute morgen auf meinen Blog geschaut habe, dachte ich, dieser letzte trübsinnige Post muss endlich weg.
Schlimm genug, dass es bisher der einzige Beitrag in diesem Monat ist. Darüberhinaus sind in den letzten Tagen so viele schöne und wunderbare Dinge in meinem Leben passiert. Ich möchte eigentlich von der eigenen Schreibverzweiflung gar nichts mehr lesen. Mir ist aufgefallen, dass ich im letzten Jahr zu dieser Zeit ganz ähnlich gejammert und empfunden habe. Vielleicht liegt es am Sommer oder an der Ferienzeit, wo die Uhren doch irgendwie immer ein bisschen anders laufen und der Tagesrhythmus sich verschiebt.

Wie auch immer, ich finde allmählich wieder in den Schreibfluss hinein, dank meiner großartigen Verlegerin beim Cursed Verlag und meiner kleinen Wunderwaffe auf dem Handy (mein write-o-meter).
Natürlich schreibe ich ausgerechnet an der Geschichte, mit der ich am wenigsten gerechnet hätte. Doch plötzlich sind die beiden, nein eigentlich sind es drei Kerle wieder total präsent in meinem Kopf und behaupten, dass ihre Geschichte sehr wohl eine "Wohlfühlgeschichte" ist, während ich ernsthafte Zweifel daran hege. Aber manchmal muss man eben schreiben, was geschrieben werden will (an dieser Stelle verdreht die Autorin die Augen und kichert dabei ein wenig irre)

Nicht zum Kichern ist dagegen das, was gerade in der letzten Woche wieder so heftig auf Facebook und einem queeren Onlinemagazin ausgeartet ist. Vermutlich haben es einige mitbekommen, andere nicht und ich kann diejenigen in dieser Hinsicht wirklich nur beneiden.
Im Grunde ist alles schon dazu gesagt und geschrieben wurden. Wir füttern keine Trolle und essen den Kuchen, den wir irgendwie alle gemeinsam backen, lieber selbst. Genießen ihn mit Leuten, die ihn ebenfalls mögen und werden nicht aufhören neuen zu backen, solange es noch jemanden gibt, dem er schmeckt und der Spaß daran hat. An dieser Stelle danke ich Chris P. Rolls für diesen leckeren und so treffenden Vergleich.
Trotzdem deprimiert es mich. Ich kann die Gedanken leider nicht abstellen, kann nicht aus tiefsten Herzen behaupten, dass der Hass und die Intoleranz mich nicht berühren oder in meiner Kreativität einschränken.
Was mich jedoch immer wieder am meisten erstaunt, ist die Frage nach dem Bezug zur Realität.
Erwarten Leser tatsächlich, dass ein Fantasyautor mit Trollen gekämpft hat? Erfreut er sich an den Werwölfen, die zum Vollmond auf seiner Wiese vor dem Haus erscheinen? Fickt er mit Elfen und öffnet er im Keller oder im Kleiderschrank die Tore zu anderen Dimensionen und Planeten, um alles so wahrheitsgetreu wie möglich aufzuschreiben?
Mann, meinen Neid und meine Bewunderung hätten diese Autoren auf jeden Fall.
Von Krimi-und Thrillerautoren will ich gar nicht anfangen, da hielte sich meine Bewunderung auch eher in Grenzen ...

Ich dagegen, wie einige andere Autoren auch, schreibe Liebesgeschichten, leichte Unterhaltung und Spaß. Manchmal sind vielleicht ein paar ernstere Themen dabei, aber letztendlich geht es um Liebe zwischen zwei Menschen. Es sind keine Tatsachenberichte und vermutlich gibt es sogar einen Grund, weshalb die Bücher nach dem Happy End zu Ende sind. Denn, auch wenn es vielleicht erstaunlich sein mag, ich weiß, dass es Trennungen gibt, dass nicht jede Liebe für den Rest des Lebens hält und dass es vielfältige Gründe dafür gibt.
Nicht jeder findet seinen Ritter mit glänzender Rüstung und Einhorn, der ihn vor der bösen Welt rettet.
Ich bin immer wieder erstaunt darüber, woher dieses plötzliche Bedürfnis nach Realität in Liebesromanen kommt. Das betrifft im Übrigen nicht nur den gay Romance Bereich, sondern auch die Heteroliebesromane. Ich habe in den letzten Wochen einige blogs gelesen, wo man sich über das Frauen-und Männerbild aufgeregt hat, wo man fand, dass die Jugend verdorben wird und ein ganz falsches Bild von der Welt bekommt und und und ...
Am liebsten möchte ich den ganzen Tag den Kopf schütteln oder mich alternativ fragen, wann diese Leser dann angefangen haben, Fantasie mit Realität zu verwechseln und weshalb sie erwarten, dass es allen anderen Lesern plötzlich ebenso ergeht.
Wenn ein Kind mit elf sehnsüchtig darauf wartet, dass der Brief aus Hogwarts kommt, findet es jeder niedlich. Wenn ein Mädchen mit 14, 15, 16 davon träumt, dass ein Bad Boy sie aus einer gefährlichen Situation rettet und sich anschließend unsterblich verliebt ist das ... was? Gefährlich? Ein falsches Frauenbild? Ich habe solche Geschichten als Mädchen geliebt, habe nächtelang gelesen und bin durchaus mit der Realität zurecht gekommen und meinen eigenen Weg gegangen. Davon abgesehen, müssen wir alle Erfahrungen sammeln und dazu gehören auch schlechte. Vermutlich wird jeder irgendwann erkennen, dass nicht alle Bad Boys gezähmt werden können und der Millionär von Nebenan kein Interesse hat und niemals mit der verdammten Rose im Mund und dazu passender Opermusik uns errettet. Irgendwann zwischen all den Geschichten und der Realität erkennen die meisten von uns, dass wir uns selbst retten und unser Leben allein gestalten müssen/dürfen.  Ich wette, es ist nur ein winziger Bruchteil, der diesen Weg nicht geht und das hat das meist ganz andere Gründe als ein paar Liebesromane.
Und was ist mit den schwulen Helden in unseren Büchern? Sie sind ebenfalls eine Ausgeburt der Fantasie der Autoren. Wunderschöne menschliche Elfen oder vielleicht auch Trolle. Liebe ist universell ... das klingt so abgedroschen, aber letztendlich stimmt es doch.
Und die Realität?
Wenn man es genau nimmt, hat jeder Mensch doch sein eigenes Verständnis von Realität, das sich vor allem aus dem Umfeld und den Erfahrungen zusammensetzt. Zwei Menschen, die den gleichen Schicksalsschlag erlebt haben, gehen trotzdem ganz anders damit um. Möglicherweise gibt es gewisse Phasen, ähnliche Verhaltensmuster, aber grundsätzlich liegt es auch an der eigenen Persönlichkeit, wie man in seinem Leben zurechtkommt. Bloß weil jemand vielleicht noch nie verliebt war, heißt es nicht, dass es keine Liebe gibt.
Nur weil jemand eine bestimmte Erfahrung nicht gemacht hat, kann er doch nicht behaupten, dass sie bisher niemand auf der ganzen Welt erlebt hat.
Manche Menschen sollten wirklich die Eindimensionalität ihres Lebens verlassen und sich einen Rundumblick gönnen.
Wenn ein Buch also absolut inkompatibel mit dem ist, was ich mir vorstellen kann, dann schlage ich es zu und lese es nicht. Ich weiß allerdings, dass es andere Menschen gibt, die es mögen und die sich davon vielleicht sogar in besonderer Weise angesprochen fühlen. Es ist viel mehr als ein Zeichen von Toleranz, wenn ich mich mit eben jenen Menschen freuen kann, wenn ich ihnen ihre Meinung zugestehe und mich schlicht nach einem anderen Lesevergnügen umschaue. Der Markt ist groß und es gibt doch für jeden Geschmack das richtige Buch.
Eigentlich wollte ich gar nicht jammern oder meckern.
Wunderbare Dinge ... es ging doch um wunderbare Dinge.
Ich hatte an den letzten beiden Wochenende zwei großartige Tanzauftritte und eine fantastische Zeit mit meinen Tanzmädels. Ich kann noch immer kaum glauben, dass ich in Dresden in einem Park getanzt habe und es hat sich so toll angefühlt.
Ich war vergangenen Sonntag (also nicht gestern, sondern der Sonntag davor) beim Tiergartenpicknick der Schwestern in Berlin und hatte einen ganz wunderbaren Tag mit lieben Freunden und ein bisschen Glitzer.
Und heute morgen habe ich eine ganz besondere email in meinem Postfach gefunden. Es sieht so aus, als wenn ich auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des Weltaidstages meine Schülerlesungen halten werde. Mit etwas Glück gibt es sogar ein neues Buch dazu.

Also starte ich in diese Woche mit viel positiver Energie und lasse all die negativen Gefühle hinter mir. Es gibt immer Leute, die meckern, aber ich bin ehrlich froh, dass ich auch ganz viele andere Personen kenne, mit denen das Leben ein riesiges Fest ist.




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