Donnerstag, 1. Dezember 2016

Das erste Türchen

Willkommen zum diesjährigen Adventskalender auf meinem blog. 
Ich habe schon verschiedene Kalender ausprobiert. Dieser hier ist jedoch eine neue Herausforderung für mich. Nicht nur weil ich gerade in zwei Schreibprojekten stecke und eigentlich gar nichts anderes machen sollte, sondern auch weil ich alle 24 Türchen für euch bestücken werde.
Es gibt eine bunte und hoffentlich abwechslungsreiche Mischung aus Mini-Oneshots mit neuen oder bekannten Protagonisten. Ich bastle und backe für euch ... natürlich bunt!
Außerdem warten ein paar Geschenke auf euch, die direkt ausgelost werden, aber dazu schreibe ich dann noch mal etwas, wenn es soweit ist.

Heute ist nicht nur der Tag, an dem wir das erste Türchen öffnen, sondern auch der Weltaidstag.
Also dachte ich mir, ich verbinde es mit einem Oneshot zu "Positiv verliebt"
Ich wünsche euch einen schönen 1. Dezember!

Auf der Seite von Chaoselly auf Facebook könnt ihr heute zum Weltaidstag "Positiv verliebt" und "Unglaublich verliebt" als signierte Prints gewinnen. Schaut doch mal auf der Seite vorbei!
Bis morgen und viel Spaß mit dem ersten Türchen!


 
Weltaidstag- 
Jakob und Fabian aus Positiv verliebt
Wo bleibst du denn? Wir sind schon spät dran.“ Ich stürme ins Schlafzimmer und entdecke Fabian, der sich auf dem gemachten Bett zusammengerollt hat. Gegen das ungute Gefühl, das sein Anblick auslöst, kann ich kaum etwas machen und doch versuche ich Ruhe zu bewahren.

Was ist los?“, frage ich vorsichtig und klettere zu ihm auf die Decke. Er sieht mich traurig an, seufzt leise und schmiegt sich dann an mich.
Fabi, wir sollen in einer halben Stunde auf dem Markt sein.“
Ich weiß“, nuschelt er gegen meinen dicken Strickpullover.
Du wolltest doch unbedingt mithelfen“, erinnere ich ihn.
Ja“, antwortet er und scheint dabei in mich hineinkriechen zu wollen.
Also frage ich noch mal: Was ist los? Weshalb liegst du wieder im Bett?“ Ich versuche nicht ungeduldig zu klingen, aber ich kann es nicht leiden, zu spät zu kommen. Außerdem bekomme ich immer dieses seltsame Gefühl, wenn er ohne jeden ersichtlichen Grund zurückzieht.

Weiß nicht“, flüstert er. Dafür scheint er allerdings ziemlich genau zu wissen, was er mit seinen Fingern macht, die sich gerade einen Weg zwischen Jeans und Pullover suchen. Ein wohliger Schauer rinnt mir über den Rücken und mein Schwanz regt sich erwartungsvoll. Leise stöhnend schiebe ich ihn von mir weg und mustere ihn eindringlich. Fabian weicht meinem Blick aus und versucht sich erneut an mich zu drängen. Er öffnet den Reißverschluss meiner Hose, schiebt seine Hand in den Spalt und reibt über meinen erwachenden Schwanz. Nur mit Mühe schaffe ich es, ihm nicht mein Becken entgegenzudrängen. Ich liebe es, wenn er mich verführt, denn das passiert viel zu selten. Manchmal komme ich mir regelrecht wie ein Lustmolch vor, weil ich einfach nie die Finger von Fabian lassen kann, während er … Ich glaube, es würde ihn nicht stören, tagelang auf Sex zu verzichten. Umso mehr genieße ich es, wenn er den ersten Schritt macht. Aber das ist …

Fuck“, knurre ich und halte seine Hand fest. „Du versucht mich abzulenken und ich wäre beinahe darauf reingefallen.“
Du hast Recht“, gibt er immerhin zu und dreht sich auf den Rücken. Mein Schwanz protestiert, während ich nicht begreife, was hier gerade passiert. Seit zwei Wochen gibt es kaum ein anderes Thema als den Weltaidstag. Als die Aidshilfe für den Stand auf dem Markt noch ein paar freiwillige Helfer gesucht hat, war natürlich sofort klar, dass wir dabei sein würden. Dabei habe ich eigentlich genug mit dem Museum zu tun, denn die Vorweihnachtszeit ist nun mal perfekt für einen Besuch im Spielzeugmuseum. Wir haben einen Weihnachtsmann für die angemeldeten Schulklassen und an den Wochenenden auch für die Familien. Die Anmeldungen reichen bis zum Beginn der Ferien. Ich habe heute extra mit meiner Mutter getauscht und auch unserer neuen Aushilfe ein paar zusätzliche Stunden aufs Auge gedrückt, weil ich den Eindruck hatte, dass es wichtig für Fabian ist.

Es macht mir Angst“, sagt Fabian und legt einen Arm über seine Augen.
Was denn?“, erkundige ich mich verwirrt, obwohl ich den Eindruck habe, dass ich genau weiß, wovon er spricht. Eigentlich dachte ich, er kann mittlerweile wirklich gut mit seiner Infektion umgehen. Die Therapie verläuft ideal und alle Nebenwirkungen sind längst abgeklungen. Seine Blutwerte sind bestens und … Ich ziehe seinen Arm weg und bringe ihn dazu, mich anzusehen.

Gibt es irgendwas, das du mir nicht erzählt hast?“ Mir wird ein wenig flau im Magen, denn trotz allem Optimismus, überkommt mich hin und wieder einfach Angst. Ich glaube, ich bin besser aufgeklärt, was HIV betrifft, als die meisten anderen Menschen. Ich kenne die Gefahren, weiß, wie ich mich und wie wir uns verhalten müssen. Dieses verdammte Virus bestimmt nicht unseren Alltag, und doch gibt es Augenblicke, in denen die Vorstellung, dass ich Fabian eines Tages verlieren könnte, mich um den Verstand bringt. Es gibt sie eben doch, die Menschen, die an den Folgen von Aids sterben, die nicht mehr auf eine Therapie ansprechen oder bei denen der Körper einfach nicht mehr stark genug ist. Mein Verstand weiß, dass wir ganz weit entfernt davon sind, aber trotzdem kann ich nichts gegen die Zweifel machen, die mir regelrecht die Luft zum Atmen nehmen.

Ich weiß auch nicht, aber es fühlt sich irgendwie seltsam an. Wenn ich mich da heute hinstelle und versuche den Leuten von einem positiven Zusammenleben zu überzeugen und sie darauf aufmerksam mache, dass Menschen mit HIV in allen Bereichen des sozialen Miteinanders diskriminiert werden ...“ Er bricht ab und seufzt schwer. Ich brauche einen Moment, um die Worte zu begreifen und vor allem zu verstehen.
Darum geht es doch aber, oder? Wir brauchen Menschen wie dich, um zu verstehen, dass die alten Ängste längst der Vergangenheit angehören. Außerdem sollst du dich doch nicht outen, sondern Red Ribbons und Infomaterial verteilen.“
Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich keine Luft mehr bekomme. Es sind so viele Menschen an Aids gestorben und ...“
Baby“, unterbreche ich ihn und nehme den grimmigen Blick in Kauf, den er mir zuwirft. Er mag diese Art von Koseworten nicht. Deshalb funktionieren sie auch gut, um ihn aus falschen Gedankenschleifen herauszubekommen. „Ich begreife noch nicht ganz, wo dein Problem liegt, aber ich garantiere dir, dass wir es hier auch nicht lösen können. Wir werden erwartet, als schwing deinen heißen Arsch aus dem Bett und zeig dich von deiner hübschen Seite.“

Eine Weile starrt er mich an. Wenn ich Pech habe, verlässt er wütend die Wohnung, weil er denkt, dass ich ihn nicht ernst nehme. Das tue ich, aber manchmal möchte ich ihn einfach nur schütteln, weil ich Angst davor habe, dass er nicht erkennt, wie glücklich wir sind und wie gut es uns geht. Damit meine ich keineswegs die Pillen, die er nimmt, sondern unsere Liebe. Fabian bedeutet mir einfach alles und ich fühle mich so privilegiert, das mit ihm erleben zu dürfen. Ich bin kein Idiot und weiß, dass es keine Garantie für die Ewigkeit gibt. Danach suche ich auch gar nicht, denn ich möchte jeden einzelnen Moment genießen.

Manchmal bist du ein echter Arsch“, knurrt er, aber seine Augen strahlen und das winzige Lächeln um seinen Mund habe ich auch längst entdeckt.
Dafür liebst du mich schließlich“, erwidere ich selbstbewusst.
Ja“, flüstert er und legt eine Hand in meinen Nacken. „Dafür liebe ich dich mehr als du dir vorstellen kann.“ Er küsst mich sanft. Ich erwidere die Berührung, heiße seine Zunge in meinem Mund willkommen und seufze wohlig. Wenn er so weitermacht, ist mir der Weltaidstag vollkommen egal und wir werden stattdessen das Bett heute nicht mehr verlassen.
Wir müssen los“, sagt Fabian und löst sich abrupt von mir. Atemlos sehe ich dabei zu, wie er munter vom Bett hüpft und seine Klamotten richtet. Mir entgeht die Beule in seiner Hose nicht, aber ihm scheint es jetzt vollkommen gleichgültig zu sein.
Verdammt“, knurre ich und stehe ebenfalls auf.
Jakob, wir kommen zu spät“, ruft er lachend aus dem Flur.
Was du nicht sagst“, erwidere ich glucksend.


Es ist verdammt kalt. Während ich mit einem Glühwein in der Hand hinter dem Stand stehe, beobachte ich Fabian, der mit roten Wangen und strahlenden Augen Flyer und Aidsschleifen verteilt, mit den Leuten ins Gespräch kommt und sich rundherum wohl zu fühlen scheint. Von dem unsicheren jungen Mann auf meinem Bett ist in diesem Moment nichts mehr zu erkennen. Stolz macht sich in mir breit, wenn ich ihn ansehe. Es ist so unfassbar, dass er zu mir gehört.
Irgendwann kommt Fabian zurück und umarmt mich.
Danke“, flüstert er und kuschelt sich an mich. „Du machst mich verdammt glücklich.“
Das ist mein Job“, erwidere ich und hauche ihm einen Kuss auf die eiskalte Nasenspitze. „Genau dafür bin ich da, solange du es willst.“
Am besten für immer“, antwortet er und schenkt mir ein Lächeln, das meine Welt aus den Angeln hebt.



Kommentare:

  1. Hach ja, ich mag es, immer mal wieder in das Leben der beiden hineinzuspinxen - sie sind einfach - trotz aller Probleme - zuckersüß!
    Lotti Noctua

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  2. Hallo Karo,

    Dankeschön für das 1. Türchen von deinem Adventskalender.

    Ja, wer könnte auch besser zum 1. Dezember und Weltaidstag passen als Fabian und Jakob aus "positiv verliebt"!? Gerade diese beiden sind mir sehr ans Herz gewachsen. Mich wundert es nicht, dass Fabian Zweifel gekommen sind. Er ist jemand, der schnell mal von seinen Gefühlen überrollt wird. Aber er hat ja Jakob, der ihn immer wieder aufbaut und motiviert.

    LG Piccolo

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  3. Ach wie schön! Ja, wer passt besser auf den 1.12. als ein Wiedersehen mit den beiden? Vielen Dank dafür!

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  4. Wiedersehen mit alten Bekannten ist immer schön ;-)
    LG Martina

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  5. Danke für diese schöne Geschichte zum 1.Dezember.
    LG Angelika

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  6. Liebe Karo!
    Mal wieder eine wundervolle Aktion mit deinem Adventskalender! Vielen Dank für das tolle erste Türchen! Ich genieße es immer deine Storys zu lesen und etwas in eine andere Welt abtauchen zu können! Danke
    Liebe weihnachtliche Grüße von Renke

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  7. Danke das wir an deinen wunderbaren Geschichten teilhaben dürfen.
    Liebe Grüße
    Kathrin

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  8. Ich danke dir für deine Mühe, uns die Wartezeit auf Weihnachten mit deinen tollen Geschichten zu versüßen.
    LG Anna

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