Donnerstag, 15. Dezember 2016

Das 15. Türchen

Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn auf dieses Adventskalenderwochenende freue ich mich schon eine ganze Weile.
Heute geht es los. Ein ganz besonderer Internetshop öffnet exklusiv für euch seine Pforten. Was vor ein paar Jahren als Scherz in einer Kurzgeschichte begann, ist inzwischen beinahe so etwas wie ein Running gag geworden. Und irgendwie macht es Spaß da noch ein bisschen mehr herauszuholen.
Fangen wir jedoch am Anfang an ... back to the roots ... gewissermaßen.
Ich wollte eine kleine Weihnachtsgeschichte für einen Anthologie schreiben. Obwohl ich die Weihnachtszeit wirklich liebe, war ich ein bisschen ratlos und dann kam eine etwas merkwürdige Idee.
Für alle, die meine Geschichte "Von Rentieren und Ritualen" nicht kennen, habe ich hier einen kleinen Textschnispel.
Im letzten Jahr habe ich die Geschichte zusammen mit einer weiteren als ebook herausgebracht.
"Von Männern und Weihnachten" gibt es nun kostenlos in allen Shops.
Hier geht es zum ebook: Von Männern und Weihnachten

Und jetzt gibt es einen kleinen aus der Geschichte:

Musik erklang … Weihnachtsmusik! Ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit und meine Unterhose passte augenblicklich. Seit wann besaßen wir denn Weihnachtslieder? Und wer wollte schon so etwas am frühen Morgen hören? Ich lauschte noch einmal, hoffte, dass die Klänge vielleicht von nebenan kamen. Aber nein, das war eindeutig bei uns. Noch einmal polterte es laut. Kurz darauf hörte ich Robert fluchen und hoffte, dass er die CD kaputtgemacht hatte.

„Alles in Ordnung da drüben?“, fragte ich scheinheilig. Die Hand hatte ich bereits auf der Türklinke. „Nur noch einen Moment, Micha. Gleich ist alles fertig.“
Ich hielt inne, nur die Hand blieb, wo sie war. Für den Notfall, dass er eben doch meine Hilfe bräuchte … zum Beispiel, um die Höllenmusik auszumachen.
„Jetzt kannst du reinkommen“, rief er fröhlich und mein Kopfkino stellte sich von allein an. Ich würde sehr gern reinkommen und die Musik einfach ignorieren … beim Reinkommen.

Ich sah es direkt vor mir. Robert und Nutella, vielleicht noch ein paar andere süße Leckereien, alles verführerisch auf seinem Körper angerichtet … Mit schnellen Schritten war ich im Wohnzimmer und blieb abrupt stehen. Das konnte nicht sein Ernst sein. Mit Entsetzen sah ich auf den Tisch. Da lag kein Robert, da stand ein Adventskranz, dazu Weihnachtsgeschirr, Tannenzweige … Instinktiv schloss ich die Augen und hoffte, wenn ich sie wieder öffnete, dass alles verschwunden war. Natürlich klappte es nicht. Ich drehte mich zu Robert um und sah ihn verzweifelt an. Das konnte doch nur ein Albtraum sein. Ein schlechter Scherz. Aber in dem Moment, in dem ich in Roberts Augen sah, wusste ich, dass es nichts dergleichen war. Er strahlte über das ganze Gesicht.

„Gefällt es dir?“, fragte er erwartungsvoll.
„Wo ist das Nutella an deinem Körper?“, erkundigte ich mich verzweifelt und sah noch einmal zum Tisch. Da stand das Glas, unschuldig, zwischen all dem Weihnachtskram.
Ich nahm Roberts intensiven Blick wahr und machte den Fehler, ihm in die Augen zu sehen. Dafür bräuchte er einen Waffenschein, denn damit machte er mich vollkommen verrückt, willig und gefügig. Das eine oder andere Mal hatte ich mich bereits gefragt, wie er es immer wieder anstellte, dass ich letztendlich seinem Willen nachgab … Nicht nur nachgab, sondern tatsächlich den Eindruck hatte, es selbst gewollt zu haben. Und genau dieser Blick war es, der in Sekunden meine Abwehr und meinen Schock schmelzen ließ.
„Was soll das denn?“, fragte ich ihn trotzdem und hoffte, dass er meine Qual heraushörte.
„Es ist doch der erste Advent. So ein bisschen weihnachtlich kann es doch auch bei uns aussehen.“
„Weihnachtlich? Warum?“
„Ach Micha, sei doch nicht immer so unromantisch“, erwiderte er kichernd und drückte seine Lippen auf meine. Das war nur ein kleiner Trost für meine Nutella-Fantasie. Ich erwiderte den Kuss gierig, als wäre er mein letzter Anker vor dem Ertrinken. Meine Hände landeten auf seinem Hintern und zogen ihn dichter an mich heran, während meine Zunge sich zwischen seine Lippen schob. Von Verzweiflung getrieben, forderte ich ein heftiges Duell und massierte gleichzeitig die perfekt gerundeten Pobacken. Robert stöhnte, vergrub seine Hände in meinen Haaren und verursachte damit eine wohlige Gänsehaut. Nach einer Weile löste er den Kuss und sah mich mit leicht geröteten Wangen an.

„Frühstück?“
Der verlockende Kaffeeduft ließ mich für einen Moment vergessen, dass ich am liebsten aus dem Zimmer geflohen wäre. Ich nickte ergeben und setzte mich an den Tisch.
Ich starrte den Adventskranz mit der brennenden Kerze an und stutzte. Bei genauerer Betrachtung runzelte ich die Stirn und sah Robert fragend an.
„Ist es das, was ich glaube zu sehen oder spielt mir meine Geilheit einen Streich?“, fragte ich fassungslos und fasziniert gleichermaßen. Noch ehe mir Robert eine Antwort gab, glotzte ich abermals den Kranz an. Diese Kerzen … das waren …

„Unglaublich, was für ein toller Adventskranz!“ Ich fing an zu lachen und auch Robert stimmte mit ein.
„Hat ja lange gedauert, bis du es erkannt hast“, sagte er kichernd.
„Sind das wirklich Schwanzkerzen mit roten Weihnachtsmützen auf unserem Kranz?“, erkundigte ich mich glucksend und nahm eine der Kerzen aus der Halterung heraus.
„Niedlich, oder?“
„Ich weiß nicht, irgendwie verspüre ich körperliche Schmerzen, wenn ich einen brennenden Penis vor mir sehe …“
Die rote Zipfelmütze verdeckte nahezu schamhaft die Eichel und der Docht, der oben angebracht war, erinnerte mich an ein Experiment vor vielen Jahren, das ziemlich schmerzhaft endete.
„Ach Quatsch!“, unterbrach Robert meine Gedanken, „Ich kann es gar nicht erwarten, bis alle vier brennen.“
Seine Augen schienen mit der Flamme um die Wette zu leuchten.
„Ich kriege Angst vor dir“, erwiderte ich prustend.

Unsere Blicke trafen sich und abermals versank ich in diesem unendlichen Blau … tiefer und tiefer … bis ich das Gefühl hatte, ganz von ihm durchdrungen zu sein. Ein kitschiges Gefühl, das dafür sorgte, dass meine Haut zu kribbeln begann. Natürlich würde ich mit der Weihnachtsdeko leben, schon deshalb, weil es Robert glücklich machte. Anscheinend gefiel ihm die Vorstellung, Peniskerzen auf dem Tisch zu haben und zuzusehen, wie die roten Weihnachtsmützen langsam zu schmelzen begannen und in dicken Tropfen am Schaft hinunterliefen.

Seine Hand vor meinen Augen brachte mich in die Realität zurück.
„Hast du keinen Hunger?“, fragte er und klang noch immer aufgeregt.
„Hunger?“ Ich wusste gar nicht, wovon Robert redete.
„Ich halte dir jetzt schon mindestens eine Minute lang die Brötchen unter die Nase. Wo bist du nur mit deinen Gedanken?“ Robert schüttelte den Kopf, während ich automatisch zugriff. Wo meine Gedanken waren? Die fuhren gerade Achterbahn, zusammen mit meinen Gefühlen. Seufzend legte ich das Brötchen auf den Teller, der vor mir stand und griff gedankenverloren nach meiner neuen weihnachtlichen Tasse. Ich brauchte dringend einen Schluck Kaffee. Nur flüchtig fiel mein Blick auf das Bild. Nur für diesen kurzen Moment, den es brauchte, um die Tasse zum Mund zu führen. Aber dieser Augenblick reichte, um sie wieder von mir weg zuhalten und das Motiv in Augenschein zu nehmen.

„Schatz, was machen die beiden Rentiere auf meiner Tasse?“, fragte ich leise und hielt den Kopf ein wenig schief. Vielleicht würde eine andere Perspektive das Bild verändern. Ich sagte auch niemals Schatz zu Robert, aber im Moment kam mir diese Bezeichnung passend vor.
„Sie haben sich lieb“, sagte er ernst.
„Sie haben sich sehr lieb, wie mir scheint.“ Ich drehte die Tasse in meiner Hand.
„Ja ... sehr ...“ Das Lachen in seiner Stimme war nicht mehr zu überhören und auch meine Mundwinkel begannen allmählich zu zucken.
„Okay, halten wir mal eben fest: Vor mir brennt ein männliches Geschlechtsteil auf dem Adventskranz, auf meiner Tasse treiben es zwei Rentiere und wenn ich die Serviette von meinem Teller nehme …“ Ich tat es und verdrehte die Augen. „Natürlich, auch auf meinem Teller tummeln sich kopulierende Rentiere. Wer hätte das gedacht!“ Auf dem Teller war sogar noch deutlicher zu erkennen, was die Tierchen trieben. Der vordere verdrehte vor lauter Glück die Augen, während den Nüstern des hinteren eine kleine Dampfwolke entstieg. Er schien sich mächtig anzustrengen und es war ja auch recht kalt, dort oben im hohen Norden … Ich schüttelte den Kopf und legte die Serviette wieder auf den Teller.

„Also, was habe ich nicht mitbekommen?“, erkundigte ich mich und wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein sollte. „Wann hast du beschlossen, dass wir Pornoweihnachten feiern?“
„Das ist doch total süß“, erwiderte Robert. Ich nickte mechanisch.
„Süß? Du mit einer Menge Nutella auf dem Körper, das wäre süß gewesen, aber das hier ...“
„Was hast du nur mit dem Nutella?“, fragte er und seine Stimme bekam diesen leicht gereizten Tonfall. „Nichts, vergiss es.“ Ich trank einen Schluck Kaffee, um meine gereizten Nerven zu beruhigen. Das Bild auf der Tasse gab dem Begriff Kaffeesahne eine ganz neue Bedeutung.

„Wo hast du das ganze Zeug nur her?“
„Aus dem Internet.“ Robert klang deutlich angepisst. Offensichtlich hatte er eine andere Reaktion von mir erwartet. Dabei war ich doch wirklich ruhig.
„Du verbringst eindeutig zu viel Zeit vor dem PC“, murmelte ich vor mich hin. Natürlich hörte er meine Worte.
„Ich wollte eigentlich nur nach ein wenig Deko suchen und dann bin ich auf diese Seite geraten. Schwaengelbells dot com.
Ich spuckte meinen zweiten Schluck Kaffee quer über den Tisch und fing an wie wild zu husten. Robert klopfte mir gönnerhaft auf den Rücken.
„Ist nicht dein Ernst“, brachte ich mühsam hervor, als ich meinen Hustenanfall unter Kontrolle hatte. „Doch. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, aber diese Seite ist echt großartig. Du glaubst gar nicht, was es da alles gibt …“
„Und die heißt tatsächlich Schwaengelbells?“, fragte ich. Robert nickte eifrig. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was es da alles gab, aber ich hatte das Gefühl, dass ich noch eine Menge davon kennenlernen würde ...


***** 
Herzlichen Willkommen bei Schwaengelbells.com!

Kommentare:

  1. Guten morgen,
    die weihnachtliche Geschichte habe ich mir gleich herunter geladen. Und ich freue mich gerade zu WEIHNACHTLICH, sie heute Abend vorm zu Bett gehen zu lesen. :-)
    GLG Sandra

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  2. Guten Morgen Karo,
    Schwaengelbells.com ist echt schon ein Klassiker geworden. Ich freue mich immer riesig, wenn ich davon lese.
    LG Piccolo

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  3. Hallo zusammen
    Toll freu mich schon auf die Story hab sie mir gestern über FB schon runter geladen.
    Wünsche einen schönen Tag und eine schöne Adventszeit 🎄
    Lg Ines

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  4. Ich habe die Geschichten schon vor langer Zeit gelesen und erinnere mich immer noch gerne an sie.
    Deine tollen Einfälle bewundere ich immer wieder!
    Liebe Grüße
    Heike

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  5. Liebe Karo,
    ich kenne die Geschichten schon seit langem und habe jedes Mal beim neuerlichen Lesen wieder großes Vergnügen dabei.
    Vielen Dank für Deinen tollen Adventskalender!!!
    Wünsche Dir einen schönen Abend und eine gemütliche Advents- und Weihnachtszeit.
    Liebe Grüße
    Petra

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