Mittwoch, 26. Oktober 2016

Unglaublich verliebt

Bisher habe ich hier noch nicht viel zu meinem neuen Buch geschrieben.
Es ist immer wieder ein beeindruckendes Gefühl, wenn die vier kleinen Buchstaben ENDE unter einer Geschichte stehen. Nach Tagen und Wochen, in denen sich die Personen in meinem Kopf und auch in meinen Fingern ausgetobt haben, herrscht plötzlich eine seltsame Stille im Gehirn.
Die Geschichte ist erzählt, die Protagonisten haben ihr Happy End bekommen und die Anspannung wandelt sich in Erleichterung und unendliche Müdigkeit.
"Unglaublich Verliebt" ist der zweite Teil zu "Positiv Verliebt". Es ist keine Fortsetzung von Jakobs und Fabians Geschichte, aber natürlich kommen die beiden darin vor. Diesmal geht es allerdings um Jakobs besten Freund Daniel.

Ich glaube, es ist schon mindestens zwei Jahre her, als mir jemand (ich habe den Originaltext sogar noch abgespeichert) eine Idee beziehungsweise eine reale Story erzählte, die ich doch mal, natürlich in veränderter Form aufschreiben könnte. Damals, wie auch heute immer noch, kam sie mir völlig abwegig vor. Leider hat Daniel das ein bisschen anders gesehen und sich die Idee geschnappt.

Anfänglich war ich sogar voller Euphorie, aber jedes Mal, wenn ich mit meiner Recherche begonnen habe, verblasste dieses Gefühl recht schnell und sorgte dafür, dass ich die Geschichte immer wieder zurückgedrängt habe. Ich weiß, dass jede Story ihre eigene Zeit braucht. Es macht es allerdings auch nicht unbedingt leichter, wenn man immer wieder danach gefragt wird und eingestehen muss, dass man nicht nur Respekt, sondern auch ein bisschen Schiss vor dem Plot hat.

Worum geht es? In erster Linie ist es natürlich eine Liebesgschichte. Daniel und Lukas ... da hatte sich ja bereits etwas in "Positiv verliebt" angedeutet. Natürlich ist Daniel davon überzeugt, kein Beziehungsmensch zu sein, aber irgendwann erwischt es wohl jeden mal ... zumindest wenn dieser Jemand aus meiner Fantasie stammt.

Daneben und das ist auch der Grund für mein Unwohlsein, gibt es aber auch die Beziehung zwischen Daniel und seinem Zwillingsbruder Moritz.
Das war schon das erste Neuland, das ich betreten habe. Es gibt zwei Handlungsstränge, die parallel verlaufen. Am Anfang, und damit meine ich die Zeit vor zwei Jahren und eigentlich auch alles, bevor ich die ersten Worte getippt habe, hatte ich ein Problem damit, die richtige Perspektive zu finden. Ich habe darüber nachgedacht, sie kapitelweise zu wechseln ... mich gefragt, ob ich dann aus zwei, oder sogar aus der Sicht von drei Charakteren schreiben soll. Spätestens an diesem Punkt habe ich die Idee zurück in die imaginäre Schublade gesteckt. Letztendlich bin ich quasi meinem Stil treu geblieben und Daniel ist der einzige, der euch seine Story erzählt.

Das zweite und übermächtige Hinderniss, war die Beziehung der beiden Brüder, denn es geht um Religion. Nicht irgendeine Glaubensrichtung, sondern gleich mal die katholische Kirche. Ich muss wohl nichts dazu schreiben, wie es in diesem Glauben mit der Akzeptanz von Schwulen und Lesben steht. Darüberhinaus bin ich mehr oder weniger glaubensfrei aufgewachsen und habe diese Einstellung auch niemals geändert. Hin und wieder war ich zu Weihnachten in der Kirche, schaue mir auch gern Gotteshäuser an, aber ich gehöre wirklich nicht zu den Leuten, die ihre Kraft aus ihrem Glauben an Gott ziehen. Wegen der etwas freieren Art würde ich mich wohl auch eher als ein Sympathisant der evangelischen Kirche bezeichnen.
Aber so sollte die Geschichte nun mal sein.

Ich weiß nicht, weshalb ich vor gut zwei Monaten plötzlich das übermächtige Bedürfnis hatte, endlich anzufangen. Es gab so viele Szenen in meinem Kopf und ich wusste, nun war die Zeit gekommen. Trotzdem gab es bei der Recherche immer wieder Punkte, an denen ich einen Rückzieher machen wollte, aber gleichzeitig habe ich mir auch gesagt, dass Glauben, trotz aller Regeln auch einer gewissen Individualität unterworfen ist. Ehrlich gesagt, hat es das auch nicht grundsätzlich einfacher gemacht.
Mit Moritz habe ich meine persönliche Komfortzone verlassen und mich auf einen Weg begeben, der nicht einfach für mich war. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es letztendlich hinbekommen habe. Diese Frage können wohl nur die Leser beantworten.

Worum es mir allerdings wirklich nicht geht, den Glauben zu verteufeln. Wer eine Geschichte erwartet, die sich gegen Religion stellt und nur die dunkle Seite des Glaubens aufzeigt, der wird sicherlich heftig enttäuscht sein. Aber es ist auch kein Plädoyer für die katholische Kirche, sondern für die Liebe und dafür, zu sich zu stehen und seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Wie immer gibt es eine Menge Kitsch und viel zu viele Sexszenen, aber diesmal eben auch Familie und das Verhältnis der Brüder zueinander. Das Buch ist mit 29 Kapiteln (inklusive Prolog und Epilog) und über 90.000 Wörtern recht dick für meine Verhältnisse geworden. Es liegt damit knapp unter "Willst du ein Eis".

Ab morgen stelle ich kapitelweise eine Leseprobe für euch auf fanfiktion und bookrix online und im Laufe der nächsten Woche sollte das ebook und kurz danach auch der Print herauskommen.
Über den Grad meiner Aufregung schreibe ich besser nichts.  


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