Freitag, 9. September 2016

Halleluja, Glitzer und positive Energie

Für gewöhnlich bin ich nicht sehr spirituell, auch nicht besonders gläubig oder in irgendeiner Form religiös.
Die letzten Wochen haben mir jedoch gezeigt, dass man sich recht schnell verlieren, aber ebenso aufgefangen werden kann.
Ich schätze, manchmal muss man die Augen einfach nur aufmachen und darauf vertrauen, dass es ziemlich viele gute Dinge gibt. Ein bisschen Mut gehört natürlich auch dazu, sich selbst zu erkennen und einfach mal zu hinterfragen, was man eigentlich möchte und wohin der Weg führen soll.
Die Erkenntnis, dass ich mich selbst gar nicht mehr gespürt habe, war ein wenig schmerzhaft, aber mit ihr kam schließlich auch meine Begeisterung zurück und die Tatsache, dass ich ziemlich viel von dem habe, was mich glücklich macht.
Die Sicht zu verschieben und sich daran zu erinnern, was gut ist, ist beinahe eine reinigende Erfahrung. Es bleibt also dabei: Karo Stein ist bunt, schreibt schwulen Kitsch und hin und wieder wird sie irgendwo auftauchen und mitmischen. Sei es in einer Klosterschule, um über safer Sex zu quatschen oder bei einem schnellen und spontanen Abstecher nach Berlin.

Ich weiß nicht genau, was es ist, aber die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz ziehen mich magisch an, beeindrucken und inspirieren mich immer wieder aufs Neue. Zum 25- jährigen Bestehen gab es eine Conklave, an der Schwestern weltweit teilgenommen haben. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und habe es sehr genossen, einige Stunden mit ihnen zu verbringen.
Ich konnte den Glitzer und die Energie spüren und das ist etwas, was ich regelrecht eingesaugt habe. Dabei habe ich mich ganz allein auf den Weg gemacht. Eine Pilgerfahrt, wenn man so will.
Allein nach Berlin, allein im Hotel, allein durch Berlin ... Erst am späten Mittwochnachmittag hatte ich eine wundervolle Verabredung mit Caro Sodar, bei dem auch kurz Bernd aufgetaucht ist. Am Donnerstag habe ich Mia Grieg zum Mittag getroffen. So einen riesigen Burger habe ich noch nie gegessen!

Dazwischen bin ich mit den Schwestern herumgezogen, habe mit ihnen gepicknickt, bin Bus gefahren und habe an der Stele gegen das Vergessen die wunderbaren Zeremonien verfolgt. Leider war der Verkehr so laut, dass es nicht einfach war, die Worte zu verstehen, aber vielleicht war es auch gar nicht nötig, denn die Bilder haben allein gesprochen. Es war, als würde der Himmel glitzern. In Gedanken habe ich die Arme ausgebreitet und mich gedreht, um möglichst viel davon aufzunehmen. Vielleicht bin ich doch ein klein wenig spirituell.



Die Auswirkungen der positiven Energien haben sich anscheinend gleich am Donnerstagmorgen bemerkbar gemacht, denn ich bekam einen Anruf, dass ich auch in diesem Jahr wieder zum Weltaidstag am Gymnasium lesen darf. Ich habe vor Glück im Zimmer getanzt, hatte auch wirklich viel Platz in meinem Einzelzimmer.

Danach habe ich mich auf den Weg gemacht, endlich etwas zu tun, das ich mir schon so lange vorgenommen habe. Ich habe einen kleinen Blumentopf gekauft (künstlich, weil er dann vielleicht ein bisschen länger hält) und habe mich auf den Weg in den Tiergarten gemacht, um die Blumen am Denkmal für die ermordeten Homosexuellen in der NS-Zeit hinzustellen. Auch wenn es nur ein verdammt grauer Klotz ist, der sein wunderbarer Geheimnis (zwei sich küssende Männer) erst offenbart, wenn man quasi mit der Nase an der dunklen Scheibe klebt, so ist das Gefühl doch ähnlich bedrückend, wie wenn man durch das Feld mit den Stelen für die ermordeten Juden geht (das sich im Übrigen quasi direkt gegenüber befindet)


Ich hatte zwei schöne Tage voller Sonnenschein und die Gewissheit, dass es tatsächlich so ist: Ich bin gern unter Menschen, besonders gern mit Leuten zusammen, die mir etwas bedeuten, aber ich kann auch gut eine gewisse Zeit allein verbringen, Dinge nur für mich machen und Spaß haben.
Seit die Schwestern voller Leidenschaft am Brandenburger Tor "I will follow him" gesungen habe, ist es sozusagen ein beständiger Ohrwurm, der auch beim Schreiben dieser Zeilen durch meinen Kopf geistert.
Ein Halleluja an die wunderbaren Schwestern für ihre großartige Arbeit, für dieses besondere Gefühl, dass sie auslösen und all die Energie und Leidenschaft, die sie an ihre Umgebung weitergeben.
Wer mehr über die Schwestern und ihre Arbeit erfahren möchte: OSPI
Für Spenden sind sie stets dankbar, denn sie unterstützen viele wichtige Projekte rund um HIV und Aids. Gern könnt ihr auch die Bücher der HomoSchmuddelNudeln kaufen oder mal bei Max von Rüßt zu Taufenstein auf FB vorbeischauen. 



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