Mittwoch, 15. Juni 2016

Trauer

Im Juni bin ich meist recht ruhig, denn ich mag ihn nicht. Seit mittlerweile 17 Jahren erinnert er mich daran, wie vergänglich das Leben ist, dass ein winziger Augenblick ausreicht, um alles zu ändern. Ich weiß, es ist eine lange Zeit und im Grunde spüre ich den Verlust kaum noch, aber im Juni ist er stark, kämpft sich an die Oberfläche, macht aus mir ein nervöses und stets zum Heulen bereites Etwas.
In diesem Jahr stehe ich nicht allein da. Das ist nichts worüber ich mich freue oder was mir Mut macht. Ganz im Gegenteil. Es tut mir so unendlich leid, dass es nun auch in Orlando Eltern geben wird, die vermutlich den Juni für den Rest ihres Lebens in Trauer verbringen werden, die irgendwann, wenn der Schmerz und die Trauer nicht mehr so groß sind, einfach nur noch dankbar dafür sind, dass sie am Ende des Monats das Kalenderblatt abreißen können und die Freude am Lebenn wieder die Oberhand gewinnt.
Ich wünsche allen, die in Orlando diesen furchtbaren Verlust erleben mussten, dass sie diesen Punkt irgendwann erreichen.
Es ist, als würde das schreckliche Ereignis meine eigene Trauer neu beleben. Ich komme mir so verdammt hilflos vor und spüre, wie meine Gedanken immer wieder wegtreiben. Wie oft habe ich Geschichten geschrieben, in denen sich die Protagonisten in einem Club kennengelernt haben? Wie oft habe ich ihnen dort das Gefühl gegeben, zu leben, sie selbst zu sein, alles schaffen zu können. Musik ist so ein großer und wichtiger Faktor. Tanzen ... sich selbst spüren, zu wissen, dass man lebendig ist und ... nicht allein. Natürlich ist alles nur Fantasie ... aber auf eine unglaublich bestürzende Art hat sie nun einen Riss bekommen.
Ich lese all die Berichte auf FB, sehe ich die Namen und Gesichter und kann den Schmerz kaum in Worte fassen.
Ich hoffe, es gibt viele LGBTI-Menschen, die aufstehen, gegen die Ohnmacht ankämpfen, auch weiterhin feiern, sich zeigen und ihre Liebe nicht verstecken.
Ich hoffe, sie wissen, dass es viele Leute gibt, die hinter ihnen stehen, die sie gern stärken und unterstützen.
Was bleibt für mich? Ich nehme die Trauer an, lasse zu, dass sie ein Teil dessen ist, was mich ausmacht. Obendrein mache ich das, was ich einigermaßen gut kann... ich schreibe.



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