Donnerstag, 2. Juni 2016

Pläne, Ratgeber und Komfortzone


Hiermit heiße ich euch zu einer neuen Rubrik, vielleicht auch eine Art Kolumne willkommen. In regel-bis unregelmäßigen Abständen werde ich ein bisschen vom Schreiben erzählen. Das ist ansich nicht wirklich neu, aber vielleicht habt ihr ja Lust, einen Blick hinter den glitzerbunten Vorhang zu werfen und ein paar Details zu erfahren.

Eigentlich möchte ich mich gar nicht so sehr in Plänen verlieren. Wie man sieht und weiß, fehlt mir dazu ein bisschen die Disziplin. Wobei ich mir mittlerweile einrede, dass für jede Geschichte der richtige Zeitpunkt kommt und man diesen nicht oder nur selten durch Termindruck beschleunigen kann.
Manchmal dauert es ein bisschen länger und dann drängt es plötzlich so sehr, dass es gar keine Schreibalternative gibt.
Für andere Ideen kommt vielleicht niemals der richtige Zeitpunkt. Sie tauchen einfach nur kurz in meinem Kopf auf und verschwinden wieder.
Ich weiß, dass ich kein Plotbunny schriftlich einfangen muss. Die Geschichten, die geschrieben werden wollen, die bleiben in meinem Gehirn und drängen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen an die Oberfläche. Sie füttern mich mit neuen Szenen, tauchen wieder ab oder sind so hartnäckig, dass die Zeit einfach gekommen ist. Es ist ein seltsamer und faszinierender Mechanismus, der ... obwohl er mir ganz eigen ist, sich manchmal auch anfühlt, als wäre ich fremdbestimmt, als wäre da jemand anderes, der die Knöpfe drückt.

Trotzdem schreibe ich immer wieder einen Zeitplan und sei es nur, um zu erkennen, dass es nicht so funktioniert wie gehofft. Es ist jedoch meistens erstaunlich beruhigend und manchmal auch motivierend. Vor allem, wenn ich dann tatsächlich hinter ein abgeschlossenes Projekt einen Haken setzen kann. Ja, auch das gelingt mir hin und wieder.

Im Mai habe ich deutlich weniger geschrieben, als ich geplant und erwartet hatte. Das lag zum einen am familiären Feierstress (ich hätte mir eigentlich denken können, dass sich meine Muse da schreckhaft versteckt), zum anderen wohl auch daran, dass ich viel gelesen und recherchiert habe. Im Moment bastle ich an einigen ziemlich schwierigen Ideen, die sich nicht so schnell runterschreiben lassen. Ich brauche, und das ist recht neu für mich, ein bisschen Vorlauf, muss mir ein paar mehr Notizen als üblich machen und beschäftige mich obendrein mit Dingen, die mir nicht wirklich nah sind. Das macht es allerdings auch unheimlich spannend. Ich verlasse gern meine Komfortzone und versuche mich an neuen oder nicht ganz gewöhnlichen Dingen.

Zum ersten Mal habe ich mir für eine Idee einen Ratgeber zugelegt. Ich bin da ja immer sehr skeptisch. Schreiben ist für mich eine individuelle Angelegenheit. Ich finde die meisten Ratgeber in dieser Hinsicht recht vermessen, denn die Autoren nehmen sich darin selbst viel zu ernst und verbreiten immer den Anschein, als würden sie die einzig wahren Schriftsteller sein und nur dieser, von ihnen propagierte Weg, sei der richtige. Das ist für mich eher frustrierend und teilweise auch lächerlich.
Natürlich gibt es "Handwerkszeug", das man im Laufe der Zeit verinnerlichen sollte, aber ich denke, dass jeder seinen individuellen Weg finden und gehen sollte. Ich glaube auch nicht daran, dass es eine einzige richtige Methode gibt, um ein Buch zuendezuschreiben oder eine Idee auszuarbeiten.
Wer einen Ratgeber braucht, der sollte ihn natürlich auch nutzen. Manchmal enthalten sie vielleicht auch genau den Denkanstoß, den man benötigt, um ein Projekt anzugehen.
Schließlich habe ich ja nun auch einen solchen Ratgeber auf meinem Reader. Allerdings geht es nicht um eine allgemeine Schreibhilfe, sondern in erster Linie um Suspense.
Ein vollkommen neues Thema, das ich aber verdammt spannend (kleines Wortspiel) finde. Ich war trotzdem am Anfang zurückhaltend, aber dann hat mich das Buch wirklich begeistert. Ich kann es kaum fassen, wie nah mir die so unglaublich berühmte Autorin gekommen ist. Ich hatte das Gefühl, sie hat mir regelrecht über die Schulter geschaut oder ich ihr oder wir uns ... dabei ist sie schon einige Jahre tot und ich habe noch nie ein Buch von ihr gelesen. Es gab so viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Schreibens, dass ich in einen seltsamen Enthusiasmus verfallen bin.
Ich glaube, ich habe ganz oft laut "Ja" gerufen oder angefangen zu lachen, weil ich mich in so vielen Dingen wiedererkannt habe. Dinge, die ich für schrullige und alberne Angewohnheiten von mir gehalten habe ... Es ist beruhigend, wenn man merkt, dass man doch nicht so allein dasteht wie gedacht.

Dieses Buch hat mich nicht nur in meinem Bestreben nach einem neuen Genre weitergebracht, sondern mich auch innerlich gestärkt und mich sogar ein Stück weit demütig werden lassen. Die Vorstellung, Bücher auf der Schreibmaschine zu tippen, ganze Kapitel oder Handlungsstränge zu ändern, zu kürzen oder gar rauszuschmeißen und das alles ohne PC oder Laptop .... das ist eine echte Leistung.
Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich diese Idee letztendlich aufschreiben werde.
Ich hoffe, es klappt noch in diesem Jahr, obwohl da auf meinem Plan ganz groß die "Eiswelt" steht. Aber auch da geht es ein bisschen aus meiner Komfortzone heraus, nicht nur weil es so viel zu überarbeiten gibt, sondern auch, weil Tobis Schwedengeschichte nicht ganz so sommerlich-süß ist.
Damit bleibt es wohl in jeder Hinsicht spannend...



1 Kommentar:

  1. Hallo Karo!
    Ich bin ehrlich gespannt, was hier noch so alles kommen wird.
    Bei deinen Ausführungen über Schreibratgeber musste ich unwillkürlich grinsen. Natürlich gefallen einem die Tipps am besten, die man eh schon umsetzt, weil man sich bestätigt fühlt.
    Gerade heute hatte ich eine interessante Diskussion, bei der es nicht ums Schreiben, aber um die Umsetzung von Ratschlägen und Regeln ging, die halt solange funktionieren bis das alltägliche Chaos (bei Schreibern nennt man es den kreativen Impuls) wieder zuschlägt. Die eigentliche Kunst ist es, den Spagat zwischen den allgemeinen Regeln und den besonderen Situationen, die Ausnahmen erfordern, zu finden.
    Mich hat hat es irgendwie beruhigt, dass das Thema universell zu sein scheint ...
    GLG und viel Erfolg mit deinem Thriller (?)
    Ulla

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