Montag, 14. Dezember 2015

Adventskalender 2015

Ein bisschen später ... aber nun öffnet sich das 14. Türchen hier bei mir auf dem blog.  Ein paar unangehmen Dinge haben meinen Zeitplan durcheinander gebracht. Ich hoffe, ich habe es jetzt wieder im Griff.
Vielen Dank für die vielen Kommentare zu meiner kleinen Geschichte.

Auch heute gibt es wieder etwas zu gewinnen. 
Das Set besteht aus Tasse, Teebuch, zwei Stickern und Kuli
Wie immer wandert jeder Kommentar in den Lostopf, solange ihr euren Namen nicht vergesst.
Die Aktion läuft bis Mitternacht.
Morgen verkünde ich den Gewinner und werde dann auch eine weitere Zusammenfassung des Kalenders posten.
Jetzt wünsche ich euch aber viel Spaß mit dem neuen Kapitel.

Morgen geht es hier weiter: Caro Sodar


Weihnachtsträume (unkorrigiert)
3. Seelenverwandtschaft
  
Es war verrückt! Eine andere Bezeichnung fand Lars nicht dafür, wie sich die letzten Tagen entwickelt hatten. 
Verrückt und seltsam und vollkommen anders, als er es erwartet hatte. Im Grunde hatte er keine Vorstellungen davon, wie das Zusammenleben funktionieren sollte. Immerhin war sein einziger Mitbewohner bisher Miky gewesen. Der Kater war zwar durchaus anspruchsvoll und launisch, aber Lars bildete sich ein, zumindest einigermaßen die Kontrolle über ihr Miteinander zu haben. 
Bei Enis war es jedoch vollkommen anders. Der stille Mann hatte alles verändert. War das in so kurzer Zeit überhaupt möglich?
Lars sah gedankenverloren aus dem Bürofenster. Bisher war kein Schnee in Sicht. Es war zwar empfindlich kalt, aber die Wetterprognose war schlecht für weiße Weihnachten. 
Noch zwei Wochen, dann war Heiligabend. Es wurde Zeit, dass er sich über das Essen für seine Freunde Gedanken machte. Entgegen den alten Traditionen seiner Kindheit war er bemüht in jedem Jahr neue Rezepte auszuprobieren. Es gefiel ihm, seine Gäste zu überraschen und dabei letztendlich auch sich selbst. Denn es gab niemals eine Proberunde. Er ließ es immer darauf ankommen, aber bisher hatte er stets Glück gehabt. Das Essen war bis auf Kleinigkeiten immer gelungen. Nur einmal war der Nachtisch, eine seltsame Mischung aus zerstampften Lebkuchen, Eierlikör, Kaffee, Quark und Hagenbuttengelee, ungenießbar gewesen. Was eigentlich nicht schlecht klang und auf dem Bild auch recht lecker aussah, entpuppte sich als Geschmackskatastrophe. Seine Freunde nahmen es jedoch mit Humor und auch Lars grämte sich nur verhalten darüber. Zum Weihnachtsfest gehörten eben auch keine Pannen und lustige Begebenheiten. Er mochte es, wenn es fröhlich zuging, auch wenn er selbst eher verhalten war.
Nun würde eine Person mehr am Tisch sitzen. Es spielte keine Rolle, ob Enis in dem Weihnachtsfest eine Bedeutung für sich sah, er würde dabei sein, denn er gehörte irgendwie dazu. Dieser Mann war auf wundersame Weise ein Teil seines Lebens geworden. Am Anfang dachte er, dass sie schon irgendwie miteinander klar kommen würden. Immerhin wirkte seine Gast sehr still und überaus dankbar. Die erste gemeinsame Mahlzeit verlief nahezu schweigend. Allerdings sah er deutlich, wie Enis´Augen zu glänzen begannen, als er die fertigen Bratwürstchen vom Grill nahm. 
Es war erstaunlich, wie schnell man die kleinen Dinge im Leben vergaß. Dabei hatte er als Kind ebenfalls solche Moment genossen. Die erste Zuckerstange, die er sich vom Weihnachtsbaum nehmen durfte, schmeckte in jedem Jahr unvergleichlich süß und besonders. Ebenso wie das erste Plätzchen … Es kam ihm immer wie eine Ewigkeit vor, bis die Keksdose im Advent geöffnet wurde und die Kinder sich daraus bedienen durfte. Lars konnte sich nie entscheiden, ob er zuerst den Tannenbaum, die köstlichen Kringel oder Vanillekipfel probieren sollte. Auch wenn er mit seiner Mutter und auch in der Grundschule selbst Plätzchen gebacken hatte, so war es einfach kein Vergleich zu den Plätzchen, die Uroma Lydia zusammen mit der Oma gebacken haben.
Im Alltag gingen diesen besonderen Momente viel zu schnell unter.
Enis beim Essen zuzuschauen sorgte dafür, dass seine Welt für einen Augenblick still stand. Ein unbeschreibliches Gefühl machte sich in seinem Körper breit und erfüllte jede Zelle mit einer unbändigen Freude.
Zuerst dachte Lars, es wäre nur dieser kurze Moment, aber nun lebten sie bereits mehr als eine Woche zusammen und jeder Augenblick davon erschien ihm kostbar und unvergleichlich.
Nachdenklich kaute Lars auf einem Kuli herum. Dabei passierte im Grunde gar nichts zwischen ihnen. Es gab eine gewisse Anziehungskraft, aber möglicherweise spürte nur Lars sie. Sie wohnten einfach nur zusammen, aber es war, als würde Enis genau dorthin gehören. In seine Wohnung und in sein Leben. Er erfüllte die Räume mit einer nie dagewesenen Energie, auch wenn er die meiste Zeit irgendwelche Bücher las oder sich alberne Seifenopern reinzog. Selbst Miky verbrachte mehr Zeit in Enis Nähe als bei ihm. Er verspürte sogar eine gewissen Eifersucht, denn der Kater schlief nun bei Enis im Zimmer und kam nicht mehr in sein Bett.
Lars konnte die Veränderungen nicht in Worte fassen. Es war die Atmosphäre, das Gefühl von Zusammengehörigkeit … auf einer ihm vollkommen fremden Ebene… Sie näherten sich langsam an, ohne dabei in die Komfortzone des anderen einzudringen. Sie schwiegen miteinander und es fühlte sich richtig an. Da war aber noch etwas anderes … Etwas, das Lars unheimlich groß und bedeutend erschien. Auch wenn Enis nicht viel redete, bedeutete es nicht, dass er schüchtern war. Ganz im Gegenteil: Er war vermutlich genau das, was man sich unter einem arabischstämmigen Macho vorstellte. Besitzergreifend und selbstbewusst…
Seine wirren Gedanken brachten ihn zum kichern. Enis reichte ihm kaum bis zur Nasenspitze und trotzdem ging von ihm eine Dominanz aus, der sich Lars nur schwer entziehen konnte. 
Egal wie es drehte, er war dabei sich zu verlieben. Sein Verstand verbot es ihm, aber das Herz war längst auf die begehrenswerte Art des Syrers angesprungen. Zwischen ihnen passierte körperlich nichts, sie flirteten nicht einmal miteinander und doch fühlte er sich auf eine sehr intime Art mit ihm verbunden. Es klang so lächerlich und kitschig. Lars hatte keine Ahnung, ob Enis überhaupt etwas von der Energie mitbekam, die sich zwischen ihnen ausbreitete. Vermutlich gab es genug andere Dinge, die ihn beschäftigten, als dass er sich mit so einem liebeskranken Mist abgab. 
Bisher hatte Lars sich nicht getraut, Enis nach der Flucht zu fragen. Er wollte den Mann nicht bedrängen und gleichzeitig wünschte er sich, endlich mehr über ihn zu erfahren. Von der menschlichen Psyche verstand er jedoch nur wenig, anders ließ es sich schließlich nicht erklären, weshalb er damals nicht erkannte, dass die eigenen Eltern mit seinen Lebensumständen nicht einverstanden sein würden. Er war so voller Zuversicht gewesen und wurde dermaßen hart enttäuscht, dass er sich schwor, nie wieder seinen Gefühlen zu vertrauen. Natürlich funktionierte dieser Vorsatz nur bedingt, denn weder in seinem Beruf noch in dem mageren Privatleben kam er ohne Vertrauen zurecht.
Uroma Lydia erzählte immer die Geschichten von Seelenverwandten. Von Menschen, die zueinanderfanden, weil sie durch ein besonderes Band miteinander verbunden waren. Als Kind gefiel ihm diese Vorstellung. In seiner Fantasie war dieses Band von glitzernden Tautropfen umgeben. Immer wieder fragte er seine Uroma, wann er denn seinen Seelenverwandten treffen würde. Er konnte es gar nicht erwarten, diesen besonderen Menschen kennenzulernen und malte sich die erste Begegnung oft in seinen Tagträumen aus. Ungeduldig bat er sie noch genauer davon zu erzählen. Er wollte alles wissen, hoffte, dadurch diesen einen Menschen schneller zu finden. Sie lachte, streichelte seinen Kopf und ermahnte ihn, geduldig zu sein. Geduld war als Kind nicht gerade eine Stärke. Später vergaß er die alten Erzählungen. Die Realität war nicht dafür gemacht, nach Seelenverwandten zu suchen. Die Zeiten wo er von Glitzer und Feenstaub fasziniert war, wichen einer gewissen Abgeklärtheit. Die große Liebe war ihm bisher noch nicht über den Weg gelaufen. Seine Erfahrungen zeigten, dass die meisten Männer ausschließlich mit ihrem Schwanz auf die Suche gingen. Er tat es ihnen gleich und es fühlte sich keineswegs schlecht an.
Lars atmete tief durch und beschloss, dass er diesen Weg auf gar keinen Fall verlassen würde. Es war an der Zeit mal wieder auszugehen und sich einen schnellen und unverbindlichen Fick zu gönnen. Er musste Enis aus seinem Kopf und natürlich auch aus dem Rest seines Körpers bekommen. Es gab schließlich nichts, was sie verband und niemand wusste, wie lange sein Gast überhaupt bleiben würde.
Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es Zeit wurde nach Hause zu gehen. Eine unbändige Freude erfasste ihn. Sie war ein Teil dessen, das er sich nicht erklären konnte. Bisher ging es immer irgendwie stürmisch in seinem Leben zu. Hektik und Stress bestimmten seinen Alltag und sein Liebesleben. Selbst bei den Treffen mit Freunden gelang es ihm nur selten wirklich abzuschalten. Lars kam sich manchmal vor, als wäre er selbst auf der Flucht, aber Enis entschleunigte sein Leben. Jede Bemerkung schien durchdacht, jede Bewegung angemessen … Lars mochte es, nach Hause zu kommen und in diese einträchtige Stille einzutauchen. Er war nicht allein, aber gleichzeitig hatte er genau den Freiraum, den er brauchte.
Gerade als er den PC ausschaltete, klopfte es an der Tür. Noch ehe er reagieren konnte, stand Jack im Zimmer und grinste ihn breit an.
„Na, wie läufst“, fragte er ohne Umschweife und ließ sich auf dem Sessel ihm gegenüber fallen.
„Alles bestens“, antwortete Lars und sah ihn fragend an.
„Ich war in der Nähe, habe gesehen, dass bei dir noch Licht brennt und dachte, ich komm mal kurz vorbei.“
„Ich wollte gerade gehen.“
„Super, nimmst du mich mit zu dir? Da kann ich gleich mal nachgucken, ob du deinen Gast auch ordentlich behandelst.“
„Er ist zumindest noch nicht weggelaufen“, erwiderte er und streckte Jack den Mittelfinger entgegen.
„Was ja beinahe erstaunlich ist.“ Jack lachte und musterte ihn aufmerksam. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl herum. Eigentlich wollte er den Abend nicht zu dritt verbringen. Lars war noch nicht bereit, die Seifenblase in der er sich momentan befand, zum Platzen zu bringen. Aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl, dass es sich ändern würde, sobald er Jack mit nach Hause nahm. Er mochte seinen Freund und trotzdem verspürt er bereits jetzt einen Anflug von Eifersucht, wenn er nur daran dachte, dass dieser sich so viel besser mit Enis unterhalten würde. Vielleicht empfand sein Mitbewohner die Stille gar nicht als angenehm und wäre sogar dankbar dafür...
Je mehr er darüber nachdachte, desto deutlicher spürte er die Panik in seinem Bauch anschwellen. Trotzdem fehlte ihm ein gutes Argument, um Jack von dem Besuch abzuhalten.
„Ich spendiere auch ein Essen“, sagte dieser und grinste ihn breit an. Bedächtig nickte Lars und verkniff sich ein Seufzen. „Sehr gut. Ich hatte schon das Gefühl, dass du mich nicht mitnehmen wolltest.“
„Unsinn, wie kommst du denn auf so eine Idee?“, erwiderte er und spürte, wie die Lüge dafür sorgte, dass er zu schwitzen begann.
„Keine Ahnung“, sagte Jack lachend und stand auf. Lars erhob sich ebenfalls, zog seinen Mantel an und schlang den Schal um den Hals. Sie verließen gemeinsam das Büro und traten wenige Augenblicke später auf die Straße. Es roch nach Schnee. Ein eiskalter Wind sorgte dafür, dass er die Schultern hochzog.
Sie kauften im Supermarkt Hähnchenschnitzel und ein bisschen Gemüse und machten sich gemeinsam auf den Weg zu Lars Wohnung. Jack redete die ganze Zeit, aber er hörte nur mit halber Aufmerksamkeit zu. 
Die wohlige Wärme, die ihm entgegenströmte, als er die Wohnungstür aufschloss, brachte ihn zum Seufzen.Enis saß mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa. Sofort entstand dieses wunderbare Kribbeln in seinem Bauch. Es genügte tatsächlich ein Blick, ein winziges Lächeln und der Alltagsstress schien regelrecht von ihm abzufallen.
„Ich habe Besuch mitgebracht“, sagte er laut und deutete hinter sich.
„Jack“, rief Enis begeistert, klappte die Lektüre zu und kam in den Flur geeilt. Die beiden Männer begrüßten sich mit einer Umarmung. Bei dem Anblick verknoteten sich Lars Eingeweide.
„Wie es aussieht, geht es dir gut.“ Jack schob den kleineren Mann ein Stück von sich und begutachtete ihn von oben bis unten. Lars hatte den Eindruck, dass sich ein Hauch Rosa auf dessen Wangen legten.
„Ja, sehr gut“, sagte Enis und schenkte Lars ein Lächeln. „Fühle mich wohl.“
„Das freut mich. Wir haben auch etwas zu Essen mitgebracht.“ Jack wedelte mit der Einkaufstüte. Die beiden verschwanden in der Küche, während Lars sich in seiner eigenen Wohnung fremd vorkam. Er blieb stehen und schloss die Augen. Was war nur mit ihm los? Weshalb konnte er Jacks Besuch nicht genießen? Sie verbrachten doch regelmäßig Zeit miteinander und es war immer angenehme und lustig. Jack schaffte es ihn aus der Reserve zu locken und Lars` verspielte Seite anzusprechen.
„Wo bleibst du denn?“, rief Jack und kam zu ihm zurück. „Glaubst du wir machen das alles allein?“
„So viel gib es ja nun auch wieder nicht zu tun, dass wir zu dritt in der Küche sein müssen“, behauptete er und vermied es Jack anzusehen.
„Oder willst du hier bleiben, bis ich wieder gehe?“
„Idiot“, murmelte Lars und schob sich an Jack vorbei. Dieser lachte so laut, dass es ihn Lars Ohren dröhnte und er sich auf seltsame Weise entblößt vorkam.
In der Küche schnitt Enis das Fleisch in kleine Stücke. Der Duft von unbekannten Gewürzen drang ihm in die Nase. Sie waren schon einige Male zusammen im Supermarkt gewesen. Noch nie hatte Lars so viel Spaß bei einer dermaßen lästigen Aufgabe, wie einkaufen gehabt. Enis war neugierig auf deutsche Produkte, kaufte aber auch viele Dinge, die Lars nicht kannte. Gemeinsam hatten sie einen türkischen Laden ausfindig gemacht und nun standen allerlei Würzmischungen in seinem Schrank, die ihm teilweise dank der ungeheuren Schärfe Tränen in die Augen trieben.
„Willst du nicht duschen?“, erkundigte sich Enis. In diesem Moment konnte er es wieder fühlen: Lars hatte keine Erklärung dafür und womöglich war es nichts weiter als eine Einbildung, aber für ihn war es real. Von Enis ging eine Dominanz aus, der er sich nicht entziehen konnte... nicht entziehen wollte.
„Genau, spring unters Wasser. Wir kommen hier schon zurecht.“ Jack klopfte ihm auf die Schulter. Wieder erwarten, änderte sich das Gefühl nicht. Ganz im Gegenteil, der Blick, den Enis ihm zuwarf, sorgte für einen angenehmen Schauer.
„Verwüstet meine Küchen nicht“, sagte er. Der Spruch war bescheuert, aber ihm fiel nichts ein. Enis war ein begabter Koch und obendrein extrem penibel. Vermutlich war die Küche noch nie so sauber gewesen, wie seit seiner Ankunft.
Alles war anders, besser, schöner, seltsamer.
Lars schlüpfte aus den Klamotten, sprang unter das warme Wasser und träumte davon, mit Enis hier zu stehen. Er wusste nicht, ob dieser Wunsch jemals in Erfüllung gehen würde, aber in seiner Fantasie gehörte der Mann genau hier an seine Seite.
„Seelenverwandt“, murmelte er vor sich hin, schüttelte den Kopf und versuchte das beklemmende Gefühl in seiner Brust loszuwerden.
Als er zurückkam, duftete es verführerisch. Jack und Enis saßen am Tisch und waren offensichtlich in ein Gespräch vertieft. Nur kurz sahen sie sich an, aber es reichte, um sein Herz ein wenig aus dem Takt geraten zu lassen.
Das Essen war lecker. Jack lobte Enis so überschwänglich, dass in Lars der Verdacht aufkam, er würde mit ihm flirten. Das Gefühl, das dieser Gedanke in ihm auslöste, war ohne Zweifel Eifersucht. Er spürte, wie sich seine Stirn in Falten legte und er Jack am liebsten sofort aus der Wohnung geworfen hätte. Das war so absurd, dass er sich im gleichen Augenblick dafür schämte. So war Jack … er hatte keine Probleme damit, auf andere Menschen zuzugehen, sie in Gespräche zu verwickeln, ihnen ein gutes Gefühl zu vermitteln. Genau aus diesem Grund war er auch so geeignet für die Arbeit mit den Flüchtlingen. Seine offene und herzliche Art sorgte dafür, dass sich die fremden Menschen nach ihrer langen und entbehrungsreichen Reise willkommen fühlten.
Er hatte es immer bewundert, aber jetzt fühlte er sich davon bedroht. Lars trank einen großen Schluck Cola und wünschte, es wäre ein nicht geringer Anteil Alkohol darin.
Trotzdem verlief der Abend angenehm. Miky holte sich bei jedem seine Streicheleinheiten ab und verschwand nach einer Weile. Vermutlich hatte er es sich wieder auf Enis Luftmatratze gemütlich gemacht.
Je länger sie miteinander redeten, um so deutlicher spürte er Enis Präsenz. Es erschien ihm tatsächlich, als gäbe es dieses unsichtbare Band. Jedes Mal, wenn Jack ihm zu nahe kam, war es, als würde Enis daran ziehen und für genügend Abstand sorgen.
Kurz vor Mitternacht erhob sich Jack. Lars brachte ihn zur Tür.
„Es hat dich ganz schön erwischt.“ Sein Freund sah in eindringlich an. „Ich weiß, dass man nicht immer etwas dagegen machen kann, aber ich...“
„Ich weiß nicht, wovon du redest“, unterbrach er ihn störrisch.
„Doch, Lars, das weißt du genau. Die Spannung zwischen euch erzeugt genug Energie für ein ganzes Hochhaus.“
„Wirklich?“, erkundigte er sich ungläubig.
„Oh Mann, sag bitte nicht, dass du es nicht bemerkst? Ich hätte vermutet, dass ihr es längst miteinander treibt und euch nur wegen mir heute zurückgenommen habt.“
„Was?“, rief er und schüttelte energisch den Kopf. „Nein, du … du irrst dich. Da ist nichts... ich würde doch nie... ich meine, er ist mein Gast und in einer Notsituation und überhaupt ...“ Er verstummte und hob zornig den Kopf. Jacks Mundwinkel zuckten und ein seltsamer Glanz lag in seinen Augen.
„Du bist verdammt süß, aber manchmal auch ein richtiger Idiot.“
Noch ehe Lars etwas darauf erwidern konnte, bekam er einen Kuss auf die Wange und Jack verschwand. Fassungslos blieb er noch einen Weile stehen, ehe er zu Enis ging, der in der Küche für Ordnung sorgt. Er half mit, ehe er nach einem kurzen Besuch im Bad, ins Bett verschwand.
Lars starrte in die Dunkelheit. Sein Körper war müde, aber der Verstand wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Wenn Jack recht hatte, sollte er dann … sollte er etwas unternehmen? Einen Versuch starten? Aber wie? Darüber zu reden erschien ihm seltsam. Enis einfach zu küssen, kam ihm wie ein Übergriff vor. Er wollte ihn schließlich nicht bedrängen oder gar zu etwas nötigen, das er vielleicht gar nicht wollte und nur aus Dankbarkeit mitmachte. Nein, er würde es einfach so belassen. Wer weiß, wie lange Enis noch bei ihm wohnte.
Plötzlich erschien ihm das Märchen von der Seelenverwandtschaft ungeheuer dumm. Er presste die Augen fest zusammen und vergrub den Kopf im Kissen, als es leise klopfte und die Tür einen Spalt geöffnet wurde.
Erschrocken setzte er sich auf und suchte nach der Nachttischlampe. Er berührte den metallischen Fuß und ein sanftes Licht erhellte den Raum.
„Alles in Ordnung?“
Enis stand, nur mit Shorts, im Türrahmen. Der Anblick ließ Lars Herz schneller schlagen.
„Miky hat Matratze platt gemacht“, sagte er leise.
„Oh verdammt, dieser Kater“, rief Lars. „Willst du auf dem Sofa schlafen?“
„Nein.“ Enis kam zum Bettende.
„Also … du …“ Lars traute sich nicht, die Worte auszusprechen, aber es schien nicht nötig zu sein, denn Enis nahm die unausgesprochene Einladung an. Mit großen Augen beobachtete Lars, wie er die Decke zurückschlug und zu ihm auf die Matratze krabbelte.
„Ist ja genug Platz“, murmelte er, wie um sich selbst zu beruhigen, drehte sich auf die Seite und löschte das Licht. „Tut mir echt leid. Wir kaufen morgen ein richtiges Bett für dich.“
„Nein“, erwiderte Enis gähnend. „Nicht nötig.“ Kurz darauf spürte Lars, wie sich ein fremder Körper an ihn schmiegte und sich ein Arm um seinen Bauch schlang. Er hielt die Luft an und blieb bewegungslos liegen.
„Ich habe noch nie so mit einem Mann gelegen“, flüsterte Enis ihm ins Ohr. „Aber ich habe geträumt.“
„Ist es wie in deinen Träumen?“
„Besser.“ Der Mann hinter ihm lachte leise und rieb sich an ihm. Dabei schnurrt er zufrieden. „Viel besser.“
Lars begann zu lächeln. Die Anspannung wich aus seinem Körper und er ließ sich auf die Berührung ein. Warme, nackte Haut … Es war lächerlich perfekt.
„Schlaf gut“, murmelte er und verschränkte seine Finger mit denen von Enis`.
„ahlam jamila“
Die fremdklingende Worte, so dicht an seinem Ohr, sorgten für eine Gänsehaut. Lars war sich sicher, dass er vor Aufregung nicht einschlafen könnte, aber er irrte sich und süße Träume begleiteten ihn durch die Nacht.



Kommentare:

  1. Eure Aktion ist klasse und ich freue mich jeden Tag auf da neue Türchen.
    Vielen lieben Dank
    Bernd Frielingsdorf

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  2. Danke für diesen tollen Adventskalender. Schöne Adventszeit noch.

    LG
    Beate Jochen

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  3. Toller Kalender..gefällt mir gut die Story.

    Lg
    Angela
    (kassy Kalle auf FB )

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  4. Hallo Karo,

    nachdem ich nun meine Verbindungsprobleme behoben habe, kann ich endlich meinen Kommi schreiben.

    Du musst dich doch nicht entschuldigen, weil das Türchen ein bisschen später kam. Es ist doch noch immer überpünktlich. Alles ist gut.
    Ich hoffe die unangenehmen Dinge haben sich geklärt.

    Ich freue immer wieder aufs Neue, wenn ich von dir etwas lesen kann. Dankeschön.
    Die knisternde Stimmung war mehr als überdeutlich zu spüren. Sogar ein Blinder würde sie sehen. Ob Miky wirklich die Luftmatratze gekillt hat, bezweifel ich noch ein bisschen. Hauptsache ist doch, dass Enis bei Lars im Bett liegt und sie kuscheln. Ich bin mal gespannt, ob Enis wirklich so ein kleiner Macho ist, wofür Lars ihn hält.

    LG Piccolo

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  5. Hachja ... immer diese blinden Männer .... lach
    schön wars ... freue mich auf´s nächste Türchen
    Lg Kerstin

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  6. Hallo Karo!

    Ob Jack da ein bisschen nachgeholfen hat? Zwischen Enis und Lars muss es ja wirklich ganz schön geprickelt haben... Ein Anfang ist jetzt aber gemacht ... Ich kann mir Enis schon als Macho vorstellen, er ist ja jetzt auch einfach zu Lars ins Bett gekrabbelt ohne groß zu fragen. Scheint Lars allerdings auch nicht zu stören *grins*

    Liebe Grüße
    Brigitte Böhm

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  7. Total süß, wie er sich sorgen macht!
    Mir gefällt die Fortsetzung sehr gut.
    LG Bia

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  8. hach ich freu mich auf jeden weiteren schnipsel :) es ist einfach ne schöne liebenswerte geschichte. lg elfi

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  9. Hallo Karo,
    wieder mal ein toller Teil des Adventskalenders.
    Ihr habt euch wirklich was einfallem lassen.Wir Leser können uns sehr glücklich schätzen.
    Liebe Grüße
    Birgit Stephan

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  10. Soso, die Katze ist schuld. Na endlich hat einer den ersten Schritt gemacht.... Also Miky 😸

    Liebe Grüße

    SaSiVa

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  11. Euer Adventskalender ist wirklich klasse. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich ein neues "Türchen" öffnen darf...
    Zu deiner Geschichte: diese "böse" Katze... kann es kaum erwarten, bis es weitergeht
    LG Sabine

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  12. Hallo Karo,
    danke für die wundervolle Geschichte, hoffe du bist bald wieder mit dem nächsten Kapitel dran.
    LG Manuela Furtmeier

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  13. Hallo Karo,
    was soll ich sagen ... du schenkst mir hier mal wieder so ein kleines Highlight des Tages. Ich finde die beiden Jungs toll und freue mich auf jedes weitere Türchen.
    LG Bianca Becker

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  14. Ein großes Lob an den Kater.
    LG Lesekatze74

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  15. Ach Gottchen, wie süß ist das den?! Oder anders formuliert; wie süß sind die den bitte?!!! Danke für dieses schöne Kapitel. Ich freue mich schon sehr auf das nächste. Und ich würde gern deinen heutigen Gewinn abstauben XD LG, Constanze Schmidt

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  16. Huhu!

    ...*haaach und am dahinschmelzen bin*....
    Schööööön wars wieder.♥♥♥

    Daaaaaanke!!!
    Freu' mich auf mehr.

    Ganz viele liebe Grüße....
    Lizzie1890

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  17. Hi Karo,

    wieder kann ich mich kaum gedulden, bis es weiter geht!!! Eine tolle Geschichte, danke!!!

    Alles Liebe
    Christina

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  18. „Miky hat Matratze platt gemacht" Irgendwie finde ich den Satz zu geil xD.
    Eine sehr schöne, lustige und tiefgehende Geschichte hast du da geschrieben. Freu mich auf den nächsten Teil.

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  19. Du warst offenbar spät dran mit posten und ich spät mit lesen ;).
    Enis und Lars sind einfach wunderbar zusammen, ich freue mich jetzt schon auf das nächste Kapitel!

    Liebe Grüße,
    Pummeluff

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  20. Wirklich wunderschön. Die Entschleunigung ist fühlbar ohne den Schwung aus der Story zu nehmen.

    Danke Dir..
    Siggi

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  21. Da hat wohl endlich jemand das Zepter in die Hand genommen. Wurde aber auch Zeit ;)
    LG Brigitte
    P.S.: Ich muss nicht dazu schreiben, wer ich bin, oder doch? (Brigitte Melchers)

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  22. Eure Aktion finde ich toll. Selbst wenn es nichts zu gewinnen gibt sind die Geschichten gut.
    Danke
    Doreen Schreiber

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  23. Wahnsinn die Aktion ist so toll. Gerne auch wieder mit dabei.
    Liebe Grüße Ines Heindl-Beck

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