Montag, 7. Dezember 2015

Adventskalender 2015


Heute geht es bei mir weiter und diesmal habe ich auch eine kleine Überraschung für Euch.
Unter allen, die einen Kommentar hinterlassen (bitte mit Namen/Nicknamen) verlose ich folgendes kleines Paket.
Da ich beim ersten Türchen gar nicht an ein Goodi gedacht habe, springen alle, die dort einen Kommentar hinterlassen haben, automatisch mit in den Sack des Weihnachtsmannes:
das Set besteht aus: Tasse, Magnetkalender, zwei Sticker und Teebüchlein

Die Teilnahme endet heute um Mitternacht!
Ich wünsche euch viel Glück!

Und nun geht es bei meiner Geschichte weiter. Vielen Dank für die lieben Kommentare. Trotz aller gegenwärtigen Brisanz bleibt es eine Geschichte, das heißt, die Charaktere entspringen meiner Fantasie und das, was die beiden erleben, entspricht keiner wahren Begebenheit. Aber die Liebe kann uns überall begegnen und manchmal kommt sie zu Weihnachten.

Hier könnt ihr noch einmal das erste Kapitel lesen:  Weihnachten in Familie

und morgen geht es hier weiter: Mia Grieg


Weihnachtsträume (unkorrigiert)
2.Willkommen

„Ich habe diesem Irrsinn nicht zugestimmt!“ Lars rannte durch die Wohnung und murmelte den Satz nun schon zum hundertsten Mal vor sich hin. Dabei sah er immer wieder auf die Wanduhr in der Küche, verglich die Zeit mit seinem Smartphone und war zwischen Aufregung und Entsetzen hin und her gerissen. 
Noch nie hat er mit jemandem zusammengewohnt. Nach dem unerfreulichen Auszug bei seinen Eltern hat er es immer geschafft, sich wenigsten eine kleine Wohnung zu finanzieren. Jetzt spielte Geld keine Rolle mehr in seinem Leben. Sein Domizil umfasste hundertzwanzig Quadratmeter. Das war mehr als er brauchte, aber er fühlte sich wohl und die Lage war fantastisch. 
Seitdem es Jack gelungen war, ihn irgendwie davon zu überzeugen, diesen fremden Mann aufzunehmen, versuchte sich Lars immer wieder einzureden, dass das alles überhaupt kein Problem sei. Es gab so viel Platz, dass sie sich vermutlich nicht einmal über den Weg laufen würden. Obendrein war es doch nur eine Übergangslösung. Auch wenn Jack sich nicht genau dazu geäußert hatte wie lange der Gast bleiben sollte, so würde es doch mit Sicherheit keine Ewigkeit dauern. Zumindest versuchte Lars sich das einzureden, während er gleichzeitig darüber sinnierte, wie er überhaupt in diese Situation gelangen konnte.
Natürlich wollte er helfen. Noch mehr, als er all die Geschichten gehört hatte, die Jack ihm an diesem Abend in der Kneipe erzählt hatte. Lars kannte seinen Freund gut genug, um zu wissen, dass er nicht ohne Grund so redselig war. Er wollte ihn weichkochen, denn so eine schroffe Ablehnung war nichts, was Jack kommentarlos hinnahm. Wenn Jack sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab er nicht so schnell auf. Noch bevor das erste Bierglas leer war, wusste er, dass er keine Chance haben würde. Er hätte sofort gehen, sein Smartphone abstellen, den Festnetzanschluss herausziehen und die Klingel abstellen müssen, um sich vor Jacks Offensive in Sicherheit zu bringen. Nichts von dem hatte er getan und nun … gab es keine Zurück. 
Jeden Moment würde die Klingel läuten und ein für ihn vollkommen fremder Mann würde einziehen. In seiner Panik hatte er sich nicht einmal den Namen gemerkt. Alles was er wusste, war, dass er einen schwulen Flüchtling aufnehmen würde. Sollte das wirklich reichen, um einigermaßen gut miteinander leben zu können? Miteinander? Lars hatte Regeln … Wenn der andere Mann nicht in der Lage sein sollte, sich daran zu halten, dann würde er ihn wieder vor die Tür setzen. Egal, wie kalt es draußen auch sein mochte oder wie fremd oder wie schwulenfeindlich so eine Unterkunft auch war. Er brauchte seine Ruhe und … Miky schlich um seine Beine und mauzte. Lars ging in die Hocke und streichelte das seidige Fell. Sofort spürte er, wie sich die Anspannung ein wenig löste.
„Du musst gut aufpassen“, sagte er leise und stupste den Kater sanft gegen die Nase. „Hörst du? Wenn ich nicht da bin, musst du aufpassen, dass hier alles so bleibt, wie wir es gewohnt sind.“ Die Antwort seine Haustieres war nicht so eindeutig, wie er es sich gewünscht hätte. Vielleicht mochte der Syrer auch gar keine Katzen oder er war allergisch … Dann konnte Jack ihn gleich wieder mitnehmen. Eine Notlösung für Miky kam auf gar keinen Fall in Betracht.
Erneut begann Lars in der Wohnung umherzulaufen. Er öffnete die Tür zu dem Raum, den er für seinen ungewollten Mitbewohner freigemacht hatte. Es sah nicht besonders wohnlich darin aus. Bisher war es eine Abstellkammer, in der all die Dinge landeten, die Lars nicht wegwerfen wollte, für die er aber auch keine Verwendung hatte. Über die Jahre hatte sich einiges zusammengefunden, das er nun in aller Eile aussortiert hatte. Lediglich der Schrank mit den Dekorationsartikeln war noch da. Zum einen bekam er ihn gar nicht allein von der Stelle und zum anderen fand Lars, dass er im Augenblick sicherlich nicht weiter stören würde. 
Jetzt war das Zimmer dank einer anstrengenden Aufräumaktion bewohnbar. Ein kleiner Tisch und ein Stuhl, dazu eine breite aufblasbare Matratze mitsamt Bettzeug. Er hatte noch eine dicke Wolldecke darauf gelegt, damit sein Gast nicht fror, aber auch in der Hoffnung, dass Miky seine Krallen nicht im Luftbett versenken würde.
Im Schrank war noch genügend Platz für Klamotten. Für mehr Gemütlichkeit reichte es nicht. Immerhin hatte sich Lars Mühe gegeben, das Kopfkissen einigermaßen hübsch zu drapieren und auch die Decke ordentlich zusammenzulegen. Je nachdem welchen Eindruck er von seinem Gast haben, aber auch inwieweit sich der andere Mann hier wohl fühlen würde, könnten sie gemein das Zimmer entsprechend herrichten und natürlich auch ein Bett kaufen.
Er betrachtete den Raum und erneut kroch ein Gefühl von Panik in ihm hoch. Ein unangenehmes Kribbeln kroch seine Wirbelsäule entlang, zog durch seinen Kopf und manifestierte sich mit einem heftigen Pochen hinter den Schläfen. Lars lehnte sich gegen den Türrahmen und schloss die Augen. Mehr als einmal wünschte er sich in den letzten drei Tagen seine Uroma herbei. Ihre Geschichte hatten ihn als Kind immer beruhigt, hatten ihm Mut und Trost gespendet. Vermutlich würde sie die Situation mit den Flüchtlingen mit ganz anderen Augen sehen. 
Er erinnerte sich daran, wie sie ihm davon erzählte, dass die Menschen nicht gerade begeistert waren, als der große Flüchtlingsstrom ankam. Niemand wollte sie aufnehmen, schon gar nicht die ohnehin viel zu knappen Lebensmittel teilen. Sie froren, waren hungrig und müde. Es gab keinen Platz und nicht einmal Zeit, um dem verstorbenen Kind nachzutrauern. 
Lars sah den leeren Blick seiner Uroma deutlich vor sich, wenn sie davon erzählte. Irgendwo unterwegs …. unter einem Baum hatte sie ein kleines Loch gegraben. Der Junge war erst ein Jahr alt, aber die Erde war hart, denn es ging auf den Winter zu. Sie hatte aus Zweigen ein kleines Kreuz gebastelt und dann musste sie weiterziehen. Sie hatte es in ihrem ganzen Leben nicht geschafft, diese Stelle noch einmal aufzusuchen. Er konnte sich gar nicht vorstellen, was das für eine Mutter bedeuten musste. Eigentlich konnte er sich überhaupt nichts davon vorstellen.
Es waren Geschichten … spannende und gruselige Geschichten und nun würde ein Teil davon irgendwie wahr werden. Lars konnte sich nicht erklären, weshalb er diese Verbundenheit empfand, aber es war, als würde seine Uroma Lydia tatsächlich dabei sein, als er die Tür nach dem Klingeln öffnete.
Er wippte aufgeregt mit den Beinen, bis die beiden Männer die Treppe hochkamen. Nur einen davon kannte er, aber der würde gleich wieder gehen.
„Da sind wir“, sagte Jack grinsend und zog Lars in eine kurze Umarmung. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Seine Kehle war eng und der Mund staubtrocken, als wenn er schon seit einer Ewigkeit nichts mehr getrunken hätte. Der zweite Mann blieb im Hintergrund die Haltung zeigte deutlich, dass ihm die Situation ebenso wenig behagte. Nur Jack schien wie immer zu sein, ging an ihm vorbei und blieb erwartungsvoll im Flur stehen.
„Kommt rein.“ Jack begann zu lachen, weil das vermutlich die Worte waren, die Lars hätte sagen sollen. Er konnte jedoch nicht. Sein Mund öffnete sich, aber nur, um besser Luft holen zu können. Das Gehirn war vollkommen leer. Als Geste der Höflichkeit machte er mit den Armen eine  einladende Bewegung, die der andere Mann zögernd annahm. Lars wollte ihn nicht anstarren, aber er war neugierig auf seinen neuen Mitbewohner. Als dieser an ihm vorbei ging, trafen sich ihre Blicke und Lars Herz schien für einen winzigen Moment stehen zu bleiben. Tiefschwarze Augen sahen ihn mit einer Mischung aus Angst und Neugier an. Sie schienen ihn zu durchdringen und sorgten für ein seltsames Gefühl, dass sich in Sekundenschnelle in seinem ganzen Körper ausbreitete. Sie lösten gleichzeitig den Blickkontakt, als Miky sich miauend bemerkbar machte. Der Kater kam näher. Jack beugte sich kurz nach unten und streichelte ihn, sein zukünftiger Mitbewohner wich jedoch ein Stück zurück. Sollte er etwa Angst vor Katzen haben? Dann hatten sie eindeutig ein Problem.
„Ich übernehme einfach mal den offiziellen Teil“, durchdrang Jacks Stimme den Raum und riss Lars aus seiner Starre.
„Das ist Enis.“ Lars wurde von Jack erwartungsvoll angesehen, aber er brachte nur ein Nicken zustande. Enis klang es in seinem Kopf nach. Der Name war schön.
„Dieser wenig gesprächige Mann heißt Lars und hier unten haben wir Miky.“
Sie standen sich gegenüber und keiner sagte ein Wort, einzig der Kater strich zwischen ihren Beinen entlang und mauzte.
Dabei hatte Lars sogar nach einer arabischen Begrüßung gegoogelt, sich die Worte wieder und wieder angehört, aber nun schien nichts mehr davon vorhanden zu sein.
„Gut, gut“, sagte Jack und klatschte in die Hände. „Ich sehe schon, ihr werdet euch ganz hervorragend verstehen.“
„Aber“, brach es aus Lars heraus und er guckte Jack panisch an.
„Enis versteht ziemlich gut deutsch. Ich denke, ihr beide kriegt das mit der Kommunikation schon irgendwie hin.
„Jack?“ Er war fest entschlossen seinen besten Freund auf gar keinen Fall einfach so gehen zu lassen. Was sollte er dem fremden Mann denn sagen? Wie sich verhalten? Plötzlich kam ihm das alles noch absurder vor und am liebsten hätte er Jack erklärt, dass er es sich doch anders überlegt hatte. Das konnte Lars jedoch nicht. Schon gar nicht vor dem Mann, dessen Blick er so deutlich auf sich spürte. Schon jetzt hatte er das Gefühl, dass diese Sache in einer einzigen Katastrophe enden würde. Das konnte einfach nicht funktionieren.
„Mach dir keine Sorgen“, sagte Jack und klopfte ihm auf die Schulter. „Ich bin mir sicher, dass ihr wunderbar miteinander auskommen werdet. Vielleicht können wir nächste Woche mal was zu dritt unternehmen.“
Das Blut rauschte laut in Lars Ohren und er hatte Mühe, nicht energisch den Kopf zu schütteln. Ein bisschen wunderte er sich über seine heftige Reaktion selbst. Natürlich machte es ihm Angst, so plötzlich mit einem wildfremden Menschen zusammenzuleben, aber er spürte deutlich, dass da noch etwas anderes war. Etwas, worüber er besser nicht nachdachte. Lars schloss die Augen und versuchte sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es gab keinen Grund für Panik. Er wollte helfen und das hier war seine Chance. Noch einmal erschien das Bild seiner Uroma vor seinen inneren Augen. Sie lächelte ihn an.
Trotzdem … als die Tür mit einem lauten Knall ins Schloss fiel, zuckte er erschrocken zusammen. Jack war weg und Enis stand in seinem Wohnzimmer. Lars atmete tief durch und ging die wenigen Schritte zurück. Er knetete nervös die Hände und suchte in seinem Kopf nach Worten. Noch nie hatte er eine Situation erlebt, die ihn dermaßen verunsicherte. Im Job war er immer beherrscht und bestmöglich vorbereitet. Er hatte kein Problem mit schwierigen Geschäftskunden und fand immer eine Lösung, die alle Seiten zufriedenstellte.
Auch privat kam er nur selten in eine Lage, die ihm nicht behagte. Das hier war neu und erschreckend … vermutlich für beide Seiten.
Allerdings machte das Schweigen die Situation auch nicht besser. Ganz im Gegenteil, er konnte regelrecht spüren, wie Enis immer nervöser wurde. Er hielt den großen Rucksack fest umschlungen und sah aus, als würde er jeden Moment aus der Wohnung flüchten. Offensichtlich sorgte Miky auch nicht dafür, dass er sich besser fühlte.
„Also gut“, sagte Lars mit seltsam krächzender Stimme. Er räusperte sich, fuhr sich durch die Haare und schenkte seinem Gegenüber ein breites Lächeln. „Willkommen in meiner Wohnung.“
„Danke“, flüsterte Enis, bewegte sich jedoch keinen Milimeter von der Stelle. Lars konnte die Anspannung deutlich sehen. Das ließ ihn seltsamerweise ruhiger werden.
„Ich hoffe, du hast kein Problem mit Katzen.“
„Nein.“
„Nein?“
Als wenn Enis es beweisen wollte, ließ er den Rucksack los und hockte sich vor Miky. Lars wusste, dass sein schmusiger Mitbewohner unglaublich neugierig war. Deshalb verwunderte es ihn nicht, dass Miky sofort näher kam, kurz an der Hand schnüffelte, die Enis ihm entgegenstreckte und dann seinen Kopf dagegen drückte. Enis sah nach oben und strahlte ihn regelrecht an. Es war, als würde dieses Lächeln seine Nervenenden entzünden, die augenblicklich ein aufregendesn Prickeln durch seinen ganzen Körper schickten.
„Dann zeige ich dir zuerst dein Zimmer. Da kannst du deine Sachen abstellen und dann gucken wir uns den Rest der Wohnung an.“
„Okay, danke.“
Lars drehte sich um und hoffte, dass Enis ihm folgen würde. Seine Beine zitterten ein wenig und noch immer pumpte das Blut in einem Höllentempo durch seinen Körper.
Viel zu heftig stieß er die Tür auf und blieb mitten im Raum stehen.
„Tut mir leid. Es sieht noch nicht besonders gut aus, aber ich dachte, du willst es vielleicht allein einrichten. Wir können nächste Woche ja mal in ein Möbelhaus fahren und ein Bett kaufen. Eine Stehlampe wäre vielleicht auch nicht schlecht. Und Bilder... du kannst natürlich auch Bilder an die Wände hängen. Wenn dir die Farbe nicht gefällt, das kannst du natürlich auch ändern. Ich bin nicht gut beim Renovieren, aber ich kann dir sicherlich helfen. Du musst nur was sagen …“ Lars verstummte, als er bemerkte, dass der junge Mann ihn mit offenem Mund anstarrte. Einmal abgesehen davon, dass er unfassbar bezaubernd aussah, schien er in erster Linie vollkommen verwirrt zu sein.
„Hast du irgendwas von dem verstanden, was ich gesagt haben?“, erkundigte sich Lars und spürte, wie ein Lachen in seinem Hals zu kitzeln begann.
„Nein“, erwiderte Enis grinsend. Er stellte den Rucksack auf den Boden und sah sich um. „Das mein Zimmer?“, fragte er und klang staunend.
„Ja, genau. Ich weiß, es ist nicht besonders toll, aber es ist ja auch nur zum Schlafen. Du kannst dich natürlich überall in der Wohnung aufhalten.“
„Mein Bett?“, war die Antwort und Lars erkannte, dass er ihn wohl auch diesmal nicht verstanden hatte.
„Ja. Es ist nur eine Luftmatratze. Wir können ein richtiges Bett kaufen.“
Enis setzte sich darauf, hüpfte ein paar Mal auf und ab und grinste ihn breit an. „Weich“, sagte er und fuhr mit einer Hand über die Bettdecke. „Schon lange nicht mehr weich geschlafen.“
„Ist das gut?“, fragte Lars verunsichert.
„Ja“, erwiderte Enis und zog die beiden Buchstaben genießerisch in die Länge. „Sehr gut.“
Erleichtert ließ Lars die Luft aus den Lungen. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass er für einen Moment aufgehört hatte, zu atmen.
Miky ließ sich die Wohnungsbesichtigung natürlich auch nicht entgegen und hüpfte neben Enis auf das Bett. Lars wollte ihn verscheuchen, aber Enis schien es nicht zu stören. Er begann das Tier gedankenverloren zu streicheln. Es schien, als würden beide gleich anfangen zu schnurren.
„Das alles für mich? So viel Platz...“
Eigentlich war das Zimmer winzig. Vor allem im Vergleich zum Rest der Wohnung. Lars hatte sogar ein schlechtes Gewissen, weil er doch seinen Gast nicht in die Abstellkammer verfrachten wollte. Allerdings hatte er keine bessere Alternative gefunden. Das Sofa kam nicht infrage, denn ein bisschen Privatsphäre wollte er dem anderen Mann natürlich gönnen.
„Ist ja eher klein“, sagte er deshalb unbehaglich. Immerhin sorgte das große Fenster dafür, dass genügend Tageslicht den Raum erhellte.
„Wunderbar“, erwiderte Enis und schenkte ihm ein breites Lächeln. In seinem Bauch begann es zu kribbeln. Das war gar nicht gut. Verdammt … das war überhaupt gar nicht gut.
„Willst du auch den Rest der Wohnung sehen?“ Lars unterstrich seine Worte mit den Armen und deutete nach draußen. Enis sprang auf und nickte. Sie standen viel zu dicht beieinander. Er nahm den Duft des anderen wahr und wandte sich schnell ab.
Lars ging von Zimmer zu Zimmer. Enis folgte ihm schweigend und auch Miky schloss sich der Besichtigungstour an.
Es war so still, dass er das Gefühl hatte, reden zu müssen. Viel zu schnell, viel zu viel … eine Menge unnützes Zeug. Er quatschte und Enis lächelte. Vermutlich verstand der schöne fremde Mann so gut wie gar nichts. Trotzdem konnte er nicht aufhören. Die Worte sprudelten regelrecht aus seinem Mund. Am liebsten hätte er sich die Hand davor gehalten.
Am Ende landeten sie in der Küche. Er ging zum Kühlschrank und öffnete ihn. Miky machte sich sofort bemerkbar und legte eine Pfote gegen seine Wade.
„Fühl dich bitte wie zu Hause. Du musst nicht fragen, wenn du Hunger oder Durst hast. Nur den Kater nicht zwischendurch füttern. Er bekommt genug zu fressen.“ Diesmal sprach er langsam und deutlich. Er beobachtete Enis dabei genau, der nun näher kam und den Inhalt begutachtete.
„Ich kann essen?“, fragte er und klang erstaunt.
„Natürlich. Da ich nicht weiß, was du magst, können wir später zusammen in den Supermarkt gehen.“
„Essen kaufen?
„Genau.“
Enis rieb sich über den Bauch. Er war unglaublich dünn und in Lars wuchs sofort das Bedürfnis ihn mit allerlei köstlichem Lebensmitteln aufzupäppeln.
„Das gilt nicht nur für das Essen“, sagte er und drehte sich erneut zu seinem Gast. „Du kannst dich hier frei bewegen und musst nicht die ganze Zeit in deinem Zimmer bleiben. Schau fern, benutze die Spielkonsole, den Laptop … Du wohnst jetzt hier.“
Eine Weile sahen sich sich schweigend an, bis Enis bedächtig nickte.
„Ach ja, hier ist auch ein Schlüssel für die Wohnungstür. Bitte immer abschließen, wenn du rausgehst.“
Lars überlegte, ob er noch etwas Wichtiges vergessen hatte. Leider hatte sich das Chaos in seinem Kopf noch immer nicht gelegt. Ganz im Gegenteil, mit jedem Blick von Enis wurde er nervöser und noch immer begriff er nicht, weshalb er so seltsam reagierte. Offensichtlich ging keine Gefahr von dem anderen Mann aus. Er war mindestens zehn Zentimeter kleiner und sah auch nicht besonders kräftig aus. Natürlich könnte er irgendwelche Nahkampftricks drauf haben, aber auf der anderen Seite war er vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet.
„Hast du Hunger?“, fragte er schließlich, denn die Stille konnte er nicht länger ertragen.
„Ein wenig?“
„Ein wenig. Gut, dann … gibt es hier irgendetwas, was du essen willstt?“
Ohne nachzugucken und ein bisschen atemlos rief Enis „Bratwürstchen“
„Was?“, erkundigte sich Lars und sah ihn erstaunt an. „Bratwürstchen, aber … also … ich meine, gibt es da nicht so eine Regel wegen des Fleisches und so?“ Tatsächlich hatte Lars noch ein Paket Würstchen im Tiefkühlschrank. Sie waren eigentlich für eine Grillparty im Sommer bestimmt gewesen, aber dann hatten seine Freunde so viel Essen mitgebracht, dass sie am Ende übrig blieben. Er könnte sie problemlos auftauen und auf den elektrischen Grill legen, denn so schmeckten sie besser, als in der Pfanne, aber …
„Es gibt auch Regel, die besagt, dass ich kopfüber von Dach gestürzt werde …“, unterbrach Enis seine Gedanken. Erschrocken sah er ihn an und schluckte schwer.
„Bescheuerte Regeln“, knurrte Lars schließlich. „Dann lass uns mal Würstchen grillen.“





Kommentare:

  1. Guten Morgen Karo,
    ich hoffe ihr hattet einen fleißigen Nikolaus^^

    Ich mag deine Geschichte wirklich sehr und freue mich über jedes neue Kapitel.
    Dass Lars so nervös war, kann ich gut verstehen. Man nimmt schließlich nicht jeden Tag einen fremden Menschen bei sich auf. Auch Enis ist aufgeregt und noch sehr zurückhaltend.
    Ich bin sicher, dass die beiden gut miteinander auskommen werden.

    LG Piccolo

    PS: Sollte es nicht schon längst die Fortsetzung zu "positiv verliebt" geben? Sorry, falls ich mal wieder viel zu ungeduldig bin.

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    1. Immer wieder verschiebe ich sie, weil ich meiner eigenen Courage nicht traue *seufz*, aber irgendwann Anfang des nächsten Jahres wird es diese Geschichte endlich geben

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    2. Ich würde mich darüber sehr freuen. Nach "positiv verliebt" bin ich gerade auf dieses Buch besonders neugierig und gespannt. Bestimmt werden viele davon begeistert sein.

      LG Piccolo

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  2. Huhu!

    ....*hach und seufz*......

    Schön war's.♥♥♥
    Bin ganz begeistert.:)))
    Und ich bin ganz sicher, das die beiden
    das hinbekommen.

    Freu' mich schon aufs nächste Kapitel.
    Bin schon ganz gespannt.

    Daaaaaanke!!!♥♥♥

    Liebe Grüße an dich.....
    Lizzie 1890 *wink*

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  3. Wieder mal viel zu kurz der Einblick bei Lars und Enis und noch viel zu lang bis zum nächsten Törchen das sich bei Dir öffnet.
    Aber soooo schön!
    LG
    Birgit

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  4. Seufz....viel zu Kurz ...lächel.
    Aber gut geschrieben.
    Bin auf den nächsten einBlick gespannt.

    Bei Fb Kassy Kalle

    LG
    Angela

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  5. Toll, was ihr euch alle für Mühe macht. Schon mal ein Danke vorab. Bin gespannt, was noch so alles kommt.

    LG verity

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  6. Huhu liebe Karo schön das Jack so hartnäckig ist Ich freue mich schon auf die Fortsetzung ... schönen Tag und liebe Grüße Kerstin

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  7. Huhu liebe Karo schön das Jack so hartnäckig ist Ich freue mich schon auf die Fortsetzung ... schönen Tag und liebe Grüße Kerstin

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  8. moin karo :) unser nikolaus hat uns Samstag mit handgemachter sckokilade aus dem hause rheder pralinen verwöhnt :) ich finde deine geschichte toll und bin begierig auf den rest *nick*

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  9. Ich finde Eure Idee ja echt super. :)
    Ich möchte mich mal herzlich für eure Mühe bedanken. :*
    LG Jennyfer

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  10. Das neue Kapitel ist ja mal wieder Klasse! Darf ich hoffen das du die Kurzgeschichte auf FF.de hoch laden wirst? Das wäre Klasse!

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  11. Guten Morgen
    Jetzt bin ich ja mal gespannt wie sich das weiter entwickelt.

    LG Vera 😘

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  12. Hallo Karo,
    ein wundervolles und aufregendes Kapitel. Bin gespannt wie es weiter geht. Wie viele Teile hat deine Geschichte eigentlich?
    GLG Manuela F.

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  13. Hey Karo,

    Hohoho....vielen Dank für alles :D

    LG Bea

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  14. Sehr schönes Kapitel! Ich dachte mir schon, das Jack ihn einfach so lange zuquasselt, bis er ja sagt 😀 Und das beide nervös sind, ist ja sowas von klar! Enis finde ich echt süß in seiner Begeisterung, für ihn ist es sicher erstmal wie im Paradies 😊 Ich bin mir auch sicher, dass die zwei sich prima verstehen werden... Sowohl von der Sprache her als auch zwischenmenschlich.


    PS: Ich hab da was läuten hören mit einer Fortsetzung von positiv verliebt... Trau dich! 😄 Ich warte schon soooo lange darauf... Positiv verliebt war mein erstes Buch von dir

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  15. Vielen Dank für das tolle Türchen - das versüßt mir die Mittagspause. Und jetzt warte ich auf den nächsten Teil.
    LG Sonja

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  16. Bis jetzt gefällt mir deine Geschichte sehr gut.
    Viel liebe Grüße
    Lesekatze74

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  17. So süß. Binschon sehr gespanntz, wie es weiter geht.
    Finds gut, wie du in der Weihnachtsstory politische Akutualität bemischst. :D

    LG Anja

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  18. Freu mich auf die Fortsetzung

    Grüße Kathi

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  19. Danke für den tollen Adventskalender. Ich finde es klasse, dass du über so ein aktuelles Thema schreibst und freue mich auf die Fortsetzung. LG Sabine

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  20. Na, wie das wohl endet!? ;)

    Alles Liebe
    Christina

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  21. Hallo Karo,

    vielen Dank für diesen tollen Adventskalender. Er versüßt mir den Nachmittag.
    Bin gespannt, wie es weitergeht.

    LG
    Beate

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  22. Hallo Karo :),

    danke für das heutige Türchen. Die Geschichte gefällt mir immer besser, Enis scheint ja echt ein ganz lieber zu sein...

    Liebe Grüße,
    Pummeluff

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  23. Hallo Karo,

    die Geschichte wird immer besser. Danke dir.
    Ich freue mich schon darauf wenn es weitergeht.
    Liebe Grüße Anja

    P.S. auf bookrix bin ich als spacie und bei facebook als Anja Brandt unterwegs

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  24. Ja, lass uns mal die Würstchen auflegen :)

    Ich bin gespannt, wie sich Enis einlebt.

    LG Brigitte

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  25. Ich komme heute leider nicht zum lesen, würde aber dennoch gerne in den Lostopf hüpfen. Danke für euren tollen Kalender.
    Mintha

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  26. Oh die Geschichte ist so hach ... ;) einfach Herzberührend. Ich freu mich schon auf den nächsten Teil :D
    lg Zawckl

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  27. Ich freue mich auch schon auf den nächsten Teil. Und in den Weihnachtsmannsack würde ich auch gerne mit hinein.

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  28. Hallo karo. Enis, den Namen muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Schmeckt für mich wie sahneeis mit schokosoße...also echt lecker. Warte schon auf den Nachschlag :-)

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  29. Hallo karo. Enis, den Namen muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Schmeckt für mich wie sahneeis mit schokosoße...also echt lecker. Warte schon auf den Nachschlag :-)

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  30. Ich freue mich das er sich überwunden hat bzw. sich überreden hat lassen.
    Beide sind nervös...
    Toll geschrieben.♡
    Bin gespannt wie es weitergeht. ..
    LG Bia

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