Samstag, 19. Dezember 2015

Adventskalender 2015

Und wieder öffnet sich ein Türchen bei mir.
Es ist das vorletzte auf meinem blog. Weihnachten steht ja nun schon direkt vor der Tür. Habt ihr schon alle Geschenke zusammen? Seid ihr in Weihnachtstimmung? Ich bin irgendwie noch unentschlossen und nicht so richtig in Stimmung..
Es gibt noch so viel zu tun und einige Dinge davon würde ich wirklich gern in diesem Jahr fertigbekommen. Dazu gehört auch eine alte Geschichte, die es endlich zwischen zwei Buchdeckel schaffen wird. Januar 2016 ist es soweit, die letzten Seiten müssen noch bearbeitet werden, das Cover hat ebenfalls schon schöne Züge angenommen.
Ich bin beinahe aufgeregter, als zur Bescherung am 24.12.
Aber heute geht es ja um eine andere Geschichte. Das vorletzte Kapitel meines kleinen Weihnachtsmärchens. Ich habe zeitversetzt auch auf bookrix begonnen, die Geschichte hochzuladen. Caro Sodar hat mir dazu ein schönes Cover gezaubert, dass ich euch hier auch nicht vorenthalten möchte.

Einen kleinen weihnachtlichen Gewinn habe ich auch wieder. 
Wie immer landet jeder, der einen Kommentar hinterlässt und seinen Namen 
(Nick/ Pseudonym ...egal, solange nicht einfach nur anonym dasteht) 
bis Mitternacht hinterlässt, im Lostopf.
das Set besteht aus: Print, Signierkarte, Magnetkalender und Stickern

Morgen geht es bei Mia Grieg weiter.

Und nun wünsche ich euch viel Vergnügen mit dem neuen, ebenfalls unkorrigierten Kapitel:



 

4. Der Weg in die Freiheit

Der Wecker riss Lars aus einem tiefen Schlaf. Grummelnd drehte er sich, suchte mit einer Hand nach der Schlummertaste und drehte sich wieder zurück. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, dass er sich nicht allein im Bett befand. Einen weiteren, um zu erkennen, dass er seinen Kopf auf Enis Brust gebettet hatte. Er hörte dessen Herz schlagen. Eine erstaunliche Ruhe erfasste ihn, sorgte dafür, dass er seine Nase gegen die warme Haut presste und den Duft tief einsog. Sein Unterleib begann sich zu regen. Vorsichtig rutschte er ein wenig weg, damit Enis es nicht bemerkte. Er wollte den Mann an seiner Seite weder wecken noch in die Flucht schlagen. Die Bilder des gestrigen Abends ploppten in seinem Kopf auf. Noch immer konnte er es kaum glauben, dass Enis einfach so zu ihm ins Bett gekrabbelt war. Beinahe schien es selbstverständlich zu sein und das war es auch, was Lars am meisten verwunderte. Neben der Erregung, die die Nähe hervorrief, fühlte er sich in erster Linie geborgen und irgendwie angekommen. Dabei war es doch Enis, der so viele Kilometer zurückgelegt hatte. Ob er ähnlich empfand? 

Vermutlich sollte er seinem Kater dankbar dafür sein, dass er die Situation auf diese Weise gelöst hat. Lars schmunzelte in sich hinein, spitzte die Lippen und drückte einen vorsichtigen Kuss auf die Brust. Ein paar Haare kitzelten seine Nase und er wünschte sich, es wäre heller im Raum, damit er den schlafenden Mann ausführlich betrachten konnte. Leider war es noch viel zu früh. Mehr als Konturen und Schattierungen konnte er nicht wahrnehmen. Seufzend lauschte er dem Herzschlag und fragte sich, wie es zwischen ihnen weitergehen würde. Gab es überhaupt etwas zwischen den beiden Männern? Erneut fragte er sich, ob dieses unbestimmte Gefühl, das er seit Enis Ankunft hatte und das sich immer mehr und deutlicher in seinem Körper ausbreitete, auf Gegenseitigkeit beruhte. Was, wenn er sich das alles nur einbildete? Ein Weihnachtsmärchen … ein seltsamer Traum... Lars fühlte sich plötzlich irgendwo zwischen seiner Kindheit und dem realen Leben gefangen. Sein Brust wurde ganz eng und die Luft schien ihm auszugehen. 

Es war das gleiche Gefühl wie damals, als das Weihnachtsfest zum ersten Mal ausfiel. Plötzlich hatte sich alles verändert, am meisten er sich selbst. Das einzige Ziel war es, cool zu sein, alles nervte ihn, jede Bemerkung seiner Eltern oder Verwandten kam einem Angriff auf seine Nerven gleich. Es fiel ihm schwer nicht sofort zu explodieren oder bissige Kommentare von sich zu geben. Deshalb verkroch er sich und hoffte darauf, dass diese innere Unruhe von allein verschwinden würde. Immerhin wurde doch stets mit einem furchtbar süffisanten Grinsen behauptet, dass das alles nur eine Folge der Pubertät sei... vollkommen normal und bald wieder vorbei. Also fand er sich damit ab, grummelnd durch die Gegend zu laufen, an seiner Coolness zu feilen und gleichzeitig zu erkennen, dass die Wünsche und Träume seiner Freunde und Mitschüler nicht ganz zu denen passten, wonach er sich sehnte. 
Die ersten Fantasien mit Jungs erschreckten ihn und sorgten dafür, dass er die Welt noch mehr verabscheute. Das alles geschah zu einer Zeit, die mit seinem Bemühen nicht mehr als Kind angesehen zu werden, im krassen Widerspruch stand.
Es war Weihnachten und Lars konnte sich an dieses besondere Jahr wirklich gut erinnern. Alles hatte sich verändert und er hasste es, ohne es zugeben zu können. Er wollte genau das Weihnachtsfest, das ein fester Bestandteil seines ganzen bisherigen Lebens war … und er bekam eine nichtssagende und abgespeckte Version davon. Die alten Lieder wurden nicht gesungen, das große Fest fehlte … der Baum war zu mickrig, um ihn überhaupt als Weihnachtsbaum zu bezeichnen und die besonderen und so verdammt leckeren Speisen wurden gegen Kartoffelsalat und Würstchen ausgetauscht. 
Er saß mit seinen Eltern allein am Tisch und die Musik aus den Lautsprechern der Steroanlage ging ihm auf die Nerven. 
Erst Jahre später begriff er die Veränderung … erkannte wie schnell der Tod tiefe Löcher in ein Familiengefüge reißen konnte. Alles zerbrach und auch ein Teil in Lars schien für immer kaputt zu sein.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er begriff, dass er für sich selbst einstehen musste. Das spätere Outing war ein erster Schritt, wenn auch mit einer Konsequenz mit der er nicht gerechnet hatte. In Hinsicht auf die Weihnachtszeit hatte er damit wohl eine Art Tiefpunkt erreicht. In dem Jahr, als er seinen Eltern davon erzählte, dass er schwul war, saß er am Heiligabend zum ersten Mal ganz allein in seiner winzigen Wohnung. Es gab keinen Baum, keine Musik und der Freund, für den er sein Leben weggeworfen hatte, fickte vermutlich irgendwo einen anderen Kerl. 

Ein Schauer lief ihm über den Rücken und er presste sich instinktiv näher an den Mann, der eine unbändige Wärme ausstrahlte. In diesem Moment wünschte sich Lars, dass es immer so bleiben könnte... einfach nur liegen und sich festhalten. Er wünschte sich, dass es echt wäre und gleichzeitig schalt er sich einen Narren. Weshalb sollte es ausgerechnet mit Enis funktionieren?. Sie hatten nichts gemein, schlimmer noch, er kam aus einer Kultur, die Lars nicht verstand und in der seine Art zu leben von den meisten Bewohnern verdammt wurde. Und trotzdem lagen sie zusammen in diesem Bett. Gegen den Funken Hoffnung war er vollkommen machtlos.

„So sicher.“ Eine heisere Stimme schreckte Lars aus den Gedanken. Arme schlossen sich fest um seinen Körper. Er hob den Kopf an. Der beginnende Morgen half ihm dabei, das strahlende Lächeln, das Enis ihm schenkte, zu erkennen. Er erwiderte es und flüstere mit rauer Stimme einen Gruß. Am liebsten hätte er sich vorgebeugt und einen Kuss auf die verführerischen Lippen platziert, aber der Wecker zerstörte den Augenblick. Grummelnd drehte sich Lars um und stellte ihn diesmal aus. Er betrachtete die digitale Anzeige und verspürte keine Lust, aufzustehen. Im Grunde sprach doch nichts dagegen, ein bisschen später ins Büro zu fahren. Lediglich sein Pflichtbewusstsein stand ihm im Weg, aber das schwieg, sobald seinen Wange die wunderbar warme Haut berührte. 

„Du musst arbeiten“, sagte Enis und stupste ihm gegen den Arm.
„Nein“, erwiderte Lars und es erstaunte ihn selbst, wie leicht das Wort über seine Lippen ging. Er lächelte zufrieden vor sich hin.
„Wir bleiben im Bett?“, erkundigte sich Enis. Lars war sich sicher, dass die Stimme eine Spur tiefer klang. Auf seiner Haut begann es angenehm zu prickeln. Er hatte keine Ahnung, wohin dieser Morgen sie beide führen würde, aber er war bereit alles anzunehmen, was Enis ihm geben würde.
Er schloss die Augen und erneut umfing ihn dieses wunderbare Gefühl von Ruhe und … und Zusammengehörigkeit.
„4200 Kilometer.“ Enis sprach so leise, das Lars sich nicht sicher war, ob er die Worte richtig verstanden hatte.
„Was?“, fragte deshalb leise nach.
„Ich habe mehr als 4200 Kilometer zurückgelegt, um ...“ Mit erstaunlicher Kraft rollte sich Enis über ihn und drückte Lars die Luft aus den Lungen. Leise ächzend sah er das entschlossene Gesicht eines Mannes, der ihm fremd und gleichzeitig vertraut war und wurde von zwei tiefschwarzen Augen gefangen genommen. Noch immer stand ihnen nicht mehr als ein Hauch Licht zur Verfügung und trotzdem erschien es Lars, als würde er in diesem Moment mehr von sich preisgeben und gleichzeitig so viel mehr zurückbekommen, als jemals zuvor. 

„Einfach so.“ Enis Stimme zerstörte den Augenblick, aber die Lippen, die kurz danach seinen Mund berührten, sorgten dafür, dass Lars sich wie in einer großen Seifenblase fühlte. Es war kein wilder Kuss, kein gieriges Suchen, sondern so hauchzart, dass jedes Zusammentreffen wie kleine Stromstöße wirkte. Ihre Lippen schmusten regelrecht miteinander. Sie erkundeten und schmeckten sich so vorsichtig, als hätten sie beide Angst, dass es nur ein Traum sein könnte.
„Halt.“ Enis setzte sich abrupt auf und Lars Herz begann vor Panik wie verrückt zu pumpen. War dem anderen Mann in diesem Moment bewusst geworden, was er tat und …

Lars runzelte die Stirn, als er sah, wie sich Enis zur Seite beugte, die Lampe auf dem Nachttisch berührte und sie beide dazu brachte, leise stöhnend die Augen zu schließen. Er begann zu lachen. Lars konnte das Vibrieren in seinem Körper spüren und sah den sexy Mann auf seinem Schoß fragend an.
„Sogar, wenn es hell ist“, murmelte dieser und presste den Mund hart auf Lars´Lippen. Vollkommen überrumpelt ließ er es geschehen und stöhnte sehnsüchtig, als er eine zaghafte Zunge spürte, die die Konturen seines Mundes nachzog. Die erste feuchte Berührung entzündete ein Feuerwerk in ihm. Es war, als würden sich Hochgeschwindigkeitszüge auf sämtlichen Nervenbahnen befinden, die alle diese eine Information transportierten: Enis küsste ihn. Die Spannung würde tatsächlich für ein ganzes Hochhaus reichen. 
Bedächtig öffnete er seinen Mund und hieß die Zunge willkommen. Noch immer wusste er nicht, wie schnell er den anderen Mann überfordern würde und überließ ihm deshalb die Kontrolle. Enis seufzte und rieb sich an seinem Körper. Lars schlang die Arme um seinen Hals kraulte die weiche Haut im Nacken und genoss das sanfte Spiel ihrer Zungen.
Dann sprang Enis abrupt auf, lief zum bodentiefen Fenster, schob die Gardinen zur Seite und begann erneut zu lachen.
„Leute können mich so sehen... Jeder kann sehen.“
Für einen Moment begriff Lars nicht, aber dann stand er ebenfalls auf, legte von hinten die Hände auf den nackten Bauch des anderen Mannes und den Kopf auf dessen Schulter. Er spürte, wie Enis die Luft laut entließ.
„Sogar so … Jeder kann sehen.“
Sie schauten eine ganze Weile gemeinsam auf die erwachende Stadt. Dunkle Wolken standen am Himmel, aber sie sahen eher nach Regen als nach Schnee aus. Menschen liefen auf den Gehwegen, Autos erhellten die Straße und die roten Rücklichter spielten sich auf der feuchten Fahrbahn. Im Haus gegenüber brannten hinter einigen Fenstern ebenfalls Lichter. Sie erkannten die Schatten von Personen, die sich der morgendlichen Hektik hingaben, während sie eng umschlungen dastanden. Für Lars war es, als würde er sich einen Film ansehen, als wäre es nicht Teil dieser Welt, die er durch das Fenster beobachten konnte.
„Wenn wir es wollen, kann uns jeder sehen“, flüsterte er nach einer Weile in Enis Ohr und platzierte einen Kuss auf dessen Wange.
Enis drehte sich um, drängte ihn mit sanfter Gewalt zurück zum Bett. Sie fielen übereinander her und die Vorstellung, dass es irgendwo da draußen jemanden gab, der sie sah, schien beide gleichermaßen zu erregen.
Der nächste Kuss war keineswegs zögernd oder zurückhaltend. Enis plünderte regelrecht seinen Mund und sorgte dafür, dass sein Kopf binnen Sekunden vollkommen leer war. Er ließ sich fallen, gab sich dem erregenden Spiel von Zungen und Lippen hin und fragte sich, wieso der andere so verdammt gut küssen konnte.
„Ich habe es mir oft vorgestellt.“ Es war als würde Enis seine Gedanken lesen. Verwirrt sah er ihn an. „Ist es richtig? Gut?“
Lars nickte, strich eine dunkle Haarsträhne aus dem wunderschönen Gesicht und fuhr mit der Fingerspitze über Nase, Lippen und Kinn.
„Es ist verdammt gut“, nuschelte er, bevor er den Kopf ein Stück anhob und einen weiteren Kuss initiierte. 

„Lars“, sagte er nach einer Weile uns sah ihn atemlos an. „So weit gelaufen, so viel Angst und Panik und jetzt … weiß nicht weiter. Ich bin erschöpft und wir … Ist das echt? Für dich echt?“
Es dauerte eine Weile, ehe die Worte sein Gehirn erreichten, ehe ihm die Bedeutung bewusst wurde. Eine Weile, in der er spürte, wie der andere Mann sich auf ihm verspannte, vermutlich bereit war, jeden Moment die Verbindung zu unterbrechen und aus dem Zimmer zu verschwinden.
„Wie fühlt es sich denn für dich an?“, fragte er bedächtig und schämte sich dafür, nicht den Mut aufgebracht zu haben, den anderen in Gewissheit zu wiegen. „Nein, warte ...“, murmelte er deshalb und ein leises Seufzen entfloh seiner Kehle.„Es ist erstaunlich für mich und … und es kommt mir wie ein Weihnachtsmärchen vor. Ich habe Angst, darauf zu vertrauen und gleichzeitig ist es, als hätte ich mein Leben lang auf dich gewartet.“
Am liebsten hätte er ihm die Geschichte mit den Seelenverwandten erzählt, aber vermutlich würde Enis sie nicht verstehen und vielleicht überforderte ihn das hier bereits.

„Märchen haben Happy End.“ Der nachdenkliche Blick, mit dem ihn Enis ansah, brachte Lars zu lächeln. Er nickte, schnappte nach seinen Lippen und knabberte zärtlich daran.
Enis stöhnte und begann seinen Unterleib an ihm zu reiben. Es gab keinen Zweifel daran, dass sie beide unglaublich erregt waren und trotzdem hielt er inne, umschloss Enis Gesicht mit seinen Händen und betrachtete ihn eine ganze Weile.
„Willst du mir davon erzählen, wie es dir ergangen ist?“
Eine Augenblick schien Enis zu zögern, dann rutschte er seitlich neben Lars, legte den Kopf auf seine Schulter und eine Hand auf seinen Bauch.
Es schien, als suche er nach Worten, vielleicht auch nur nach dem richtigen Anfang. Er spürte, wie sich Enis verspannte und ärgerte sich darüber, dass er nun offensichtlich doch die besondere Stimmung zerstört hatte. 

„Es war zuerst nicht geplant. Ich liebe mein Zuhause, Mama und Papa, Arbeit. Alles gut, nur in mir dieses Gefühl. Und dann... dann habe ich gesehen...“ Enis stockte und presste sich dicht an ihn. „Gesehen, wie Mann von Hochhaus geworfen wurde. Ich habe Gerüchte gehört, aber nie geglaubt. Dann mit eigenen Augen gesehen und ich … Er war Freund.“
Lars keuchte entsetzt auf und konnte kaum begreifen, was Enis erzählte. Dieser hob den Kopf und ein trauriges Lächeln umspielte seinen Mund. „Nicht so ein Freund... aber ich … Ich bin losgerannt, weil ich sicher war, dass sie mich auch fangen. Ich hatte Angst vor Zukunft, Angst vor Terror und Krieg. Bin kein mutiger Mann.“ Seine Stimme klang brüchig und er senkte die Lider.
„Ich finde, du bist unglaublich stark. Immerhin hast du es hier her geschafft. Du bist in Sicherheit und ...“
„... liege mit Mann im Bett.“ Enis lachte leise, aber es klang nicht echt, sondern verzweifelt.
„Erzähl weiter“, bat Lars, drückte den Kopf zurück auf seine Schulter und massierte sanft den verspannten Nacken. 

All das, was Lars bisher im Fernsehen gesehen hatte, bekam mit Enis Worten eine ganz andere Bedeutung. Fühlten sich die Bilder von den Flüchtlingen in den winzigen Schlauchbooten immer wie ein unheimlicher Film an, nun konnte er die Angst so deutlich spüren, das sie ihm die Kehle zuschnürte.
Geschichten über Schlepperbanden, Busse, die in Lagern oder in Gefängnissen endeten, überfüllten Zügen, die im Nirgendwo hielten, die Ungewissheit und Ohnmacht … Sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen. Er zog Enis dichter an sich heran, wollte den liebgewonnen Mann beschützen und helfen, ein neues Leben aufzubauen. Vielleicht ein gemeinsames … Lars wünschte es sich in diesem Moment so sehr, dass er es am am liebsten laut herausgeschrien hätte. 

Als Enis mit seinem Bericht am Ende war, hüllte eine sonderbare Stille sie ein. Sie hielten sich, aber das schien nicht mehr zu reichen. Ganz von allein fanden sich ihre Münder. Lars spürte Enis´Gier und ließ sich davon anstecken.
Hände gingen auf Wanderschaft, erkundeten jedes Stück nackter Haut, bis sie ihr Ziel erreichten. Sie fanden einen schnellen Rhythmus. Hemmungslos laut stöhnte Enis, bog sich ihm entgegen und es schien, als würde die Lust regelrecht aus ihm herausbrechen. Lars dachte einen Moment an die Nachbarn und an die offenen Gardinen, aber all das trat in den Hintergrund, als er in Enis`Gesicht sah. Er hatte die Augen geöffnet und neben der Lust und Erregung, glaubte er auch Erstaunen darin zu sehen. Vielleicht auch die Erkenntnis, dass sie es tatsächlich taten, dass sie sich gegenseitig befriedigten, sich liebten...
Er fühlte die heiße Feuchtigkeit auf seinen Fingern und folgte Enis nur wenige Augenblicke später. Schwer atmend lehnten sie die Stirn aneinander.
„Bist du mein neues Zuhause?“ Die Frage war kaum verständlich, aber sie hallte in Lars´Kopf wider, erfüllte jede Zelle und sorgte für ein aufgeregtes Kribbeln in seinem Bauch.
„Ja“, antwortete er schlicht. Mehr war offensichtlich nicht nötig, denn Enis kuschelte sich an ihn, seufzte zufrieden und fing dann an leise zu glucksen.
„Machen das ganz oft.“
„Das und noch viel mehr“, murmelte Lars behaglich.
Er hätte für alle Ewigkeiten so liegen bleiben können, aber Miky hatte dafür kein Verständnis. Der Kater sprang plötzlich zu ihnen aufs Bett, mauzte empört und sah ihn mit seinen grünen Augen vorwurfsvoll an.
„Du hast ja recht“, sagte Lars grummelnd und streichelte über das weiche Fell.
„Hab auch Hunger.“ Enis löste sich aus der Umarmung und stieg aus dem Bett. Er betrachtete die verschmierte Hand und Lars konnte die Zweifel deutlich hinter der Stirn arbeiten sehen. Schnell sprang er ebenfalls auf, schnappte nach den Fingern und verschränkte sie mit seinen. Er küsste die geschwollenen Lippen und hörte erst auf, als ein leises Wimmern erklang.
„Erst duschen und dann essen.“
„Miky nicht einverstanden“, erwidere Enis und deutete grinsend auf den Kater.
„Okay, Kater füttern, duschen und dann essen.“
„Und deine Arbeit.“
„Ja, danach muss ich ins Büro.“

Sie sahen sich lächelnd an und versuchten sich an die Reihenfolge zu halten, aber als Lars an die Wohnungstür stand, hielt er inne. Er starrte die Klinke an, fühlte sich unfähig sie hinunterzudrücken und zog stattdessen sein Smartphone aus der Tasche. Ein paar Minuten später war alles geklärt. 
Er ging zurück, zog den erstaunt guckenden Enis vom Sofa und verschleppte ihn zurück ins Bett. Es gab noch so viel zu entdecken. 
Heute würden sie die Freiheit, schwul sein zu dürfen ausgiebig feiern.




Kommentare:

  1. moin :) *hachmach * so eine schöne kleine Geschichte. . danke karo

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  2. Bist du mein neues zu Hause? - Ja.

    Ja, so einfach kann es manchmal sein... Schön, das Lars heute mal auf die Arbeit pfeift 😊

    Sehr gut hat mir auch gefallen, wie Enis das Licht angemacht hat und ans Fenster ging ... Da hab ich richtig gemerkt, was es für Enis eigentlich bedeutet

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  3. Guten Morgen, schön zu lesen das die zwei sich näher kommen.

    LG Vera ��

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  4. Manchmal ist nicht Schweigen Gold, sondern reden... und Liebe :)

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  5. Guten Morgen,

    tolle Fortsetzung und der Satz "Bist du mein neues zu Hause", einfach nur wow.

    LG Sabine

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  6. Guten Morgen Karo!

    Das war wieder ein sehr schönes Kapitel. Lars und Enis haben zusammen das gefunden, was sie verloren glaubten. Ein Weihnachtsmärchen, dass ich ihnen von Herzen gönne.

    Ich würde mich riesig freuen, wenn du die Geschichte auch auf FF.de posten würdest. Da warst du schon lange nicht mehr.

    LG Piccolo

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  7. manchmal braucht es 4200 km um anzukommen und dann reicht ein Schritt um zu Hause zu sein

    LG Kerstin

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  8. ich kann mich meinen vorschreibern nur anschließen:

    die aussage: Bist du mein neues Zuhause! *seufz* einfach nur schön!

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  9. Hallo,
    eine wunderschöne Geschichte.
    Bist du mein neues Zuhause? Ja, Enis hat ein neues Zuhause gefunden, in dem er so sein kann, wie er ist, ohne Angst zu haben, dass er deshalb verfolgt und sogar umgebracht wird. Auch wenn es hier bei uns immer noch Menschen gibt, die das verurteilen, muss das für Enis wie ein Paradies sein, weil er keine lebenslange Lüge leben muss.

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  10. Mein Dank an dieser Stelle geht an Kater Miky ;-) Einfach schön, und kuschlig und überhaupt :-)
    LG Ani (FB und BX)

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  11. Ich finde diese Geschichte einfach wundervoll und hinter diesem Türchen steckte ein gewaltiger Schritt nach vorne, für beide, aber am entscheidensten wohl für Enis. Er erkennt nicht nur was er gefunden hat, sondern auch, dass er endlich sein darf wer er nun mal ist.
    Freue mich auf den nächsten Teil. LG Bianca Becker

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  12. Wunderschön geschrieben. ..das innehalten. ..bewußt werden...ja wir können. ..reden..
    Bin gespannt wie es weitergeht.
    LG Bia

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  13. Hach ja so schön.
    Bin schon gespannt wie es weitergeht.
    LG Lesekatze74

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  14. Hach ja so schön.
    Bin schon gespannt wie es weitergeht.
    LG Lesekatze74

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  15. Auch dieser Teil hat mir wieder gefallen! Danke Karo!

    Alles Liebe
    Christina

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  16. Super schön geschrieben. Auch ich schließe mich meinen Vorschreibern an. Der Satz: Bist du mein neues Zuhause? ist wunderschön.

    Liebe Grüße und morgen einen schönen vierten Advent

    SaSiVa

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  17. Eine so schöne Geschichte.Danke :-)
    LG Angelika Jany

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  18. Hach, wir kommen dem HE immer näher. So viele Gefühle <3
    LG Bri

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  19. *seelig seufz* "Bist du mein neues Zuhause? Ja!" Sowas Rührendes :)...
    Vielen Dank für dieses wundervolle Kapitel.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend und morgen einen tollen Adventssonntag ♥

    Liebe Grüße,
    Pummeluff

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  20. Wow wieder toll und gerne wieder mit dabei
    Schönes Wochenende und schönen 4. Advent.
    Liebe Grüße Ines Heindl-Beck

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