Dienstag, 1. Dezember 2015

Adventskalender 2015



Herzlich Willkommen zum diesjährigen
 blog- Adventskalender!
Ich freue mich riesig darüber, dass wir (Caro Sodar, France Carol, Mia Grieg, Sissi Kaipurgay und ich) es geschafft haben, 24 Türchen für euch zu befüllen.
Ihr findet auf unseren Seiten Geschichten und Geschenke, die euch hoffentlich die Vorweihnachtszeit verkürzen und Spaß machen.
Es läuft im Prinzig wie bei den blogübergreifenden Kalendern: Am Ende jedes Beitrages findet ihr den Link zum nächsten Tag.
Bei Geschichten, die aus mehreren Kapiteln bestehen, setzen wir noch einen Link zu den vorherigen Tagen, damit ihr noch mal nachlesen könnt, wenn ihr wollt.
Wir wünschen euch ganz viel Vergnügen und freuen uns natürlich über Kommentare.

Morgen geht es bei Caro Sodar weiter


Weihnachtsträume
Karo Stein
  1. Weihnachten in Familie

In der Kindheit war es das Größte für Lars, wenn sich zu den Weihnachtstagen die ganze Familie traf. Da waren seine Eltern, viele Onkel und Tanten, die Großeltern, eine Urgroßmutter mitsamt ihren zwei Schwestern. Obendrein noch zwei Cousins und drei Cousinen, mit denen er spielen konnte …
Bereits Ende November setzte die kribblige Vorfreude ein und sie verstärkte sich mit jeder Kerze, die auf dem Adventskranz angezündet wurde. Ein sonntägliches festliches Ritual mit selbstgebackenen Plätzchen und Stollen. 

Der Dezember kam Lars damals ewig vor, bis es endlich soweit war und alle Lichter leuchteten. Die Aufregung war kaum zu ertragen. Er war hibbelig und neugierig und auch ein bisschen ängstlich. Der Weihnachtsmann jagte ihm viele Jahre Respekt ein. Er hatte so eine tiefe und bedrohliche Stimme und schwang die Rute bei jedem Satz. Noch heute konnte Lars sich daran erinnern, wie er das gesamte Jahr Revue passieren ließ und über die Dinge nachdachte, die nicht gut gelaufen waren. Schlechte Noten in der Schule, Streit mit den Eltern, lesen im Bett obwohl er längst schlafen sollte. Es war wie ein Film, der erst endete, wenn er sein Gedicht vorgetragen und das Geschenk dafür erhalten hatte. Die Geschenke waren natürlich das Beste an Weihnachten. Das wunderschöne bunte Papier, die glitzernden Schleifen und die Aufkleber, auf denen mit geschwungenen Buchstaben die Namen der Kindes standen.

Weihnachten in Familie war so unglaublich groß und schön und prägend. Der riesige Baum, mit all den wundervollen Kugeln. Die bunten Kerzen und Wunderkerzen … Die Festtafel, das leckere Essen. Manchmal bildete Lars sich ein, den herrlichen Duft immer noch wahrnehmen zu können. Die Geräusche waren so deutlich, als wäre es nicht schon Ewigkeiten her, als das Fest zum letzten Mal auf diese Weise begangen wurde. Kaum zu glauben, dass es beinahe zwanzig Jahre waren. Die Zeit rast dahin, aber diese Kindheitserinnerungen blieben wohl für alle Zeit lebendig. 

An seine Urgroßmutter Lydia erinnerte er sich ganz besonders gern. Die alte Dame war immer besonders liebevoll, ein bisschen verschmitzt und lustig und vor allem sehr klug. Lars verbrachte viel Zeit mit ihr und noch heute gab es Momente in denen er sie besonders schmerzlich vermisste.
Dagegen waren ihre Schwestern eher unheimlich. Besonders Tante Elfriede war wohl das, was man eine alte Jungfer nannte. Dabei hatte sie einen Mann gehabt, der aber schon vor Lars Geburt gestorben war. Sie war sehr streng, lachte nur selten und achtete stattdessen immer auf Ordnung und Sauberkeit. Lars musste sich besonders gut benehmen und still auf dem alten Sofa sitzen. Das war damals das Schlimmste und furchtbar langweilig. Er wollte nicht herumsitzen, sondern spielen.
Sie hatte nicht einmal einen Fernseher. Zum Glück waren die Besuche bei Tante Elfriede selten. Mit der anderen Schwester seiner Uroma hatte er nur wenig Kontakt. Sie lebte einige Kilometer entfernt ein ziemlich zurückgezogenes Leben und kam nur zu Geburts- oder Feiertagen. Allerdings schien sie ausgesprochen vermögend zu sein, denn ihre Geldgeschenke waren immer sehr großzügig. 

Wenn sich die ganze Familie an den Weihnachtstagen zusammenfand, wurde natürlich auch gesungen. Besonders die drei alten Frauen kannten viele tolle und wundersame Weihnachtslieder. Bei manchen konnte er die Texte nicht verstehen, denn sie sangen schlesisch. Manche waren gruselig, von toten Müttern oder Kindern, die im Keller festgehalten wurden. Er vermutete, dass es in Wahrheit keine Weihnachtslieder waren, aber sie klangen so schön und verdammt traurig, dass er nicht genug davon bekommen konnte. Heute fragte er sich manchmal, ob er als Kind eine morbide Ader hatte, aber vermutlich war es eher die Tatsache, dass er sowohl die Lieder als auch die Geschichten kaum begriff.

Die alte Geschichten ... Geschehnisse kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges. Zu Fuß waren die drei Schwestern die vielen Kilometer nach Deutschland geflüchtet, den Feind im Rücken und die Angst im Nacken.
„Nur einen Handwagen hatten wir dabei“, sagte Uroma Lydia immer seufzend. „Darin lag deine Oma. Sie war noch so klein.“
Lars lauschte den Geschichten ohne sie wirklich zu begreifen. Für ihm klang es nach einem unglaublichen Abenteuer. Krieg, das war etwas was über seine Vorstellungskraft hinausging. Er hatte ein paar Spielzeugpanzer. Damit lieferte er sich mit seinem Freund Benno Gefechte im Sandkasten. Das war immer sehr lustig, aber es passte nicht zu dem, was seine Uroma erzählte. Besonders die Stelle, wenn sie davon berichtete, dass Omas Bruder die Flucht nicht überlebt hatte und an Hunger und Kälte gestorben war, machte ihn traurig. Uroma Lydia wischte sich dann immer Tränen aus den Augen und Tante Elfriede grummelte vor sich hin. Vor Hunger zu sterben war noch surrealer … vor allem in Anbetracht des vollen Tisches, an dem sie damals immer saßen. 

Es gab alles, was das Herz begehrte und es war so verdammt köstlich. Vor allem die süßen Nachspeisen und Naschereien. Als Kind war sich Lars nicht bewusst, wie viel Aufwand und Zeit die Frauen in der Familie damit zugebracht hatten, um das alles vorzubereiten. 

Die meisten alten Traditionen, gingen mit dem Tod drei Schwestern unter. Lars erinnerte sich an Mohnklöße, aber er hatte sie seit einer Ewigkeit nicht mehr gegessen. Je mehr von den „Alten“ verstarben, umso mehr zerbrach das gemeinsame Weihnachten. Die Jahre wurden stressiger, niemand wollte sich mehr die Zeit für dermaßen aufwendige Vorbereitungen nehmen. Die Kinder wurden größer, glaubten längst nicht mehr an den Weihnachtsmann. 

Der endgültige Bruch kam mit seinem Outing. Lars hatte lange gezögert, aber mit Anfang zwanzig war die Zeit für ihn gekommen, sich seinen Eltern und der Familie zu offenbaren. Damals war er zum ersten Mal richtig verliebt gewesen und hatte geglaubt, dass diese Liebe ewig halten würde. Die Ewigkeit endete nach zwei Jahren, aber die Funkstille zu seinen Eltern hielt bis heute. Jetzt war er dreiunddreißig und wie in jedem Jahr kurz vor Weihnachten spürte er den dunklen Schatten auf seinem Herzen. In seiner Vorstellung war es nicht schwierig auf die Eltern zuzugehen und sich mit ihnen auszusöhnen. Doch die bösen Worte und unaussprechlichen Vorhaltungen waren noch längst nicht aus seinem Gedächtnis gelöscht. Am Anfang konnte er sich ein Leben ohne seine Familie gar nicht vorstellen. Die Realität zeigte jedoch, dass es ging. Lars glaubte fest daran, dass er kein schlechtes Leben führte. Ein wenig einsam vielleicht, aber er hatte gute Freunde, einen festen Job, eine schicke Wohnung und eine Katze, die die fehlende Wärme ein wenig ausglich. 

Alles in allem ging es ihm gut.

Seine Eltern könnten doch ebenso einen Schritt auf ihn zugehen. Immerhin hatte er keinen Fehler gemacht, als er ihnen die Wahrheit über sich erzählte. Ganz im Gegenteil, war es nicht ein Beweis von Vertrauen und Liebe? Er wollte, dass sie an seinem Leben teilnahmen, aber sie hatten sich dagegen entschieden. 

Seufzend erhob er sich vom Sofa. Miky, der getigerte Kater streifte zwischen seine Beine und mauzte. Er bückte sich und streichelte das weiche Fell, bevor er noch einmal kurz ins Badezimmer verschwand.
In einer Stunde war er mit seinem Kumpel Jack verabredet. Sie wollten in ihre Lieblingskneipe, um ein paar Bier zu trinken und ein bisschen Dart zu spielen. 

Lars betrachtete sich im Spiegel. Die Gedanken an seine Kindheit sorgten immer für ein seltsam beklemmendes Gefühl in der Brust. Die Erinnerungen kamen in jedem Jahr zur Weihnachtszeit zurück. Manchmal kam es ihm so vor, als würde seine Fantasie ihm einen Streich spielen. Es konnte doch noch nicht so viele Jahre her sein, als Tante Elfriede verstarb. Er war vielleicht elf oder zwölf gewesen, als plötzlich alle weinten und eine seltsame Stille auf der Familie lastete. Lars begriff nicht, aber da er Tante Elfride noch nie leiden konnte, empfand er sogar eine gewisse Erleichterung. Es dauerte lange, bis er begriff, dass die alte Dame nie wieder zurückkommen würde. Zur Beerdigung durfte er nicht mit, aber bei der anschließenden Trauerfeier war er dabei. Es war viel stiller als sonst, viel dunkler ... 

Ein paar Monate später verstarb auch die andere Tante und kaum ein Jahr danach seine Oma. Erst da begriff er, wie furchtbar ungerecht der Tod war. Er liebte seine Oma über alles und nun war sie nicht mehr da. Lars fühlte sich beraubt und selbst heute konnte er dieses Gefühl noch nachempfinden. Oma hätte ihn mit Sicherheit nicht verstoßen.
Uroma Lydia lebte noch ein paar Jahre, aber der Verlust ihrer Tochter und der Schwestern legte sich schwer auf ihr Gemüt. Am Ende war ihr Tod ein Segen für alle gewesen. 

Lars wollte nicht darüber nachdenken. Er schüttelte energisch den Kopf, spritzte sich ein wenig Wasser ins Gesicht und trocknete sich ab.
Im Flur zog er die dicken Winterstiefel an, schlüpfte in die Daunenjacke und schlang sich einen Schal um den Hals. 

Er hatte längst eine eigene kleine Weihnachtstradition entwickelt. Sicherlich war sie kein Vergleich zu dem, was er als Kind erleben durfte, aber sie war schön genug, um sich auf Weihnachten zu freuen. Ein Adventskranz gehörte dazu, ein bisschen Weihnachtsdekoration und natürlich auch ein Baum, den er am Vormittag des Heiligen Abends schmückte. Er lud ein paar Freunde ein und kochte für sie. Sie sangen ein paar Weihnachtslieder und Lars suchte immer ein paar lustige oder besinnliche Gedichte aus dem Internet. Auf dem Balkon tranken sie Glühwein und manchmal sahen sie sich auch einen dieser kitschigen Weihnachtsfilme an. 

In all den Jahren hatte er gelernt, dass es für alles eine Zeit gab und manche Dinge nicht für die Ewigkeit bestimmt waren. Vielleicht klang es ein bisschen zu abgeklärt, aber immerhin sorgte diese Vorstellung dafür, dass er nicht in Schwermut versank, sondern sein Leben genoss. 

Jack arbeitete seit einer geraumen Zeit in einem dieser Auffangstationen für all die Flüchtlinge, die Deutschland seit einigen Monaten in Atem hielten. Bisher hatte Lars sich lediglich über die Medien darüber auf dem laufenden gehalten. Natürlich war ihm aufgefallen, dass sich das Stadtbild verändert hatte, aber auch das störte ihn im Grunde nicht. Hin und wieder erzählte Jack von seiner Arbeit, aber Lars Abwehrmechanismen funktionierten mittlerweile so gut, dass er die meisten Geschichten nicht näher an sich heranließ. Das Ausmaß des Elends wurde ihm zwar bewusst, aber noch lebte er in seiner einigermaßen heilen Welt und das sollte auch weiterhin so bleiben.
Die Schlange, an der nun und zum ersten Mal vorbeiging, war lang. Bisher hatte er Jack noch nie abgeholt. 

Lars sah in müde Gesichter, hörte Kinder weinen, glaubte sogar, das Zittern von ausgekühlten, übermüdeten und verängstigen Körpern wahrzunehmen. Erneut überkam ihn ein seltsam bedrückendes Gefühl. Es verschlimmerte sich noch, als er eine junge Frau mit einem Handwagen in der Schlange stehen sah. Ein kleines Kind, dick in Decken eingepackt saß darin und sah ihm aus großen dunklen Augen an. Für einen Moment blieb er stehen und versuchte tief durchzuatmen. Es war, als hätte sich ein schweres Band um seinen Brustkorb gelegt und mit jedem Atemzug zog es sich weiter zusammen. Er kannte Bilder von seiner Uroma aus jungen Jahren. Entsprach das hier nicht genau dem, was seiner Familie zugestoßen war? Flucht vor dem Krieg, Vertreibung … ging es von etlichen Jahren nicht ganz vielen Groß-und Urgroßeltern ebenso? Vermutlich wurden die meisten ebenfalls nicht mit offenen Armen empfangen, aber sollten die Menschen nicht irgendwann dazulernen? 

Lars schämte sich, als ihm bewusst wurde, dass er bisher diese Umstände vollkommen ignoriert hatte. Er nahm sich vor, heute Abend Jack besser zuzuhören. Vielleicht gab es ja etwas, was er tun konnte. Sicherlich war der Bedarf in der Weihnachtszeit an helfenden Händen größer.
Voller Enthusiasmus stürmte Lars in das Innere des Gebäudes, in dem es deutlich wärmer, aber dafür unheimlich voll war. Er drängelte sich an den Leuten vorbei. Ein fremdartiges Stimmengewirr lag in der Luft. Es war eine Mischung aus englisch, deutsch und arabisch. Hin und wieder erschien es ihm, als würde jemand singen.

Es war stickig. Lars lockerte den Schal und sah sich nach dem Raum mit der Nummer elf um, in der Jack arbeitete. Eigentlich sollte er in fünf Minuten Feierabend haben, also klopfte er beherzt an die Tür und trat ein.

Jack saß hinter dem Schreibtisch und tippte wie verrückt auf seinem Laptop. Er sah nur kurz auf, grinste und widmete sich wieder seiner Arbeit. Lars ließ sich auf den Stuhl vor dem Tisch sinken und beobachtete ihn eine Weile schweigend.
„Bin gleich fertig“, sagte der andere Mann gähnend.
„Das bezweifle ich“, erwiderte er grinsend.
„Doch, es hat heute eh keinen Sinn mehr. Ich finde keine Lösung.“
„So etwas gibt es bei dir doch überhaupt nicht.“
„Du hast ja keine Ahnung.“ Jack lehnte sich seufzend zurück und nahm die Brille von der Nase. Er wischte sich über die Augen. Dunkle Schatten waren deutlich zu erkennen. Jack brauchte vermutlich keinen gemütliche Dartabend, sondern ein Bett, Schlaf und ein bisschen Entspannung. Leider war er nicht der richtige Mann, um so einen Vorschlag zu machen. Sie waren nur gute Freunde, obwohl er sich sehr zu Jack hingezogen fühlte. Sie waren jedoch beide nicht bereit, die unsichtbare Schwelle zu überschreiten. 

„Mag sein, aber das lässt sich ja ändern. Du erzählst mir von deinem unlösbaren Problem und ich schaue, ob ich dir helfen kann.“ Er spürte Jacks eindringlichen Blick auf sich und rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her.
„Du willst helfen?“, fragte Jack und klang seltsam lauernd.
„Erstaunt dich das?“ Lars fühlte sich unwohl. Dachte sein Freund, dass er ein ignorantes Arschloch war? Dabei nahm sein Job extrem viel Zeit in Anspruch. Da blieb nicht mal genug für richtige Freizeitaktivitäten. Doch jetzt war er fest entschlossen, sich in irgendeiner Form zu beteiligen.
„Nein … oder doch. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass dich die Lage der Flüchtlinge besonders nahe ging.“
„Meine Familie ist auch geflüchtet“, erwiderte er verschnupft. „Ich habe bisher nicht so viel darüber nachgedacht, aber das hier vor deiner Tür entsetzt mich.“
„Du hast doch aber gar keine Zeit.“
„Dann werde ich sie mir nehmen. Ich wusste gar nicht, dass du eine dermaßen schlechte Meinung von mir hast.“
„Wie kommst du denn da drauf?“ Jack setzte die Brille wieder auf die Nase und bedachte ihn mit einem erstaunten Blick.
„Keine Ahnung, aber es klingt, als wenn du mir nicht glauben würdest.“
„Das sollte es nicht. Es ist nur ...“ Jack verstummte plötzlich, kniff die Augen zusammen und sorgte dafür, dass sich ein mulmiges Grummeln in Lars´Bauch breit machte. Er beugte sich über den Schreibtisch und stützte den Kopf in die Hände. „Du willst helfen?“
„Das habe ich doch gerade gesagt.“
„Egal wie?“
„Ähm … also, keine Ahnung. Im Rahmen meiner Möglichkeiten eben.“ Klang das, als würde er bereits jetzt einen Rückzieher machen wollen? Allerdings gefiel ihm der Blick des anderen Mannes nicht. Wenn Jack so guckte, dann endete es meist mit Schwierigkeiten für Lars … oder für beide.
„Es gibt da wirklich eine Sache, bei der ich deine Hilfe gebrauchen könnte.“
„Okay.“
„Okay?“, fragte Jack und begann zu lachen. „Du sagst in Ordnung ohne nachzufragen? Jetzt willst du es mir aber beweisen.“
„Das bezog sich doch nur darauf, dass ich dir aufmerksam zuhöre“, ruderte er zurück und zog die Schultern ein. Die Situation war ihm nicht geheuer.
„Also gut, dann gucken wir mal, wie schnell ich dich verschrecken kann.“
„Das wird dir nicht gelingen. Ich habe schon eine Menge schwieriger Aufgaben gemeistert.“
„Na dann … ich habe hier einen jungen Mann aus Syrien. Eigentlich hat er bereits einen Platz in einem der Notunterkünfte. Allerdings haben wir jetzt ein Problem. Er hat mir gestanden, dass er schwul ist und Angst davor hat, dass die anderen Männer in der Unterkunft es herausfinden könnten.“
„Und?“
„Und jetzt kommst du ins Spiel, wo du deine Hilfe doch so großzügig angeboten hast.“

Das Herz begann plötzlich heftig zu schlagen und seine Handflächen wurden feucht. Er traute sich kaum zu atmen und sah Jack voller Anspannung an. Dieser grinste breit. Lars war sich nicht sicher, ob er sich darüber freute, dass er ihn dermaßen nervös machte, oder ob er so begeistert von seiner Idee war. Was auch immer dieser Einfall beinhaltete ...
„Du könntest ihn doch bei dir aufnehmen. Deine Wohnung ist groß genug und ...“
„Das ist ein Scherz, oder?“
„Nein, eigentlich ist es die perfekte Lösung. Ich habe schon darüber nachgedacht, ihn mit zu mir zu nehmen, aber meine Wohnung ist winzig.“
„Ich soll einen wildfremden Mann bei mir wohnen lassen?“
„Ja“
„Aber ...“
„Du wolltest dich engagieren … jeder einzelne Mensch, den du hier triffst, ist wildfremd, aber das kann man schließlich ändern. Er braucht eine schnelle und unbürokratische Hilfe und du kannst sie ihm bieten.
„Vergiss es!“




Kommentare:

  1. Jetzt bin ich aber gespannt wie es weiter geht.

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  2. Bin gespannt wann es weitergeht! Freie mich auf die Fortsetzung
    LG

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  3. Bin gespannt wann es weitergeht! Freie mich auf die Fortsetzung
    LG

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  4. Hallo Karo,

    schön mal wieder eine Geschichte von Dir zu lesen. Sie ist gut geschrieben. Aber ich vermute, es ist eine Fortsetzungsgeschichte. Genau das, was ich liebe!!! *lol*
    Ich hoffe dann mal, das sie morgen bei Caro weitergeht. Habe dabei allerdings kein gutes Gefühl. Ich denke ich muss warten, bis Du wieder dran bist!!! Das habt Ihr ja wieder fein hingekriegt!!! ;)

    Alles Liebe
    Christina

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  5. Hallo Karo,

    ich werde mir große Mühe geben jedes einzelne Türchen zu verfolgen und nach Möglichkeit auch einen kurzen Kommi da zu lassen.

    Wow, schon am Anfang bekam man ja einen Vorgeschmack, dass es dieses mal etwas ernster zugeht. Und der Eindruck hat sich gehalten, indem du die aktuellen Ereignisse mit den Flüchtlingen eingebaut hast.
    Ich bin mir sicher, dass Jack Lars noch umstimmen kann.

    LG Piccolo

    PS: Ich würde mich freuen, wenn du deine Geschichte auch auf FF.de posten würdest.

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  6. Ich freue mich auf das zweite Türchen...

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  7. ui, toll geschrieben! Ich freue mich schon auf mehr!
    Liebe Grüße
    Babsi Corsten

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  8. Wow. ..das macht Appetit auf mehr!
    Aktuelles, und garantiert kein einfaches Themas. ....gefühlvoll umgesetzt.
    Freu mich echt auf's nächste Türchen!

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  9. Vergiss es ist hart... Aber von kompletter Ignoranz zu "ich lass einen Fremden bei mir wohnen" ist schon ein großer Schritt... Ich bin gespannt!

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  10. Hallo Karo :),

    vielen Dank für den tollen Auftakt zu einem sicherlich wundervollen Adventskalender!
    Ich hoffe ich schaffe es täglich das nächste Türchen zu öffnen und bin jetzt schon sehr gespannt auf morgen...

    Liebe Grüße,

    Pummeluff

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  11. Na, da bin ich ja gespannt. Eigentlich kann er ja gar keinen Rückzieher machen, ohne das Gesicht zu verlieren ;)
    LG Brigitte

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  12. Uhhh Woa freu ich mich schon auf das nächste Kapitel O.o Wie immer toll geschrieben. Danke das du uns diese Geschichte schenkst <3

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  13. Uhhh Woa freu ich mich schon auf das nächste Kapitel O.o Wie immer toll geschrieben. Danke das du uns diese Geschichte schenkst <3

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  14. Ein schöner Anfang, passt sowohl zur Gesamtsituation als auch zu Weihnachten - gerade in diese Zeit. Und ich denke, dass es vielen so geht wie Lars.
    Es macht neugierig auf mehr - natürlich, bei dir ja immer!!!
    GLG
    Lotti Noctua

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  15. Tolle Story hoffe es geht bald weiter....lg

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