Freitag, 18. September 2015

Sweet Friday

Willkommen zu einer weiteren Runde mit süßem klebrigen Zeug. Heute entspricht es sogar in vielerlei Hinsicht der Wahrheit. Wie versprochen bleibt der Ofen heute aus. Es gibt keinen Kuchen, sondern eine leckere Nascherei: Pfefferminztaler.
Zwei von drei Männern in meinem Haushalt stehen auf Pfefferminzsüßigkeiten, die demzufolge auch recht schnell aufgegessen sind, sobald ich sie aus dem Supermarkt geschleppt habe. Deshalb haben mich die selbstgemachten Taler schon eine ganze Weile fasziniert. Natürlich ist es nicht nötig, sie so bunt einzufärben, aber die Kerle waren ganz begeistert.
Also gut, wie immer gibt es das Rezept auf Anfrage oder ihr googelt, da gibt es wirklich gute Anleitungen.
Regenbogenpfefferminztaler:

Folgende Zutaten habe ich benötigt:
Die Masse ist wirklich unglaublich klebrig, also unbedingt in den Kühlschrank damit, überhaupt muss man alles immer und immer wieder kühlen:
Ausrollen und übereinanderstapeln:
Man könnte es jetzt aufrollen und in Scheiben schneiden, aber ich habe es mit einem Schnapsglas und einem Backförmchen ausgestochen.
Bis dahin erschien mir alles vollkommen einfach. Aber natürlich komme ich immer an den Punkt, an dem ich feststellen muss, dass ich weder Bäcker, noch Konditor oder Pralinenmacher bin. Diesmal war es der Schokoladenüberzug.
Ich habe mich da echt angestellt, aber irgendwann waren dann alle unter einem Schokomantel versteckt.
Und ... na ja, das Ergebnis kann sich doch eigentlich durchaus sehen lassen, oder was meint ihr?


Ein bisschen klebrig geht es hier nun auch weiter. Viel Spaß mit dem fünften Kapitel von Marmorkuchen.

Achtung P16slash!


5.

Max wusste nicht wo ihm der Kopf stand. Bijans Lippen brachten ihn um den Verstand. Dazu die Hände, die sich unter sein Shirt schoben und die Haut beinahe zu verbrennen drohten. Sein Schwanz war so hart wie noch nie. Obendrein konnte er die Härte des anderen Mannes deutlich spüren. Hatte er bis vor wenigen Stunden noch das Gefühl, dass sich seine Sexualität auf der Kriechspur befand, schien sie nun mit Lichtgeschwindigkeit über die Autobahn zu rasen. 
Max war sich nicht sicher, ob diese Entwicklung ihm gefiel und gleichzeitig wollte er es so gern, wollte mehr davon haben. Trotzdem … sie kannten sich doch überhaupt nicht. Wie weit konnte er da überhaupt gehen?
Er stöhnte und seufzte, hatte das Gefühl zu fliegen und gleichzeitig einen höllische Angst vor dem Aufprall. Max bemerkte erst als Bijan ihn ein Stück von sich schob und ihn eindringlich ansah, dass er sich gar nicht mehr an den Aktivitäten beteiligte.
„Alles in Ordnung?“, erkundigte sich dieser mit rauer Stimme.
„Ja, ich … der Kuchen ...“, flüsterte er, machte sich los und ging zum Ofen. Der Teig war wunderbar aufgegangen und in der Mitte bildete sich der typische Riss. Es duftete verführerisch. Max schloss die Tür wieder. Vermutlich würde es noch eine halbe Stunde dauern, bis der Marmorkuchen fertig war. Er kratzte sich nervös am Kopf. Ein flaues Gefühl machte sich im Bauch breit und in seinem Gehirn spukte immer nur ein Satz herum: Es ging einfach zu schnell. 
Er dachte an den Peniskuchen, an seine Dildoversuche, an die Pornos, die er sich im Internet angesehen hatte. Und nun gab es einen echten Mann, der gewillt war … der vermutlich sogar dachte, dass jemand der einen Schwanz aus Teig formte, auch ganz andere Sachen drauf hatte. Max fühlte sich so unzulänglich, dass er vor Panik ins Bad flüchtete, sich aufs Klo setzte und den Kopf in die Hände stützte.
Es könnte alles so einfach sein. Vermutlich wäre es ein One Night Stand. Vielleicht sogar nur ein Dank für die Kuchen-Rettung. Im Grunde ist es doch genau das, was er sich vorgestellt hatte. Nicht ganz genau so, denn die Location war in seiner Fantasie eine andere. Er wollte doch cool mit irgendeinem Kerl im Darkroom verschwinden. Aber das eigene Bett war …
„Max, geht es dir gut?“, erklang Bijans Stimme gedämpft durch die Tür. „Der Wecker in der Küche hat gerade geklingelt.“
Erschrocken sprang Max auf. Es konnte doch nicht sein, dass er eine halbe Stunde auf dem Klo verbracht hatte. Das war einfach unmöglich. Er drehte den Wasserhahn an, hielt seine Hände unter das kühle Nass und betrachtete sich im Spiegel. Sein Blick erschien ihm seltsam fremd. Die Lippen waren viel dunkler als sonst. Als er mit der Zunge darüber leckte, konnte er einen Hauch von Bijan schmecken. Ein schmales Lächeln zeigte sich auf seinen Mundwinkeln. Er hatte tatsächlich jemanden geküsst und es war so viel besser, als er es sich je erträumt hatte.
Max straffte die Schultern, grinste sich im Spiegel an, drehte das Wasser aus und verließ den Raum. Bijan lehnte an der Wand gegenüber und musterte ihn aufmerksam. Er hatte keine Ahnung, was er dem Mann sagen sollte, der so überaus präsent war und vermutlich sehr viel besser wusste, was zwischen ihnen geschah. Erneut flüchtete er in die Küche. Ein himmlischer Duft breitete sich aus, als Max den Kuchen aus dem Ofen holte.
„Fertig“, sagte er und drehte sich zu Bijan. Sein Kopf war vollkommen leer und eine wahnsinnige Unruhe machte sich in seinem Körper breit.
„Das ist echt großartig, Max“, erwiderte Bijan, kam näher und betrachtete das Backwerk. „Meine Schwester wird ausflippen“. Er grinste Max breit an, beugte sich vor und fing seine Lippen zu einem weiteren Kuss ein.
Max konnte gar nicht widerstehen, ließ sich erneut auf das Spiel ihrer Zungen ein und versuchte all seine Ängste zu unterdrücken. Zielstrebig suchten seine Hände nach nackter Haut. Die Fingerspitzen  kribbelten und dann begann sich die Welt zu drehen. Auf einmal konnte er überhaupt nicht mehr denken, er konnte … er wusste nicht, was mit ihm passierte, aber alles versank und heiße Feuchtigkeit breitete sich in seiner Hose aus. Er klammerte sich an Bijan, denn seine Beine fühlten sich an, als würden sie ihn keine Sekunde länger tragen.
„Oh nein“, flüsterte er panisch, als ich bewusst wurde, was soeben passiert ist. „Nein, nein, nein...“ Max wollte sich befreien, abhauen, aber Bijan hielt ihn fest und strich ihm beruhigend über den Rücken. Max kam sich wie ein kleines Kind vor und neben Scham machte sich nun auch Wut in seinem Körper breit. Das war alles so ungerecht!
„Hey“, sagte Bijan, legte eine Hand auf Max Wange und zwang ihn, nach oben zu sehen. „Geht es dir gut?“ Er lächelte und hauchte einen Kuss auf Max Nasenspitze.
„Nein“, jammerte er und spürte einen unheilvollen Druck hinter den Augen.
„Schade, ich dachte, es hätte dir gefallen.“
„Gefallen?“, rief Max und befreite sich aus den Armen des Mannes. „Gefallen?Ich fühle mich total überrumpelt und habe keine Ahnung, was das Ganze hier soll. Du küsst mich und du tust … du machst … also du … deine Hand und ...“ Er raufte sich die Haare, ging zum Kuchen und stürzte ihn vorsichtig aus der Form. „Ich kann das nicht, weil ich … weil es …“
„Wo ist das Problem?“, erkundigte sich Bijan ungeduldig und suchte erneut seinen Blick. Aber Max schaffte es nicht, ihn anzusehen, holte stattdessen den Puderzucker aus dem Schrank und begann wie verrückt das weiße Pulver zu verteilen.
„Ich bin das Problem“, sagte er atemlos und setzte die Dose ab, denn seine Finger zitterten wie verrückt. „Besser gesagt: Ich habe das Problem.“ Er zupfte an seiner Hose, die unangenehm zu kleben begann und hätte am liebsten angefangen zu heulen.
„Das war zu schnell“, stellte Bijan fest und seufzte tief.
„Ja.“
„Erinnerst du dich an den Teil mit der Liebe?“
Er sah Bijan mit großen Augen an und nickte zögerlich.
„Das war nicht gelogen. Okay, Liebe ist vielleicht im Moment übertrieben, aber ich habe dich schon vor einer Weile gesehen und war … keine Ahnung, total neugierig und fasziniert.“
„Wirklich? Ich bin mir sicher, das wir uns heute zum ersten Mal begegnet sind.“
„Du bist ein Träumer, Max“, sagte Bijan lachend und stupste ihn gegen die Brust. „Ich dachte, als wir uns vor drei Tagen im Hausflur begegnet sind, das wäre endlich meine Chance, aber du hast mich überhaupt nicht beachtet. Ich war mir nicht sicher, ob du kein Interesse hast oder ob mein Gaydar versagt hat.“
„Sowas gibt es doch gar nicht“, murmelte Max und begann auf seiner Unterlippe zu kauen. Vor drei Tagen? Ein Mann wie Bijan wäre ihm doch aufgefallen. Er hatte ihn schließlich heute total umgeworfen.
„Du hattest ein Paket in der Hand und ganz rote Wangen. Es ist echt heiß, wenn du so...“
„Oh mein Gott“, rief Max und schlug die Hände vors Gesicht. Natürlich hatte er niemanden beachtet, denn die Fracht brannte ihm regelrecht Löcher in den Körper. Das waren die Dildos gewesen, die er sich bestellt hatte. Damit wäre er vermutlich sogar an seinen Eltern vorbeigelaufen, ohne sie zu beachten. Irgendwie entwickelte sich das alles zu einem Albtraum.
„Verrätst du mir, was in dem Karton war?“ Bijan lachte leise, aber Max schüttelte energisch den Kopf. „Danach habe ich gehofft, dir irgendwie noch mal zu begegnen, aber ich hatte kein Glück.“
„Bis heute“, stellte Max fest und brachte den anderen dazu, heftig zu nicken.
„Ich hatte keine Ahnung, dass du so gut backen kannst und die Sache mit den Eiern war auch nicht gelogen. Ich habe sie wirklich vergessen. Eines wusste ich jedoch vom ersten Moment. Diese Chance würde ich mir nicht entgehen lassen. Du warst so wunderbar verpeilt und so … Ich habe es überstürzt, stimmts?“
„Ein bisschen“, gab Max zu.
„Aber du bist interessiert?“
Max nickte und spürte, wie seine Wangen erneut überdurchschnittlich gut durchblutet wurden. Bijan strahlte ihn aus dunkelbraunen Augen an. Es kribbelte bis in die Zehenspitzen.
„Dann mache ich es wieder gut.“
Er schnappte sich den Kuchen, drückte Max einen schnellen Kuss auf die Lippen und verschwand.



Kommentare:

  1. Guten Morgen Karo!

    Als erstes wünsche ich dir viel Erfolg und Spaß bei der Lesung heute Abend.

    Der Kuchen war schon mal ein Erfolg und den Rest schaffen sie auch noch. Ich vertraue da voll und ganz auf Bijan. Er wird Max schon nicht vollkommen überfordern.

    LG Piccolo

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  2. Hallo Karo,
    uh, da war Max wohl etwas überfordert. Aber er wird doch wegen seiner Unerfahrenheit Bijan nicht einfach wegschicken.

    LG Brigitte

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