Freitag, 11. September 2015

Sweet Friday

Die Wochen rasen nur so dahin. Ich weiß im Moment irgendwie gar nicht, wo mir der Kopf steht. So viele Ideen, die ich zeitnah umsetzen möchte und auf die ich allesamt neugierig bin. Das ist schon ein bisschen unheimlich, aber ich bin vor allem gespannt, was am Ende wirklich dabei herauskommt.
Zwei Geschichten sind mir dabei ganz besonders ans Herz gewachsen. Mit der einen begebe ich mich mal wieder auf absolutes Neuland, denn es wird bald eine neue Anthologie der Kuschelgang herauskommen, mit einem für mich nicht ganz so einfachen Thema. Ich bin schon jetzt neugierig, wie es euch gefallen wird.
Die andere Geschichte entsteht im Rahmen des Weltaidstages. Diesmal werden meine Protagonisten deutlich jünger sein und der "große" Begriff Gender wird neben HIV eine wichtige Rolle spielen. 

Soweit der Ausblick, nun aber zum heutigen Freitag. Wie immer wird es süß und bunt.
Meine heutige Herausforderung waren Kuchen im Glas. Und ich muss gestehen, dass ich mich ziemlich herausgefordert fühle. Weil der Kuchen nämlich irgendwie nicht im Glas bleiben wollte und allmählich über den Rand lief. Dabei habe ich schon ein Glas mehr genommen, als in der Anleitung. Es wären wohl locker doppelt so viele geworden. Das ist ein bisschen schade, aber wie immer bin ich zeitlich spät dran, sodass ich euch meine Kuchen trotzdem zeige ... (da bin ich hemmungslos *lach*)

Wie immer sechs Schüsseln mit sechs Farben . Ich kenne die Diskussion um die Gefahr von Azo- Farbstoffen und denke da auch schon eine Weile drüber nach. Im Grunde ist das hier eine Ausnahme, denn ich backe für gewöhnlich gar nicht so viel bunt in so kurzer Zeit. Eigentlich backe ich überhaupt nicht so viel, das kann mein Vater nämlich viel besser als ich. Davon abgesehen, verwende ich nur Minimengen. Es sind immer noch die ersten Farben, die ich mir von Wilton gekauft habe ... keine Ahnung, wieviel Kuchen und Glasuren ich damit schon gefärbt habe, aber vermutlich kommt da doch einiges im Laufe der Zeit zusammen. Die Farben halten wirklich ewig und man sollte nicht zuviel davon nehmen. In jedem dieser Schälchen befindet sich eine Messerspitze voll. Mehr ist wirklich nicht nötig, um ein extrem farbintensives Ergebnis zu bekommen.
Heute ist der Teig mal noch nicht eingefärbt :
und hier sind meine zauberhaften Gläschen:
nach der Halbzeit war ich ein bisschen genervt. Kennt ihr das? Je mehr man versucht, nicht an den Rand zu kommen, desto öfter stößt man dran ....
vor dem Backen:
nach dem Backen:
irgendwie hat das ja was ...

Ich fand ihn trotz allem ziemlich lecker, meine Männer auch. Nächste Woche gibt es  mal keinen Kuchen, bunt wird es trotzdem.
An dieser Stelle wünsche ich euch ein schönes Wochenende und viel Spaß mit einem neuen Minikapitel "Marmorkuchen"

Achtung: P16 slash!


4.
Noch nie hatte Max sich dermaßen ungeschickt angestellt. Das Ei landete mitsamt der Schale in der Schüssel. Mühsam musste er die beiden Hälften und die vielen kleinen Splitter wieder herausholen. Das war eine ziemlich glitschige und verzwickte Angelegenheit, denn das Eiweiß war offensichtlich nicht gewillt, die Außenhaut loszulassen. Max hörte Bijan neben sich leise glucksen. Das stachelte seine Nervosität noch mehr an. 

Dabei sollte es doch ein absolut perfekter Kuchen werden. Schließlich wollte er nicht gefährden, dass Bijan die Sache mit dem Wunsch zurücknahm. Allerdings war sich Max nicht sicher, ob er überhaupt fähig war, seine Hoffnungen in Worte zu fassen. Dieser Mann sah so unglaublich gut aus und obendrein sorgte er auf unerklärliche Weise dafür, dass Max Herz davonraste. Nie und immer konnte er ihn mit seiner Unerfahrenheit konfrontieren. Damit würde er sich komplett lächerlich machen und obendrein Bijan vermutlich in die Flucht schlagen. Wie immer begannen Max Gedanken zu routinen. Er konnte sich kaum auf das Kuchenrezept konzentrieren. 

„Salz? Bist du dir sicher?“ Max spürte einen festen Druck an seinem Arm. Er wollte gerade die richtige Menge Zucker abwiegen. Verwirrt sah er zwischen der fremden Hand auf seiner Haut, dem Becher in der Hand und Bijan hin und her. Es kribbelte wie eine ganze Ameisenarmee und gleichzeitig schoss Hitze in sein Gesicht. Es durfte nicht sein, dass er die Gefäße verwechselt hatte. So etwas war ihm doch noch nie passiert. 

„Verdammt“, murmelte er und wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken.
„Du musst den Kuchen nicht absichtlich verderben. Die Sache mit dem Wunsch war echt vollkommen harmlos gemeint. Das sollte keineswegs eine Anmache oder so sein.“ Bijan war offensichtlich sauer.

„Scheiße“, brummelte Max nach dieser Ansprache und verfluchte den bescheuerten Tag. Hätte er doch nur die Tür nicht geöffnet. Er nahm allen Mut zusammen und sah Bijan an. Sein Blick wurde erwidert und Max erkannte eine Mischung aus Erstaunen und Verärgerung. Er hatte keine Ahnung, was er sagen oder wie er die Sache wieder gerade rücken sollte.
„Ich … das … also, so was ist mir echt noch nie passiert“, sagte er kleinlaut und stellte die Dose mit dem Salz zurück in den Schrank. Er hatte keine Ahnung, wie er das verwechseln konnte. Sie war schließlich viel kleiner und hatte einen dunkelgrünen Deckel. Im Gegensatz zu Mehl und Zucker, die rot bestückt waren.

Max atmete tief durch und wischte die feuchten Hände an der Hose ab. „Ich würde einen Kuchen niemals absichtlich verderben, das musst du mir bitte glauben. Oder besser … ich werde es dir beweisen. Setz dich da mal hin und lass mich machen.“
Er legte vorsichtig eine Hand auf Bijans Brust und schob ihn rückwärts in Richtung des Stuhls. An seinen Fingerspitzen konnte er Wärme spüren und erneut spielte sein Körper verrückt. Wenn er geahnt hätte, wie schwierig das alles sein würde … Max seufzte schwer. Als er sich wegdrehen wollte, hielt Bijan ihn auf und zog ihn am Arm zurück. 

„Mir scheint, ich bringe dich durcheinander“, raunte er. Ihre Gesichter waren viel zu nah. Beinahe berührten sich die Nasenspitzen. Max hielt den Atem an und spürte, wie er zu zittern begann.
„Ja“, flüsterte er stockend.
„Kann ich irgendetwas dagegen machen?“, erkundigte sich Bijan und ein kleines atemberaubendes Lächeln umspielte dessen Mund.
„Ich weiß nicht“, brachte Max heraus und ärgerte sich, weil er zu feige war, um einen Kuss zu bitten. Mit Sicherheit würde das auch nicht besonders förderlich für seine Konzentration sein, aber das hier war doch eine Chance, die er sich nicht entgehen lassen sollte. Mehr noch … Mehr? Was passierte nur mit ihm? Weshalb sollte sich jemand, der so … so toll aussah und …

Weiter kam er nicht, denn nun lag tatsächlich ein paar Paar wundervoller Lippen auf seinen. Zuerst konnte er sich gar nicht bewegen, hatte Angst aus dem Traum zu erwachen. Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn. Max hatte panische Angst davor, seinen ersten Kuss zu verpassen, weil er wie eingefroren die Berührung über sich ergehen ließ. Bijan schien jedoch nicht so schnell aufzugeben. Er kitzelte Max mit der Zunge und zupfte mit den Zähnen an der empfindlichen Haut. Max entkam ein leises Stöhnen und dann presste er sich gegen Bijan, sodass ihre Zähne unangenehm zusammenprallten. Unsicher wich er zurück, aber da legten sich schon starke Arme um seine Hüfte und zogen ihn dichter an den fremden Körper heran. Max schlotterten die Knie, als er versuchte die Bewegungen der Lippen, die er erneut an seinem Mund spürte, zu imitieren. 

„Besser“, raunte der Mann, den er bis vor ein paar Stunden noch gar nicht kannte und stupste mit der Zunge zwischen seine Zähne. Erneut fragte sich Max, was mit ihm passierte. Vielleicht lag er in Wirklichkeit noch auf seinem Bett und träumte das alles nur. Er wollte auf gar keinen Fall aufwachen, wollte mehr davon und fühlte, dass er gleichzeitig total überfordert war. Max hatte doch einen Plan und das hier war ganz anders und …

„Der Marmorkuchen“, sagte er mit zittriger Stimme und brachte ein bisschen Abstand zwischen sich und Bijan. Er räusperte sich, senkte den Blick und fühlte wie das Blut in einem Höllentempo durch seinen Körper rauschte. Eine Finger legte sich unter sein Kinn und zwang ihn, nach oben zu blicken.
„Ich brauche wirklich ganz dringend diesen Kuchen, aber das hier … ist kein Vorschuss, sondern vollkommen unabhängig.“ Bijan zwinkerte ihm zu und Max konnte nicht begreifen, dass jemand so wunderschön sein konnte. Alles an dem anderen Mann erschien ihm perfekt. Er wollte so gern mehr von der dunklen Haut berühren, vielleicht sogar mit der Zunge darüber fahren, davon kosten. All das, was er sich schon so oft vorgestellt hatte, brach plötzlich über ihm ein und sein Körper stand regelrecht unter Strom. Gleichzeitig fürchtete er sich und wollte sich am liebsten unter der Decke verkriechen.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, dass deine Gedanken so gar nichts mit Backen zu tun haben.“ Bijan grinste ihn an und Max schüttelte entsetzt den Kopf. Er drehte sich weg, atmete tief durch und füllte die entsprechende Menge Mehl in den Messbecher.
„Du irrst dich“, flüsterte er und gab konzentriert die anderen Zutaten in die Schüssel. „Wir kennen uns doch gar nicht. Du kannst also überhaupt nicht wissen, was ich denke.“
„Stimmt“, erwiderte Bijan und begann zu lachen. „Aber findest du auch, dass das hier eine seltsame Situation ist … so zwischen uns?“
„Weiß nicht“, grummelte Max und stellte die Küchenmaschine an. Er holte eine Backform aus einem der unteren Schränke und fettete sie gewissenhaft ein.
„Ich finde das schon und ich frage mich ...“ Bijan verstummte sodass Max ihn erstaunt ansah. Er hatte keine Ahnung, was der andere sagen wollte. Dafür ging seine Fantasie erneut mit ihm durch. Max wollte mehr von den Küssen. Seine Lippen kribbelten wie verrückt. 

Er füllte die erste Hälfte des Teiges ein, gab Kakao zu der in der Schüssel verbleibenden Masse und stellte das Gerät noch einmal an.
„Was machen wir denn, solange der Kuchen im Ofen ist?“
„Ich weiß nicht, hast du nichts zu tun? Irgendwelche Vorbereitungen für den Geburtstag oder so?“
„Nein, zum Glück nicht. Ich muss nur rechtzeitig damit bei meiner Schwester aufkreuzen und dann bin ich aus dem Schneider.“
„Wieso hat sie dir nicht zugetraut, dass du das kannst? Also das mit dem Backen ...“
„Weil sie mich ziemlich gut kennt“, erwidert Bijan lachend. „Du siehst ja, dass sie Recht hat, aber sie konnte nicht ahnen, dass ich einen Nachbarn habe, der das kann.“
„Ist das dann nicht ein Betrug?“
„Du weißt doch, im Krieg und in der Liebe ...“ Bijan ließ den Satz offen, aber das Lächeln, das er Max schenkte war so bezaubernd, dass sein Herz erneut zu rasen begann.
„Krieg und Liebe?“, fragte Max leise.
„Erstaunlicherweise kommt mir der Ausspruch unglaublich passend vor.“ Wieder erklang das tiefe Lachen von Bijan, das Max tief in den Bauch fuhr.
Er zog ein Holzstäbchen durch den Teig, um den dunklen mit dem hellen zu vermischen. Würde es bei ihnen auch so sein, wenn sie … wenn sie … Max verdrängte den Gedanken und schob den Kuchen in den Ofen. 

„So“, murmelte er und wusste nicht, was er machen sollte. Unruhig stopfte er die Hände in die Hosentaschen und lehnte sich gegen den Kühlschrank.
„Auf der Seite des Krieges ist alles nötige in die Wege geleitet. Zeit, sich um die Liebe zu kümmern.“ Max wurde erneut in Bijans Arme gezogen.
„Liebe?“, erkundigte er sich mit rauer Stimme.
„Wer weiß“, flüsterte eine verheißungsvolle Stimme und dann legten sich die weichen Lippen wieder auf seinen Mund.



Kommentare:

  1. Hey Karo,

    und schon wieder ist ein neuer Freitag da und ein neues Kapitel deiner kleinen Geschichte.

    Bijans Nähe bringt Max ganz schön durcheinander. Wenn Bijan nicht aufpassen würde, würde der Marmorkuchen nichts werden.
    Es kommt mir auch so vor, als wenn sich Bijan ein bisschen über Max amüsiert. Aber nicht böswillig.
    Bin mal gespannt, wie sie die Backzeit verbringen werden.

    LG Piccolo

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  2. Na da hoffe ich, das die beiden einen Wecker stellen... Nicht das der gute Kuchen zum Schluss noch verbrennt

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  3. Juhu Karo,
    Bijan macht Max ganz schön nervös. Das verstärkt noch seine Unerfahrenheit. Aber Bijan ist ja nicht blind und ergreift seine Chance. Ich hoffe nur, er meint es auch ernst. Er scheint zumindest erfahrener zu sein und dürfte schon gemerkt haben, dass Max' Unsicherheit nicht von ungefähr kommt. Ich bin gespannt, ob Max mitkommt zur Geburtstagsfeier von Bijans Schwester.
    Aber zuerst sollten sie darauf achten, dass der Kuchen nicht verbrennt ... außer etwas anderes "brennt" ;)
    LG Brigitte

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