Samstag, 22. August 2015

In der Klosterschule

In diesem Jahr war es für mich irgendwie verhext.
Egal auf welchen CSD ich wollte, immer gab es eine Familienfeierlichkeit, auf der ich nicht fehlen durfte, vielleicht auch nicht fehlen wollte. Dabei wäre ich doch so gern bei den wirklich großen Paraden dabei gewesen ...
Immerhin hatte ich in Rostock ein besonderes Erlebnis und bin sogar Teil des Zuges durch die Stadt gewesen.
Heute ist der CSD in Magdeburg. Das ist ja nur ein Katzensprung entfernt, aber wie immer ist heute auch Geburtstag und ich bin ein Familienmensch und ... ach, es gibt keine passenden Ausrede, außer vielleicht real live.
Als ich mir das Programm zur Prideweek durchgelesen habe, verharrte ich einen Moment länger bei der Klosterschule mit den Schwestern vom Orden der Perpetuellen Indulgenz Berlin. Ich bin ja durchaus neugierig und das klang nach Spaß. Über Sex, HIV, sexuell übertragbare Krankheiten und alles rund um Liebe und ... ähm Sex kann man ja nie aufgeklärt genug sein.
Nach einigen Zweifeln und Unsicherheiten, ob ich da wirklich hinfahren soll, so ganz allein und überhaupt, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin los. Mein Navi hat mich erstaunlich gut zum Ort des Geschehens gebracht, aber dann überfiel mich erneut eine gewisse Panik. Einmal abgesehen von den Schwestern kannte ich schließlich niemand und ich hatte ja keine Ahnung, was auf mich zukam. Aber ich bin tapfer weiter und glücklicherweise saß Schwester Francine inmitten einer Gruppe junger Männer vor der Tür. Zwar in Zivil, sodass sie mich eher erkannte, als umgekehrt, aber immerhin fühlte ich mich gleich ein bisschen sicherer.
Es gab ein paar Verzögerungen, aber dann ging es los und der Anblick des Raumes, in dem die Klosterschule stattfand, brachte mich zum Grinsen und Schlucken gleichermaßen. Dass wir alle im Kreis sitzen würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Mir war ein bisschen mulmig.
Das verstärkte sich noch bei der Begrüßungsrunde, in der ein schwarzer Dildo von Hand zu Hand ging, jeder ein Gummi darüberstülpte und es natürlich auch wieder abgezogen hat und dabei kurz ein paar Worte zur eigenen Person sagte. Hatte ich schon erwähnt, dass ich zusammen mit einer anderen Frau die Frauenquote bei den Gästen repräsentiert habe?
Den "Redestab" habe ich überstanden und auch das Zusammenstellen der Themen, über die wir reden wollten. Dazu konnte jeder Zettel beschriften, die eingesammelt und sortiert wurden.
In der ersten Pause habe ich, weil ich es einfach nicht lassen kann, diverses Infomaterial eingesammelt.
Und dann begann eine illustere Unterhaltung, durch die Schwester Suzette führte, rund um die Worte, die sich auf den Zetteln befanden. Am Ende wurde jedes Thema in "safe", "safer", "unsafe" und "schön" unterteilt und an die Wand geklebt. Ich gestehe, dass die meisten Themen für mich kein Problem waren, aber den Unterschied zwischen safe und safer kannte ich nicht, ebenso wie bei polygam und polyamourös. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, dass ich etwas gelernt habe und mir auch ein paar Dinge, die mir bisher vielleicht nur halbwegs klar waren, ein bisschen deutlicher geworden sind.
Aber neben all dem wunderbaren und so deutlich ausgesprochenem Wissen, hat mich die Atmosphäre am meisten beeindruckt. Es war locker, lustig, unterhaltsam. Ich habe mich wohlgefühlt, Input aufgesaugt und mich wunderbar amüsiert. Die Zeit ist so unglaublich schnell vergangen.
Mehr Einzelheiten verrate ich an dieser Stelle nicht, aber ich kann jedem nur empfehlen, wenn ihr die Möglichkeit habt, an einer Klosterschule mit den Schwestern teilzunehmen, dann nutzt sie. Hatte man erst den Dödel in der Hand, ist der Rest ein Kinderspiel.

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