Donnerstag, 9. Juli 2015

Wo ist der Faden, der mich fesselt?

Kaum habe ich ein neues Buch herausgebracht, überfällt mich eine Art Schockbegeisterung oder Enthusiasmusstarre oder effektive Selbstblockade. Diese Beobachtung ist nicht neu, aber sie überrascht mich immer wieder aufs Neue.
"Flammenerbe" zu schreiben, hat mich in jeder Hinsicht gefordert. Ich war ängstlich und unsicher, ob ich das Buch herausbringen soll und gleichzeitig voller Neugier und Enthusiasmus. Das Schreiben hat so viel Spaß gemacht und ging so verdammt schnell, dass ich es selbst kaum glauben konnte.
Der Erfolg macht mich sprachlos und dankbar.
Motiviert will ich mich sofort in das nächste Projekt stürzen. Immerhin war diese Geschichte nicht geplant und ich habe dafür andere Dinge vernachlässt, wie zum Beispiel meine kleine Serie, wo doch schon längst der zweite Teil hätte erscheinen sollen. Oder Daniels Geschichte, die ich schon so ewig vor mir herschiebe oder das neue Verlagsprojekt oder diese kleine Oliver- Idee oder die Geschichten für verschiedenen Anthologien, die ich doch eigentlich mal schnell nebenbei schreiben könnte. Dann ist da noch ein Versprechen einzulösen und bis Mitte August ist nicht mehr so viel Zeit... mein Kopf ist voll, aber die Seiten bleiben leer. Ich will alles, am liebsten auf einmal, gleichzeitig... und das am besten noch vor dem Urlaub. Ich fahre in einer Woche... mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.
Es ist wie eine riesige Welle, die über mir zusammenschlägt und die dafür sorgt, dass ich nicht mehr als ein hilfloses Paddeln zustande bringe. Also lenke ich mich mit einer Postkartenaktion ab, schreibe einen Oneshot zum "Tag des Kusses" und versuche mich halbherzig an den verschiedenen Storys.
Ich weiß, was halbherzig bedeutet... und das frustriert mich, macht mich übellaunig und unzufrieden. Da bringen selbst Verkaufszahlen und tollen Rezensionen nichts. Doch, natürlich freue ich mich wie verrückt darüber.
Ich recherchiere und verliere mich in deprimierenden Videos. Ich versuche den Faden zu finden... der Faden, der mich an meine Jungs aus dem Flammenerbe gefesselt hat. Er muss doch auch für all die anderen Projekte vorhanden sein. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als Schreiben und Löschen. Ich weiß, dass bei vielen anderen Autoren es nur so funktioniert, manche auch keine Probleme damit haben, ganze Kapitel zu eleminieren oder die Arbeit eines ganzen Tages zu verwerfen. Je mehr ich am Text rumbastle, umso deutlicher merke ich, dass es nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Facebook bietet auch ganz wunderbare Ablenkung, auf Fanfiktion und Bookrix finde ich bestimmt auch was zu lesen und bleibe selbst an Geschichten hängen, die mir eigentlich gar nicht gefallen. Am Nachmittag fahre ich, wütend auf mich selbst, den Laptop herunter und weiß, dass das Spiel am nächsten Tag weitergeht.
Immer wieder überfällt mich das Gefühl, nicht genug zu geben. Ich sollte mehr schreiben, mehr veröffentlichen, mich besser in Szene setzen... nicht so viel Kaffee trinken... Während ich das hier schreibe, grinse ich und schüttle gleichzeitig den Kopf. Es ist bescheuert!
Ich habe doch in diesem Jahr echt schon viel geleistet. Und trotzdem sitzt mir ständig dieses Gefühl im Nacken, dass ich es noch viel schneller und besser kann. Ich habe doch die Geschichten im Kopf und begreife nicht, warum sie nicht heraus wollen. Dabei wollen sie, aber eben nicht alle auf einmal und nur mit dem Tempo, das angemessen ist und das sich nicht erzwingen lässt.
Weshalb sollte ich noch tausend Dinge vor dem Urlaub anfangen? Dann kann ich mich erst Recht nicht erholen.
Es ist mein Enthusiasmus, der mich mal wieder überrollt. Ich renne ihm verzweifelt hinterher und in meiner Brust wird es ganz eng. All die Geschichten, die geschrieben werden könnten. Ich bewundere und beneide die Autoren, die zehn Projekte gleichzeitig geöffnet haben und überall ein paar Sätze schreiben. Ich will das auch! Und gleichzeitig frage ich mich, wann ich mich endlich selbst erkenne. So bin ich doch gar nicht. Ich kann nur eins nach dem anderen. Der Faden reicht nur für ein Projekt und bisher hat er mich immer ganz spontan gefangen genommen.
Also sage ich ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was als nächstes kommt, aber ich freue mich schon jetzt darauf.
Bis es soweit ist, träume ich mich durch verschiedene Geschichten und werde die Auszeit mit meiner Familie genießen.

Kommentare:

  1. Glaube ja Schreiben und Träumen sind verwand ! Wen ich zu Bett geh weis ich nicht was ich Träume ! So geht es dir mit dem Schreiben den jeden Tag Gehn dir andere Themen durch den Kopf , Schreib einfach auf was es grade ist und Sortier es später ! Uns als Leser wird es gefallen !

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  2. Wenn die Lust zum Frust wird, kommt meist auch nichts Vernünftiges heraus. Nimm es an und genieße die Auszeit. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen, wenn die Wörter nur so aus deinen Fingerspitzen fließen!
    Lass dich von den Lesern vor allem nicht treiben, denn letzten Endes musst auch du mit dem zufrieden sein, was du ablieferst.

    PS Ich schreibe auch lieber nichts, als hinterher die Hälfte wieder zu löschen. Manchmal läuft es eben nicht, weil sich (bei mir zumindest) die logischen Geschichten im Kopf nicht in Worte fassen lassen. Irgendwann kommt es ... oder eben nicht und dafür was anderes ;-)

    LG
    Martina

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  3. Setz dich nicht selbst unter Druck. Das hast du doch gar nicht nötig. Lass es einfach auf dich zukommen. Du wirst sehen, dann läuft es bestimmt wie von selbst. So wie bei Flammenerbe zum Beispiel. Ich freue mich auf jede neue Geschichte von dir und wenn es mal länger dauert, dann ist das nicht schlimm. Gut Ding braucht eben Weile.

    Genieße deinen Urlaub und kommt alle gesund wieder nach Hause.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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