Dienstag, 16. Juni 2015

Lesung in Goslar

Ich bin ein bisschen spät dran, aber ich möchte Euch meine Eindrücke von der letzten Lesung natürlich nicht vorenthalten.
Ein Wochenende mit lieben Besuch hat mich allerdings weitesgehend vom Schreiben abgehalten. Dafür macht es umso mehr Spaß, nach ein paar Tagen noch einmal über diesen wirklich schönen Abend nachzudenken.
Lesungen finde ich vor allem deshalb spannend, weil man nie weiß, was passiert oder wie der Abend verläuft. Natürlich bereite ich mich vor, kümmere mich um die Textstellen und um eine kleine Gliederung meiner Zeit, aber das meine ich gar nicht.
Im Grunde sind Lesungen im Hinblick auf die Zuhörer unberechenbar. Du weiß eben nie, wie viele Leute kommen. Sicherlich, jemand mit einem wirklich großen Namen wird wohl selten in einem leeren Raum sitzen, aber viele, die sich mehr oder weniger im Mittelfeld (oder darunter) befinden, wissen vermutlich nur selten wie es laufen wird. Ich selbst war vor ein paar Wochen bei einer Lesung einer jungen Frau, absolut mainstream, lustig, unterhaltsam, fraulich... der Saal war gut gefüllt, auch wenn ich selbst vorher noch nie von der Autorin gehört habe. Sie erzählte, dass sie zwei Tage vorher in Hamburg vor drei Leuten gelesen hat. Und selbst die Lesung von Ralf König war ja in meiner Heimatstadt eher spärlich besucht, was mich immer noch unglaublich verwundert.
Huch, nein, keine Panik, ich saß nicht vor leeren Stühlen, auch wenn ich weiß, dass sich die Aidshilfe Goslar ein paar mehr Gäste gewünscht hat.
Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich auch vor drei Leuten lesen würde und ich mich über jeden freue, den ich mit auf meine Lesereise nehmen kann.
Und deshalb ist es immer besonders spannend.
Der Abend in Goslar war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.
Zum einen, weil die Leute von der Aidshilfe mich so nett empfangen haben. Ich habe mich wirklich von der ersten Sekunde an wohlgefühlt, ja sogar irgendwie dazugehörig. Selbst mein Mann, der mich seit einiger Zeit tapfer begleitet, aber sich bevorzugt im Hintergrund hält, wurde gleich mit einbezogen. Das war wirklich schön.
Ich danke an dieser Stelle noch einmal allen, die sich so viel Mühe gegeben haben und mit so viel Enthusiasmus dabei waren.
Auch der Raum war toll und ich wusste noch ehe ich überhaupt ein Wort gelesen hatte, dass da für immer sitzen und lesen möchte... Absolut perfekt für einen gemütlichen Abend.
Es war wirklich alles liebevoll vorbereitet und diese schöne Blumenschale vor mir, verbreitete einen wunderbaren Duft...
Und natürlich kamen ein paar Zuhörer und sogar eine nette Frau von der Presse.
Ich wurde vorgestellt und zum ersten Mal klappte mir im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade herunter. Bernd, du zauberst mir noch immer ein ganz breites Lächeln ins Gesicht! Ich kann die  kleine Rede natürlich nicht auswendig, aber sinngemäß sagte er, dass es eine besondere Lesung ist, weil zum ersten Mal in Goslar Literatur mit schwulem Inhalt das Thema wäre. Und dann meinte er, dass es ein besonderer Tag wäre und niemand vergessen sollte, an diesem Ereignis teilgenommen zu haben, weil er sich wünscht, dass schwule Geschichten bald ebenso "normal" sein würden, wie jeder andere Roman und er hofft, dass es diese Art von Schubladen nicht mehr geben wird. Und das hier wäre der Anfang...  Ich weiß, das ist natürlich sehr pathetisch und vermutlich gibt es in unserem Genre Schriftsteller, die sehr viel besser sind, aber ehrlich... ich war nicht nur gerührt, ich war echt angespornt.
Leute, die noch nie von mir gehört oder gelesen haben, zu packen und zu fesseln ist eine echte Herausforderung. Das habe ich bereits beim Bücherfrühling gemerkt. Man spürt genau, ob sie dir folgen, ob sie es spannend finden. Ein Stein fällt einem im wahrsten Sinne vom Herzen, wenn sie an der richtigen Stelle lachen, wenn du spürst, dass sie dir wirklich zu hören. Es ist ein unglaubliches Kribbeln und mein Enthusiasmus steigert sich in schwindelerregende Höhen.
Die erste persönliche Kontaktaufnahme in der Pause... Menschen, die mir sagten, dass sie gar nicht damit gerechnet hätten, dass die Geschichten so unterhaltsam sind, die mich in der zweiten Leserunde dazu brachten, mehr vorzulesen... Was soll ich sagen? Das macht mich verdammt glücklich.
Bücher signieren, jede Menge Input, kleine Diskussionen und beinahe Enttäuschung darüber, dass ich keine Sexszenen vorlese...
Eine überschwängliche Verabschiedung und ein riesiger Berg Glückshormone haben mich auf der Rückfahrt ehrfürchtig schweigen lassen. Manchmal kann ich es kaum fassen, dass ich solche Momente erleben darf und es macht mich unglaublich stolz und glücklich und dankbar.



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