Samstag, 2. Mai 2015

Positiver Sommer, Hitze und Herzglühen

Der neue Band der HomoSchmuddelNudeln ist seit gestern bei Amazon erhältlich.
Diesmal gibt es für Euch eine Menge Lesestoff. Viele tolle Autoren haben mitgeholfen, den Sommerband zu füllen, sodass es am Ende 21 Geschichten voller Liebe, Spannung und  Hitze, aber auch Herzschmerz und  HIV geworden sind. Ich freue mich, ein Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft zu sein.
Wie immer geht der gesamte Erlös an den Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz- Haus Sankta Melitta Iuvensis e.V.
Also gönnt euch dieses besondere Lesevergnügen und tut ganz nebenbei noch etwas Gutes, damit die Schwestern Gutes tun können.

Meine Geschichte heißt "Eigene Wege" und ich dachte mir, ich lasse mal eine kleine Leseprobe für euch hier: 

Karo Stein - Eigene Wege

Ich kann nicht schlafen, obwohl Karstens gleichmäßige Atemgeräusche mich bisher immer in den Schlaf gebracht haben. Stattdessen beobachte ich den Himmel, an dem sich abzeichnet, dass die Nacht allmählich vor dem Morgen zurückweicht.
Das Bett steht direkt unter dem großen Dachfenster. Man hat einen fantastischen Blick. Manchmal öffnen wir das Fenster, während wir noch im Bett liegen und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen... Dann halten wir uns an den Händen, schließen die Augen und genießen den leichten Wind, der über unsere Haut streift und die wärmenden Strahlen, die ein seltsames Prickeln verursachen. Ich liebe diese Momente, in denen es nur uns gibt, wenn ich mich Karsten so nah fühle. Wir haben das sogar schon im Winter gemacht, dann allerdings mit der Decke bis zur Nasenspitze, während wir uns gegenseitig als Weichei beschimpft haben.
Grinsend betrachte ich den schlafenden Mann neben mir, werfe einen kurzen Blick auf die Uhr und lege mich seufzend zurück. Es ist noch viel zu früh, um ihn zu wecken. Ich beneide Karsten um seinen Schlaf und frage mich, wieso ich mit dem verdammten Grübeln nicht aufhören kann.
Ich starre wieder nach oben und mir wird bewusst, dass ich noch nie so deutlich erlebt habe, wie ein neuer Tag heranbricht. Zuerst schien es, als würde es noch dunkler werden, dann wurde der schmale Streifen Licht am Horizont breiter und drängte die Nacht endgültig zurück. Ein leuchtendes Orange ließ alles surreal erscheinen. Inzwischen bahnt sich die Sonne, ohne Gegenwehr zu dulden, ihren Weg und verwandelt den Himmel in ein sattes Blau. Es wird sicherlich wieder ein heißer Sommertag. Eigentlich sollte ich mich aufrichten und das Fenster öffnen, solange die Luft noch frisch ist. Aber ich will Karsten nicht wecken, unter normalen Umständen würde ich schließlich selbst noch schlafen.
Seit einigen Wochen bin ich unausgeglichen und mir selbst fremd. In meinem Kopf laufen die Gedanken Amok und ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann. Das seltsame Gefühl in meinem Bauch geht nicht weg. Ich ärgere mich über meine eigen Unzufriedenheit, für die es doch gar keinen Grund gibt. Es ist beinahe so perfekt, dass es mir Angst macht. Mein Leben könnte nicht besser sein. Alles ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe, wie wir es uns wünschen. Oder etwa nicht?
Wir sind seit fast zwei Jahren zusammen und es ist so unglaublich, dass sich dieser Mann ausgerechnet für mich interessiert hat. Ich kann mein Glück kaum fassen, aber vor allem ist es immer noch ein Wunder, dass wir so gut zusammenpassen. Wir begehren und streiten uns, können über alles reden, miteinander schweigen. Wir haben Spaß, lachen viel und teilen auch leise Moment miteinander. Was hat sich in den letzten Wochen geändert? Ich kenne die Antwort nicht genau, aber ich weiß, dass da etwas tief in mir ist, das mir den Schlaf raubt, mich mürrisch und unausgeglichen macht.
Karstens Arm legt sich schwer auf meinen Bauch. Die Wärme verursacht ein angenehmes Kribbeln. Ich lege eine Hand auf seine weiche Haut, genieße das vertraute Gefühl und kann ein leises Seufzen nicht verhindern. Karsten packt mich, zieht mich dicht an sich heran und vergräbt sein Gesicht an meinem Hals.
Morgen“, nuschelt er verschlafen und küsst die empfindliche Haut. Ich bekomme eine Gänsehaut und seufze erneut.
Ich bin vollkommen erschlagen“, brummt Karsten und richtet sich ein Stück auf. „Wie spät ist es denn und wieso bist du schon wach?“ Er sieht mich erstaunt an, dann wandert sein Blick zum Wecker und mit einem lauten Stöhnen wirft er sich wieder in die Kissen. Karsten sagt irgendetwas, das wie viel zu früh klingt und sein Arm zieht mich noch ein Stück näher heran. Ich kuschle mich an ihn und fahre mit einer Hand die deutlichen Linien seiner Rückenmuskeln nach. Er brummt behaglich, während mein Herz hart gegen die Rippen schlägt und das flaue Gefühl im Magen einfach nicht verschwinden will.
Wenn ich nur wüsste, was sich geändert hat. Eins weiß ich jedoch genau, es liegt nicht an Karsten, irgendwas in mir ist... seltsam.



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