Sonntag, 5. April 2015

Ein Osterei am Ostersonntag

Ich wünsche Euch allen ein schönes Osterfest und ein paar erholsame Tage.
Um den Sonntag zu versüßen, habe ich eine kleine Geschichte.
Sie ist im wahrsten Sinn zuckersüß, aber dafür macht sie nicht dick und so könnt ihr quasi unbedenklich schlemmen.
Achtung: Es handelt sich um P18 slash!

Für alle, die nicht gern auf dem blog lesen,  habe ich eine PDF-Datei zum herunterladen:

  Vom Suchen und Finden

Karo Stein

Ich ziehe ihn dicht an mich heran, spüre seine warme Haut an meiner. Zufrieden vergrabe ich mein Gesicht in seinem Haar, atme tief den wunderbaren Duft ein. Ich liebe dieses Gefühl am Morgen. Diesen Zustand zwischen Schlafen und Wachsein. Noch ein bisschen träumen und gleichzeitig alles so überdeutlich wahrzunehmen. Sonnenstrahlen kitzeln mein Gesicht, als ich mich ein Stück zurücklehne. Sie zaubern leuchtend orangefarbene Kreise unter die geschlossenen Lider.
Steffen rutscht näher an mich heran. Sein Hintern presst sich an meinem Schritt. Ich antworte mit meinem Schwanz. Wir seufzen leise, sind noch viel zu verschlafen. Die Lust lässt uns instinktiv handeln. Steffen reibt sich an mir, fordert mich heraus und ich nehme nur zu gern an. Mit einem sanften Ruck drehe ich ihn auf den Bauch und rolle mich über ihn. Maximaler Körperkontakt. Warm und unglaublich erregend. Unsere Hände finden und umschlingen sich. Er dreht den Kopf, bietet mir mit geschlossenen Augen seine Lippen an. Ich fange sie mit meinen ein. Ein zärtlicher Kuss, kaum mehr als ein Hauch. Steffens Lider öffnen sich. Sein Blick ist eine Mischung aus verschlafen und lustverhangen. Dunkle, beinahe schwarze Augen schauen mich eindringlich an. Mein Herz schlägt automatisch schneller, während ich das Becken auf seinem Hintern kreisen lasse. Immer wieder rutscht mein Schwanz in die verführerische Spalte, bringt Steffen zum Keuchen. Erneut finden sich unsere Lippen. Diesmal ist der Kuss eindringlicher. Unsere Zungen umspielen sich, deuten an, wonach uns der Sinn steht.
Steffen zieht die Arme zusammen und legt sie unter seinen Kopf. Ich weiß, dass er diese Nähe liebt. Ganz und gar von mir eingehüllt. Und ich gebe ihm dieses Gefühl gern, denn es macht auch mich unheimlich an.
Guten Morgen“, raune ich ihm zu und knabbere an seinem Ohrläppchen. Der gewünschte Effekt bleibt nicht aus. Ich kann die Gänsehaut deutlich spüren und Steffens tiefes Brummen hallt bis in meinen Brustkorb.
Will noch nicht aufwachen“, murmelt er und kuschelt sich in meine Arme.
Bin scharf.“
Das spüre ich“, sagt er glucksend und erneut findet sich unser Blick.
Bin so unheimlich scharf auf dich. Wird das jemals aufhören?“
Ich hoffe nicht“, erwidert er seufzend.
Ich löse meine Hände aus seinen und richte mich ein Stück auf. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich mal so erwischen würde. Bisher habe ich mich eher für einen rationalen Menschen gehalten. Ich habe nicht über Beziehungen nachgedacht, konnte auch nicht verstehen, dass andere sich so danach sehnen. Die Vorstellung auf jemanden zu warten, der das eigene Leben komplettiert, kam mir vollkommen bescheuert und abstrus vor. Ich habe schließlich gelernt für mich selbst zu sorgen, mit mir allein zurechtzukommen, mich nicht von anderen Menschen abhängig zu machen.
Ich hauche einen Kuss auf Steffens rechtes Schulterblatt, ziehe mit der Zunge eine Linie bis zur Wirbelsäule und platziere dort einen weiteren Kuss.
Jetzt sind wir seit zehn Monaten zusammen und ich genieße jeden Moment, den wir gemeinsam verbringen. Mehr noch, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ohne ihn ist. Er ist wie ein Wirbelwind über mich hinweggefegt und hat jede einzelne Zelle mit seinem betörenden Wesen infiziert. Plötzlich war alles anders und doch geben wir uns den Freiraum, den wir benötigen. Wir brauchen einander nicht, um uns komplett zu fühlen. Die Verbindung ist stark, beinahe übermächtig. Manchmal macht sie mir Angst... manchmal kann ich nicht genug davon bekommen. So wie vom gemeinsamen Aufwachen, von diesem besonderen Moment, den es nur für eine kurzen Augenblick gibt, wenn alles ein bisschen intensiver und unverfälscht ist.
Ich lasse meine Zunge über seine Wirbelsäule gleiten, genieße den einzigartigen Geschmack. Steffen wimmert leise. Ich liebe dieses Geräusch, denn ich weiß, dass er sich ganz auf mich einlässt. Ich kenne den Unterschied, auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um es mir einzugestehen. Sex ist mit ihm nicht einfach nur Sex. Mit Steffen ist alles anders. Er ist ein Zauberer und ich kann mich seinen magischen Kräften nicht widersetzen. Ich will es auch gar nicht. Er soll mich gefangen halten, soll mich verführen. Steffen macht mich zu einem besseren Menschen und schon dieses Gefühl ist unglaublich.
Meine Zunge ist an seinem Hintern angelangt. Ich beiße in eine der verführerischen Backen und küsse den Schmerz gleich danach weg. Steffen knurrt und seufzt gleichzeitig. Grinsend wiederhole ich es auf der anderen Seite und ernte ein ähnliches Ergebnis.
Ich bringe ihn dazu, seine Beine zu spreizen, rutsche dazwischen und richte mich auf. Für mich ist er der schönste Mann, auch wenn ich weiß, dass er das nicht so sieht. Steffen ist immer unzufrieden, will abnehmen und schafft es nicht am Bäcker vorbeizugehen, ohne sich ein süßes Teilchen zu kaufen.
Genüsslich beiße ich in seine Seite, dort, wo tatsächlich ein bisschen mehr Speck ist. Er zuckt und windet sich unter mir.
Lass das“, knurrt er und wirft mir über die Schulter einen grimmigen Blick zu. Grinsend zeige ich ihm meine Zähne, beuge mich nach vor und schnappe erneut zu.
Max, hör auf damit... außer, du knabberst dieses elende Fett ganz weg.“
Wenn es verschwinden soll, musst du schon selbst etwas dafür tun. Für mich bist du absolut perfekt.“
Natürlich!“, murrt er und stößt die Luft genervt aus. „Der einzige mit einem perfekten Körper bist du.“ Vorwurfsvoll sieht er mich an. Ich rutsche nach oben, küsse die Zweifel weg. Ich bin nicht perfekt und wer will schon Perfektionismus, wenn er dieses echte und besondere Gefühl haben kann.
Ich liebe dich“, raune ich gegen seine Lippen und spüre, wie sie sich zu einem Lächeln verziehen.
Und ich liebe dich“, erwidert er atemlos.
Dann rede nicht so einen Unsinn.“
Vielleicht sollten wir gar nicht mehr reden und uns auf wesentlich dringendere Dinge konzentrieren.“
Energisch schiebt er seinen Po nach oben und reibt sich an mir.
Unbedingt“, flüstere ich und presse mich dicht an ihn. Die Lust braust wie eine unbändige Welle über uns hinweg. Wir keuchen, stöhnen, seufzen... Haut an Haut und doch nicht genug. Als ich mich erneut aufrichte, rutscht Steffen auf die Knie und streckt seinen Hintern in die Höhe. Ich genieße den exklusiven Ausblick, lasse einen Finger durch die Spalte gleiten, den Damm entlang, über die Hoden bis zu seiner Schwanzspitze. Dort erwartet mich ein Tropfen seiner Lust. Ich verteile ihn, umschließe mit den Fingern den harten Schaft und reibe ihn mit wenig Druck. Zu wenig, aber ich will, dass es noch lange nicht vorbei ist. Meine andere Hand wird nun ebenfalls aktiv. Steffens Eingang ist das Ziel. Sanft drücke ich dagegen, reize die Nerven, bis die Haut zu zucken beginnt. Steffen presst den Kopf ins Kissen. Er stöhnt gedämpft und drückt sich meinen Bewegungen entgegen. Ich mag es, wenn er fordernd ist, noch mehr, wenn er sich nimmt, was er braucht. Auch das war neu für mich. Eigentlich habe ich mich für jemanden gehalten, der die Zügel beim Sex nicht aus der Hand gibt, aber Steffen wollte sich in keine Rolle drängen lassen. Und mittlerweile kann ich gar nicht mehr verstehen, worin meine Einstellung begründet war. Vielleicht, weil ich bisher niemals zugelassen habe, dass es persönlich wird. Ich wollte die Kontrolle behalten, aber jetzt will ich nichts mehr kontrollieren, sondern nur noch genießen. Es spielt keine Rolle, wie wir die Verbindung intensivieren, nur das Gefühl vollkommen zu verschmelzen zählt, nicht mehr zu wissen, wo der eigene Körper aufhört und der andere anfängt. Das laute Pochen der Herzen, die feuchte Haut, die Gewissheit, dem anderen so nah zu sein.
Träumst du?“, reißt mich Steffen aus den Gedanken und schaut mich vorwurfsvoll an. Ich lege mich auf ihn, erobere erneut seinen Mund und strecke meine Hand aus, um aus dem kleinen Kästchen neben dem Bett ein Kondom zu fischen. Erstaunt stelle ich fest, dass meine Finger ins Leere greifen. Das Kästchen ist leer, aber da waren doch gestern noch mindestens... eine Anzahl weiß ich nicht, aber es war...
Steffen, wieso ist kein Gummi mehr da?“, frage ich und bekomme ein seltsames Gefühl im Magen. Wir haben zwar keine ausdrücklich ausgesprochene Vereinbarung, was Treue und Exklusivität anbelangt, aber ich war mir bisher sicher, dass das nicht nötig ist. Ich bin so verrückt nach ihm, dass ich andere Männer gar nicht mehr sexuell wahrnehme. Jedenfalls bin ich bisher nicht mal in die Nähe einer Versuchung geraten. Mein Herz will Steffen, ebenso wie mein Schwanz, mein Arsch, einfach jedes verdammte Körperteil. Und er? Treibt er es mit jemand anderem? Hier, in unserem Bett? Ich rutsche entsetzt von ihm herunter, schnappe das Kästchen, das ich bisher mit den vielen Herzen darauf albern fand. Die Leere reißt ein Loch in mein Herz. Ich starre Steffen fragend an, kann nicht glauben, dass er uns so etwas antun würde und dann noch auf eine dermaßen plumpe Art und Weise.
Steffen dreht sich um und grinst mich an.
Meine Hand zittert. Ich stelle den verfluchten Kasten auf seine Brust, bin unfähig etwas zu sagen.
Was denn?“, erkundigt er sich scheinheilig. In meinem Bauch beginnt es zu brennen. Feuer lodert durch meine Eingeweide. Ich balle die Hände zu Fäusten, habe keine Ahnung, wie ich reagieren soll, wenn er meine Vermutung bestätigt. Gab es Anzeichen, dass er nicht mehr zufrieden ist? Ist er abgedriftet, während ich von einem gemeinsamen Leben geträumt habe? Verdammt... noch nie habe ich so einen Schmerz gespürt und mich dabei so hilflos gefühlt.
Du guckst, als würde die Welt jeden Moment untergehen.“ Steffen zieht die Augenbrauen zusammen und mustert mich aufmerksam.
Wie sollte ich denn deiner Meinung nach gucken?“, zische ich und presse kurz die Augen zusammen.
So groß kann dein Druck doch gar nicht sein. Es ist doch nur... Moment mal...“ Seine Augen weiten sich und dann brummt er und boxt mit einer Hand gegen meine Brust.
Du denkst doch nicht...“ Steffen richtet sich auf. Sein Gesicht ganz dicht vor meinem, sein Atem auf meiner Haut. „Sag, dass du nicht denkst, ich würde dich betrügen“, flüstert er mit erstickter Stimme. Ich zucke mit den Schultern, will lässig wirken, aber ich komme mir erbärmlich in meiner Angst vor.
Wo sollten die ganzen Gummis denn sonst sein?“
Glaubst du wirklich, ich würde hier in unserem Bett mit einem fremden Kerl ficken? Hältst du mich für so oberflächlich?“ Steffen presst die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und starrt mich wütend an. Wieso ist er denn jetzt wütend? Ich bin doch derjenige...
Ich weiß gerade gar nicht mehr, was ich glauben soll.“
Hast du mal darüber nachgedacht, welcher Tag heute ist?“, fragt er bissig.
Ich will wirklich nicht über ein beschissenes Datum nachdenken, während er dabei ist, alles in Frage zu stellen, was eben noch perfekt und richtig war. Ich schüttle abfällig den Kopf und versuche, meinen inneren Aufruhr in den Griff zu bekommen.
Vielleicht solltest du das mal, bevor du diese unfassbaren Anschuldigungen machst“, sagt er und deutet mit einer Hand hinter mich. Ich drehe mich um und entdecke den Hasen, der auf dem Schreibtisch neben dem Laptop steht. Ostern... es ist Ostersonntag, das habe ich vollkommen vergessen.
Was hat das hiermit zu tun?“ Ich starre die leere Kiste an und spüre, wie mein Herz erneut unruhig zu schlagen beginnt.
Du machst Scherze, oder?“ Steffens Stimme klingt ungläubig und sein Blick ist beinahe fassungslos. Er nimmt mein Gesicht in seine Hände, zwingt mich ihn anzusehen. Ich liebe die Augen, liebe die Berührung seiner Finger auf meiner Haut. Ich liebe das alles so sehr, dass ich am liebsten vor Wut schreien möchte.
Es ist Ostern“, flüstert er so dicht vor meinem Gesicht, dass sich unsere Nasenspitzen berühren. „Und entsprechend dem alten Brauch hat der Osterhase uns über Nacht besucht und offensichtlich ein paar Dinge versteckt.“
Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis die Worte mein Gehirn erreichen, dort so verarbeitet werden, dass ich begreife... oder zumindest hoffe, zu verstehen.
Du meinst?“, erkundige ich mich unsicher und schließe die Augen.
Ich meine, dass der Osterhase wollte, dass du heute Morgen ein bisschen suchen gehst...“
Mit einer Morgenlatte?“
Ja“, flüstert er verführerisch. „Ich hatte mich auf den Anblick gefreut.“ Ein sanfter Kuss landet auf meinen Lippen. Ein weiterer auf der Nase, den Augen, der Stirn. Mit jeder Berührung verschwindet dieses ungeheuerliche Gefühl in meinem Bauch, löst sich die Angst in Luft auf. Gleichzeitig schäme ich mich für die absurden Gedanken und für die Furcht.
Ich liebe dich, Max. Das weißt du doch. Ich würde niemals... unter gar keinen Umständen...“ Noch ehe er weiterreden kann, presse ich meinen Mund hart auf seinen. Ich muss ihn fühlen, spüren, dass er zu mir gehört. Was ist nur mit mir passiert, dass ich dermaßen panisch reagiert habe? Steffen schlingt die Arme um meinen Hals, erwidert den Kuss ebenso intensiv. Unsere Zungen kämpfen miteinander, unsere Zähne prallen aufeinander. Wir weichen zurück und greifen erneut an.
Dafür, dass du mir nicht vertraust, sollte ich dich umbringen“, raunt er wütend und beißt mir in die Unterlippe.
Dafür, dass du mir so eine Angst eingejagt hast, sollte ich dich... Scheiße, Steffen, ich dachte, mein Herz würde aufhören zu schlagen.“
Ich ziehe ihn so fest in meine Arme, dass ich befürchte ihn zu zerquetschen. Er erwidert den Druck, dann packt er mit einer Hand in meine Haare und biegt meinen Kopf nach hinten.
Wage es ja nicht noch mal, an unserer Liebe zu zweifeln“, brummt er und sein Blick durchbohrt mich regelrecht. „Und jetzt mach dich auf die Suche.“
Eine Weile halten mich seine Augen noch gefangen und sorgen dafür, dass die Zweifel endgültig verschwinden. Ich schlucke schwer und nicke. Ein Lächeln erscheint auf Steffens Gesicht. Es ist so unglaublich schön und bezaubernd. Dieser Kerl gehört mir und ich werde mich nicht noch einmal dermaßen verunsichern lassen.
Okay“, murmle ich, rutsche vom Bett und nutze die Gelegenheit, um darunter nachzusehen. Steffen macht ein abfälliges Geräusch und beginnt zu lachen. „Hältst du den Osterhasen wirklich für so einfallslos?“
Man kann ja mal nachgucken“, erwidere ich beleidigt, stehe auf und sehe mich im Zimmer um. Ich fand es schon als Kind nicht besonders lustig, unter den Augen der Erwachsenen suchend durch die Gegend zu laufen. Meine Eltern haben die kleinen Ostergeschenke immer im Garten versteckt und natürlich durfte erst gesucht werden, wenn die ganze Verwandtschaft anwesend war. Ich fand es unangenehm und peinlich, so beobachtet zu werden. Und dann auch noch Freude zeigen! Erwartungsvolle Gesichter, die allesamt nur darauf lauern, dass man sich wie auf Kommando freut, selbst wenn das Geschenk gar nicht den Erwartungen und Hoffnungen entsprach. Seitdem ich von zu Hause weg bin, habe ich Ostern mehr oder weniger ignoriert. Deshalb habe ich auch nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass wir diesen Brauch irgendwie zelebrieren würden.
Unser erstes Osterfest und ich bin auf dem besten Weg es zu versauen. Zuerst mit einem Eifersuchtsanfall und nun damit, dass ich keine Ahnung habe, wo ich suchen soll und dieses ungute Gefühl meiner Kindertage wieder in mir aufsteigt.
Dabei sieht mich Steffen begierig an. Er hat es sich im Schneidersitz auf dem Bett bequem gemacht und spielt an sich herum. Ich starre auf seinen Schwanz, der von Steffens schlanken Fingern dazu gebracht wird, allmählich anzuwachsen. Das Bild ist so heiß, dass ich leise seufze und mir nichts so sehr wünsche, als diese Arbeit zu übernehmen. Ich will wiedergutmachen, dass ich diese furchtbaren Gedanken hatte.
Mach schon“, sagt Steffen ungeduldig und schiebt die Vorhaut so weit zurück, dass die Eichel prall und dunkelrot auf mich zeigt.
Steffen...“ Ich sehe ihn bettelnd an und versuche es mit einem Hundeblick samt Schmollmund.
Wenn du kein Gummi findest, bringe ich es allein zu Ende“, sagt er und massiert seine Eier. Wieso tue ich mir das an? Wir sind schon so lange zusammen, warum benutzen wir eigentlich noch Kondome? Ich gucke halbherzig in die obere Schublade des Sideboards, aber wie zu erwarten befinden sich dort nur Socken. Wir hätten doch schon längst einen Test machen können, um auf die Dinger zu verzichten. Aber bisher hatte anscheinend noch keiner von uns diese Idee. Gummis gehören für mich zum Sex dazu. Ich hatte noch nie das Gefühl, dass da etwas stören würde, dass die Erotik auf der Strecke bleibt. Ganz im Gegenteil, ich habe lange geübt, damit ich ein Gummi mit dem Mund über einen Schwanz ziehen kann. Ich finde es anregend bunte auszuprobieren. Sogar die, die im Dunkeln leuchten, haben mich ziemlich angemacht. Aber jetzt, in diesem Moment, möchte ich wirklich und zum ersten Mal darauf verzichten. Er kann sich nicht vor meinen Augen einen runter holen. Ich will das für ihn tun. Ich will ihm zum Orgasmus bringen, will ihn fliegen lassen. Grummelnd drehe ich mich um und öffne die Türen des Kleiderschrankes.
Wie viele Gummis muss ich denn finden?“, erkundige ich mich, während ich mich nach vorn beuge und tiefer im Schrank verschwinde.
Was für ein Anblick“, sagt Steffen seufzend. Seine Stimme klingt rau. Ich drehe mich zu ihm und erst in diesem Moment wird mir bewusst, dass ich ihn ebenso anheizen kann, wie er mich. Ich nehme meinen harten Schwanz in die Hand und sehe ihn provozierend an.
Du musst suchen“, raunt er erregt und starrt auf meine Körpermitte. „Bitte Max...“
Sobald ich das erste gefunden habe, bist du fällig.“
Okay.“
Noch einmal schaue ich im Schrank nach, aber da scheint nichts zu sein. Etwas zu heftig werfe ich die Türen zu und sehe mich erneut im Raum um. Es ist ja nicht so, dass das Schlafzimmer riesig ist. So viele Möglichkeiten gibt es hier nicht, deshalb sollte ich wohl mein Gehirn wieder nach oben holen und mich auf die Suche machen.
Wird schon wärmer...“, raunt Steffen und seufzt tief. Der Schreibtisch... ich ziehe die obere Schublade auf, aber da ist nichts außer Chaos. Nummer zwei ist auch nicht besser. Frustriert zerre ich am dritten Schubfach und halte mitten in der Bewegung inne. Da liegt ein Osternest. Ein kleines leuchtend gelbes Körbchen mit grünem Gras. Zwei Häschen gucken mich von rechts und links an. Und mitten im Gras... steht ein kleines Kästchen, umgeben von silberglänzenden Kondomverpackungen. Meine Hände zittern, als ich das Körbchen heraushebe. Ich halte die Luft an. Mein Kopf ist vollkommen leer. Ich kann nichts anderes machen, als den schwarzen Samt anzusehen und zu spüren, wie mein Herz davonrast.
Hast du was gefunden?“, fragt Steffen leise und doch kommt es mir vor, als würde seine Stimme laut in meinem Kopf hallen. Wie in Zeitlupe drehe ich mich um und sehe ihn an. Angespannt beobachtet er mich. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Meine Beine setzen sich wie ferngesteuert in Bewegung. Ich lasse mich auf die Bettkante fallen, halte das Osterkörbchen fest in meinen Händen. Hat die Welt aufgehört, sich zu drehen? Sind wir beide auf einer einsamen Insel gestrandet? Es ist so still, dass es beinahe unheimlich ist.
Da... sind ja die Kondome“, flüstert Steffen und lächelt mich unsicher an.
Hm“, murmle ich, stelle das Nest zwischen uns und schlucke schwer. Ich atme tief durch, nehme das schwarze Kästchen heraus und öffne es. Steffen rutscht näher, kniet sich neben mich und legt seine Hand auf meine.
Ich weiß nicht genau, wie die richtige Reihenfolge ist“, sagt er und fährt mit der anderen Hand durch seine Haare. Sie stehen wild durcheinander. Ich mag den out of bed look und dazu dieses Glitzern in den Augen. „Du könntest jetzt einfach eines von den Gummis nehmen und zu Ende bringen, was du angefangen hast, oder du... nimmst meinen Antrag an und fickst mich dann in den Himmel.“
Ich starre ihn an und schüttle ungläubig den Kopf. „Das hast du nicht wirklich gesagt, oder?“ Ein seltsames Kribbeln breitet sich in meinem Bauch aus, wird stärker und steigt allmählich nach oben.
Doch... ich... na ja, du musst natürlich nicht und es ist ja auch nicht so, dass wir gleich morgen oder so... aber vielleicht... irgendwann... ich wollte nur, dass du weißt und na ja, vielleicht willst du auch... also irgendwann mal...“ Er bricht ab und beißt sich auf die Unterlippe.
Ich habe kein Wort verstanden“, sage ich und kann mir ein Lachen nicht verkneifen. „Oh Mann, Steffen, dass ist das Verrückteste, was du jemals gemacht hast...“
Er seufzt und sieht mich unglücklich an. Das ist der Moment, in dem ich ihn wirklich am liebsten auffressen möchte. Verdammt, ich liebe diesen Mann so unendlich, dass ich es selbst kaum fassen kann. Auch wenn ich noch nie übers heiraten nachgedacht habe, ist die Vorstellung mit ihm auf diese Weise verbunden zu sein unglaublich. Wir beide...
Ich nehme einen der Ringe heraus. Schlicht und schmal, mattpoliert. Meinen Geschmack hat Steffen auf jeden Fall getroffen. Ich halte den Ring einen Moment in der Hand, betrachte ihn und schiebe ihn mir dann auf den Finger.
Ist es das, was du willst?“, frage ich und halte ihm meine Hand hin. Steffen nickt und dann strahlt er mich an.
Habe ich doch gefragt“, sagt er grinsend.
Konnte man auch echt gut verstehen, dein Gestotter.“
Aber du hast verstanden“, erwidert er mit Nachdruck. Einen Augenblick sehen wir uns an, dann fangen wir gleichzeitig an zu lachen. Steffen wirft sich auf mich. Ich falle nach hinten, umarme ihn, während er wilde Küsse auf meinem Gesicht verteilt.
Du hast deinen Ring noch gar nicht aufgesteckt“, stelle ich fest und rolle mich unter Steffen hervor. Ich nehme den zweiten Reif aus dem Kästchen und mein Herz beginnt wie verrückt zu schlagen. Dieser Morgen ist so seltsam und unwirklich, dass ich mich frage, ob ich vielleicht in einem Traum stecke. Liege ich in Wirklichkeit noch im Bett und das alles hier ist nur ein Gespinst meiner Fantasie? Nein, es ist wahr... Ich nehme Steffens Hand und streife ihm den Ring über. „Willst du mich heiraten?“, frage ich schlicht. Das Blut rauscht in meinen Ohren, als würde es die Niagarafälle hinunterfließen.
Beinahe hätte ich Steffens geflüstertes „ja“ nicht gehört. Ich beuge mich über ihn und suche nach seinen Lippen. Der Kuss ist zärtlich und leidenschaftlich zugleich. Es ist, als würden wir damit das Versprechen besiegeln. Wir verschränken die Finger miteinander und erneut flutet mich dieses seltsam unbestimmte Gefühl. Die Ringe berühren sich. Habe ich nicht vor wenigen Minuten noch gedacht, dass Steffen mich betrügen würde und nun habe ich einen Ring am Finger und ein Versprechen gegeben. Ich glaube, das muss ich erst mal verdauen. Ich lasse mich neben ihn fallen und starre die Zimmerdecke an. Dann hebe ich unsere Arme nach oben, um mich zu vergewissern, dass die Ringe wirklich an unseren Fingern stecken. Ich drehe den Kopf zur Seite und sehe Steffen an.
Hattest du das so geplant?“, frage ich und spüre, wie erneut ein Lachen in meinem Hals kitzelt.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du die Sache mit den fehlenden Kondomen so falsch interpretieren würdest.“
Das tut mir unglaublich leid. Mir sind die Sicherungen durchgebrannt, dabei habe ich mich gar nicht für so einen eifersüchtigen Typ gehalten.“
Eigentlich hat es sich ziemlich gut angefühlt. Auch wenn du mir sagst, dass du mich liebst, war ich mir manchmal nicht sicher, ob du das mit uns ebenso siehst wie ich.“
Wie siehst du es denn?“, erkundige ich mich und drehe mich auf die Seite. Mit einer Hand stütze ich meinen Kopf ab und betrachte Steffen, der die Stirn in Falten legt und offensichtlich nach den richtigen Worten sucht.
Ich will mit dir zusammen sein. Am liebsten für immer, auch wenn ich weiß, dass niemand in die Zukunft sehen kann. Vielleicht gibt es kein für immer, aber ich will zumindest keine Sekunde vergeuden. Mein Herz sagt mir, dass wir es schaffen können, weil ich noch nie so emotional war, aber bei dir kann ich es sein. Ich fühle mich gut mit dir...“
Das klingt auf jeden Fall besser, als das Gestotter von vorhin“, sage ich mit einem Lächeln und ernte dafür einen grimmigen Blick. Ich beuge mich vor und küsse ihn, lege all meine Gefühle in diesen Kuss und hoffe, er kann es erkennen.
Wir waren in diesem besonderen Moment nackt“, brumme ich gegen seine Lippen. „Das können wir ja niemals unseren Kindern erzählen.“
Kinder?“
Glaubst du, ich will den Rest meines Lebens damit verbringen, die verdammten Gummis zu suchen?“
Gesucht wird doch nur Ostern“, raunt er und ein Hauch rosa überzieht sein Gesicht
Und weißt du, was man an Ostern noch macht?“, forsche ich grinsend, froh darüber, dass er nicht auf die Sache mit den Kindern eingeht. Ich glaube, ich kann im Moment meinen eigenen Worten nicht mehr trauen. Ich komme mir vor, als würde ich betrunken sein... Trunken vor Glück, das trifft es irgendwie.
Eier ausblasen“, rufen wir gleichzeitig und wälzen uns lachend im Bett herum. Ich bekomme ein Kondom aus dem Osternest zu fassen und endlich... endlich kann ich das beenden, was ich vorhin noch halb verschlafen angefangen habe. Es kommt mir vor, als würde eine Ewigkeit dazwischen liegen. Eine Ewigkeit, in der ich den Körper von Steffen ganz neu erkunde, jede Stück Haut koste und fühle. Alles ist neu und aufregend und gleichzeitig so wunderbar vertraut.
Als ich mich langsam in ihn schiebe, sehen wir uns tief in die Augen. Ich spüre die Ringe an unseren Fingern, die unglaubliche Hitze an meinem Schwanz und das Klopfen unserer Herzen... Es ist verrückt und doch perfekt.
Ein perfekter Ostermorgen...
Ende




Kommentare:

  1. Hallo Karo,

    ich wünsche dir und deiner Familie frohe Ostern!
    Dankeschön für das tolle Osterei, dass du für uns geschrieben hast.

    LG Piccolo

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  2. Hallo Karo,
    das war, wie immer, eine wunderschöne Geschichte! Danke dafür und noch schöne Feiertage!!!
    Alles Liebe
    Christina

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  3. Hallo Karo,

    danke für das tolle Osterei!!! Freue mich schon sehr auf die Geschichte.
    Ich lass auch gleich noch ein großes Lob für "Whiskyteufel" und "Tanz inklusive" da, zwei wirklich tolle Geschichten.
    Dir und Deinen Lieben wünsche ich frohe und sonnige Ostern!!! :-)

    glg ela

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  4. Hey Karo,
    schöne Geschichte, vielen Dank dafür. Hab Whiskyteufel schon auf dem Reader und freu mich drauf!
    Lg

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  5. Hallo Karo !
    Grins zum 24.12. gibt es eine sm geschichte oder ? Weil da kommt der Alte mann mit der Rute oder lol Oder aber die Trauung der beiden !

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