Mittwoch, 18. März 2015

Gemütliche Messeplauderei


Mit einem Glas Glen Faol Whisky Special Edition "Leipzig Fair Trade unlimited" sitzen Kevin, Michael und ich zusammen und lassen die letzten Tage Revue passieren.
"Wie war denn eure Anfahrt?", erkundige ich mich und sehe Michael neugierig an.
"Lang", brummt er. "Unglaublich lang und beengt. Dieser alte Transporter rumpelte über die Autobahn und manchmal dachte ich, wir schaffen selbst die kleinste Steigung nicht."
"Ach Quatsch, es war doch ganz lustig", mischt sich Kevin lachend ein. "Sei nicht immer so versnobt"
"Wer hier wohl ein Snob ist? Muss ich dich daran erinnern, dass du dich jeden Tag darüber beschwert hast, dass nur ich auf der Tapete hinter dem Cursed Stand zu sehen war? Und das, wo es doch angeblich nur deine Geschichte ist!"
"Ich finde das auch immer noch nicht fair. Obwohl du wirklich heiß aussiehst auf diesem Bild." Kevin seufzt und dann sieht er mich grimmig an. "Wieso gibt es kein Bild von mir?"
"Tut mir leid", murmle ich und mache ein betretendes Gesicht. "wir konnten echt kein Bild finden, das dir gerecht wird."
"Toll", murrt er und trinkt einen großen Schluck von seinem Whisky.
"Du bist eben unvergleichlich gut aussehend und sexy. Ich möchte dich gar nicht mit all den Lesern teilen müssen", raunt Michael ihm zu, legt einen Arm um Kevins Schulter und drückt einen Kuss auf seine Wange.
"Ach, aber ich soll dich mit ihnen teilen?", begehrt er auf und funkelt Michale eifersüchtig an.
"Du weißt doch, dass ich nur dir gehöre."
"Und du weißt das nicht? Glaubst du, ich würde... ich... also... denkst du?" Er gerät ins Stocken und sieht Michael unsicher an.
"Ich weiß, dass du zu mir gehörst", flüstert Michael und verschließt Kevins Mund, noch ehe er etwas sagen kann. Ich kann den Blick gar nicht abwenden und frage mich, wie ich es geschafft habe, dass die beiden so verliebt sind. Man kann vor allem so unglaublich deutlich spüren, wie sehr sie miteinander verbunden sind. Dabei war ich mir am Anfang gar nicht sicher, wie ich sie zusammenbringen soll.
"Und was ist mit dir?", fragt Kevin nach einer Weile und scheint sich wieder beruhigt zu haben. "Wie war deine Fahrt?"
"Eigentlich unspektakulär. Wie immer war es am Ende recht hektisch bei mir. Schließlich habe ich die Muffins erst am Vormittag fertig gemacht, meine Mutter wollte auch noch Kuchen haben, denn sie hatte am Donnerstag Geburtstag. Gegen 18.30 Uhr bin ich erst losgefahren, aber immerhin staufrei. Sogar mein altes Navi hat mich problemlos ans Ziel gebracht. In der Ferienwohnung wurde ich mit großem "Hallo" empfangen und habe ich riesig gefreut, meine Mitautorinnen zu treffen."
"Die von der Kuschelgang?", erkundigt sich Michael neugierig.
"Genau! Wir hatten ja auch einen eigenen Stand zusammen mit dem Mainverlag. Sie haben mir erst mal ausführlich erzählt wie der erste Messetag war. Das kribblige Gefühl ist direkt auf mich übergesprungen und ich konnte es kaum erwarten, bis es am Freitag auch für mich endlich losging."
"Kribblig war mir auch zumute, aber wir waren ja irgendwie keine Sekunde allein", murrt Kevin.
"Das haben wir doch schon längst nachgeholt", erwidert Michael.
"Wenn du das glaubst, dann muss ich dir sagen, dass du ziemlich alt bist. Mir reicht es noch lange nicht. Es waren immerhin vier Messetage, in denen wir kaum eine ruhige Minute hatten." Kevin legt den Kopf auf Michaels Schoß und seine Beine landen bei mir. Sein einnehmendes Wesen war mir schon immer bewusst und so wehre ich mich nicht gegen den Übergriff. Er presst seine Wange gegen Michaels Schritt, sodass dieser kurz aufstöhnt, sich dann aber wieder fängt. "Und weiter?", fragt er mich, während er Kevins freche Anmache abblockt. "Wie war dein erster Messetag?"
"Aufregend", antworte ich und muss mich kurz räuspern. Bisher habe ich mich eigentlich nicht für einen Spanner gehalten, aber die beiden machen es mir nicht leicht, den Blick abzuwenden. Kevin ist echt... ein kleiner Teufel. "Der Stand sah toll aus..."
"Stimmt, der hat mir auch gefallen. So farbenfroh und fröhlich."
"Farbenfroh und fröhlich?"
Michael und ich gucken Kevin erstaunt an. Der zuckt nur mit den Schultern. "Was denn? Gibt es irgendeine Regel, die besagt, dass mir das nicht gefallen darf? Okay, ich würde mein Zimmer sicherlich nicht so gestalten, aber für eine Messe war es ein absoluter Hingucker und es hat doch die Leute angezogen, oder nicht."
"Absolut", pflichte ich ihm bei. "Besonders der bunte Teddy war ein echter Magnet."
"Ich mag meinen Wolf."
"Das hoffe ich." Michael streichelt Kevins durchs Haar. Die beiden sehen sich an und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich die Herzchen sehen kann. Das ist schon ein bisschen kitschig, aber hach... verdammt, es ist ziemlich schön....
"Wir haben Unmengen an Flyern und Werbezeugs unter die Leute gebracht."
"Und die kleinen bunten Zuckerstangen", sagt Kevin und richtet sich ein Stück auf. "Hast du davon noch welchen? Die waren echt lecker"
"Ein paar sind noch da." Ich schiebe seine Füße zur Seite und lehne mich nach vorn zum Couchtisch. Dort steht eine Tüte, in der die ganzen Süßigkeitenreste von der Messe drin sind. Viel ist es nicht, aber für Kevin ist auf jeden Fall noch eine Zuckerstange dabei.
"Ich war ziemlich aufgeregt, als ich am Nachmittag endlich mit den Muffins zu euch in Halle 1 gekommen bin.Und von der Tapete war ich echt geflasht!"
"Du wusstet nichts davon?"
"Nein, das war eine richtige Überraschung."
"Geil", ruft Kevin enthusiastisch, dann runzelt er jedoch die Stirn. "Wäre noch geiler gewesen, wenn ich auch drauf gewesen wäre."
"Nicht schon wieder", rufen Michael und ich gleichzeitig, was Kevin erneut zum Schmollen bringt.
"Halle 1 ist immer wieder ein besonderes Erlebnis", sage ich und die vielen Bilder laufen wie ein Film an mir vorbei. "Auch wenn ich fast keine der Figuren erkenne, finde ich die Kostüme echt großartig. Die Mühe, die dahinter steckt, beeindruckt mich jedes Jahr von Neuem."
"Das ist wirklich nicht meine Welt", brummt Michael. "Zu viel Chaos. Und wie die Halle gestürmt wurde... ich habe da wirklich um mein Leben gebangt."
"Ich hätte dich gerettet", ruft Kevin lachend.
"Das nächste Mal besuchen wir eine Whiskymesse, da geht es sehr viel ruhiger zu."
"Ich weiß nicht, wenn Kevin so viel durcheinander trinkt...", wende ich ein und bekomme einen Tritt, denn er hat seine Beine natürlich wieder zurückgelegt.
"Stimmt, das eine Mal hat mir vollkommen gereicht."
"Das ist doch schon Ewigkeiten her, das zählt gar nicht." Er verschränkt beleidigt die Arme vor der Brust.
"Ewigkeiten würde ich nicht unbedingt sagen..."
"Es ist seitdem jedenfalls nicht wieder vorgekommen. Und hättest du dich nicht so gemein benommen, dann..."
"Lasst uns doch noch ein bisschen über die Messe reden", unterbreche ich die beiden, bevor sie noch mehr aus dem Nähkästchen plaudern. "Wusstest ihr, dass ihr das erste verkaufte Buch am Stand des Cursed Verlages ward?"
"Natürlich! Wir waren schließlich dabei", brummelt Kevin und verdreht die Augen.
Ich gehe nicht darauf ein, sondern reiche ihm sein Glas. Auch Michael nimmt seinen Whiskybecher und wir stoßen gemeinsam an. "Auf das erste verkaufte Buch. Hoffentlich hat der Käufer viel Spaß damit!"
"Aber der Freitagabend... also mal ehrlich! Wehe, wenn Frauen losgelassen werden." Michael schüttelt den Kopf.
"Was denn?", frage ich und versuche möglichst unschuldig zu gucken. Leider gelingt mir das nicht, denn die Erinnerung an den Abend zusammen mit den Mädels vom Cursed Verlag bringt mich zum Lachen.
"Das war ganz schön... verdorben!"
"Unsinn, das waren Erotikleseproben... Alles echte Literatur!"
"Hetero", ruft Kevin und schüttelt sich.
"Na und?"
"Selbst Ornias, dieser Dämon aus dem anderen Buch ist ein bisschen blass um die Nase geworden. Niemand will so etwas lesen oder hören!"
"Ich habe mich ganz unglaublich amüsiert", sage ich und kriege das Grinsen nicht aus dem Gesicht. "So viel habe ich schon lange nicht mehr gelacht. Ihr seid ja echt empfindlich! Aber davon mal abgesehen. Sieht der Dämon heiß aus?"
"Oh ja", seufzt Kevin sofort. "Verdammt heiß!"
"Kevin", brummt Michael gefährlich, packt Kevins Haare besitzergreifend und zwingt ihn, ihn anzusehen. Mir wird ganz flau von so viel Testestoron.
"Mit Lelis gewissermaßen um die Wette die vorbestellten Bücher zu signieren, war lustig", merke ich an und sehe die Türme und Mauern, die die Mädels um uns herum aufgebaut hatten.
"Dein Spruch war nicht besonders originell", beschwert sich Kevin.
"Hast du einen besseren?", fahre ich ihn genervt an. Ich finde es unheimlich schwierig, ein Buch zu signieren. Es ist noch immer so ein bisschen, als würde ich gar nicht begreifen, was ich da mache. Auch wenn ich es wirklich toll finde, bleibt es noch immer ein wenig surreal.
"Ich fand es gar nicht schlecht. Passt doch zur Geschichte..."
"Tja, du bist ja auch auf dem Cover drauf!"
"Und du darfst die ganze Zeit im Buch erzählen."
"Aber mich sieht man nicht."
"Dafür redest du wie ein Wasserfall!"
"Sogar Bengt ist auf seinem Buch drauf. Ein echter Engel." Kevin seufzt theatralisch und Michael grummelt.
"Die Signierstunde am Samstag haben wir auch ganz gut gemeistert, oder?"
"Du kannst wirklich gut ablenken", sagt Michael und grinst mich an. Gott, diese Augen machen mich echt schwach. Meine Wangen werden ganz heiß und so greife ich erneut nach dem Glas und rette mich mit einem weiteren Schluck Alkohol.
"War ganz nett", brummelt Kevin. "So vielen Leute, die MEINE Geschichte lesen wollten."
"Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl", gebe ich zu. Ich erzähle ihm besser nicht, dass ich eigentlich gar nicht vorhatte, SEINE Geschichte aufzuschreiben. Stattdessen hoffe ich, dass ich diesmal weniger nervös gewirkt habe, auch wenn ich es war. Es ist tatsächlich noch mal ein anderes Gefühl, an diesem Tisch zu sitzen, mit dem Namen an der Wand hinter mir, als am Stand ein Buch zu signieren. Wobei das auch viel Spaß gemacht hat und meist hat sich daraus auch irgendwie ein kleines Gespräch ergeben.
"Hast du noch andere Autoren getroffen?", erkundigt sich Michael.
"Klar!", rufe ich enthusiastisch. "Ich war am Stand von Dead Soft und Incubus und habe mich dort super nett unterhalten. Dann war ich noch beim Querverlag und konnte meine Finger nicht von zwei Büchern lassen. Ach ja, und schräg gegenüber vom Stand der Kuschelgang war der Konkursbuchverlag. Da habe ich gleich mal im Schwulen Auge 11 nach meiner Geschichte gesucht."
"Und?"
"Gefunden", sage ich lachend.
"Ich habe auch zwei Bände vom Schwulen Auge", sagt Michael und grinst mich breit an.
"Echt? Wieso hast du mir die Bücher noch nie gezeigt?", erkundigt sich Kevin.
"Keine Ahnung, die stehen halt im Schrank. Die Bilder sind teilweise ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich ist es ein witziger Mix."
"Sollte ich noch eine Einladung dafür bekommen, schreibe ich passend zu den Bildern", sage ich lachend.
"Na, darauf bin ich schon jetzt gespannt!"
"Okay, wie wäre es mit einem abschließenden Resümee? Ich habe ja noch immer das Gefühl, etliche Stunden Schlaf nachholen zu müssen und dein Whisky macht meinen Zustand auch nicht unbedingt besser." Zur Bestätigung muss ich so heftig gähnen, dass ich Angst habe, mir den Kiefer auszurenken.
"Ich fand es sehr eindrucksvoll", fängt Michael an.
"Ja, ich auch", stimme ich ihm zu. "So viele Leser und Autoren, so viele Gespräche und nette Gesten. Ich bin noch immer geflasht und begeistert. Habt ihr eigentlich den Whiskyteufel gesehen, den ich geschenkt bekommen habe?"
Ich halte den beiden die kleine gehäkelte Figur entgegen, die eine Flasche Whisky fest an den Körper drückt. "Süß, oder?"
"Absolut!"
"Ich fühle mich vernachlässigt", mault Kevin.
"Ich mache es nachher im Bett wieder gut", flüstert Michael und mein Kopfkino läuft sofort auf Hochtouren. Sie küssen sich gierig und ich kann ein Seufzen nicht unterdrücken. Das bringt sie wohl zur Besinnung, denn Kevin steht auf, reicht Michael die Hand und zieht ihn ebenfalls vom Sofa. Immerhin bekomme ich rechts und links von beiden Männern einen Kuss auf die Wange, ehe sie sich von mir verabschieden. Zufrieden sehe ich ihnen hinterher und spüre ein unglaubliches Gefühl von Stolz in meiner Brust. Ich habe so oft an der Geschichte gezweifelt, musste den ursprünglichen Weg komplett verlassen und am Ende hat dann doch alles funktioniert. Sie passen so gut zusammen.
"Ach Karo?" Kevin steckt den Kopf durch den Türspalt. "War es kuschelig mit der Kuschelgang?" Er gluckst und zwinkert mir zu.
"Ja", rufe ich begeistert. "Sehr kuschelig und gemütlich und motivierend."
Die Messe war wirklich schön. Es gab so viele besondere Momente, die ich alle gar nicht aufzählen kann.
Schreiben macht unheimlich Spaß und dieser besondere Erfolg ist die Kirsche auf dem Eisbecher. Es sind die bunten Streusel in der Sahne oder der milde Rauch im Whisky!
Ich bin wirklich dankbar dafür und freue mich schon jetzt darauf, ganz viele im November in Berlin zutreffen.





Kommentare:

  1. Hallo Karo,

    ich möchte mich noch einmal ganz herzlich dafür bedanken, dass du all meine Bücher signiert hast. Danke auch für die Antwort zur Fortsetzung von positiv verliebt.

    Jetzt bin ich gerade ganz vertieft in den Whiskeyteufen und ich muss sagen, die Geschichte gefällt mir sogar noch besser als der Margeritenengel.

    LG Piccolo

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  2. fein trink sie einfach mit anderen was ohne mich lol
    aber schön das du spass hattes und kraft für weitere bücher geladen hast -grins- ! möchten ja nur zwei bücher bis zur messe in berlin von dir haben !!!

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