Dienstag, 9. Dezember 2014

Noch einmal Berlin

Eigentlich haben Berlin und ich ja keine besonders gute Beziehung zueinander. Wobei es beinahe so scheint, als würden wir nach 13 Jahren doch noch einen gemeinsamen Weg finden.
Egal, ich habe mich am Sonntag auf den Weg gemacht. Diesmal mit der Bahn und ich muss gestehen, dass ich Busfahren sehr viel angenehmer finde. Vielleicht hatte ich auch nur eine ungünstige Verbindung, denn ich musste zweimal umsteigen und mir die Zeit an hässlichen und kalten Bahnsteigen vertreiben. Allein macht so was noch viel weniger Spaß... Aber letztendlich bin ich einigermaßen entspannt, aber vor allem wie immer sehr aufgeregt angekommen.
Es war ja in mehr als einer Hinsicht eine Premiere, denn es war das erste Aufeinandertreffen von Sissi Kaipurgay und mir. Ich war sehr gespannt auf die Frau, die mein Autorenleben in vielerlei Hinsicht im letzten Jahr verändert hat. Es war auf jeden Fall eine große Freude und ich glaube, wir haben uns gar nicht schlecht verstanden *lach*
Der Grund für dieses Zusammentreffen war eine Einladung der Ordensschwestern zum Adventskaffee. Nachdem auch Katrin, die dritte im Bunde am Bahnhof eingetroffen war, standen wir erst mal ein wenig unkoordiniert an irgendeiner Bushaltestelle herum, bis es uns nach gefühlten zwanzig Minuten gereicht hat und wir uns ein Taxi zum Hotel gegönnt haben.
Das Hotel... also na ja, Berlin hat mit Sicherheit Schöneres zu bieten, aber für eine Nacht sollte es schon gehen. Immerhin war es sehr nah am Ulrichs- Café, was ja unser eigentliches Ziel war.
Nach einer kurzen Zimmerbesichtigung haben wir uns auf den Weg gemacht. Julklupp- Geschenke hatten wir natürlich auch dabei. Mein Mann hatte mich genötigt, das riesige, viel zu bunte Sparschwein mitzunehmen, dass er selbst mal nach einem Julklupp mit nach Hause gebracht hat. Obwohl ich nicht begeistert war, habe ich es brav verpackt und in Handtücher eingepackt (die ich ansonsten gar nicht mitgenommen hätte) und eigentlich habe ich beinahe damit gerechnet, dass es die Zugfahrt nicht überstehen würde. Hat es aber und so konnte ich es an der Tür bei Schwester Suzette abgeben.
Wir haben uns ziemlich weit hinten ... also im Grunde ganz hinten und dann auch noch hinter einer Wand einen Tisch gesucht und verharrten der Dinge, die da kommen würden. Okay, ich hatte keine Zeit zum verharren, denn, während die anderen einfach am Tisch sitzen blieben, wurde ich gewissermaßen von Schwester Francine zur Bühne entführt. Das Motte lautete: Wir machen ein bisschen Werbung für die HomoSchmuddelNudeln und dann reden wir noch über "positiv verliebt". Oh mein Gott! Ehrlich, auf so einen Auftritt war ich nicht vorbereitet! Und dann bekam ich auch noch ein Mikro in die Hand gedrückt und für einen Moment habe ich mich gefragt, ob es nicht irgendwo einen Notausgang gibt, idealerweise hinter mir. Aber da war nichts, außer ein paar Bildern. Die Bühne hatte auch kein Loch, durch das ich verschwinden konnte.

Also habe ich tapfer die HomoSchmuddelNudeln vertreten, während sich die anderen hinter der Ecke versteckt hielten.
Als ich im Mai den Button mit der Aufschrift "Rampensau" von den Schwestern bekommen habe, hatten sie damit wohl mehr recht, als ich selbst gedacht habe. Na ja, zugebenermaßen fällt mir hinterher immer mehr ein, aber ich denke, ich habe es einigermaßen hinbekommen.
Vor dem Weihnachtsliedersingen durfte ich allerdings zurück in meine Ecke... Singen gehört nämlich wirklich nicht zu meinen Talenten.
Das erste Highlight war die Verteilung der Spendengelder. Fünf Sterne mit je 1000 Euro machten sich auf den Weg an Einrichtungen, die sich um Menschen mit HIV und Aids kümmern, die auch die bereits verstorbenen Opfer nicht vergessen. Es hat mich sehr berührt und es war ein unglaublich tolles Gefühl zu wissen, dass ein Teil des Geldes von den Nudeln kam.
Einen musikalischen Leckerbissen gab es auch. Der Sänger war absolut genial, ich hätte ihm noch ewig zuhören können. Er hatte so eine unglaublich erfrischende Art und war dabei so charmant und charismatisch, dass man sich ihm vermutlich nur schwer entziehen konnte.
Julklupp... Oh Mann! Zugucken ist ja echt super und lustig, aber selbst mitmachen? Ich meine, ich wollte doch nur dieses Schwein loswerden. Davon, dass ich mir anschließend selbst eine Tüte aussuchen und mich damit auf den Schoß von Schwester Daphne setzen muss, war doch niemals die Rede gewesen ... Irgendwer sagte mal, es gibt einen Zeitpunkt, da ist einem nichts mehr peinlich. Scheint, als wenn das stimmen würde, denn was könnte netter sein, als Fisthandschuhe aus seiner Tüte zu ziehen und das in einem Saal, der zu 95 Prozent aus schwulen Männern bestand...
Schätze, da konnte selbst der Penisaschenbecher, den ebenfalls eine Frau bekommen hatte, kaum mithalten. Aber ich habe sie (hoffentlich) mit Würde von der Bühne getragen. Ach ja, das Sparschwein schien endlich den richtigen Besitzer gefunden zu haben, denn der junge Mann hat sich echt gefreut. So kanns gehen!
Es war ein wirklich schöner Nachmittag und Abend mit tollen Gesprächen und jede Menge Spaß. Wir drei Mädels haben hinterher noch einen Italiener aufgesucht, die Nacht gewissermaßen ausklingen lassen und Schreibpläne fürs neue Jahr geschmiedet.
Schlaf habe ich in meinem Bett nicht viel bekommen. Das Hotel war ziemlich lebhaft ... und das ist nur vorsichtig ausgedrückt.
Nach dem Frühstück ging es zurück zum Bahnhof. Die beiden fuhren leider sehr viel früher als ich ab und so habe ich mir die Zeit damit vertrieben, ein paar Runden durch die verschiedenen Etagen zu drehen, bis das ziemlich langweilig wurde und ich in einem Bücherladen eine Zeitschrift erstanden und mit dieser bei Mc Donalds die nächste Stunde verbracht habe. Da es so was bei mir ja nicht gibt, habe ich mir mal eine Schwulissimo gegönnt und mich auf den neuesten Stand gebracht.
Vom Bahnhof zum Busbahnhof ... den Weg kannte ich noch gut. Und dann endlich, ziemlich durchgefroren im Bus nach Hause.
Ich denke, für dieses Jahr habe ich genug Ausflüge gemacht. Aber ich freu mich auf das neue Jahr und hoffe, dass ich noch mehr so wundervolle Erfahrungen machen darf.

Ich nutze diese Stelle gleich noch für ein paar sehr, sehr persönliche Worte: Die HomoSchmuddelNudeln sind sicherlich ein durchaus umstrittendes Projekt. Ich weiß, dass sich viele Autoren am Namen stören, dass sie Angst haben, nicht ernst genommen zu werden, sich nicht identifizieren können... Ich habe schon vieles gehört und hatte die ungewollte Chance auch über einige Dinge nachdenken zu müssen. Ehrlich gesagt, als ich das erste Mal diesen Begriff hörte, fand ich es einfach nur lustig. Es ist natürlich nicht politisch korrekt. Aber muss eigentlich immer alles korrekt sein? Muss man sich selbst ausschließlich ernst nehmen? Ich finde, manchmal darf man auch Spaß haben ... Spaß, der anderen Leuten zugute kommt. Als am Sonntag diese fünf Sterne verteilt wurden und der Name HomoSchmuddelNudeln gefühlte 100 Mal während der Veranstaltung fiel, da habe ich echten Stolz empfunden. Natürlich ist unser Geld nur ein Bruchteil dessen, was an Spenden gesammelt wurde. Aber vielleicht ist ein Teil davon an die HIV- positiven Kinder gegangen, denen damit ein Stück bessere Zukunft ermöglicht wird.... oder vielleicht sind sie auch ein Teil des Geldes, von dem nun Weihnachtsgeschenke für Pflegebedürftige gekauft werden können. Ich will wirklich nicht patetisch werden, aber in diesem Moment bin ich echt gern eine SchmuddelNudel... und es schien sich wirklich niemand an diesem Namen zu stören. Ich weiß genau, dass ich auch im nächsten Jahren bei den Projekten dabei sein werde, denn noch nie hat sich etwas so verdammt gut angefühlt. 



Und für die Leser: Bitte macht weiter! Gönnt euch diese wunderbaren Bücher und verbringt eine schöne Zeit mit einer Vielzahl an Geschichten, die auch ein bisschen wie eine Pralinenschachtel sind. Vielleicht ist nicht jede köstlich, aber hinter jeder steckt das Bedürfnis Geld für einen guten Zweck zu sammeln. 

Aber nun genug der Rührseligkeiten, es gibt ja noch so viel zu tun!

Kommentare:

  1. Ein superschöner Bericht. Habe mitgelitten :) Bei der Berliner Buchmesse hatten wir ja auch das Vergnügen, die Ordensschwestern kennen lernen zu dürfen. tres charmant :) Und was Begrifflichkeiten oder schräge Namen angeht: wir haben hier in Hannover ein schwules Veranstaltungszentrum, das nenn sich 'Schwule Sau'. Fand ich zu beginn auch irritierend, aber dann doch sehr genial. :)

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  2. *Grummel* Mein Kommentar ist weg. Daher nun kurz: War toll. Karo? Ich lübe dich. Bist die bessere Rampensau.

    Katrin: Dir werden wir das Flüstern noch abgewöhnen!

    Mädels? War ein toller Trip.

    In Liebe - Sissi

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