Montag, 17. November 2014

1. Buch Berlin und ich war dabei...

Die Messe in Berlin … ein bisschen fehlen mir die Worte, um die ganzen Eindrücke wirklich würdig einzufangen, aber ich werde es trotzdem versuchen, euch ein paar Einblicke in meine ganz persönlichen Erlebnisse zu geben.
Wenn ein Tag beschissen anfängt, weil die Kinder noch am frühen Morgen mit Hiobsbotschaften aufwarten und man sich fragt, ob es besser ist, das Berlinwochenende sausen zu lassen, dann … kann es doch eigentlich nur noch besser werden.
Die Busfahrt hat jedenfalls super geklappt und ich schätze, ich werde diese Reisemöglichkeit tatsächlich öfter in Betracht ziehen. Allerdings ist der Busbahnhof ein bisschen gruselig, da möchte man doch lieber mit dem Zug in Berlin ankommen.
Aber gut, vollkommen ziel-und planlos bin ich einmal in alle Richtungen gegangen um festzustellen, dass die große Stadt mich auf Anhieb erschlägt. Okay, Berlin und ich … wir haben ohnehin unsere persönlichen Differenzen und manchmal kommt eben doch das Kleinstadtmädchen in mir durch.
Ehe jedoch Verzweiflung aufkommen konnte, wie ich es zum Hauptbahnhof schaffen soll, wo ich mit Chris P. Rolls und Karolina Peli verabredet war, bin ich kurzerhand zu einem Taxifahrer gegangen.
Ja, ja, die Autorin von Welt lässt sich mit dem Taxi durch Berlin fahren und starrt dabei wie ein Kind an Weihnachten aus dem Fenster. Offensichtlich ist das dem Taxifahrer nicht entgangen, denn er fing an, mir quasi eine Stadtführung zu geben. Das war wirklich sehr nett von ihm.
Am Bahnhof die erste freudige Umarmung mit Chris. Es war so schön, sie wieder zu sehen, auch wenn Magdeburg noch gar nicht soo lange her ist. Von Karolina fehlte noch jede Spur, dafür durfte ich Lotti Noctua und Violet Mascarpone kennenlernen. Karolina kam irgendwann zum Glück auch an.
Irgendwie haben wir uns bis zum Hotel durchgeschlagen, nicht ohne den Bahnhof noch einmal in jede erdenkliche Richtung auszumessen. Aber dann ging es eigentlich beinahe wie von allein. Sogar das Hotel haben wir recht problemlos gefunden.
Einchecken, Zimmer angucken und zufrieden aufs Bett fallen lassen. Spätestens jetzt war ich mir sicher, dass es richtig war, nicht zu Hause zu bleiben.
Am Abend dann das Treffen mit einigen Schwestern vom Orden der perpetuellen Indulgenz in der Havanna Bar. Warum unser Tisch im Raucherbereich reserviert war, wird sich vermutlich nicht abschließend klären lassen, aber es hat der Stimmung keinerlei Abbruch getan. Gegen das kratzige Gefühl im Hals gab es schließlich genug zu trinken. Irgendwie waren plötzlich die meisten Autoren dabei und die Stimmung war super ausgelassen und positiv. Die Schwestern und Gardisten erregen natürlich mit ihren imposanten Erscheinungen und den wunderbar geschminkten Gesichtern jede Menge Aufsehen, aber ich finde es so großartig, dass mir wirklich die Worte dafür fehlen.
Letztendlich hat mir dieser Abend erneut gezeigt, dass das Projekt der HomoSchmuddelNudeln einzigartig ist und ich stolz darauf bin, ein Teil davon zu sein. Todmüde, aber trotzdem vollkommen aufgekratzt bin ich ins Bett gegangen und musste mal wieder feststellen, dass ich allein wirklich nicht gut schlafen kann. Aber ich hatte ja meinen ebookreader dabei.
Am Samstag ging es dann nach dem gemeinsamen Frühstück zur Messe.
Ich denke, jeder, der schon mal in Leipzig oder Frankfurt war, hätte ähnlich erstaunt reagiert. Die Messe erinnerte eher an einen Basar, was aber keineswegs uncharmant war. Nein, es war toll und die Halle war den ganzen Tag voller Leute.
Wie gut, dass der Dead Soft so einen strategisch günstigen Standort hatte. Da war viel Platz für die ganzen Autoren und Leser, um zu quatschen, zu gucken, zu staunen und sich gegenseitig diverse Readerhüllen zu unterschreiben. Die wunderbaren Dead Soft Leseprobenheftchen waren zum Unterschriftensammeln im Übrigen ebenso super geeignet.
11.30 Uhr, das erste Treffen im Foyer. Wir fühlten uns vielleicht ein bisschen unorganisiert, aber irgendwie standen wir dann doch auf der Treppe und das imposante Bild von uns allen konnte entstehen. Imposant in jeder Hinsicht. Nach all dem Ärger der letzten Tage war es ein ganz besonderes Gefühl, dass sich so viele Autoren aus dem gay- Bereich (und natürlich auch Leser) zusammengefunden haben. Ich finde, es gibt eigentlich kein besseres Statement und jedes Mal, wenn ich mir das Bild auf Facebook ansehe, kann ich es echt fühlen. Dieses Treffen war etwas Besonderes für jeden von uns und ich hoffe, dass wir diese Verbundenheit noch eine ganze Weile spüren können.
Aber auch die Mitglieder der Kuschelgang haben die Messe genutzt, um ein paar Pläne zu schmieden, sich auszutauschen und über alles Mögliche und Unmögliche zu reden.
Es kam eigentlich keine Sekunde Langeweile auf, auch wenn man die Messestände, selbst mit sehr viel Gelassenheit in kaum einer Stunde angesehen hatte. Kinder-und Jugendliteratur war, zumindest meinem Gefühl nach, am meisten vertreten.
Am Abend gab es dann das Autoren-und Lesertreffen im Hotel mit einem überaus köstlichen armenischen Bufett. Uneingeschränkte Essensempfehlung! Es war wirklich lecker und wie am Abend davor und während der Messe gab es immer jemanden mit dem man sich unterhalten und lachen konnte. Irgendwann nach Mitternacht habe ich mich in mein Bett getrollt, obwohl ich auch in dieser Nacht nur wenig geschlafen habe.
Kurzfristig und weil ich ohnehin nicht bis zum Ende der Messe am Sonntag bleiben konnte, haben Karolina, Lotti und ich uns entschlossen, ein bisschen Berlin anzugucken. Die Verabschiedung von den anderen nach dem Frühstück war groß und herzlich und mit echtem Bedauern.
Am Hauptbahnhof haben wir unsere Taschen verstaut und dann … na ja, mal wieder planlos … ein bisschen Reichstag, Brandenburger Tor, Karolina und das Hotel Adlon … und weil wir schließlich als Gay- Autoren unterwegs waren, haben wir uns das Denkmal für die im Nationalsozialmus verfolgten Homosexuellen angesehen. Ich weiß, es ist eigentlich auf den ersten Blick nur ein grauer, nicht gerade aufsehenerregender Kasten, aber er hat mich vollkommen gefangen genommen. Das Video im Inneren … ich konnte mich nicht davon losreißen, egal ob mit der Nase quasi an der Scheibe, oder mit einigem Abstand. Es hat mich so tief berührt … Ich wünschte, ich hätte wenigstens ein Blümchen, eine kleine Regenbogenfahne … oder etwas persönliches dabei gehabt, um es davor zu legen. Aber beim nächsten Mal werde ich etwas dabei haben.



Okay, Zeit für den Abschied. Diesmal habe ich es sogar mit der S-Bahn bis zum Busbahnhof geschafft. Immer noch gruselig und hässlich! Dann kam der Bus und ich habe so richtig gespürt, wie die Müdigkeit mit einem Hammer auf mich eingeschlagen hat.
Tschüss Berlin, aber nach Berlin ist ja vor Berlin … Zwar keine Messe aber wahrscheinlich komme ich in diesem Jahr noch einmal zurück.
Ein ganz großartiges Wochenende mit so viel Input, dass ich es noch gar nicht verarbeiten konnte.

Kommentare:

  1. Super schöner Bericht! Und du hast ja ein richtig schönes Gruppenfoto von uns allen! Danke fürs Teilen, liebe Karo! Es war einfach wunderbar mir euch allen!

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  2. Ja, es war echt toll gewesen, auch die Tour mit dir und Karolina durch Berlin!
    Ihr ward eine sehr, sehr nette Begleitung!!!
    Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen ...
    GLG
    Lotti Noctua

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