Montag, 13. Oktober 2014

Coming Out Day

Ich weiß, dass der Coming Out Day am 11.10. ist, aber das Wochenende war intensiver als erwartet und so habe ich es einfach nicht geschafft, meinen Beitrag rechtzeitig online zu stellen.
Ich und Termine ... mir scheint, ich werde es wohl nie lernen. Ich sollte es vemutlich auch mit auf meine Geburtstagswunschliste setzen. Aber ich wollte nicht ganz auf den Post verzichten und obendrein hat sich die kleine Geschichte, die ich dafür vorgesehen hatte, ein wenig verselbständigt, sodass ich sie spontan in drei Kapitel geteilt habe, um alles, was für diese Woche geplant ist, zu schaffen.
Ich poste sie auf fanfiktion.de.
Aber zuerst habe ich noch ein paar ganz persönliche Coming out Gedanken für Euch
 
Als Autorin überwiegend schwuler Geschichten, die selbst hetero und in einer absolut klassischen Familienkonstellation lebt, habe ich in gewisser Weise auch ein coming out erlebt.
Vermutlich durchläuft man sogar ähnliche Stadien, wie diejenigen, die sich mit ihrer eigenen Sexualität auseinander setzen müssen.
Ich schreibe jetzt schon seit einigen Jahren Geschichten mit schwulen Charakteren. Ich mag es, auch wenn ich vermutlich niemals die perfekte Antwort auf die Frage finden werde, warum ich das mache. Mittlerweile habe ich ein paar Standardsätze, die ich je nach dem, wer mein Gegenüber ist, kundtue. Manchmal entwickelt sich ein Gespräch daraus, aber meistens gibt es eher so etwas wie ein verständnisloses Kopfnicken oder ein verschämtes Grinsen, was mich dann auch nur dazu bringt, verschämt zurückzunicken.
Als ich, Queer as Folk und Fanfiktion sei Dank, mit dem Schreiben angefangen habe, war ich voller Enthusiasmus und Aufregung. Es fühlte sich irgendwie verboten und gleichzeitig total berauschend an. Ich wollte nicht, dass es jemand erfährt und hätte es am liebsten laut herausgebrüllt.
Natürlich waren die Kommentare auf Fanfiktion der Treibstoff, der mich vorangebracht hat. Auch die Leute, die ich dort kennengelernt habe. Aber das war das Internet und dort kann man irgendwie sein, wer man will, machen was man will, schwulen Sex schreiben, soviel man will. Es bleibt dort, dank Pseudonym, dank Nickname … Ich war mir sicher, dass ich es niemals jemanden erzählen würde (außer dem Gatten, der nahezu alles von mir weiß) Damals befand ich mich zudem in einer echten persönlichen Krise und das Schreiben hat mich perfekt abgelenkt, hat den Fokus auf andere Dinge gelegt. Vermutlich habe ich mich deshalb so gut gefangen.
Da ich aber grundsätzlich ein kommunikativer Mensch bin und diesen kleinen Erfolg auf Fanfiktion nicht für mich behalten wollte, habe ich es zuerst einer Freundin erzählt. Wir saßen auf einer Bank im Park und ich erzählte ihr zuerst von dieser unglaublich tollen Serie und dann vom Schreiben und irgendwann sagte ich sowas wie: „Ich schreibe über zwei Männer“ Das Wort schwul wollte nicht über meine Lippen und selbst dieser Satz fiel mir unglaublich schwer. Eigentlich weiß ich nicht genau, wieso es so war, dass ich mich dermaßen gehemmt gefühlt habe. Sie beendete das Thema mit einem „Interessant“ und mehr gab es dazu wohl nicht zu sagen. Ich war ein bisschen enttäuscht, obwohl ich nicht genau sagen kann, was ich erwartet hatte.
Mit der ersten Veröffentlichung in Buchform wuchs mein Selbstbewusstsein minimal, aber immerhin. Schreiben wurde so ein wichtiger Teil in meinem Leben, dass ich mich nicht mehr verstecken wollte. Trotzdem habe ich viel nachgedacht, denn mit zwei Kindern geht es nicht nur um das eigene Wohlbefinden. Es ist ja auch nicht so, dass ich vollkommen harmlose Liebesgeschichten schreibe, sondern es geht ja meistens um Sex, um explizite Szenen und viele Leute sind ja schon mit Heterosex vollkommen überfordert. Ich hatte auf der einen Seite Zweifel und wollte auf der anderen Seite diesen wichtigen Teil meines Lebens nicht verleugnen.
Hm, mein „Outing“ rollte regelrecht über mich hinweg: Ich schreibe schwule Geschichten und ich bin verdammt Stolz darauf! Ich will, dass die Leute wissen, wie ich zu Homosexualität stehe und ich will diese Meinung vertreten, auch wenn es nicht immer leicht für mich ist.
Spätestens als das erste (unfreiwillige) Bild von mir auf Facebook zu sehen war, hatte ich das Gefühl, jetzt ist es wirklich raus und es fühlt sich gar nicht schlecht an.
Trotzdem fällt es mir noch immer schwer, es nach außen zu tragen. Als vor einer Weile eine ganz entfernte Bekannte quer über die Straße brüllte: Du schreibst Bücher über Schwule? Das finde ich toll, mein Bruder ist auch schwul“ da setzte mein Herz echt ein paar Takte aus, bevor ich anfing zu grinsen, die Schultern straffte und ebenso laut bestätigte, dass ich solche Bücher schreibe. 
Dank der LBM, die bisher immer an dem Wochenende stattfand, an dem auch meine Mutter ihren Geburtstag feiert, wissen es auch die meisten Verwandten in meiner Familie.
Manchmal sage ich schlicht, dass ich Liebesgeschichten schreibe, nicht, weil ich mich schäme, sondern weil es stimmt. Liebe ist Liebe … und nur das allein zählt.
Demnächst habe ich eine Lesung bei mir in der Stadt und ich spüre schon jetzt ein aufgeregtes Kribbeln, denn damit komme ich irgendwie noch einen Schritt weiter aus dem Schrank heraus … 
Und hier ist der erste Teil meiner Kurzgeschichte 


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