Freitag, 25. Juli 2014

Von Murmeln, Schlangen und Regenbogentorten

Kennt Ihr auch diesen Satz: "Früher war alles besser!"
Und ich meine nicht nur das Lied von der zweitbesten Band der Welt, sondern auch all die hübschen Sprüche, die bei Facebook oder in sonstigen sozialen Netzen herumschwirren. "Wir haben noch mit Murmeln gespielt und waren glücklich ... Früher haben wir unsere Freunde auf der Straße getroffen, heute im Internet" Ihr wisst sicherlich, was ich meine.
Bisher ging mir das eher auf die Nerven. Die Zeiten ändern sich nun mal. Wir sind in einer anderen Zeit als unsere Eltern aufgewachsen. Die Zeit unserer Eltern war ebenfalls anders als die der Großeltern. Warum sollten wir unseren Kindern etwas aufzwingen, was der Vergangenheit angehört? Auch wenn mein Mann ein bisschen stolz darauf ist, wenn der Sohn im Auto mit ihm "Guns `N Roses" hört.
Trotzdem bekomme ich in Anbetracht dessen, was ich mittlerweile erlebt habe, dieses "Früher war alles besser"- Gefühl. Als ich zu schreiben angefangen habe (und das ist wirklich noch nicht lange her), da habe ich mir um nichts Gedanken gemacht. Ich hatte unglaublich viele Geschichten vorher gelesen. Es gab AutorInnen auf Fanfiktion.de von denen konnte ich gar nicht genug bekommen, aber ich habe auch alles andere ... manchmal wirklich grauenhafte Geschichten gelesen. Ich wollte lernen, wollte es ebenso gut können wie andere. Dankbar habe ich jede Hilfe angenommen, die ich nur kriegen konnte (ein Zustand, der mir bis heute erhalten geblieben ist, wenngleich ich mittlerweile auch ein bisschen selbstbewusster an meinen Ideen oder Formulierungen hänge). Im Gegensatz zu den meisten anderen, fühle ich mich erst gut, wenn mein Geschreibsel recht bunt aus der Korrektur kommt. Ich hatte jedenfalls Spaß, Männer bevölkerten meinen Kopf ... manchmal so hartnäckig, dass ich kaum schlafen konnte. Die ganzen positiven Kommentare treiben mich bis heute voran, wenngleich das Schreiben mittlerweile einen anderen Stellenwert bekommen hat. Vor ein paar Tagen hat eine geschätzte Mitautorin geschrieben, dass Facebook eine Schlangengrube sei (Ich hoffe, ich darf sie an dieser Stelle zitieren) Leider hat sie durchaus Recht mit dieser Einschätzung. Immer wieder bin ich darüber erstaunt, welche menschlichen Abgründe sich auftun, wie leicht es den meisten fällt, die guten Manieren oder das Gefühl für Anstand und Sitte vor dem PC zu lassen. Dabei ist der gay- Bereich nicht besonders groß. Die meisten Autoren kennen sich untereinander und dank der großartigen Leser ist der Bedarf an guten Geschichten längst noch nicht gedeckt. Wäre das nicht eher ein Hinweis für friedliche Koexistenz? Das scheint mir nicht so. Ich versuche manche Dinge nicht an mich heranzulassen, versuche zu lächeln, möchte nicht zusehen, wie sich andere zerfleischen, wie sie sich gegenseitig aufstacheln und erst Ruhe geben, wenn sie wissen, dass sie siegreich aus dem Turnier gegangen sind ... Scheiße, ich will auch so sein! Wirklich! In den letzten Wochen habe ich mir mehr als einmal gewünscht, genau diese Haltung zu haben, anstatt verletzt meine Wunden zu lecken und darüber nachzudenken, ob Schreiben wirklich das ist, was mich glücklich macht. Ich will nicht länge diejenige sein, die weint, während die anderen schon längst wieder fröhlich zur Tagesordnung übergehen. Genau das war der Moment, wo ich mir gewünscht habe, wieder die kleine vollkommen unbekannte Schreiberin mit dem wenig originelle Nicknamen kath zu sein, die einfach fröhlich auf ihrer Tastatur herumklimmert und sich freut, wenn sie hier und da mal einen E-mailkontakt hat und ein paar Reviews beantwortet.
Vielleicht sollte ich mal den Beutel mit den Murmeln rausholen und eine Runde damit spielen ... aber vermutlich kann ich es nicht lassen, ein Foto davon zu machen und es auf Facebook zu veröffentlichen ... früher ist eben einfach nur noch Vergangenheit ...

Ich habe zum Abschluss meiner etwas düsteren Gedanken noch ein schönes Bild für Euch.
Das ist meine Regenbogenquarktorte. Das Rezept dafür habe ich im Internet gefunden. Vermutlich hat derjenige, der es eingestellt hat, sich das Rezept nicht persönlich ausgedacht, sondern vielleicht hat er es von einem Bekannten, der Oma, dem Opa oder dem Konditor um die Ecke ... vielleicht hat er die Idee gehabt, die Zutaten zu verfeinern oder eben die ganze Chemie, sprich Farbe hineinzukippen.
Ich stelle Euch den Kuchen auf den Tisch. Bitte packt ihn nicht einfach ein, um ihn zu Hause zu präsentieren, esst ihn auch nicht hier komplett und und zu fragen auf. Aber nehmt euch ruhig ein Stück!
Knabbert daran herum, mäkelt von mir aus auch ... vielleicht schmeckt er euch mit einem Hauch Zitrone oder Orange besser. Ihr wollt ihn nachbacken? Macht das ruhig, aber nehmt dafür eure eigenen Zutaten und plündert nicht meinen Schrank. Natürlich könnt ihr ein Bild von eurer Torte machen, ich habe auch nichts gegen eine Kostprobe und wisst Ihr was? Ich werde mich für Euch freuen und sicherlich nicht mit dem Anwalt drohen! 

Kommentare:

  1. Du bist so wie du bist; das macht dich aus.
    Und du denkst nicht alleine so, Karo. Dein Satz:
    "Der Gedanke, wie leicht wir uns gegenseitig verdächtigen, angreifen, beschuldigen können, wie tiefgreifend diese Verletzungen sind, weil jeder sich im Recht glaubt ... ".
    Der macht mir genauso Angst.
    Wie kann man dann noch in Ruhe schreiben? Es voller Freude präsentieren? Muss man vorher genauestens nachsehen, ob es die Idee/Szene schon gibt, die einem im Kopf herumschwirrt?
    DAS kann es nicht sein! Ich lasse mich nicht ins Bockshorn jagen! Ich werde mich auch nicht an irgendwelchen, fadenscheinigen Turnieren beteiligen. Gibt es da wirklich Sieger? Nein, kann ich nicht glauben.
    Deine Metapher mit dem Kuchen gefällt mir.
    Sie beschreibt genau die Situation.
    Ich für meinen Teil schreibe weiter. Und werde dabei nicht nach rechts oder links schauen. Ob es diese Idee schon gibt ...Sie fallen mir zu. Überall.
    Ich werde mir ein Stück Kuchen nehmen. Vielleicht ihn auch nachbacken. Ich könnte ihn aber nie so hinbekommen. Auch wenn er einen Hauch nach deinem aussähe...

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    1. Das sehe ich auch so. Ich behaupte mal, dass es fast alles schon einmal irgendwo gegeben hat. Doch die gleiche Grundidee, von einem anderen Autor ganz anders in Worte umgesetzt, ist für mich eine neue Story. Basta! Sonst wird es bald keine Bücher mehr geben.

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  2. LIebe Karo,

    früher fand ich es immer schrecklich, wenn Eltern oder Großeltern den Ausdruck benutzten "früher war alles viel besser", heute muss ich mich selbst manchmal zügeln, wenn mir Ähnliches in den Kopf kommt. Dabei ist "besser" immer relativ. Es war auf jeden Fall anders. Die Welt ändert sich und wir mit ihr. Manchmal wünschte ich mir nur, dass auch in der schnelllebigen Zeit von heute alte Werte nicht vollkommen vergessen werden. Den Grundstock des eigenen Verhaltens bekommt jeder Mensch von seinen Eltern mit und da halte ich es schon für wichtig, dass egal in welcher Zeit wir leben einige Dinge verinnerlicht werden - der Respekt vor anderen Menschen zum Beispiel. Wer nachdenkt, bevor er Dinge über andere verbreitet, wird hoffentlich eher den direkten Kontakt suchen als spontan in die Welt hinauszuschreien (bildlich, eher im Internet veröffentlichen). Denn was dort erst einmal ist, wird immer irgendwie da bleiben.

    Die Welt des Internets mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken, ermöglicht das Kennenlernen vieler netter Menschen, denen man sonst nie begegnet wäre. Aber wichtig ist eben auch der Mensch hinter dem Pseudonym und das vergessen manche recht schnell. Ärger ist schnell hinausposaunt, statt sich erst einmal im stillen Kämmerlein zu sammeln. In etlichen Fällen sieht man dann selbst die Banalität der Dinge, die es gar nicht wert sind, ein riesiges Fass aufzumachen.

    Zart besaitet darf man nicht sein, wenn man sich den "Internet-Haien" zum Fraß vorwirft, aber auf der anderen Seite erlebt man eben auch viele schöne Dinge durch die neuen "Freunde".

    Du solltest auf jeden Fall bleiben wie du bist, Karo!

    LG
    Martina

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