Donnerstag, 15. Mai 2014

Am Ende bin ich einfach nur müde...

Schon lange habe ich nicht mehr das Ende einer Woche so sehr herbeigesehnt, wie heute. Ich weiß, es ist Donnerstag und das Wochenende steht gewissermaßen bereits vor der Tür.
Ich freue mich auf den Samstag und hoffe, es finden sich ein paar Leute, die Lust darauf haben, einen Luftballon virtuell mit mir steigen zu lassen und mir damit eine Art Lichtblick und ein bisschen Farbe in dieser so trüben und düsteren Woche zu gönnen.
Eine Woche, die erschreckend, unfassbar und deprimierend war, die Abgründe aufgezeigt hat und mich unsicher zurücklässt. Mein Kopf ist voller Gedanken, aber ich kann sie nicht ordnen, ihnen keine Richtung geben, weil ich gespalten bin und mich nach einem Sinn frage. Urheberrechtsverletzung … das Wort hängt wie ein Damoklesschwert über dieser Woche.
Ein „Verlag“, der Geschichten herausbringt, deren Urheber nichts davon wissen. Hier wird sich auf einer Plattform bedient, die eine ganz besondere Stellung in meinem Leben einnimmt.
Was wäre ich heute ohne fanfiktion? Hätte ich jemals angefangen, Geschichten zu schreiben? Vermutlich nicht, nein, ganz sicher nicht. Das ist mein Zuhause, hier habe ich viele, viele Stunden verbracht, mich getraut, selbst zu veröffentlichen und wunderbares Feedback erhalten.
Und ich bin da wirklich nicht wählerisch, freue mich über ein spontanes Dankeschön ebenso, wie wenn sich jemand Gedanken über ein Kapitel macht … Natürlich weiß ich auch, dass derjenige, der mehr als einen Dank hinterlässt, auch mehr Zeit mit meiner Geschichte verbringt, denn ich bin mir bewusst, dass ein Review nicht leicht und schnell geschrieben ist.
Wenn also jemand daher kommt und einfach Geschichten von dieser Plattform stiehlt und sie dann bei Amazon zum Kauf anbietet, macht mich das nicht nur betroffen, es erschüttert mich. Dasselbe gilt auch für Leute, die glauben, sie könnten sich an den Geschichten anderer Leute bereichern.
Jede Geschichte ist ein bisschen wie ein Baby. Als Schreiber verwendet man viel Herzblut, Energie und Zeit darauf, damit das Baby wachsen und gedeihen kann. Der Schritt, es online zu setzen, ist ein bisschen, wie sein Kind loszulassen. Es ist gut und richtig und wichtig und natürlich weiß man nicht, was in der großen, weiten Welt auf sein Kind zukommt. Aber eins weiß man ganz genau. Man möchte nicht, dass jemand kommt, das Kind an die Hand nimmt und sagt: Nun gehörst du zu mir! Macht mit den Geschichten, was ihr wollt. Ladet sie herunter, druckt sie aus, bastelt Sterne und Blumen oder Papierflieger daraus. Lest sie gemeinsam, lacht, weint oder nutzt sie als Untersetzer für den Pizzateller und das Weinglas, aber setzt bitte nicht euren Namen darunter und behauptet, die Geschichte gehört Euch.
Auf der anderen Seite sollten wir Autoren trotzdem nicht in Panik verfallen und an jeder Ecke das Böse lauern sehen. Ich fand das, was auf Facebook in den letzten Tagen passiert ist, durchaus auch erschreckend. Damit meine ich nicht die Vehemenz, mit der gekämpft wurde, sondern ein bisschen auch die Art und Weise. Zeitweilig saß ich vor dem PC und hatte richtig Herzklopfen. Der Sturm, der über Facebook gebraust ist, glich einem verheerenden Orkan und hat auch ein paar gruselige Seiten zu Tage gefördert. Erstaunlicherweise war die Empörung von einigen Autoren besonders groß, die gar nicht direkt betroffen waren. Natürlich, das Thema geht uns alle etwas an, niemand weiß, wen es als nächstes erwischen kann und ob das Plagiat ebenso schnell aufgedeckt wird, wie es in dieser Woche geschehen ist. Daher gilt insbesondere den aufmerksamen Lesern ein riesiges Dankeschön!
Trotzdem muss man sich doch nicht schon im Vorfeld so extrem bedroht fühlen und um sich beißen. Nicht das einzelne Wort gehört mir, sondern die Zusammensetzung der Wörter, keine Szene gehört mir allein, sondern die Art,wie ich eine Szene beschreibe, kein Plot ist so neu, dass es ihn nicht schon einmal in irgendeiner Form gegeben hätte. Allein die Umsetzung macht ihn zu etwas Besonderem, macht daraus meine Geschichte. Es gibt Sätze, Gedanken, vielleicht sogar ganze Absätze, die in vielen Geschichten ähnlich sind. Es kommt sogar vor, dass zwei Autoren zur gleichen Zeit eine ähnliche Idee haben. Wenn man einen Autor besonders mag, orientiert man sich auch gern an dessen Schreibstil und vielleicht trifft man ihn hin und wieder sogar ziemlich genau. Davor ist niemand gefeit, denn wer viel liest, wird auch auf diese Art inspiriert werden.
Ich hatte schon oft den Eindruck, dass ich die eine oder andere Geschichte in ähnlicher Form gelesen habe. Vermutlich gibt es nichts, was nicht schon einmal beschrieben worden ist und einige Konstellationen sind natürlich auch extrem beliebt. Ähnlich ist jedoch nicht gleich! Ein bisschen fürchte ich mich, dass eine Hexenjagd beginnen könnte, weil sich manche Autoren von ähnlichen Texten oder Gedanken bedroht fühlen, weil sich manche anscheinend andauernd in ihrer Existenz bedroht fühlen und nur danach gucken, was andere machen.
Das ist nicht dasselbe, wie eine Geschichte zu kopieren, Charaktere zu stehlen oder fremde Szenen in den eigenen Text zu integrieren. Ich begreife nicht, was jemanden dazu bewegt und ich kann die Fassungslosigkeit der bestohlenen Autoren wirklich sehr gut nachvollziehen.
Was soll ich sagen? Diese Woche hat die Energie geradezu aus mir herausgesaugt. Ich bin müde (okay, das bin ich immer) und fühle mich leer und gar nicht im Stande, an meinen Geschichten zu schreiben.
Na ja, es war natürlich nicht alles schlecht … Ich habe mal wieder Badebomben hergestellt, habe endlich meine Lebensmittelfarben bekommen und werde am Wochenende zum ersten mal den Regenbogen- Cheesecake backen. Natürlich gibt es auch ein Bild davon, vorausgesetzt, dass er gelingt.
 Ich freue mich auf den Samstag und hoffe, dass morgen das Wetter schön ist, damit ich mein Luftballonfoto machen kann.
An dieser Stelle wünsche ich Euch und mir mehr Ehrlichkeit, mehr Vertrauen und vor allem Spaß am Schreiben und Lesen. Ich weiß, dass jeder anders mit den Ereignissen dieser Woche umgeht und seine eigenen Konsequenzen zieht.Ich werde meine Geschichten bei fanfiktion nicht löschen und vertraue weiterhin auf Ehrlichkeit und Anstand. Davon abgesehen hoffe ich, dass nächste Woche das letzte Kapitel der „Augenblicke“ fertig wird und es auch mit „Verschlossene Türen“ weitergeht.

1 Kommentar:

  1. Danke für deine ehrlichen Worte.
    Ja, ich habe auch das Gefühl, dass einige Autoren etwas überreagieren. Sie haben sogar ihre Leseproben gelöscht.
    Ich danke dir auch, dass du deine Geschichten online lässt.

    Ich habe übrigends eine Mail an den Support von FF.de geschickt, mit der Bitte die dort online gestellten Geschichten mit einen Kopierschutz oder Ähnlichen zu schützen. Mal sehen was draus wird.

    AntwortenLöschen