Donnerstag, 24. April 2014

Neues entdecken oder welche Farbe macht die Welt wirklich bunt?

auch wenn heute Donnerstag ist
Wenn man ganz plötzlich krank wird und sich auch kaum aus dem Bett erheben kann, das Gehirn nur noch ein Haufen Matsch ist, mit dem man keinen vernünftigen oder unvernünftigen oder überhaupt einen Gedanken produzieren kann, außer vielleicht: Ich will schlafen und meine Ruhe ... dann bleibt einem ja nichts anderes übrig, als diesem Wunsch zu folgen. Leider ist Schlaf, egal, wie elend ich mich fühle, nicht ununterbrochen möglich (was schon wieder nahezu grotesk aus meinem Mund erscheint ... okay, das ist ein Insider für alle, die mich persönlich kennen). Rumliegen und die Decke anstarren, denn alle anderen Positionen gehen nicht so wirklich und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum, ist recht langweilig und obwohl mein Kopf schmerzt, als würde er jeden Moment in seine Einzelteile zerfallen, nehme ich meinen Kindle zur Hand und tue das, was ich neben dem Schreiben am liebsten mache: Ich lese!
Leider gehöre ich auch zu denen, die Bücher im wahrsten Sinne des Wortes fressen. Umso dankbare bin ich den Erfindern des ebooks (Ich ziehe meinen Hut vor Euch und dieser genialen, papierlosen und vor allem schnell erreichbaren und für Nachschub sorgenden Idee)
Für gewöhnlich bewege ich mich in einem engen und vertrauten Kreis von Autoren im gay- Bereich, die ich gern mag und die mir bisher immer das erhoffte Lesevergnügen bereitet haben. Ich stehe auf leichte Geschichten, auf Liebe, auf Sex, darauf, zu wissen, dass es am Ende ein Happy End gibt und es macht mir auch nichts, dass bereits auf der ersten Seite klar ist, wer mit wem und warum ... Ja, ich gebe es zu, ich möchte in erster Linie unterhalten werden und ein bisschen Rosawolkenzeugs kann ja nicht schaden.
Wie ich allerdings zu dem Buch gekommen bin, das ich mir in einem ...tja, vermutlich nicht ganz zurechnungsfähigen Zustand gekauft habe ... ist mir im Nachhinein nicht ganz klar. Der Klappentext klang nicht schlecht und deutete ein Happy End an, der Preis war extrem niedrig für über 200 Seiten und ... wie gesagt, ich weiß nicht genau ... Vielleicht war es der Titel, der meinem verwirrten Zustand irgendwie entsprach.
Nein, mein Zustand war zu keiner Zeit so verwirrt, wie dieses Buch verwirrend ... Nach den ersten zehn Seiten dachte ich, ich sollte zum ersten Mal die Möglichkeit des Rückgaberechts nutzen. Aber irgendwie konnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich konnte nicht und konnte nicht und es zog mich immer mehr in seinen abstrusen und merkwürdigen Bann, in eine Welt, die mir vollkommen fremd und damit auch unfassbar erschien.
 Damit meine ich nicht die schwule Welt ansich. Die Tatsache, dass der Protagonist schwul ist, war irgendwie das einzig fassbare für mich. Ich meine, die Selbstverständlichkeit des Drogenkonsums, der Einnahme von Pillen und Alkohol und die Selbstzerstörung, die der Protagonist auf der anderen Seite mit diversen kosmetischen Produkten Einhalt gebieten wollte, die Tatsache, dass er Menschen nicht mag, aber trotzdem immer wieder die Nähe zu anderen sucht ... dass er kämpft und aufgibt, von Außerirdischen träumt und  ... Ich kann nicht beschreiben, in welchen Rausch ich hineingeraten bin. Und genau das macht das Buch aus. Ich gebe es zu, bis zur Hälfte hatte ich kaum eine Ahnung, was ich lese ... es war eine irre und irgendwie großartige Ansammlung von Worten, die ich niemals in einen Kontext gebracht hätte. Mal romantisch verträumt, dann wieder brachial vulgär und mit Bildern, die einem das Hirn zum explodieren brachten. Gut, vielleicht war mein Hirn auch ein wenig angeschlagen ... Es gab Stellen, die habe ich überlesen, weil ich jemand bin, für den es recht schnell voran gehen muss. Langes Gedankenwirrwarr oder Beschreibungen sind mir ein Graus ... aber ich musste meistens zurückblättern, musste es doch lesen, wollte mehr wissen und konnte mich bis zum Ende nicht entscheiden, ob ich den Typ mag oder nicht, ob ich ihn drücken oder an die Wand klatschen möchte oder ob ich seine Gedankenkotze auflecken und in mich einsaugen möchte, weil ich auch gern so verrückte Zusammenhänge erkennen und niederschreiben möchte.
Dieses Buch tut weh, es bringt einen zum Lachen und auch zum Seufzen, es lässt einen bedrückt zurück und trotzdem befriedigt und ... es geht irgendwie um Liebe. Ich gebe es zu, ich wollte ein paar Mal aufspringen und einige Sätze aufschreiben, weil sie so genial verrückt waren. Ich wünschte, mein Kopf wäre nicht so matschig gewesen und ich hätte mir mehr davon merken können, aber vielleicht wirkt es auch nur im Kontext so gut.
Ist es wirklich ein Happy End? Nicht so, wie ich es mag, nicht so perfekt, so endgültig ... aber trotzdem fühlt es sich gut an.
So, jetzt wäre es wohl mal an der Zeit, dem Buch einen Namen zu geben. Also, hier ist meine ganz persönliche und irgendwie besondere Leseempfehlung für Euch:

Klaus Regner: "Farben atmen"
  bei Amazon

Ich lege mich jetzt wieder in mein Bett und versuche es mal damit, Farben zu atmen ...vielleicht geht es dann mit dem Gesundwerden schneller ...

Kommentare:

  1. Dann will deiner Empfehlung mal folgen.... vielleicht auch weil ich gestern Abend gerade bei "Sarg niemals nie!" in der Neuköllner Oper schon auf einen farbigen Trip gekommen bin...

    LG
    Martina

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  2. oha zu allererst: gute Besserung! Erkältungen sind einfach mies, ich denke jeder kennt das und auch das es besser wird ;-P Deine Leseempfehlung werde ich mir auf meine To Read Liste setzen leider habe ich im Moment noch soviel hier liegen das ich deinen Tip erst mal aufschieben muss ~.^
    Falls du auch mal auf der Suche nach neuem Lesestoff bist kann ich dir dieses Buch hier wärmstens empfehlen:

    Café der Nacht von Susann Julieva erschienen beim dead soft verlag

    Bis kurz vor Ende war nicht klar: Happy End ja oder nein? Auch wenn ich kein Fan von Geschichten bin die lange brauchen um Tempo zu kriegen hat es sich hier gelohnt geduldig zu sein und auch die leisen Töne der sich langsam entwickelnden Liebe konnten mich überzeugen ^^

    Liebe Grüße
    Sonja K.

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