Freitag, 14. Februar 2014

Valentinstagsgeschichte

Es ist soweit. 
Heute ist der 14. Februar 
und ich habe hier eine kleine Valentinstagsgeschichte für Euch. 
Vielen Dank an Carolin für die folgenden Worte: 
Mutschekiepchen, Fernsehkoch und IKEA 

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Valentinstag 
und hoffe, ihr habt ein wenig Spaß mit der Geschichte!




Ich bin kein Marienkäfer

Kai und Aljoscha

Ich öffne die schwere Eichentür und ein eisiger Wind schlägt mir entgegen. Automatisch ziehe ich die Schultern nach oben, atme tief durch und gehe einen Schritt hinaus in den kalten Wintertag.
Ein merkwürdiges Kribbeln überfällt mich, als mir bewusst wird, dass dieser Schritt … der erste in ein neues Leben ist.
Die Sonne am strahlend blauen Himmel lässt mich blinzeln. Der Tag ist viel zu schön … vor allem viel schöner als vor zwei Jahren. Damals hat es geschneit, der Himmel war grau und wolkenschwer. Ich hätte mir diesen blauen Himmel gewünscht … schon allein, weil der Fotograf dann Bilder im Freien gemacht hätte. War das vielleicht ein Zeichen? Eine Art dunkles Omen, dem wir natürlich keinerlei Beachtung geschenkt haben? Wir waren verliebt und es fühlte sich richtig an. Obendrein sind wir beide alles andere als abergläubig. Nichts und niemand hätte uns aufhalten können.
Und nun … knapp zwei Jahre später, scheint die Sonne und wir müssen die Niederlage eingestehen. Ich will nicht mehr über den Grund unseres Versagens nachdenken … dafür hatte ich ein ganzes Jahr Zeit.
„Die Homosexuellen haben für das Recht zu heiraten gekämpft“, hat der Anwalt bei meinem ersten Besuch gesagt. „Aber sie haben die Kehrseite der Medaille vergessen … die Scheidung.“
Ich war nicht fähig, eine adäquate Antwort zu geben, viel zu tief saßen Schmerz und Trauer, viel zu unheilvoll schwang das Wort Scheidung im Raum. Das war es, was am Ende einer großen Liebe übrig bleiben würde … Oder war unsere Liebe gar nicht so groß wie alle gesagt haben? Waren wir nicht das von allem gelobte, perfekte Paar? Sind wir nur auf den Enthusiasmus der anderen hereingefallen? Gibt es überhaupt Perfektionismus in der Liebe?
Das perfekte Paar hat seinen ersten Hochzeitstag nicht erlebt und nun, am Valentinstag, dem Tag der Verliebten, wurde es offiziell wieder in zwei Einzelteile getrennt. Es ist nichts mehr übrig, außer einer Spur Wehmut und ein leises Zwicken im Herzen, wenn ich daran denke, was wir für große Pläne hatten, wie wir uns unsere Zukunft ausgemalt hatten … eine Zukunft, die schon kurz nach der Hochzeit, die ebenso perfekt war, wie wir es doch eigentlich sein sollten, gar nicht mehr uns beide enthielt. Was passiert ist, kann ich mir bis heute nicht wirklich erklären. Allerdings mache ich mir mittlerweile nicht mehr so viele Gedanken darüber. Ein Trennungsjahr ist lang genug, um mit dem, was womöglich niemals wirklich vorhanden war, abzuschließen.
Immerhin können wir uns einreden, dass unsere Scheidung schnell und problemlos über die Bühne ging. Kein unnötiger Streit, keine Szenen … nichts, um das es sich zu kämpfen gelohnt hätte. Wir haben unser gemeinsames Leben wieder in zwei eigenständige geteilt, selbst meinen alten Nachnamen habe ich wieder angenommen. Da ist nichts, was ich vermisse … jedenfalls nicht mehr.
Der zweite Schritt hinaus fühlt sich besser an. Ich fülle meine Lunge mit der kalten Luft und lasse meine Vergangenheit in diesem Gerichtsgebäude zurück.
Wir haben uns zum Abschied die Hand gereicht, uns kurz und leidenschaftslos auf die Schulter geklopft und alles Gute gewünscht. Ich habe ihn angesehen und konnte nichts mehr von dem entdecken, was mich früher so fasziniert, was mir Liebe und ewiges Glück vorgegaukelt hat. Wir sind einfach nur zwei Männer, die sich nicht fremder hätten sein können.
Trotzdem zittern meine Beine, als ich die Stufen nach unten gehe. Vielleicht liegt es an der Kälte, vielleicht aber auch an dem, was mich zukünftig erwartet. Es wird Zeit, das alte Leben endgültig loszulassen und …
„Happy Divorce“, höre ich eine schrille und extrem laute Stimme. Noch ehe ich den Kopf hebe weiß ich, zu wem diese Stimme gehört und mein Herz macht einen kleinen Hüpfer. Grinsend sehe ich auf. Aljoscha steht neben einer Bank am Ende der Stufen und winkt mir zu. In der einen Hand hält er eine Flasche Sekt und in der anderen die Gläser. Ich kann das leise Klirren hören und hoffe, dass sie noch heil sind, bis ich bei ihm ankomme.
„Verrückter Kerl“, murmle ich vor mich hin, winke zurück und beschleunige meine Schritte. Eigentlich hatte ich ihm gesagt, dass er mich nicht abholen soll. Ihn zu sehen, lässt mein Herz trotzdem ein paar Takte schneller schlagen. Wir sind Freunde, wirklich gute Freunde … Aljoscha hat mich aufgenommen, als ich nicht wusste wohin. Er war einfach da, hat nicht gefragt, sondern gehandelt. Vermutlich hätte ich das alles ohne ihn nicht so gut überstanden. Meine Welt war aus den Fugen geraten und obwohl man es kaum glauben mag, aber Aljoscha hat sie wieder gerade gerückt.
Ich weiß, dass es langsam Zeit wird, auf eigenen Beinen zu stehen, vielleicht sollte ich ausziehen und mir eine eigene Wohnung suchen. Ich fühle mich nur so unendlich wohl, dass ich über diesen Schritt nicht nachdenken möchte. Er ist so etwas wie eine Konstante in meinem Leben geworden. Eine schrille und glitzernde Konstante … Egal wo Aljoscha auftaucht, er zieht sämtliche Blicke auf sich. Er ist ein Kerl, der mit knapp 1,90 Meter noch Schuhe mit mindestens zehn Zentimeter Absätzen trägt. Seine Beine stecken in hautengen Röhrenjeans. Ich habe keine Ahnung, wie er es schafft, in diese Hosen zu steigen und sich dabei nicht zu kastrieren.
Natürlich zieht er auch hier die Blicke der Passanten auf sich. Am Anfang gab es eine Zeit, in der ich mir gewünscht habe, er wäre weniger auffällig, wenn wir zusammen unterwegs waren. Jetzt allerdings sehe ich ihn an und ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ich kann mir Aljoscha überhaupt nicht anders vorstellen. Diese Klamotten passen zu ihm, zu seiner Persönlichkeit. Obendrein gibt es kaum jemanden, der so elegant mit diesen Schuhen durch die Welt laufen kann wie er. Er ist der sprichwörtliche Regenbogen in meiner grauen Welt.
„Mutschekiepchen“, brüllt er über den Platz und ich sollte meine Freude, ihn zu sehen, noch einmal überdenken. Wieso habe ich ihm nur erlaubt, mein Kinderalbum anzusehen? Mit vier war ich als Marienkäfer verkleidet zum Fasching gegangen. Meine Mutter hat Kai, unser kleines Mutschekiepchen unter das Bild geschrieben und natürlich ist Aljoscha sofort darauf angesprungen. Er kannte diese Bezeichnung für einen Marienkäfer bisher nicht und ihm hat das Wort sofort gefallen. Es klingt ein wenig merkwürdig, wenn er Mutschekiepchen sagt … dazu muss man wohl den richtigen Dialekt haben.
Aljoscha ist allerdings nicht mehr von dem Wort abzubringen und hat es sofort zu meinem Spitznamen gemacht. Je mehr ich mich dagegen wehre, umso mehr Spaß macht es ihm, mich so zu nennen.
Für die letzten Meter beschleunige ich die Schritte, denn ich will nicht, dass er noch ein weiteres Mal Mutschekiepchen über den Platz brüllt.
„Hey“, sage ich atemlos, als ich vor ihm stehe und den Kopf leicht nach hinten beuge, um ihm ins Gesicht zu sehen. Unter normalen Umständen bin ich nur fünf Zentimeter kleiner, aber diesen Größenunterschied gönnt er mir nur zu Hause. Einmal hat er mich sogar schon zu einem Lauftraining verdonnert. Zum Glück hat er seine Bemühungen recht schnell aufgegeben, denn ich war nicht nur dabei, mir die Beine zu brechen, sondern auch die teuren Schuhe zu ruinieren.
„Und, bist du nun ein freier Mann?“, erkundigt sich Aljoscha, während er am Verschluss der Flasche dreht.
„Ja“, antworte ich leise und kann nichts gegen das mulmige Gefühl in meinem Inneren machen.
„Sehr gut! Dann lass uns auf dein neues Leben anstoßen. Wo ist denn dein Ex-Ehemann?“
Ich zucke mit den Schultern und sehe mich suchend um. Uwe hat das Gebäude vor mir verlassen und ist sicherlich schon längst von hier verschwunden.
„Schon weg“, murmle ich und nehme ein Glas entgegen.
„Umso besser. Obwohl es schade ist, denn ich hätte ihm gern ein Stück Torte abgegeben“, kichert er schrill.
„Was denn für Torte?“
„Na, die hier!“ Mit einer großen theatralischen Armbewegung deutet er auf einen Karton, der auf der Bank steht. Er war mir bisher gar nicht aufgefallen. Umso neugieriger trete ich nun zur Bank und hebe den Deckel … nur um dann sprachlos den Inhalt anzustarren.
„Was ist das denn?“, frage ich tonlos und starre abwechselnd Aljoscha und die Torte an. Er grinst mich breit an, dann stößt er sein Glas gegen meines.
„Das, mein Lieber, ist eine Scheidungstorte. Prost! Auf eine glückliche Scheidung!“ Automatisch führe ich das Glas zum Mund, trinke einen Schluck von dem eiskalten Sekt und weiß nicht, ob ich mich wirklich glücklich fühlen soll. Dann wird mein Blick erneut magisch von der Torte angezogen. Ein Herz, das blitzförmig in der Mitte getrennt ist. Happily Divorced steht mit roter Schrift darauf … auf jeder Hälfte befindet sich ein ehemaliger Bräutigam, die Rosen am Rand sind abwechselnd schwarz und dunkelrot eingefärbt.
„Eine Scheidungstorte“, nuschle ich vor mich hin und kann nicht behaupten, dass mir die Idee gefällt. Aus irgendeinem Grund macht die Torte die Scheidung so real, sodass ich tatsächlich einen gewissen Druck hinter den Augen spüre. Ich werde nicht anfangen zu heulen, auch wenn ich mir nichts so sehr wünsche, als dass dieser Tag möglichst bald vorbei ist. Glücklich geschieden und doch so meilenweit vom Glücklichsein entfernt.
„Kopf hoch“, ermuntert mich Aljoscha und legt einen Arm um meine Schultern. „Von jetzt an kann es nur besser werden. Ich hoffe, diese Torte schmeckt so göttlich wie sie aussieht.“ Er schnappt sich eine schwarze Rose und steckt sie sich genießerisch in den Mund. Wenige Augenblicke später schiebt er eine rote Rose zwischen meine Lippen.
„Und? Ich wette, das ist die beste Scheidungstorte, die du jemals gegessen hast.“
„Das kann schon sein“, antworte ich kauend. „Ich habe in dieser Hinsicht noch keine Vergleichsmöglichkeit.“ In Gedanken füge ich hinzu, dass ich auch nicht besonders scharf darauf bin, das noch einmal durchzumachen. Das Thema Hochzeit wird nie wieder eine Rolle in meinem Leben spielen.
„Sei nicht so kleinlich!“, beschwert er sich und stülpt den Deckel wieder überdie Torte.
„Eigentlich dachte ich, wir vernichten sie gleich hier vor dem Gericht, aber ich friere mir echt die Eier ab. Verdammte Kälte!“
„Dann lass uns von hier verschwinden“, erwidere ich lachend und trinke mein Glas leer.
„Unbedingt. Außerdem fängt …“
„… deine Lieblingskochshow gleich an“, vollende ich seinen Satz.
„Unsinn, es ist nicht meine Lieblingskochshow, es ist der Fernsehkoch, den ich abgöttisch liebe“, verbessert mich Aljoscha und geht beschwingt zu seinem Auto. „Ich könnte auf das Gefummel am Herd wirklich verzichten, wenn er stattdessen an mir herumfummeln würde“, schwärmt er.
„Natürlich“, entgegne ich kopfschüttelnd, schnappe meine Scheidungstorte und folge ihm.
„Ja, das könnte mir gefallen. Hatte ich dir von dem Interview erzählt, das ich neulich in einer Zeitschrift gelesen habe? Er hat sich ganz offiziell geoutet, aber ich hatte nie Zweifel daran, dass er schwul sein könnte. Das erhöht doch meine Chancen, dass er irgendwann …“
„ … auf einem weißen Pferd angeritten kommt und dich mit auf sein Schloss, respektive in seine Kochshow nimmt.“
„Ich hasse es, wenn du meine Sätze vollendest. Hat dir schon mal jemand gesagt, dass das total unhöflich ist?“, knurrt er.
„Ja, ich bin ein verdammt unhöflicher Mensch, wenn es um den Fernsehkoch geht“, stimme ich zu und ernte dafür einen heftigen Stoß in die Seite.
Die Fahrt nach Hause verläuft schweigend. Ich habe den Karton mit der Torte auf meinem Schoß und starre gedankenverloren aus dem Fenster. Ein Teil von mir kann nicht begreifen, dass es für immer vorbei ist. Vielleicht habe ich auf das weiße Pferd gewartet, auf dem Uwe sitzt und mich wieder nach Hause holt. In unser Zuhause … in unsere Partnerschaft, von der nun nicht mehr übrig ist als ein richterliches Schreiben, dass sie nicht mehr existiert.
„Worüber denkst du nach?“, unterbricht Aljoscha meine wirren Gedanken.
„Keine Ahnung …“
„Dann kannst du damit ja jetzt aufhören und mit mir reden“, mault er und wirft einen kurzen Blick zu mir rüber. Schweigen gehört nicht zu seinen Stärken.
„Du redest doch auch nicht“, grummle ich.
„Hm“, ist alles, was ich als Antwort bekomme. „Nur, weil du so still bist.“
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, gebe ich zu und gucke erneut aus dem Fenster. Aljoscha seufzt laut und hält ebenfalls den Mund. Ich habe das Gefühl, dass etwas Wichtiges zwischen uns steht, aber ich kann es nicht in Worte fassen.
Zum Glück ist die Fahrt nicht lang. Aljoscha findet schnell einen Parkplatz und ich befördere meine Scheidungstorte nach oben in die Wohnung. Im Flur drücke ich ihm den Karton in die Hand und verschwinde in mein Zimmer.
„Magst du auch einen Kaffee, Mutschekiepchen?“, ruft Aljoscha aus der Küche, während ich mich aus dem Anzug schäle. Ich verziehe das Gesicht, denn ich will kein Marienkäfer sein.
Den Anzug hänge ich auf die provisorische Kleiderstange, die ich zwischen zwei Stühlen gebastelt habe. Mein Zimmer ist … alles andere als ein Raum zum Wohlfühlen. Dabei wohne ich schon während des gesamten Trennungsjahres hier. Ich habe eine Matratze auf dem Fußboden, einen hässlichen kleinen Beistelltisch mit einer noch hässlicheren Lampe darauf. Meine Klamotten liegen auf und unter den Stühlen, die meine Kleiderstange tragen. An den Wänden habe ich halbherzig ein paar Bilder befestigt und auf dem Boden stapeln sich Bücher und CD´s. Auf einem dieser Stapel steht meine Musikanlage. Es gibt nicht viele persönliche Dinge, die ich aus dem gemeinsamen Leben mit Uwe mitnehmen wollte. Die meisten Sachen gehören ihm und ich erhebe keinen Anspruch darauf, weil ich mich vor der ständigen Erinnerung fürchte. Wir sind uns keinen Unterhalt schuldig, es gibt somit rein gar nichts mehr, was uns verbindet. Der Ehering liegt irgendwo in einem Kästchen. Ich habe ihn von meinem Finger gezogen und nie wieder angesteckt. Obwohl ich weiß, dass es vorbei ist und ich auch nicht wieder zurück möchte, bin ich hier trotzdem noch nicht angekommen. Vielleicht bin ich doch ein Mutschekiepchen … auf der Suche nach einem Zuhause.
„Hast du mich gehört?“ Aljoscha steht in der Tür und wirft einen unzufriedenen Blick durch den Raum.
„Ähm … Kaffee? Ja, ich will auch Kaffee“, bekunde ich schnell und schlüpfe in eine bequeme Jeans.
„Ich kann nicht begreifen, wie du so leben kannst“, brummt er und geht zurück in die Küche. Ich folge ihm kurze Zeit später. Der Geruch des Kaffees erweckt meine Lebensgeister, also mache ich mich mit einem großen Messer über die Torte her, fühle sogar so etwas wie Appetit.
„Eigentlich brauche ich sie gar nicht durchzuschneiden. Sie ist doch schon in zwei Teile getrennt. Willst du happily oder divorced?“, sinniere ich und fahre mit dem Messer den Blitz nach.
„Dann nehme ich natürlich glücklich“, kichert Aljoscha. „Du bist doch schließlich der Kerl mit der Scheidung. Oh, ich muss den Fernseher anschalten.“
„Was ist da eigentlich unter dem Zuckerguss?“
„Eine Schicht Schokoladenbuttercreme, dann Nussbuttercreme und Mangobuttercreme …“
„Wow … weniger Buttercreme ging wohl nicht?“, frage ich und habe das Gefühl, auch ohne davon gegessen zu haben, bereits dicker zu werden.
„Nö … sind meine Lieblingssorten“, sagt Aljoscha lapidar, denn Gewichtsprobleme kennt er natürlich nicht. Er geht regelmäßig ins Fitnessstudio und das sieht man ihm auch an. Egal, wie schrill er angezogen sein mag, er hat Oberarme, davon kann jeder Kerl nur träumen. Sie sind perfekt definiert, ebenso wie sein Bauch und die Oberschenkel und überhaupt …
Bei so vielen Schichten Buttercreme teile ich die Torte doch lieber in kleinere Stücke, denn ich hasse Sport und der einzige Weg, einigermaßen meine Figur zu halten, ist auf Dickmacher jeder Art zu verzichten.
Die Küche ist gleichzeitig der Wohnraum. Hier steht ein altes Sofa, das so tiefe Polster hat, dass man nur schwerlich wieder aufstehen kann, wenn man einmal dort sitzt. Aljoscha hat die Küche mit seinem vorherigen Mitbewohner eingerichtet. Es war Glück und Zufall, dass dieser, kurz nachdem die Sache mit Uwe schief gelaufen war, ausgezogen ist.
Vor dem Sofa steht ein niedriger Tisch und an der Wand hängt ein riesiger Fernseher, auf dem Tom Balzer, der Fernsehkoch, bereits am Werk ist, um irgendwas mit Mangold und Gehacktem zu zaubern. Ich lasse mich in das weiche Polster sinken und schließe für einen Moment die Augen, während ich der Stimme des Fernsehkochs lausche.
„Harter Tag?“, fragt Aljoscha leise und streichelt mir über die Wange.
„Irgendwie schon.“
Ich lehne mich ein wenig in die Berührung, denn ich mag Aljoschas Nähe sehr und ihm scheint es auch nichts auszumachen. Ganz im Gegenteil, denn er nimmt mich oft beim Fernsehen in den Arm. Ich genieße diese besondere Stimmung zwischen uns. Sie ist nicht fordernd, hat kein Ziel, sondern ist einfach nur beruhigend und angenehm. Obwohl ich ganz tief in mir drinnen spüre, dass ich mir manchmal wünschte, es gäbe ein Ziel …
„Iss deinen Kuchen.“ Er stupst mich an, denn ich halte noch immer die Augen geschlossen.
„Ja, gleich“, erwidere ich, möchte mich aber gar nicht bewegen.
„Der ist wirklich lecker.“
„Der Kuchen oder der Kerl?“, necke ich ihn und öffne nun doch die Augen.
„Beides gleichermaßen. Ihm würde ich die Buttercreme wirklich von jedem Körperteil lutschen“, seufzt er, während ich die Augen verdrehe. Das Ziepen in meinem Inneren versuche ich zu ignorieren. Ich weiß auch gar nicht, woher es kommt.
„Sag mal, Mutschekiepchen, wie soll es denn mit dir nun weitergehen? Jetzt, wo du wieder ein freier Mann bist?“
„Was meinst du?“, frage ich und versuche, mich ein wenig aufrechter hinzusetzen.
„Na ja, ich wollte nur wissen, ob du dir schon Gedanken gemacht hast … so ganz allgemein und natürlich auch in Bezug auf unser Zusammenleben.“
Ich knabbere nervös auf meiner Unterlippe und weiß nicht, was ich ihm antworten soll. Mir wird ein wenig flau, denn seine Frage klingt, als wenn er mich loswerden möchte.
„Soll ich … ausziehen?“, erkundige ich mit merkwürdig rauer Stimme. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll, wenn er jetzt ja sagt. Unwillkürlich halte ich die Luft an.
„Du sollst nicht, aber ich bin mir nicht sicher, ob du das in naher Zukunft in Erwägung ziehst. Ich würde nur einfach gern wissen, womit ich zu rechnen habe.“
„Aljoscha … ich … hatte eigentlich nicht vor auszuziehen, außer du willst es“, nuschle ich unsicher und spüre, wie meine Handflächen feucht werden.
„Dann ist es also abgemacht!“ Er klatscht in die Hände und seufzt erneut, weil dieser doofe Fernsehkoch gerade in Großaufnahme gezeigt wurde.
„Ähm, was ist abgemacht?“ Ich starre ihn verwirrt an, während Aljoscha scheinbar zufrieden den Kuchen in sich hineinstopft.
„IKEA“, nuschelt er mit vollem Mund, während er ein paar Krümel fröhlich herausspuckt.
„Bitte was?“, frage ich hellhörig, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe.
„Wir fahren morgen zum großen schwedischen Einrichtungshaus und besorgen dir endlich ein paar Möbel. Das ist ja nicht mehr auszuhalten. Dein Zimmer sieht aus wie eine Abstellkammer.“
„In Ordnung“, stimme ich erleichtert zu.
„In Ordnung?“. Aljoscha sieht mich stirnrunzelnd an. „Mehr sagst du nicht? Keine Diskussion? Keine Gegenwehr? Einfach nur in Ordnung?“
„Was soll ich denn sonst sagen?“, murmle ich. „Du hast recht, es wird Zeit, dass ich mein Zimmer einrichte. Ich brauche unbedingt ein anständiges Bett und einen Schrank …“
„Ich fasse es nicht“, grummelt Aljoscha, legt einen Arm um meine Schultern und zieht mich näher zu sich heran. Ich weiß nicht, was es ist, aber sein Duft und seine Nähe geben mir das Gefühl, zuhause zu sein. Ich möchte hier nicht weg … ich möchte vor allem nicht von ihm weg.
„Er ist so unglaublich süß“, flüstert Aljoscha. Ich gebe nur ein Brummen von mir, denn ich finde diesen Koch keineswegs süß. Im Grunde kann ich ihn nicht ausstehen und bin nur froh, dass er dort im Fernseher hockt und nicht hier bei uns auf dem Sofa.
Ich schließe die Augen und genieße Aljoschas Finger, die über meinen Oberarm streicheln. Das Stück Torte liegt schwer in meinem Magen und sorgt für ein schläfriges Gefühl. Obendrein habe ich in den letzten Nächten kaum ein Auge zugemacht … seitdem ich die Ladung für den Scheidungstermin bekommen habe. Jetzt allerdings habe ich das Gefühl, wunderbar schlafen zu können, mit Aljoschas Herzschlag in meinen Ohren.
„Mutschekiepchen“, höre ich wie aus weiter Ferne. Ich versuche zu antworten, aber mein Mund will sich nicht bewegen … stattdessen kuschle ich mich dichter an ihn und versuche, die Stimme des Fernsehkochs auszublenden.

***
Aljoscha hängt sich eine dieser großen leuchtend gelben Taschen über die Schulter und geht mit schnellen Schritten voran. Die Markierung auf dem Fußboden, die eigentlich den Rundgang durch die Möbelausstellung kennzeichnet, ist für ihn eine Art Laufsteg. Aljoscha hat den perfekten Hüftschwung, ohne dass er dabei künstlich oder trashig wirkt. Natürlich zieht er sämtliche Blicke auf sich und auch ich kann mich nicht dagegen wehren, dass ich ihm bewundernd hinterher sehe. Meine Art zu gehen kommt mir plump und unbeholfen vor, dabei habe nicht ich diese Stiefel mit den Absätzen an, für die man vermutlich einen Waffenschein benötigt. In letzter Zeit ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich ihm auf den Arsch starre und sich dabei seltsam anregende Gedanken in mein Gehirn schleichen.
„Nicht trödeln, Mutschekiepchen“, ruft er laut. „Wir brauchen doch ein kuscheliges Bett.“
Seine Worte lassen mich genervt aufstöhnen und bringen mein Gesicht zum Kochen. Zwei junge Frauen fangen neben mir zu kichern an. Ich zucke hilflos mit den Schultern und beeile mich, zu ihm aufzuschließen.
„Musst du so laut sein?“, frage ich genervt.
„Musst du so trödeln?“
„Ich habe nicht getrödelt“, knurre ich.
„Dann war ich auch nicht laut.“
Ich öffne den Mund, schließe ihn wieder, versuche es noch einmal … aber alles, was herauskommt, ist ein erschrockener Aufschrei, als ich vollkommen unvorbereitet auf einem Bett lande. Aljoscha schiebt sich über mich, macht ein paar eindeutige Bewegungen, bevor er sich seitlich abrollt und neben mich legt.
„Idiot“, brumme ich, während ich mich am liebsten unter dem Bett verkriechen möchte. Leider gibt es nicht einmal eine Decke, unter der ich mich verstecken könnte. Ich hebe den Kopf ein wenig und sehe zu Aljoscha hinüber. Er zwinkert mir zu und ich habe für einen kurzen Augenblick den Eindruck, dass er mich küssen will. Erwartungsvolle Aufregung überschwemmt mich, aber dann dreht er sich um und steht auf.
„Man sollte sich niemals mit dem Erstbesten zufrieden geben“, flötet er und reicht mir die Hand. Ich schüttle über mich selbst den Kopf, ergreife sie und lasse mich von dem Bett ziehen. Hatte ich wirklich geglaubt, dass Aljoscha mich küssen würde? Woher kommt nur dieses Gefühl in mir?
Der Schwung, mit dem er mich von der Matratze zieht, ist etwas heftiger, als ich erwartet habe und so verliere ich das Gleichgewicht und pralle unsanft gegen seine Brust. Aljoschas Duft vernebelt mir die Sinne. Ich möchte tief einatmen, mich an ihn drücken und gleichzeitig wegrennen. Vielleicht sollte ich mir die Sache mit dem Auszug doch noch einmal überlegen.
„Wenn du so weiter machst, schmeißen sie uns noch wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses raus“, brumme ich mit rauer Stimme und schiebe mich an ihm vorbei.
„Ich hätte nichts gegen ein bisschen Erregung“, grummelt er. Seine Stimme klingt frustriert und entlockt mir ein schiefes Lächeln.
Ich probiere vermutlich ein Dutzend Betten und jedes Mal liegt Aljoscha neben mir. Es ist fast, als würden wir eine gemeinsame Schlafstätte suchen. Der Gedanke gefällt mir mehr als gut für mich ist. Ich erwische mich dabei, dass ich mir vorstelle, wie es wohl wäre, in einem dieser Betten neben ihm einzuschlafen, nackt, der Geruch von Sex zwischen uns … Was mache ich denn hier? Ich spüre, wie das Blut in eine tiefere Region verschwindet und bringe meine Gedanken schnell wieder in eine andere Richtung. Bisher hat Aljoscha noch nie auch nur eine Andeutung gemacht, dass er mehr als Freundschaft für mich empfindet. Er ist großzügig mit Nähe, aber diese eine Grenze hat er nie überschritten. Ich habe es ebenfalls nicht versucht, aber ich spüre schon eine ganze Weile, dass ich es gern möchte … nur mir fehlt irgendwie der Mut.
„Nimm das hier!“, sagt Aljoscha und dreht sich auf die Seite, um mich anzusehen. „Ich finde es ziemlich hübsch und bequem. Es passt zu dir.“
„Wirklich?“, erkundige ich mich und lege die Stirn in Falten. „Woran erkennst du, dass es zu mir passt?“
Ein breites Lächeln ist die Antwort und beschert mir Herzflattern und einen trockenen Mund. Aljoschas Augen sind dunkel und samtig. Nur mit Mühe kann ich mich von seinem Blick losreißen.
„Es ist wirklich ganz hübsch … also, für ein Bett“, murmle ich unsinnig vor mich hin und erhebe mich, um Abstand zwischen uns zu bringen. Ich schreibe mit zittrigen Fingern die wichtigen Daten auf den kleinen Zettel und bleibe abwartend stehen.
„Die Matratze finde ich auch gut.“
„Hm“, stimme ich zu und auch diese Nummer schreibe ich auf.
„Und diese Bettwäsche dort hinten …“ Lachend deutet er auf das  Einzelbett ein Stück von uns entfernt. „Schau nur, da sind Mutschekiepchen drauf. Das wäre doch was für dich.“
„Am besten ich rede überhaupt kein Wort mehr mit dir. Kauf du dir doch Bettwäsche mit Marienkäfern drauf“, brumme ich ihn ungehalten an und drehe mich weg. Bettwäsche brauche ich eigentlich nicht, aber wenn wir schon mal hier sind, könnte ich mir zum neuen Bett auch eine neue Garnitur gönnen.
„Das mache ich vielleicht“, ruft er mir hinterher und geht auf das andere Bett zu. Ich beobachte ihn sprachlos, fühle mich seltsam erregt, als er mit seiner großen Hand über den Bezug streicht und die Konturen eines Marienkäfers nachfährt. Würden seine Hände auch so über meinen Körper gleiten? Für eine Sekunde wünschte ich mir, ich wäre tatsächlich das Mutschekiepchen …
„Das wäre fast, als hätte ich dich in meinem Bett“, feixt er begeistert. Ich kneife die Augen zusammen und möchte am liebsten im Boden versinken.
Gleich neben dem Bett steht eine Gitterbox, die voll mit der Marienkäferbettwäsche ist. Tatsächlich schnappt sich Aljoscha ein Paket und lässt es in dem gelben Beutel verschwinden. Ich drehe mich kopfschüttelnd weg, nehme mir im Vorbeigehen braungestreifte Bettwäsche und stopfe sie zu den Marienkäfern.
„Spießig“, kommentiert er meine Wahl, aber ich reagiere nicht darauf, sondern folge dem Weg, der uns hoffentlich bald aus diesem Möbelhaus hinausbringt.
Es dauert nur wenige Augenblicke, dann hat er mich eingeholt.
„Jetzt fehlt noch ein Schrank und ein bisschen Deko und … Oh, guck nur, diese schöne Küche. Die ist ja fast wie die von Tom Balzer.“
Aljoscha beendet den Satz mit einem tiefen Seufzer, der ein unangenehmes Kribbeln in meinem Bauch verursacht. Ich weiß, dass es keinen Grund zur Eifersucht gibt, aber ich kann diesen Fernsehkoch wirklich nicht leiden.
Ohne darüber nachzudenken, stelle ich mich hinter den Tresen, auf dem allerlei Kochutensilien dekoriert sind. Ich ergreife die Pfanne und stelle sie auf den Herd.
„Heute kochen wir … ähm … Fisch“, äffe ich den Koch nach. Ich halte einen Plastikfisch, der ebenfalls als Deko herumliegt, nach oben und wedele damit ein wenig herum, bis ich Aljoschas volle Aufmerksamkeit habe.
Zuerst sehe ich Verwunderung in seinen Augen, aber dann verschränkt er die Arme und sieht mich abwartend an.
„Fisch gehört zu den sehr empfindlichen Lebensmitteln“, schwafle ich drauf los. „Deshalb ist es sehr wichtig, auf Frische zu achten. Dieser hier …“, ich wedele erneut damit herum, „ scheint mir perfekt zu sein. Schauen Sie sich nur dieses wunderbare Aussehen an und der Geruch … eine leichte Note von Benzin … fangfrisches Plastik …“
Aljoscha lacht, als ich den Fisch in die Pfanne werfe.
„Hm, was brauchen wir denn noch? Hier … Zwiebeln sind für jedes Essen unerlässlich. Diese hier hat den Vorteil, dass wir sie weder schälen noch schneiden müssen. So einfach kann ein leckeres Fischgericht sein.“ Ich werfe die Plastikzwiebel neben den Fisch in die Pfanne.
„Wie bedauerlich, dass es kein Geruchsfernsehen gibt …“, jammere ich, ebenso wie es der Balzer macht und fahre mit der Hand ein paar Mal über die Pfanne, wobei ich die Luft geräuschvoll einziehe. „Wenn Sie diesen delikaten Duft nur riechen könnten …“
Ich schnappe mir einen Kochlöffel und rühre übertrieben in der Pfanne herum. Als ich aufsehe, treffen sich unsere Blicke. Ich bin mir nicht sicher, ob er mich jemals so angesehen hat, aber ich spüre, wie meine Haut zu kribbeln beginnt. Instinktiv lecke ich mir über die Lippen, spüre eine ungeheuere Nervosität in mir.
„Willst du mal kosten?“, krächze ich und befürchte, diesen erstaunlichen Moment zerstört zu haben.
„Klar … Plastikfisch ist mein Leibgericht“, murmelt er und seine Stimme klingt nicht weniger zittrig als meine. Aljoscha greift nach meiner Hand mit dem Kochlöffel, beugt sich ein wenig herunter und erneut treffen sich unsere Augen.
„Du wärst ein ziemlich guter Fernsehkoch“, flüstert er rau.
„Nur, wenn man Plastikfisch mag“, wende ich nervös ein.
„Ich schätze, ich würde es mögen.“
Vermutlich kann Aljoscha mein Herz schlagen hören, denn es scheint mir, als würde es aus meiner Brust springen und direkt bei ihm einziehen.
Leider verfliegt dieser Moment viel zu schnell, denn ein älteres Paar drängelt sich an uns vorbei. Die Frau reißt sämtliche Schränke auf und redet lautstark auf den Mann ein.
Wir beenden die Kochshow und ziehen schweigend weiter.
Obwohl ich die Blicke der Leute registriere, ihr abfälliges Getuschel durchaus vernehme, fühle ich mich unglaublich stolz, Aljoscha an meiner Seite zu haben. Am liebsten würde ich meine Hand in seine schieben, aber ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich eben gefühlt habe, auch das ist, was er fühlt. Ich schaue ihn von der Seite an. Er ist ein echter Kerl … ein Kerl mit Hackenschuhen, aber durch und durch männlich und … wunderschön. Ich wünsche mir, er würde zu mir gehören. Es ist schon seltsam, dass ein Jahr reicht, um alles zu verändern. Mich zu verändern. Ich dachte, ich würde zu Uwe gehören. Ich dachte, wir hätten die gleiche Einstellung. Seine Einstellung … „Schwul zu sein, ist nicht das Problem“, hat er immer gesagt. „Nur dieses alberne Getue, das Auffallen um jeden Preis, damit kann ich nichts anfangen.“ Ich habe ihm zugestimmt, wollte ebenfalls nicht mehr als nötig auffallen. Kein Händchenhalten oder Küssen in der Öffentlichkeit. Einzig die Hochzeit wollte er groß kundtun. Natürlich auch nicht bunt oder ausgefallen, sondern klassisch und angepasst. Wir waren zwei Männer, die sich nicht von einem heterosexuellen Paar unterscheiden wollten. Und vermutlich haben wir das auch nicht, denn nach der Traumhochzeit kam die Erkenntnis, dass wir weit weniger Gemeinsamkeiten haben als gedacht und am Ende war ich der betrogene Gatte und habe die Scheidung eingereicht. Auf den Rosenkrieg haben wir verzichtet, was vielleicht aber eher an mir, als an ihm gelegen hat.
Jetzt ist es vorbei und auch wenn ich noch immer eher unauffällig bin, so weiß ich doch, dass es mich niemals stört, Aljoscha neben mir zu wissen. Die Blicke und das Getuschel sind mir egal, denn dieser Mann zeigt, was es heißt, stolz zu sein und sein Leben so zu leben, wie er es mag. Wenn ich nur ein Teil davon sein könnte …

***
Aljoscha ist nicht nur der Mann, der Schuhe mit enormen Absätzen trägt, er kann auch problemlos das Bett und den Schrank zusammenbauen.
Als der Inhalt der Kartons auf dem Boden in meinem Zimmer lag, war ich mir sicher, dass wir das niemals hinbekommen würden. Ich besitze keinerlei handwerkliche Begabung, im Gegensatz zu Aljoscha, der kaum einen Blick auf die Aufbauanleitungen geworfen hat. Selbst als Gehilfe habe ich mich vermutlich nicht besonders schlau angestellt, denn dieser Kerl musste mich ja mit seinem Tanktop vollkommen verwirren. Es war nicht leicht, mich zu konzentrieren, wenn ich seine Muskeln ständig in meinem Blickfeld hatte und mein Gehirn mich immer wieder in andere Sphären katapultierte. Nur mit Mühe gelingt es mir, bei der Sache zu bleiben.
Jetzt haben wir es zum Glück gleich geschafft. Die Matratze lässt sich nur widerwillig aus der Folie schälen, aber so kurz vor dem Ziel hat sie keine Chance gegen uns. Mit vereinten Kräften werfen wir sie auf den Lattenrost. Am liebsten würde ich mich gleich mit darauf werfen. Leider rührt sich Aljoscha nicht und so bleibe ich auch stehen.
„Geschafft“, sagt er nachdenklich und schaut sich im Zimmer um. „Sieht sehr viel besser aus.“
„Na ja, wenn das Chaos beseitigt ist, könnte es tatsächlich besser aussehen“, erwidere ich grinsend.
„Für das Chaos bist du zuständig. Ich hasse Aufräumen“, meint er lapidar und geht in Richtung Tür.
„Ich schmeiße uns eine Pizza in den Ofen und gehe erst mal duschen.“
„Pizza klingt echt gut.“ Wie zur Bestätigung knurrt mein Magen ziemlich laut, was Aljoscha mit einem Lachen quittiert. Sehnsüchtig sehe ich ihm hinterher und einen Augenblick lang blitzt der Gedanke auf, dass ich mich zu ihm unter die Dusche stellen könnte. Als ich das Rauschen des Wassers höre, wird dieser Wunsch noch ein wenig dringlicher, deshalb lenke ich mich damit ab, den Verpackungsmüll zusammen zu sammeln und mein Bett zu beziehen. Die alte Matratze haben wir schon am Anfang auf den Dachboden gebracht. Dort stehen noch ein paar Kisten, für deren Inhalt ich bisher keinen Platz hatte. Vielleicht sollte ich mich nächste Woche darum kümmern.
Versonnen streiche ich über das frisch bezogene Bett und sofort entgleiten mir meine Gedanken, spielt mir meine Fantasie einen Streich. Was ist nur in den letzten Tagen passiert, dass sich auf einmal alles so anders anfühlt?
„Die Pizza ist fertig“, ruft Aljoscha. Nur mit Mühe kann ich die Fantasien verdrängen, viel zu sehr nehmen mich meine Tagträumereien gefangen.
Der Geruch, der mir beim Betreten der Küche in die Nase steigt, ist keineswegs Salami oder Käse, sondern Aljoschas Duschgel. Sehnsüchtig seufze ich auf, spüre, wie Adrenalin meinen Körper überschwemmt. Vielleicht sollte ich es riskieren, sollte ihn endlich küssen. Vom Anstarren werde ich nie erfahren, ob Aljoscha auch etwas für mich empfindet. Allerdings … was mache ich, wenn ich mit diesen verdammten Gefühlen allein bin? Ich schließe kurz die Augen und versuche, das Chaos in meinem Inneren zu bändigen.
Aljoscha scheint nichts mitbekommen zu haben. Er zerteilt die Pizza in Viertel und hält mir anschließend den Teller unter die Nase. Unwillkürlich weiche ich zurück, denn ich möchte viel lieber an Aljoscha schnuppern.
„Was würde wohl dein Fernsehkoch zu so schnöder Pizza sagen?“, frage ich, nehme mir ein Stück und streiche damit gegen seine Lippen. Aljoscha nimmt das Angebot an und beißt herzhaft zu.
„Mir egal …“, murmelt er, dann starrt er mich eine süße Ewigkeit an. Plötzlich geht ein Ruck durch seinen Körper. Er stellt den Teller zur Seite, nimmt mir auch das Stück Pizza aus der Hand und zieht mich in seine Arme.
„Mir war gar nicht bewusst, dass ich den besten Fernsehkoch hier bei mir zu Hause habe“, flüstert er dicht vor meinem Gesicht. Ich halte den Atem an, blende jeden unsicheren Gedanken aus und schlinge meine Arme um seinen Hals, überbrücke die letzten Zentimeter und presse meinen Mund auf seinen.
Seine Lippen zu schmecken ist so viel besser als ich es mir vorgestellt hatte. Zögerlich streiche ich mit der Zunge die Konturen nach, bitte um Einlass, um noch mehr von Aljoscha kosten zu können. Seine Hände ziehen mich dichter an seinen Körper, suchen gleichzeitig einen Weg unter mein Shirt. Wir stöhnen beide in den Kuss, als seine Finger über meine Haut streicheln.
„Mutschekiepchen …“, seufzt er und erobert erneut meinen Mund. In diesem Augenblick klingt das Wort so verheißungsvoll, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Seine Zunge bringt meine Nerven zum Vibrieren, setzt mein Gehirn vollkommen außer Gefecht.
„Wollen wir das neue Bett einweihen?“ Die Worte sprudeln aus meinem Mund, ehe ich darüber nachdenken konnte. Ich halte die Luft an, weil ich keine Ahnung habe, wie Aljoscha darauf reagieren wird. Er sieht mich an, streicht mir mit einer Hand über die Wange, die Lippen, das Kinn, den Hals entlang. Ich schlucke schwer, denn noch immer hat mir Aljoscha keine Antwort gegeben. Habe ich die Zeichen doch falsch eingeschätzt? War ich zu stürmisch mit dem Kuss, den er allerdings ganz eindeutig erwidert hat?
„Bist du dir sicher?“, raunt er mir mit heiserer Stimme zu. Ich nicke, ergreife seine Hand und ziehe ihn hinter mir her. Je näher wir meinem Zimmer kommen, desto mehr verlässt mich der Mut. Ich hatte seit über einem Jahr keinen Sex mehr und Aljoscha ist so … so … kann ich ihm überhaupt bieten, was er braucht? Ich habe nicht einmal eine Ahnung, was er braucht, weiß nicht, ob er und ich? Uwe war immer aktiv, dabei hätte ich auch gern …
„Worüber grübelst du nach?“ Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir vor meinem Bett angelangt sind und ich anscheinend bereits eine ganze Weile auf das Muster der Decke starre. Ich suche Aljoschas Blick, fühle, wie Unsicherheit von mir Besitz ergreift.
„Warum jetzt?“, frage ich in die Stille hinein.
„Hat dir deine Mutti nicht beigebracht, dass man nichts mit verheirateten Männern anfangen soll?“, erwidert er leise glucksend.
Ich schüttle unsicher den Kopf, möchte mein Angebot zurücknehmen und sehne mich gleichzeitig danach, neben ihm im Bett zu liegen, mehr von seinen Händen auf meiner Haut zu spüren, mehr Küsse zu schmecken …
„Kai“, flüstert er und legt einen Finger unter mein Kinn, um mich dazu zu bringen, ihn anzusehen. Das ist gar nicht nötig, denn allein, dass er mich mit meinem Vornamen anspricht, bringt mich schon dazu aufzuschauen.
„Ich war mir irgendwie nicht sicher, ob du … Es hatte den Anschein, als wenn du immer noch warten würdest …“
„Warten? Worauf denn?“ Ich sehe ihn verständnislos an, während sich seine dunklen Augen in mich bohren.
„… dass er dich zurückholt“, flüstert Aljoscha und lächelt mich schief an.
„Zurückholt?“ Noch immer ist mir nicht ganz klar, wovon er redet. Eigentlich möchte ich auch gar nicht reden. Wieso habe ich meinen Mund nicht gehalten? Wir hätten schon längst im Bett liegen können und er hätte mich geküsst und … nun habe ich die Stimmung verdorben.
„Ich hatte den Eindruck, du würdest darauf warten, dass Uwe dich zurückholt.“
„Aber … was? Ich habe doch nicht … Ich wollte nicht zurück …“, stammle ich, nun endgültig verunsichert.
„Kai, du lebst seit knapp einem Jahr hier und hast es nicht geschafft, dir Möbel zu kaufen und dich einzurichten. Niemand lebt auf gepackten Koffern, wenn er nicht damit rechnet, jeden Moment von hier verschwinden zu können.“
„Ich …“ Ich habe keine Erklärung und winde mich aus seiner Nähe. Verwirrt verschränke ich die Arme vor der Brust und sehe mich im Zimmer um. Wollte ich weg von hier? Ich muss nicht darüber nachdenken, denn ich habe mich noch nie so wohl gefühlt wie hier. Möbel waren mir egal, vielleicht weil sie für Uwe so wichtig waren. Vielleicht wollte ich einfach nichts von dem, was andere als wichtig empfinden. Es hat mir nichts ausgemacht, auf der Matratze zu schlafen, ich habe nichts vermisst, weil ich … alles hatte, was ich wollte. Fast alles, denn dieses Gefühl, das Aljoscha in mir auslöst, besteht nicht erst seit der Scheidung. Er hat sich schon vor einer ganzen Weile in mein Herz geschlichen … mehr und mehr davon in Besitz genommen.
„Mutschekiepchen“, flüstert Aljoscha und legt seine Arme von hinten um meinen Bauch. „Rede mit mir.“
„Ich kann jetzt nicht reden“, fahre ich ihn an und drehe mich in seinen Armen. „Aljoscha, ich kann gerade nicht reden, denn alles was ich will, ist … dieses verdammte Bett mit dir einzuweihen. Vermutlich ist das nicht richtig … und ich schwöre dir, wir können über alles reden, wenn … wenn …“
„Da hat aber jemand Druck“, flüstert er dicht vor meinem Mund. Ich sehe, wie die Mundwinkel sich zu einem Grinsen verziehen und seufze frustriert auf.
„Willst du mich nicht?“
„Willst du mich?“
Darauf antworte ich nicht, sondern schiebe ihn mit einer Art Brunftschrei zum Bett, gebe ihm keine Gelegenheit zur Gegenwehr und stürze mich stattdessen auf ihn, sodass er auf die Matratze fällt.
Mein Mund sucht gierig nach seinem, während meine Hände unkontrolliert über seinen Körper gleiten. Die Angst, dass er mich wegschieben könnte, ist noch nicht ganz verschwunden, ebenso wie die Tatsache, dass ich nicht weiß, ob das, was ich hier mache … Ich bin 28, hatte nur diesen einen Mann, der obendrein immer die Richtung angegeben hat. Das hier ist vollkommen neu für mich. Sollte ich Aljoscha davon erzählen?
Sein Stöhnen motiviert mich jedoch, weiter zu machen. Ich spüre, wie sein Schwanz gegen meinen Bauch drückt. Er reibt sich an mir und vertreibt damit die letzten Zweifel. Es fühlt sich verdammt gut an, ein bisschen, als würde ich ertrinken und gleichzeitig gerettet werden.
„Ausziehen“, murmelt Aljoscha und schiebt mich von sich herunter. Für einen Moment bin ich verwirrt, aber dann richte ich mich auf und befreie mich von meinen Klamotten. Er ist schneller als ich und liegt bereits wieder nackt auf dem Bett, als ich noch versuche, aus meiner Hose zu kommen. Die Aufregung lässt mich ungeschickt werden. Ich kann mich nicht konzentrieren, denn mein Blick gleitet über seinen Körper. Aufregung macht sich in mir breit, denn gleich kann ich all die festen Muskeln berühren. Mein Mund wird ganz trocken bei dem Gedanken, dass ich mit meiner Zunge jede Ritze, jede Rille, einfach jedes Stückchen Haut erkunden darf.
Als ich endlich nackt bin, krabble ich zurück aufs Bett und sehe Aljoscha an. Er streckt einen Arm aus und ich folge seiner Bitte, lege mich dicht neben ihn. Ich suche nach seinem Mund, knabbere an seiner Unterlippe herum, bis er leise zu stöhnen beginnt. Die Anspannung in mir verwandelt sich in Erregung. Seine Laute beflügeln mich erneut. Ich küsse seinen Hals und Aljoscha legt den Kopf zur Seite. Seufzend nutze ich den Platz, lecke und küsse die empfindliche Haut, beiße ihm sanft ins Ohrläppchen und spüre die Gänsehaut, die sich über seinem Körper ausbreitet. Als er sich über mich rollen will, dränge ich ihn zurück, packe seine Arme und zwinge sie über seinen Kopf auf die Matratze. Ich rolle mich auf ihn, fordere mit meinen Beinen Platz zwischen seinen. Aljoscha keucht, seine Augen sehen mich fragend an, sind noch eine Spur dunkler geworden. Ich drücke ihn einen kleinen Kuss auf, bevor ich meinen Kopf ein Stück zurückziehe.
„Ich will dich!“, wispere ich atemlos. Aljoscha lächelt. Verlangend mache ich mich über seinen Körper her, lecke über seine Brust, spiele mit seinen Brustwarzen und fahre die Linien seiner Bauchmuskeln nach. Ich lasse mich von seinen Geräuschen antreiben und verharre dort, wo das Stöhnen lauter wird.
„Kai“, seufzt Aljoscha. Seine Hände wühlen durch meine Haare. Ich schließe die Augen, spüre das Kribbeln auf meiner Haut und drücke meine Nase gegen seine Scham. Seufzend lasse ich mir von seinem Duft das Gehirn vernebeln. All meine Sinne sind auf Aljoscha gerichtet. Genüsslich lecke ich über seine harte Erektion, bevor ich die Spitze mit meinen Lippen umschließe. Er schiebt das Becken nach oben und bringt mich dazu, ihn tiefer in meinen Mund zu saugen. Meine Hand spielt mit seinen Hoden, rutscht tiefer und sucht nach dem verborgenen Muskel. Vorsichtig umkreise ich ihn und stupse dagegen. Ich spüre, wie er mir entgegenkommt. Schnell stecke ich meinen Finger in den Mund, um ihn zu befeuchten. Zittrig vor Aufregung schiebe ich ihn erneut gegen den engen Muskel und dränge ihn ein Stück dazwischen. Die Hitze, die mich umgibt, ist unglaublich. Noch nie … verdammt, ich habe das noch nie gemacht und ich will mehr davon. Fasziniert hebe ich den Kopf und beobachte meinen Finger, der noch ein Stück tiefer in Aljoscha gleitet. Ich suche den besonderen Punkt in ihm und reibe vorsichtig dagegen. Aljoscha bäumt sich auf, seine Hände krallen sich in meine Schultern. Kann ich das wirklich durchziehen? Noch will ich nicht aufgeben, fühle mich berauscht von dem Gefühl, das Aljoschas Nähe in mir auslöst. Ich fingere ihn, schiebe einen zweiten dazu, lecke seinen Schwanz und frage mich, wieso wir solange gewartet haben.
„Kai … ich kann nicht mehr“, haucht er ungeduldig. Ich rutsche zu ihm nach oben.
„Was …?“, frage ich atemlos.
„Na, was schon?“, erwidert er grinsend. Er zieht meinen Kopf tiefer und verwickelt mich in einen gierigen Kuss. Seine Zunge deutet an, was er von mir erwartet, während er sich an mir reibt. Mein Schwanz fordert ebenfalls Aufmerksamkeit, also presse ich mich auf Aljoscha. Seine Hand fährt zwischen unsere Körper und sorgt für ein unendlich geiles Gefühl.
„Willst du es so zu Ende bringen?“, frage ich stöhnend, aber Aljoscha schüttelt den Kopf.
„Du in mir … jetzt sofort“, bestimmt er und schiebt mich von sich.
„Ich hab noch nie …“, gebe ich zu und senke den Blick. Ich weiß nicht, wie er auf dieses Geständnis reagiert und fürchte mich daher ein wenig.
„Dann wird es Zeit“, raunt er mit tiefer Stimme und stippt mit einem Finger gegen meine Schwanzspitze.
„Ich habe nicht mal …“, stelle ich fest und lasse mich stöhnend neben ihm aufs Kissen fallen. „Verdammt, ich habe weder Kondome noch Gleitgel hier.“ Ich spüre, wie Wut in mir aufsteigt. Ich bin so ein verdammter Idiot.
„Komm her, Mutschekiepchen … mein kleiner Marienkäfer … Wenn man auf dich nicht aufpasst, fliegst du echt davon … aber heute fliegen wir zusammen.“
Aljoscha zieht mich in seinen Arm. Mit der anderen Hand greift er nach meiner und legt sie auf seinen Schwanz. Ich streiche über die samtige Haut, reibe die Spitze, bis Aljoscha seufzend den Kopf in den Nacken legt. Seine Hand umschließt meine Erektion. Es dauert nicht lange, bis wir den gleichen Rhythmus gefunden haben. Ich vergrabe meinen Kopf an seinem Hals, lecke über die salzige Haut und spüre, wie mein Orgasmus heranrollt.
„Sieh mich an“, fordert Aljoscha mit rauer Stimme. Er muss sich anscheinend ebenso beherrschen wie ich …
„Los, sieh mich an, Kai.“
Nur mühsam löse ich mich aus meinem Versteck und öffne die Augen. Wir lächeln uns an, küssen uns. Unsere Hände werden schneller und dann kann ich nicht mehr. Mit einem leisen Aufschrei ergieße ich mich, weiß nicht wohin mit den Gefühlen, die mich ebenso heftig überrollen.
„So schön“, keucht Aljoscha und dann spüre ich, wie sein heißer Saft über meine Finger rinnt. Noch ehe sein Orgasmus abgeebbt ist, finden sich unsere Lippen. Noch nie hat sich Sex so angefühlt …
Ich lasse seinen Schwanz nicht los, obwohl Aljoscha empfindlich zuckt.
Seufzend lege ich den Kopf zurück auf seine Schulter und schließe die Augen.
„Du machst mich echt fertig, Mutschekiepchen“, flüstert er glucksend.
„Tut mir leid“, nuschle ich und beiße vorsichtig in die duftende Haut.
„Nicht entschuldigen, sondern morgen Gummis besorgen, damit wir das Bett richtig einweihen können.“
„Hast du denn keine?“, frage ich erstaunt.
„Doch, aber die benutzen wir in meinem Bett.“
„Okay“, murmle ich und fühle mich so zufrieden, wie noch nie in meinem Leben.
„Willst du auch noch ein Stück von der Scheidungstorte?“, unterbricht Aljoscha meine Gedanken.
„Weiß nicht …“, murre ich, denn eigentlich bin ich viel zu müde, um mich zu bewegen. Davon abgesehen esse ich um diese Uhrzeit nichts mehr, schon gar nicht Buttercremetorten.
„Ich habe noch Hunger“, brummt er und löst sich von mir. Ich sehe Aljoscha hinterher und vermisse augenblicklich seine Wärme. Es dauert nicht lange, bis er mit einem Teller voller Kuchen zurück ins Bett klettert. Er wirft ein Kondom und eine Tube Gleitgel aufs Kopfkissen. Fragend sehe ich ihn an, aber er wackelt nur aufreizend mit den Augenbrauen.
„Nur für den Fall …“
Ich bekomme einen Kuss, bevor er ein Stück von der Torte auf den Löffel schiebt und damit gegen meine Lippen stupst. Ich öffne den Mund, lasse den süßen und schokoladigen Geschmack auf meiner Zunge zergehen und lächle Aljoscha glücklich an.

ENDE


Kommentare:

  1. Zwar traurig, dass die Ehe von Kai und Uwe nicht gehalten hat und sie sich scheiden ließen. Und das auch noch am Valentinstag.
    Andererseits haben so Kai und Aljoscha endlich zusammen gefunden.
    Eine schöne Geschichte zum Valentinstag. Danke!

    LG Piccolo

    PS: Du wolltest uns auch noch sagen, an welche Hilforganisation ein Teil der Einnahmen von "positiv verliebt" geht.

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  2. Lächel...Mutschekiepchen, den Begriff werd ich mir merken!
    Trennungsjahr, Scheidung und dann der Anfang einer neuen Liebe.
    Hat mir sehr gut gefallen, deine kleine Geschichte.
    GlG

    Ich wünsche dir einen schönen Valentinstag!
    Meinen hast mir schon mal versüßt...

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  3. Hi,
    wie immer, ist auch diese Geschichte sehr schön geschrieben!!! Hätte gerne noch mehr gelesen!!! *grins*
    LG Christina

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  4. :-) wie meine oma schon immer sagte, nach regen folgt sonnenschein. so auch bei kai. nach uwe kommt aljoscha und die beiden beginnen an einem wunderschönen valentinstag. wenn das kein super start ist...

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  5. Ich dachte auch immer ich bin nicht abergläubisch... Aktuell bin ich mir da nicht so sicher... Aber ich denke, wenn schon Scheidung, dann doch bitte so gesittet wie Kai und Uwe.
    Ansonsten eine sehr schöne Geschichte mit einem auch mir vollkommen unbekanntem Begriff. Aus welchem Dialekt stammt der?

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  6. Sehr schöne Geschichte! Da sieht man mal wieder, dass auch aus traurigen Geschehnissen auch was Gutes entstehen kann. Und wer kann einem Mutschekiepchen, oder wie es bei uns heißt: Muhkübchen, auch schon wiederstehen? xD
    Aljoscha habe ich richtig ins Herz geschloßen, besonders, da er mich an einen meiner Lieblingssänger erinnert und ich beim lesen ständig an ihn denke musste. Der rennt nämlich auch immer in High Heels über de Bühne ^^. Sexy Sexy.

    LG Stephie.

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