Freitag, 1. November 2013

Halloween- Hallo, Wayne

Wie versprochen kommt auch schon der zweite Teil der Geschichte.
Ich hoffe es gefällt Euch und ihr habt genau so viel Spaß beim Lesen wie wir beim Schreiben!



Tilo

Ich bin so ein verdammter Idiot! Was hatte mich nur geritten, ihm zu sagen, dass ich bei diesem Dreier mitmachen möchte? Und dann noch die andere Prinzessin und noch mehr Typen …
Und nun hat Wayne uns in diese Klokabine gestopft und ich kann nicht mehr aufhören zu heulen. Dabei hasse ich es zu heulen! Ich sehe nicht nur aus wie ein Mädchen, ich benehme mich auch so.
Was macht er denn jetzt? Er wird doch nicht? Doch! Er wischt mir mit einem Stück Klopapier die verlaufene Schminke aus dem Gesicht, zwingt mich, ihn anzusehen … Er hat so schöne dunkle Augen, aber ich glaube, sein Blick ist eher mitleidig als … Ich will nicht, dass er mich so ansieht, wo mein Herz seit diesem Kuss total verrückt spielt. Diese Sache mit dem Dreier habe ich doch nur gesagt, damit ich … Ja, keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe. So ganz durchgereift war mein Plan nicht, aber wer konnte denn auch ahnen, dass diese durchgeknallte andere Prinzessin noch mehr Kerle anschleppen würde?
Wayne schimpft mit mir, rüttelt an meinen Schultern, aber ich verstehe kein Wort von dem, was er sagt. Der Schock sitzt mir immer noch tief in den Knochen und eigentlich möchte ich nur von hier verschwinden. Am besten, er lässt mich vorbei und dann vergesse ich diesen ganzen Tag und zwar für den Rest meines Lebens. Ein Kostüm ziehe ich nie wieder an und Frösche möchte ich auch nie wieder sehen.
„Ist das eine Art Mutprobe?“, dringt es in meine Ohren und schon wieder liegt seine Hand unter meinem Kinn und bringt mich dazu, ihn anzusehen. Ich schlucke, suche nach Worten, aber ich kann ihn nur angucken, mich in seinen Augen verlieren und diese Lippen anschmachten. Ich möchte sie so gern noch einmal berühren. Kommt es mir nur so vor, oder höre ich wirklich Geigenmusik? Nein, das ist keine Ausgeburt meiner romantischen Fantasie, da draußen spielt wirklich eine Geige … Natürlich, das ist das Intro zu einem Lied von dieser ostdeutschen Rockgruppe. Das läuft bei meinem Nachbarn ständig rauf und runter.
Ich glaube, Waynes Blick ist ebenso sehnsüchtig wie meiner. Gebannt hänge ich an seinen Lippen, blende die Welt um uns herum aus. Ich will wissen, ob es sich noch genauso gut anfühlt, wie vorhin, als er mich noch für den anderen Kerl gehalten hat. Vielleicht stellt er ja fest …
Weiter komme ich mit meinen Gedanken nicht, denn seine Lippen berühren meinen Mund und bringen mich zum Seufzen. Ich schlinge meine Arme um seinen Hals, ziehe ihn dichter an mich heran. So gut, verdammt, dieser Kuss ist so absolut perfekt. Hoffentlich fühlt es sich für Wayne ebenso an.
Ich heiße seine Zunge in meinem Mund willkommen, lasse meine Hände über den Plüschstoff gleiten, suche nach einem Zugang zu seiner Haut. Ich möchte so viel mehr fühlen, aber diese blöden Kostüme und dazu noch die enge Klokabine. Das ist einfach nicht richtig hier.

Ein lautes Pochen an der Tür lässt uns auseinanderfahren und die Stimme, die ein dringendes Bedürfnis bescheinigt, ruiniert die besondere Stimmung und lässt mich wieder auf den Boden der Tatsachen aufprallen.
„Ich will hier raus“, murmle ich und sehe erneut nach unten. Die Geige läuft zur Höchstform auf, aber ich weiß nicht, ob ihr Lied noch für uns ist. Ich weiß ohnehin nicht, was das alles bedeuten soll. Was wollte er denn mit mir auf dem Klo?
Wayne schließt die Tür auf und zieht mich nach draußen. Der Kerl davor nestelt bereits an seinem Umhang und schiebt uns mit einer unflätigen Bemerkung zur Seite.
„Und nun?“
Wayne sieht mich fragend an. Ich habe das Gefühl, dass viel mehr hinter dieser Frage steckt, aber vielleicht irre ich mich auch. Ich habe keine Ahnung, wie so etwas läuft. Natürlich könnte ich an meinem Plan festhalten, also nicht der mit dem Dreier, sondern der, einen Kerl abzuschleppen. Eine bessere Gelegenheit werde ich wohl nicht mehr bekommen. Aber mein Herz hat ihm schon längst einen Platz eingeräumt. Die Frage ist nur, ob er ihn auch will.
„Wir könnten zu mir gehen“, nuschle ich und beiße mir vor Panik auf die Unterlippe. Wenn er das Angebot ablehnt oder ebenso verwirrend reagiert wie vorhin …. Dann sterbe ich vor Scham.
Eine Weile starrt mich Wayne einfach nur an. Mir entkommt ein verzweifeltes Stöhnen. Ich habe es kapiert, drehe mich um und sehe mehr oder weniger in mein Spiegelbild.
„Hey, ihr Süßen!“ Die andere Prinzessin drängelt sich zwischen uns und legt seine Arme auf unseren Schultern ab. Ich versuche, der Berührung zu entkommen, aber der Kerl hat einen ziemlich festen Griff.
„Das ging aber schnell. Ja, manchmal ist der liebe Wayne einfach nicht zu bremsen.“ Er kichert und drückt Wayne einen Kuss auf die Wange. „Da ihr beiden nun fertig seid, ist es an der Zeit ihm zu zeigen, was eine echte Prinzessin drauf hat.“, gurrt er und leckt sich dabei aufreizend über die Lippen. Ich schlucke, sehe Wayne an, der anscheinend ebenso fassungslos ist wie ich. Ich bin mir nicht sicher, was hier vor sich geht und noch weniger, ob es mir gefällt. Spielen die beiden ein Spiel und ich bin ihnen auf den Leim gegangen? Bin ich der einzige, der sich Hals über Kopf verliebt hat? Aber sein Blick war so … so ehrlich und liebevoll. Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet, denn wir kennen uns doch überhaupt nicht und er könnte auch einfach nur ein guter Schauspieler sein.
„Lass mich in Ruhe, Hannes“, knurrt Wayne und der Zorn in seiner Stimme ist deutlich zu hören.
„Hey, bist du wirklich noch sauer wegen des kleinen Scherzes? Du bist doch sonst nicht so spießig und die beiden waren doch echte Sahneschnittchen …“, lässt sich dieser Typ nicht beirren.
„Du kapierst es echt nicht, oder?“
Die beiden taxieren sich mit Blicken, scheinen ihre Auseinandersetzung stumm fortzuführen. Vielleicht sollte ich den Zeitpunkt nutzen, um zu verschwinden … oder ich nutze die Chance ihm zu zeigen, das ich die richtige Prinzessin bin. Dieser Frosch gehört zu mir!
Erneut spüre ich so eine merkwürdige Regung in mir, die mich schon vorhin zu dieser unglaublichen Aussage gebracht hat. Aber jetzt mache ich hoffentlich das Richtige, ergreife seine Hand und unterbreche damit endlich den Blickkontakt zwischen den beiden. Wayne fasst sofort zu, lächelt mich an und nickt ganz leicht. Wir setzen uns gleichzeitig in Bewegung, drängen die anderen ohne Rücksicht auf Verluste zur Seite. Den Ausgang haben wir ebenso fest im Blick, wie sich unsere Hände halten. Es ist schon fast schmerzhaft, aber ich werde nicht loslassen.
Kurz werfe ich einen Blick zurück, sehe die Prinzessin, die mich angrinst und mir einen Handkuss zuwirft. Für eine Sekunde übernehmen die Zweifel das Zepter. Gegen einen Kerl, der sich so gekonnt in Szene setzen kann, habe ich keine Chance, das wird Wayne wohl recht schnell merken … aber diese Nacht gehört mir!
Entschlossen trete ich als Erster nach draußen. Ich glaube, es ist noch ein paar Grad kühler geworden und es scheint sich allmählich einzuregnen. Ich beneide Wayne um sein Kostüm, in dem es bestimmt wunderbar warm ist.
„Also zu dir?“, fragt er und zieht mich dicht an sich heran.
„Ja“, murmle ich und spüre, wie mein Gesicht zu brennen beginnt.
„Und ich reiche dir oder sollen wir noch jemanden hier auf der Straße fragen?“
Wo ist das Loch, in dem ich versinken kann? Unsicher sehe ich ihn an, aber sein Grinsen zeigt mir, dass er mich nur aufziehen will.
„Du reichst mir“, bestätige ich und lehne den Kopf gegen seine Schulter.
Wayne bleibt stehen, nimmt mein Gesicht in seine Hände und sieht mich nachdenklich an. Das matte Licht der Laternen lässt seine Augen noch dunkler erscheinen.
„Du weißt, was mit einem Frosch passiert, der von der richtigen Prinzessin geküsst wird?“ Seine Stimme klingt rau und erregt. Trotz der Kälte rinnen mir heiße Schauer über den Rücken.
„Er verwandelt sich in einen Prinzen?“
„Genau, und dann wird die Prinzessin ihn nicht mehr los!“
Er sieht mich unsicher an, während mein Herz bereits sein Köfferchen packt und in Waynes Brust einzieht.
„Wenn das so ist, dann wird sich die Prinzessin ganz viel Mühe geben, um den Frosch zu erlösen“, hauche ich gegen seine Lippen und lecke mit meiner Zunge darüber. Wayne stöhnt leise, aber ich greife erneut nach seiner Hand, laufe los und ziehe ihn hinter mir her.
„Auf der Straße und bei dieser Kälte finde ich den Prinzen ja nie“, erkläre ich lachend.

Wayne


Ist das hier echt? Laufe ich wirklich hinter Tilo her und er will MICH? Den blöden Frosch? Seine Küsse waren so ehrlich und leidenschaftlich, doch was erwartet mich gleich? Waren das nur Köder und gleich geht’s richtig zur Sache? Rums-bums und fertig, so wie bei Hannes?

Während wir die Straße entlang eilen, durch eine Tür in ein Mehrparteienhaus laufen und die Treppe erklimmen, wächst der Zweifel in mir. Was, wenn Tilo nicht der Traummann ist, zu dem ich ihn insgeheim schon stilisiert habe? Mein Herzlein hat sich schon für ihn entschieden, obwohl wir uns gerade erst kennengelernt haben. Ich wünsche mir so sehr, dass die Traumblase nicht zerplatzt, dass ich an nichts anderes mehr denken kann.

„Hier wohne ich“, erklärt Tilo freudestrahlend, schließt eine Tür auf und zieht mich in einen dunklen Flur.
Gleich darauf werde ich an die Wand gedrückt und sein Mund liegt auf meinem. Tilos süßer Duft dringt in meine Nase, sein Geschmack füllt mich ganz und gar aus. Er gräbt seine Zunge in meine Mundhöhle und erforscht mich mit fast irrer Intensität, dabei fahren seine frechen Finger unter den Plüschstoff meines Kostüms.
„Zieh das aus“, stöhnt er und plötzlich bin ich nüchtern.
Das geht aber mit einem Mal schnell bei diesem angeblich so schüchternen Kerl. Ich schiebe ihn weg, atme tief durch und schüttle entschieden den Kopf.
„Wir sollten … Sollten wir uns nicht erst besser kennenlernen?“ Meine Stimme klingt rau und der Hals schmerzt vor Trockenheit.
Blitzt da Enttäuschung in den Augen meines Gegenübers auf? Sein Adamsapfel hüpft, als er schluckt und seine langen Wimpern senken sich.
„Okay. Ja. Klar“, flüstert Tilo, wendet sich ab, macht ein paar Schritte und verschwindet links in ein Zimmer.
Ich folge ihm nach ein paar Sekunden. Er sitzt auf einem breiten Bett, die Hände verknotet und den Kopf gesenkt. Was habe ich denn nun schon wieder falsch gemacht?
„Tilo? Ist alle in Ordnung?“
Er schnieft und nickt. Ja, Gottverdammt noch mal! Wieso heult er denn, wenn alles in Ordnung ist?
„Tilo? Was mache ich falsch?“
Ich lass mich neben ihn plumpsen, wobei das Plüschfroschunterteil hochklappt und mich bis zur Brust wie ein Ball einschließt.
„Nichts. Du hast doch recht. Es ist sonst gar nicht meine Art, über einen Mann herzufallen, doch bei dir … Ich dachte wirklich, du bist scharf auf mich.“
Oh Mann! Also das ist es. Mir entfährt ein genervter Seufzer.
„Hör mal, Prinzessin. Ich bin verdammt scharf auf dich, aber ich dachte, wir lassen es langsam angehen. Du bist mehr als …“ Ich suche nach einem unverfänglichen Wort, doch mir fällt keines ein. „… mehr als ein Fick. Ich mag dich … sehr. Das mit uns … Ich hoffe, dass mehr daraus wird.“
„Ach so“, wispert Tilo, hebt das Kinn und lächelt verzagt.
„Genau. Ach so“, echoe ich und lege einen Arm um seine Schultern.
Obwohl fast so groß wie ich ist er schmaler. Die blonden Locken fallen ihm ins Gesicht und sein Mund bebt. Mein Gefühl überwältigt mich, ich kann nicht anders als ihn küssen. Er kommt mir seufzend entgegen, umschlingt mich mit einem Arm, während seine Finger meine Wange streicheln.
Diesmal macht er keinen Versuch den Plüsch zu entfernen, küsst mir die Seele heraus und den Kopf leer. Mein Schwanz ist hart und schwer wie Stahl, die Haut über meinen Eiern spannt und das Scheißkostüm droht mich zu ersticken. Eben noch voller Vernunft bin ich plötzlich nur noch geil und will keinen Moment länger warten.
Ich zupfe an dem rosa Tüll, finde einen Reißverschluss und ziehe ihn auf. Der Stoff fällt von Tilos Schultern und enthüllt einen Büstenhalter, in dem zwei Plastiktitten stecken. Trotz meiner Erregung muss ich losprusten und glotze auf die Dinger, umschließe sie mit beiden Händen und knete versuchsweise.
„Mann, hast du geile Möpse.“
Ich kichere vor mich hin und Tilo stimmt ein, wobei er errötet. Er greift nach hinten, öffnet den BH und streift ihn ab. Nun bleibt mir die Spucke weg und das Kichern wird von einem Stöhnen abgelöst. Dieser Mann ist wunderschön, mit der hellen Haut und den beiden blassrosa Brustwarzen in Fünfcentstückgröße.
Mein Blick wandert hoch, über den schlanken Hals, das Kinn und die hübschen Lippen, die schmale Nase bis zu den himmelblauen Augen. Ich will Tilo so sehr, dass es schmerzt.
„Können wir uns später kennenlernen? Ich … Ich bin so heiß auf dich und … und würde jetzt gern …“
Ein mutwilliges Grinsen zieht seine Mundwinkel empor. Er nickt, steht auf und steigt aus dem Kleid. Strapse? Mir fallen die Augäpfel fast aus den Höhlen. Ein schmaler String verbirgt sein Gemächt mehr schlecht als recht. Meine Hände beginnen zu zittern und in meiner Körpermitte lodert ein Brandherd.
Er streift diese Unterwäsche-Frechheit von den schmalen Hüften, schlüpft aus den Schuhen und stellt einen Fuß auf die Bettkante, um sich den ersten Strumpf vom Bein zu rollen, dabei wippt seine Erektion keck hoch und drückt sich gegen den flachen Bauch.
Ohne ihn aus den Augen zu lassen rupfe ich an dem Froschkostüm, hebe kurz den Hintern an und schiebe es runter, bis ich es zusammen mit den Schuhen abstreifen kann. Meine Boxer erlebt gerade einen Materialtest und die Nähte ächzen, als mein Ständer sich beharrlich dagegen drängt.
Unterdessen hat sich Tilo den zweiten Strumpf abgestreift und nestelt am Strapsgürtel. Der Stoffstreifen fällt und mit ihm meine Geduld. Ich schnappe mir Tilos Arm und werfe ihn aufs Bett, mich hinterher. Wieder finden sich unsere Münder und warme Hände fahren über glatte Haut. Er scheint genauso viel Freude an Zärtlichkeiten zu haben wie ich, streichelt mich überall und landet schließlich auf mir.
Seine Lippen wandern über mein Gesicht, hauchen zarte Küsse auf meine Augen, Nase und Wangen, bevor sie zum Ohr gleiten und sanft daran knabbern. Vor Genuss senken sich meine Lider, ein wimmernder Laut kommt aus meiner Kehle und ich lass mich ganz in diese herrliche Behandlung fallen.
Tilo küsst sich über den Hals, die Schulter und das Schlüsselbein, versenkt die Nase in meiner Achselhöhle und bläst seinen warmen Atem über meine Haut. Es kribbelt am ganzen Körper und als er tiefer rutscht, meine Nippel verwöhnt und seine Finger meine Leisten kraulen, jault in mir pure Geilheit auf.
„Tilo“, stöhne ich verzweifelt. „Ich halt es nicht mehr aus.“
Er schaut hoch, lächelt und zupft am Bund meiner Boxer.
„Also darf ich …?“
„Oh bitte, bitte, mach“, flehe ich und hebe die Hüften an, sodass er den Stoff ungehindert entfernen kann.

Der Rest geht unter in einem rosa Nebel aus Erregung und wild schlagendem Herzen. Tilo kümmert sich um Kondome und Gel, danach stecke ich in ihm und nehme ihn unter tausend Küssen. Der Süße stöhnt mir die Ohren voll, während er mich verliebt anstarrt und blutige Spuren in meinen Rücken kratzt.
Schwitzend, keuchend und zitternd durchbrechen wir gemeinsam die Ziellinie. Tilo umklammert mich und gibt keinen Zentimeter nach, während wir wie in Watte gepackt zurück zur Erde schweben.

Danach regnet es Küsse und kleine Berührungen, so, wie ich es mir immer erträumt habe. Doch Tilo ist kein Traum, er ist real und irgendwann werde ich ihn bitten, diese verdammt heißen Strapse wieder für mich zu tragen. Doch vorher sollten wir uns wirklich erst mal kennenlernen. Also, ernsthaft jetzt.


Epilog Tilo


Wütend stapfe ich die Stufen nach oben. Was für ein beschissener Tag! Dabei hatte ich mich so auf den Feierabend und auf das Treffen mit Wayne gefreut. Aber jetzt ist alles anders … und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll.
Vier Wochen sind wir nun zusammen und ich hatte geglaubt, dass Wayne tatsächlich der Prinz sein würde, für den ich ihn von Anfang an gehalten habe. Vielleicht hat mir meine Unerfahrenheit einen Streich gespielt, vielleicht hat mir meine Schüchternheit vorgegaukelt, dass alles in Ordnung ist. Nicht nur in Ordnung, es kam mir perfekt vor. Ich habe jedes Treffen genossen, war noch nie so glücklich, wie in seinen Armen. Ich hielt es für Verliebtheit, wenn er sich mal wieder nicht zwischen Kennenlernen und Sex entscheiden konnte, wenn er mich von sich gestoßen und gleichzeitig an sich herangezogen hat. Ich dachte, wir befinden uns auf Wolke Sieben, aber jetzt kommt es mir eher wie die Hölle vor.
Mein Herz zieht sich schmerzhaft in meiner Brust zusammen. Überhaupt kommt es mir so vor, als würden sämtliche Organe zusammengequetscht, als würde mir jemand die Luft zum Atmen nehmen. Ich will ihn nicht verlieren, aber ich kann mit diesem Wissen auch nicht weiterleben. Denn mit jedem Tag verliebe ich mich ein Stück mehr in meinen Frosch. Am Ende wird er mir das Herz herausreißen und in kleine Fetzen vor die Füße werfen.
Seufzend öffne ich die Wohnungstür, streife die Schuhe ab und gehe schnurstracks ins Bad. Ich brauche eine heiße Dusche. Vielleicht bekomme ich davon auch wieder einen klaren Kopf, vielleicht hat das Wasser eine Antwort für mich parat, wie ich mich verhalten soll, wenn es gleich an der Tür klingelt.
Starr lasse ich das Nass auf meinen Körper prasseln, versuche, die düsteren Bilder zu verdrängen. Aber immer wieder erscheint das hämische Grinsen dieser verdammten anderen Prinzessin vor meinen Augen. Wäre ich nur niemals zu der Halloweenparty gegangen!
Einen Monat … Ich hatte … Ich dachte, ich würde Wayne heute mit den Strapsen überraschen, denn es schien ihn ziemlich angemacht zu haben. Ich wollte, dass er richtig heiß auf mich ist, wollte endlich mutig sein und das große L- Wort flüstern. Es lag mir schon so oft auf der Zunge, aber ich habe mich einfach nicht getraut, dabei ist mein ganzes Herz damit ausgefüllt.
Ich rutsche an der Wand nach unten, halte mir vor Schmerzen den Bauch und weiß nicht, wie ich diese Leere jemals füllen soll.
Beim Abtrocknen frage ich mich, ob ich nicht doch so tun könnte als ob nichts wäre. Doch schon der Gedanke, dass sie … gemeinsam über mich lachen, sich über meine Gefühle lustig machen und dann Sex haben … bringt meinen Magen zum Krampfen. Ich spüre, wie sich die Magensäure einen Weg nach oben bahnt und schließe ganz fest die Augen, um gegen das ekelhafte Gefühl anzukämpfen.
Als es klingelt, bin ich noch immer nackt. Unter anderen Umständen hätte ich ihm die Tür geöffnet, mich an seinem lüsternen Blick aufgegeilt und ihn ins Schlafzimmer gezogen, um mich über seinen wunderschönen Körper herzumachen. Stattdessen schlüpfe ich in meine hässliche und vollkommen ausgeleierte Jogginghose, ziehe ein graues T-Shirt über, auf dem mit rosa Schrift und total verwaschen das Wort Arschloch zu lesen ist, und gehe zur Tür.
Innerlich heule ich bereits, aber ich werde es diesmal nicht zulassen, dass Wayne mich weinen sieht.
„Hey Prinzessin“, säuselt er und zieht mich in seine Arme. Ich mache mich ganz steif, halte den Atem an, denn sein Geruch vernebelt mir ansonsten die Sinne.
„Was ist denn los?“, fragt Wayne, schiebt mich ein Stück von sich weg und betrachtet mich. Er runzelt die Stirn und sieht mich abwartend an.
Verdammt, mein Mund ist so trocken, dass ich keinen Ton herausbekomme.
„Tilo? Ist alles in Ordnung?“, höre ich ihn hinter mir, während ich mich auf den Weg ins Wohnzimmer mache. Alles in Ordnung? Wütend drehe ich mich zu ihm um.
„Nein, nichts ist in Ordnung. Du … du bist ein … echter Mistkerl!“, meckere ich ihn an. Entsetzt weicht er zurück. Ist das etwa ein Schuldeingeständnis?
„Was habe ich denn gemacht?“
So viel Scheinheiligkeit hätte ich ihm gar nicht zugetraut.
Resigniert lasse ich mich auf den großen Sessel fallen und starre ihn eine Weile an. Er scheint sich tatsächlich keiner Schuld bewusst zu sein. Sein verwirrter Gesichtsausdruck ist bezaubernd und bringt mein Herz dazu, einen Moment an meinem Entschluss zu zweifeln. Aber ich weiß, dass es mich auf lange Sicht zerstören würde.
Wayne kniet sich vor den Sessel und nimmt meine Hände. Glitzern da etwa Tränen in seinen Augen?
„Was ist denn passiert? Ich hatte mich auf den heutigen Abend so sehr gefreut. Weißt du es  denn nicht? Wir sind jetzt schon einen Monat zusammen …“
„Natürlich weiß ich das und ich dachte … auch wenn wir es nicht ausgesprochen haben, so dachte ich doch, dass es auch für dich exklusiv wäre …“
„Aber das ist es doch!“
„Wieso lügst du mich an?“, knurre ich und ziehe meine Hände zurück.
Wayne springt auf die Füße und fährt sich genervt durch die Haare. Für einen Moment bin ich von seiner Gelenkigkeit beeindruckt, betrachte den herrlich runden Hintern in der Jeans. Mein Schwanz zuckt verräterisch und stimmt meinem Herzen zu, ihn nicht gehen zu lassen. Aber noch hat mein Verstand die Oberhand.
„Was ist heute passiert?“
„Deine verdammte Prinzessin ist passiert“, fahre ich ihn an. „Ich hatte heute diesen Auftrag wegen einer defekten Heizung und rate mal, wo ich gelandet bin?“
Wayne starrt mich fragend an.
„In der WG von Hannes. Zuerst habe ich ihn natürlich nicht erkannt, aber da hingen ja überall Bilder herum. Und du warst auch auf den Bildern … Anscheinend hat er mich beobachtet, wie ich die Fotos betrachtet habe und dann fing er an zu lachen.“
„Und?“, fragt Wayne und klingt dabei atemlos.
„Und? Er hat gesagt … Ich soll es mir doch noch mal überlegen mit dem Dreier … Es … es wäre doch viel einfacher für dich, wenn du mit uns beiden gleichzeitig, als dieses ständige Hin und her …“ Am Ende versagt meine Stimme. Nur das widerliche Lachen von Hannes hallt noch immer in meinen Ohren.
„Aber …“
„Ich verstehe schon, dass ich dir nicht reiche … Ich meine, an mir ist echt nichts dran … ich bin nicht halb so attraktiv wie er … aber ich dachte …“
Ich breche ab und schniefe. Jetzt laufen sie doch wieder, die blöden Tränen.
„Ich liebe dich“, flüstert Wayne und noch ehe ich begreife, was passiert, liege ich in seinen Armen.
„Wie kannst du denn so etwas sagen?“, grummle ich und vergrabe mein Gesicht an seiner Schulter. Sein Geruch hüllt mich ein, ebenso wie die Worte, die ich mir so sehr gewünscht habe.
„Weil es die Wahrheit ist.“
Wayne nimmt mein Gesicht in seine Hände und zwingt mich, ihn anzusehen.
„Du bist keine Prinzessin, du bist eine Dramaqueen“, brummt er und haucht mir einen Kuss auf die Nasenspitze. Wütend will ich mich abwenden, aber seine Hände geben mich nicht frei.
„Ich kann mir richtig vorstellen, dass Hannes seinen Spaß mit dir hatte… und ich müsste eigentlich wütend sein, dass du mir nicht vertraust, aber ihm schon.“
„W… was?“, stottere ich verwirrt
„Ich sage es jetzt ganz deutlich: Ich mag keine Dreier … Ich habe Hannes seit der Halloweenparty nicht mehr gesehen und ich bin auch nicht an ihm interessiert, denn du füllst einfach alles aus … mein Herz und meinen Verstand und … hin und wieder auch meinen Arsch.“
Ich schlucke schwer, betrachte, wie sich die schön geschwungenen Lippen zu einem Lächeln verziehen und möchte sie so gern küssen. Nur sehr langsam dringen seine Worte in meinen Kopf, bringen die Gehirnwindungen zum Vibrieren.
„Du hast nicht?“
„Nein“
„Du liebst mich?“
„Mehr als du dir vorstellen kannst.“
„Ich liebe dich auch“, nuschle ich und spüre, wie meine Wangen zu glühen beginnen.
Wayne beugt sich vor und küsst sanft meine Lippen.
Ich öffne meine Beine, ziehe ihn dichter an mich heran, während sich meine Zunge in seinem Mund schmuggelt und mein Schwanz gegen seinen Bauch drückt. Wir seufzen gleichzeitig, lösen den Kuss und sehen uns an.
„Ich glaube, wir müssen das mit dem Kennenlernen echt vertiefen. Wie konnte Hannes dich nur so zum Zweifeln bringen?“
Beschämt knabbere ich auf meiner Unterlippe herum. „Er klang so … Ich hatte keinen Grund ihm nicht zu glauben.“
Kaum habe ich die Worte ausgesprochen, wird mir erst bewusst, was ich angerichtet habe.
„Es tut mir so furchtbar leid.“
Wayne seufzt und schüttelt den Kopf. „An deinem Vertrauen in uns müssen wir noch arbeiten!“
„Wie denn?“, frage ich, sehnsüchtig auf seinen Mund starrend.
„Fangen wir mal mit Reden an: Das hier zwischen uns ist für mich absolut exklusiv. Allein die Vorstellung, dass dich ein anderer Kerl …“
„Ich will nur dich“, murmle ich mit wild pochendem Herzen. „Nur dich!“
Glücklich lächelt mich Wayne an und schmiegt sich anschließend in meine Arme. Ich rutsche vom Sessel, schiebe ihn nach hinten, bis er auf dem weichen Teppich zum Liegen kommt.
„Alles meins“, flüstere ich aufgeregt und sauge an der weichen Haut an seinem Hals. Seine Arme umschlingen mich und er dreht uns mit Schwung um, sodass ich nun unter ihm bin.
„Ich habe dir doch gesagt, wenn du den Frosch küsst, wird daraus ein Prinz, den du so schnell nicht wieder loswirst.“
„Ab jetzt halte ich ihn ganz fest!“
Endlich küsst mich Wayne und wir versinken in einem Strudel aus Liebe und Lust.

Ende
 

1 Kommentar:

  1. Ich liebe deine Happy Ends.
    So stürmisch wie es mit ihnen angefangen hat, musste es ja mal zu so einem Missverständnis kommen.
    Aber sie arbeiten daran und verlieben sich dabei immer wieder ein Stückchen mehr ineinander.

    LG Piccolo

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