Montag, 14. Oktober 2013

Kurzurlaub mit Hindernissen

Ein Wochenende nur zu zweit … drei Tage Kinderfrei … Erholung und Zweisamkeit in einem Hotel …
So ungefähr hatte ich es mir vorgestellt, als wir im Frühjahr den Hotelgutschein gewonnen haben. Leider haben wir ihn dann erst einmal aus den Augen verloren und nun war es höchste Zeit für die Einlösung.
Das einzige freie Wochenende, das mein Mann noch bis Weihnachten hat, war das vergangene und wir hatten Glück, das Hotel hatte auch noch ein Zimmer für uns frei. „Livemusik“ hat die Dame ins Telefon geflötet und wir dachten uns nichts weiter dabei.
Und wie immer, wenn man sich auf etwas freut, hat das Ganze mehr Haken, als erwartet. Zuerst haben wir vergessen, dass an diesem Wochenende zwei Geburtstage sind, einer davon war der 70. meines Schwiegervaters. Das hatten wir ja super geplant! Aber zum Glück ist dieser Teil der Familie nicht besonders gesellig und gefeiert wird da nicht mal Weihnachten, also auch kein Geburtstag.
Okay … die Kinder unter zu bringen, ist keine Schwierigkeit, denn sie sind ohnehin mehr bei meinen Eltern als bei uns (was natürlich übertrieben ist!)
In den Westerwald für ein Wochenende zu fahren, gehört grundsätzlich nicht zu den Dingen, die ich freiwillig machen würde. Mal ehrlich, ich habe den Wald vor der Tür und es gibt auch hier noch ziemlich viele Orte, die ich nicht gesehen habe, aber einem geschenkten Gaul…
Kurz vor der Abfahrt fing mein Knie an zu schmerzen und weil ich ein Angsthase bin, gehe ich natürlich nicht zum Arzt. Am Freitag spürte ich zudem noch einen merkwürdigen Schmerz im Unterleib (diese Bank, auf die ich mich unbedingt setzen musste, beim letzten Waldspaziergang war wohl doch zu kalt gewesen!) Aber nur die Harten kommen in den Garten und eine Frau kann Schmerzen ja problemlos ertragen … also nichts wie rein ins Auto und los geht’s …
Es regnete in Strömen, so stark, dass man zeitweise das Gefühl hatte in einem dichten Neben zu stecken. Die Autos ringsherum waren kaum zu sehen. Wir dachten darüber nach, umzukehren (nicht wirklich, aber für einen Moment erschien uns die Möglichkeit, nach Hause zu fahren, uns in unser Bett zu verkriechen und das ganze Wochenende zu schlafen ziemlich verlockend).
Nach knapp 5 Stunden sind wir am Ziel angekommen. Das Hotel lag mitten im Nirgendwo, direkt neben einem Campingplatz und wir haben uns kurz gefragt, ob wir wohl in einem Wohnwagen übernachten müssten… also wir mögen ja Camping wirklich sehr, aber es war doch recht kalt …
Nein, kein Wohnwagen, ein echtes Hotel. Die Frau an der Rezeption trug ein … Dirndl und mir wurde ein wenig flau im Magen. Gleich neben der Rezeption war eine Bar … übervoll mit Männern in … Lederhosen …. Bitte nicht!
„Willkommen zum Oktoberfest!“ Oh mein Gott! Für eine Sekunde dachten wir wohl beide darüber nach, ob wir uns verfahren hatten, aber nein, wir waren mitten drin im schönen Westerwald und mittendrin im Oktoberfestwochenende mit Livemusik und allem drum und dran.
Durchatmen, lächeln, Zimmerschlüssel entgegen nehmen und ab zum Lift. Auf dem Weg dorthin noch einmal ein kurzer Blick an die Bar … keine einzige Frau zu sehen!
Das Zimmer war schön, die Betten gemütlich und es regnete ja immer noch im Strömen. Also taten wir das, was wir noch nie gemacht haben …im Bett fernsehen. Der Nachrichtensprecher berichtet vom Wintereinbruch in Bayern und vom schulfrei für die Kinder, er hält dem Direktor einer Grundschule das Mikro unter die Nase und er sagt: Die meisten Kinder haben gehört, dass die Schule ausfällt, es waren ungefähr fünf Kinder da! Mein Mann guckt mich an: Ungefähr fünf Kinder? Lachflashalarm! "Ungefähr fünf Kinder“ wurde zum geflügelte Wort unseres Urlaubs.
Beim wirklich leckeren Abendbrot empfahl uns die Restaurantleiterin einen Ausflug in ein bezauberndes Fachwerkstädtchen. Lächelnd haben wir uns für den Tipp bedankt. Super, Fachwerk kennen wir ja nicht! Nach einem kleinen Rundgang durch das Hotel mit Schwimmbadbesichtigung, denn trotzallem kann ich Wasser nicht widerstehen, ging es in die Hoteleigene Kneipe „Stoppenzieher“ Alles schön bayrisch dekoriert! Am ersten Abend gab es keine Livemusik, dafür legte der DJ die gängigen Mitsingschlager auf. Obwohl es immer noch deutlich mehr Männer waren, gab es zum Glück auch ein paar Frauen … natürlich im Dirndl.Und alle sangen ausgelassen mit.Was soll ich sagen? Ich feiere auch gern, aber erstens ist es komisch, wenn man nur zu zweit ist und zweitens bin ich nicht so ein wirklicher Schlagerfan… Aber egal, wir haben natürlich getanzt, denn wer kann schon einem Stern widerstehen, lässt sich nicht gern den Mond mit einem Lasso einfangen und würde nicht auch gern nach Amsterdam reisen? Wir haben rumgealbert und die Leute beobachtet. Wow, das hat eigentlich am meisten Spaß gemacht. Männer sind echt super Beobachtungsobjekte und je mehr sie trinken … na lassen wir das. Ich hatte auf jeden Fall ziemlich viel Spaß.
Samstag: ausschlafen, lecker frühstücken und ab ins bezaubernde Fachwerkstädtchen Linz am Rhein. Unser Navi ist ja schon ein wenig älter und wenn du ihm sagst, du willst die kürzeste Strecke, dann gibt er alles dafür, jeden verdammten Meter zu sparen. Was bedeutet, wir sind durch den Westerwald, rauf und runter, Straßen, die so schmal und steil und kurvig waren … Die Packung mit dem Salmiaklakritz nahm rapide ab und unsere Laune … na ja: „Ungefähr fünf Kinder!“ … dann ging es wieder besser.

Okay, Linz ist wirklich schön. Fachwerk … nun ja, Holzornamente an die Wände zu kleben, macht noch kein Fachwerk, aber trotzdem … es war hübsch anzugucken. An den Rhein sind wir auch gegangen. Leider war das Wetter nicht viel besser, einmal abgesehen davon, dass es nicht geregnet hat, aber es war kalt und trüb …
Und dann sind wir in die Burg und weil ich ja ein neugieriger Mensch bin, den eigntlich so schnell nichts abschreckt, wollte ich den Folterkeller natürlich auch besichtigen. Ich weiß nicht woran es lag .. der dunkle Keller, die merkwürdigen Geräusche aus dem Lautsprecher, die Foltergeräte … oder die Tatsache, was ich in letzter Zeit so gelesen hatte (so viele BDSM- mäßige Geschichten) Mir ist echt schlecht geworden … ich habe mich an meinen Mann geklammert und als das Ende in Sicht war, war ich sooo schnell aus diesem Keller wieder raus … Ich habe echt eine ganze Weile und ein Spagettieis gebraucht, um mich davon zu erholen.
Zurück haben wir dann die schnellste Strecke genommen und siehe da … es gibt auch Straßen auf denen zwei Autos nebeneinander passen. Im Hotel angekommen ging es ins Schwimmbad. Wir waren ganz allein, das Wasser ziemlich kalt, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Wann hat man schon mal ein Schwimmbad für sich allein?
Am Abend gings wieder in die Kneipe. Bereits im Vorfeld wurden wir aufgehalten und mussten, nein durften so lustige bayrische Spielchen mitmachen. Triff die Erbse, Hau den Lukas, Stemm den Krug und Wirf den Ball. Spiele! Großartig … Aber wir haben natürlich mitgemacht.
Heute war die Liveband da, zünftig … sage ich nur. Noch mehr Leute in Lederhosen… ich weiß auch nicht, aber keinem der Kerle standen die Dinger. Wo waren die Ärsche hin und dieses alberne Ding da vorn … nee, Hinguckpotential gleich Null! Fantasieanregend? Überhaupt kein bisschen.
Wenn die Band eine Pause machte, dann kam allerdings Musik, die mir gefiel … gutes 80-ziger Jahre Zeug … neue deutsche Welle und so …
Gegen zwölf wurden die Gewinner der Spiele bekanntgegeben… und nun ratet mal, wer der stärkste Mann im Westerwälder Treffhotel war? Genau! Und ich hatte keine Kamera dabei, als er sich so einen albernen Hut und eine Flasche Sekt abgeholt hat.

Am Sonntag ging es wieder nach Hause … diesmal kein Regen, aber dafür Stau …
Aber ja! Es war ein schönes Wochenende und nun besteht meine Familie auch so ungefähr aus fünf Mitgliedern … denn wir sind auf den Vogel gekommen. Meine Männer sind echte Glückspilze! Lose auf einer Vogelschau sind ganz, ganz gemein. Ich hoffe, Clumsy wird sich bei uns wohlfühlen.

1 Kommentar:

  1. lol folterkeller ist doch schön klar wen keiner drin ist macht das wenig spass lol hoffe du gehst die tage noch zum Dok wird dir das bein schon dran lassen kleiner feigling lol lol lol

    AntwortenLöschen