Donnerstag, 31. Oktober 2013

Happy Halloween oder Halloween- Hallo, Wayne


Vielleicht erinnert ihr Euch noch daran, dass ich vor ein paar Wochen darüber nachgedacht habe, wie so ein gemeinsames Projekt von mehreren Autoren funktionieren soll. Diese Frage sollte anscheinend nicht lange unbeantwortet bleiben, denn eine liebe Autorin hat dafür gesorgt, dass ich nun nicht länger darüber nachgrübeln muss. Danke Sissi, du kannst schon irgendwie süchtig machend sein!
Ehrlich gesagt, war mir am Anfang schon ein wenig unwohl,auch wenn es nur ein kleines Spaßprojekt sein sollte, so war ich mir doch nicht ganz sicher, ob ich das hinkriegen würde. Ich weiß auch nicht, ich konnte mir nicht vorstellen, dass man eine Geschichte einfach weiterspinnen kann.
Nun gut, nachdem ich am Anfang wirklich zögerlich und heftig unsicher war (der große Bruder musste mal wieder ganze Überzeugungsarbeit leisten!), habe ich mich dann treiben lassen und ... ich glaube, es hat ziemlich gut funktioniert.
Natürlich will ich Euch die kleine Geschichte nicht vorenthalten. Sie ist Teil eines Projektes einer Gruppe, die sich die Homo Schmuddel Nudeln nennen und die das ehrgeizige Ziel haben, für jeden Tag des Jahres eine Geschichte zu schreiben. Die Geschichten werden monatlich herausgebracht und der Erlös dient einem guten Zweck.Und so bin ich ganz besonders stolz, dass ich auch etwas dazu beitragen konnte.
Vielleicht mögt ihr auch kleine Gute-Nacht-Geschichten, dann habe ich hier mal einen Link für euch Halloween- Geschichten
und hier gibt es die bereits erschienenen Bücher: Amazon

Aber nun zurück zur Halloween Geschichte (da es für den blog recht lang ist, gibt es heute einen Teil und morgen den Rest

Halloween- Hallo, Wayne



Wayne


Seit zwei Stunden stehe ich wie doof in der Stammkneipe meines Freundes Hannes herum und langweile mich zu Tode. Das dämliche Kostüm kratzt, auch wenn es von außen sehr kuschelig ausschaut. Grüner Plüsch, der draußen bei dem kalten Wetter schön gewärmt hat, mir hier drinnen aber kräftig einheizt. Dazu noch diese grottenhässliche Kappe mit der schweren Krone darauf. Als Froschkönig zu gehen war wirklich eine dumme Idee, so, wie die ganze Sache selbst.

Hannes und ich sind seit zwei Monaten zusammen, wobei wohl nur ich das so definiere. Er kommt und geht wie er will. Rauer Sex ohne viel Vorspiel, keine Liebesworte, das ist seine Art. Ich rede mir zwar ein, dass mich das nicht stört, aber irgendwie sehne ich mich schon nach mehr. Stundenlanges Schmusen, in die Augen gucken und liebevolles Streicheln, das wünsche ich mir in Wirklichkeit, doch wo gibt es das schon in der homophilen Welt?

Auch hier, in dieser einschlägigen Kneipe, wird wild rumgebaggert und selbst in dem hässlichen Kostüm habe ich einige Anmachen parieren müssen. Ich warte stoisch auf Hannes, der mir nur verraten hat, dass er als Prinzessin verkleidet erscheinen und ein rosa Kleid tragen wird.

Für Hannes ist Unpünktlichkeit normal, für mich jedes Mal eine Enttäuschung. Irgendwie kann ich eben nicht aus meiner Haut und beginne gerade zu überlegen, ob ich einfach gehen sollte, als eine Prinzessin zur Tür hereinkommt. Das kann nur Hannes sein, denn alle anderen sind als Skelette, Vampire, Nutten oder Priester verkleidet. Die Größe passt, die blonden Locken auch. Erleichtert rutsche ich vom Barhocker und winke ihm zu.

Hannes lächelt, drängelt sich durch die Gästeschar und bleibt vor mir stehen. Er sieht wirklich hübsch aus, auch wenn die dicke Schminke sein Gesicht komplett verändert. Vor Erleichterung, dass er endlich da ist, reiße ich ihn in meine Arme und verpasse ihm einen wilden Knutscher, den er zu meinem Erstaunen nach einer Sekunde leidenschaftlich erwidert.
Ein Arm schlingt sich um meinen Hals, ein fremder Duft dringt mir in die Nase und der Geschmack dieser Lippen ist nicht der, den ich kenne. Er ist anders, würzig, süß, einfach himmlisch. Ohne darüber nachzudenken lass ich mich in den stürmischen Kuss fallen, drücke den Mann an meinen wattierten Froschbauch und fühle die Lust sekündlich steigen. Ich könnte diesen Kerl sofort vernaschen, was sonst gar nicht meine Art ist.
„Hey, Wayne, machen wir einen Dreier?“, spöttelt plötzlich jemand an meinem Ohr.
Hannes!
Schlagartig ist die Stimmung verflogen, wird die Prinzessin in meinen Armen ganz steif und löst die Lippen von meinem Mund. Die Augen entsetzt aufgerissen starrt sie ihren Doppelgänger an, der bei näherem Hinsehen der echte Hannes ist. Der Arm verschwindet von meinem Nacken, eine Hand schiebt mich zurück, während Hannes feixt und zwinkert.
„Siehst scharf aus, Süße“, gurrt er verführerisch, hebt den Arm und streicht meinem Kusspartner mit einem Finger über die Wange. „Was hältst du von meinem Vorschlag?“
Die Prinzessin schüttelt stumm den Kopf, ihre Miene drückt Enttäuschung aus. So dick kann die Schminke also doch nicht sein und mir wird klar, dass ein hübscher Kerl in diesem Kleid steckt.
„Schade“, murrt Hannes, legt einen Arm um meine Froschschultern und drückt einen Kuss auf meine Wange.
Mein Gegenüber schluckt sichtbar, verzieht den Mund zu einem traurigen Lächeln, dreht sich um und bahnt sich ein Weg durch die anderen Gäste zurück zum Ausgang. Bevor ich reagieren kann, ist das rosa Tüllkleid zur Tür hinaus.
„Verdammt, Hannes, musst du immer so eklig sein?“
Ich schubse ihn, werfe ihm einen bösen Blick zu und eile der Prinzessin hinterher. Als es mir endlich gelungen ist, in dem plumpen Kostüm zwischen den Feiernden hindurch die Tür zu erreichen, ist natürlich nichts mehr von ihr zu sehen. Fluchend stehe ich im kalten Nieselregen und verwünsche das Schicksal, das mir von dem einen auf den anderen Moment einen wunderbaren Kuss geschenkt, dessen Geber aber wieder genommen hat.

Tilo


Je näher ich der Kneipe komme, desto langsamer werden meine Schritte. Obwohl es nieselt und ich mir in diesem Kleid die Eier abfriere.
Aber der Kerl in dem Kostümverleih hat es wie verrückt angepriesen und gemeint, dass es mir so unglaublich gut stehen würde. Am Ende habe ich mich gar nicht mehr getraut, ihm zu sagen, dass mir ein schwarzer Umhang viel lieber wäre. Ich bin keine Prinzessin, und vor allem wollte ich nicht so ein auffälliges Kostüm.
Meine verdammte Schüchternheit bringt mich immer wieder in solche Situationen. Wie ein begossener Pudel bin ich mit dem rosafarbenen Alptraum losgezogen, während der Kerl mir noch allerlei Anzüglichkeiten hinterher gerufen hat, die meine Ohren zum Glühen brachten.

Nun stehe ich hier und traue mich nicht hinein. Prinzessin Tilo, die Jämmerliche! Dabei habe ich mir fest vorgenommen, dass ich es heute durchziehe. Ich gehe in die Kneipe und werde einen Kerl aufreißen und mit nach Hause nehmen, auch wenn es nicht das ist, was ich mir wünsche. Aber wir sind ja nicht in Wunschhausen und besser ein schneller Fick als gar keiner. Ganz offensichtlich ist in dieser Stadt kein Schwuler mehr an einer festen Beziehung interessiert. Es muss schnell und unverbindlich sein, hart und lieblos. Alles das, womit ich eigentlich gar nichts anfangen kann, denn ich habe diese Vorstellung von einem Traummann, der mich liebt und der mit mir durchs Leben ziehen will. Doch diesen Traum habe ich für heute Abend ganz weit nach hinten geschoben. Denn heute reiße ich einen Kerl auf!

Tief durchatmend öffne ich die Tür, schiebe mich an einem Skelett vorbei, das mich anzüglich angrinst. Sofort schlägt mein Herz wie verrückt, ermahnt mein Verstand mich, doch umzukehren und den Abend lieber mit einem Bier vor dem Fernseher zu verbringen. Ich schüttle energisch meine blonden Locken und richte das Diadem, was mir dieser blöde Kerl auch noch angedreht hat. Ich atme tief durch und stürze mich ins Getümmel.

Die Luft ist stickig. Ich brauche einen Moment, bis ich mich an den Lärm und die vielen Menschen gewöhnt habe. Es wimmelt nur so von Vampiren, Monstern und Skeletten. Schwarze Umhänge und schwarze Masken … genau das, was ich ebenfalls haben wollte. Ein anderes, ebenso auffälliges Kostüm ist nirgendwo zu entdecken, bis auf … der knallgrüne Frosch an der Bar. Er winkt mir zu. Erschrocken weiche ich einen Schritt zurück, behalte die Plüschamphibie dabei im Auge, die nun von dem Barhocker herunterrutscht und erneut den Arm hebt.
„Okay Tilo“, muntere ich mich auf, versuche zu lächeln und gehe auf den Frosch zu. Sein Kostüm ist im Grunde noch schrecklicher als meines, grün und plüschig und obendrein noch absolut unförmig. Ich hoffe, dass der Bauch nur mit Watte gefüllt ist. Aber dieses strahlende Lächeln gefällt mir, auch wenn ich nicht weiß, womit ich es verdient habe. Mein Herz pumpt kräftig, als ich vor ihm stehe. Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll, aber noch ehe ich überhaupt den Mund auf bekomme, spüre ich schon seine Lippen auf meinen.
Zuerst will ich mich erschrocken zurückziehen. Trotz der Vorsätze, die ich für den heutigen Abend gefasst habe, geht mir das zu schnell. Aber dann spüre ich dieses Kribbeln in mir. Seine Lippen fühlen sich unglaublich gut an. Mutig lege ich einen Arm um seinen Hals, ziehe ihn noch ein Stück näher an mich heran. Er riecht unheimlich gut, vertraut und erregend gleichermaßen. Dabei bin ich mir sicher, dass ich ihn nicht kenne.
Als seine Zunge sich in meinen Mund schiebt, kann ich ein Seufzen nicht unterdrücken. Sein Geschmack ist betörend und fährt mir direkt zwischen die Beine. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so geküsst wurde und male mir bereits aus, wie der Rest des Abends verlaufen könnte.
Doch plötzlich geht ein Ruck durch meinen Frosch. Ich öffne die Augen und starre in das Gesicht einer weiteren Prinzessin, die mich überheblich angrinst. In meinem Magen wird es flau, nur langsam begreife ich die Situation. Auch der Frosch scheint einen Moment verwirrt zu sein. Ich nutze diesen, um Abstand zwischen uns zu bringen.
„Siehst scharf aus, Süße“, sagt mein Doppelgänger und seine Stimme klingt spöttisch. „Was hältst du von meinem Vorschlag?“
Ich schüttle enttäuscht den Kopf, als mir bewusst wird, dass dieser himmlische Kuss nicht für mich bestimmt war. Meine Vorsätze lösen sich in Nichts auf und ich will nur noch von hier verschwinden. Ich wusste, dass es keine gute Idee war herzukommen und nun habe ich sogar den Beweis dafür.
„Schade“, sagt der Typ und schlingt besitzergreifend den Arm um die Schulter des Frosches.
Frustriert werfe ich einen letzten Blick in sein Gesicht. Er sieht immer noch verwirrt, aber auch ein bisschen verlegen aus. Ich versuche zu lächeln, aber eigentlich fühle ich mich eher, als wenn mir jemand ein Messer ins Herz gestochen hätte. Ich drehe mich um und gehe zurück zur Tür.
Hier bleibe ich keine Minute länger. Ich bin wütend und traurig zugleich, würde mir am liebsten dieses lächerliche Kostüm vom Leib reißen, die Schuhe wegkicken, die unbequem und viel zu groß sind. Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Der Regen kühlt meine heißen Wangen. Ich fahre mir über die Lippen, um den Geschmack loszuwerden und hoffe, damit auch die Bilder aus meinem Kopf zu wischen. Doch es gelingt mir nicht, denn der Kuss war toll und die Augen vom Frosch so dunkel und sinnlich. Wie gern hätte ich ihn nur einmal ohne Kostüm gesehen.
In Gedanken versunken stolpere ich und verliere dabei tatsächlich einen Schuh. Als ich mich jedoch danach bücken will, bemerke ich, wie sich die Tür der Kneipe öffnet. Kopflos renne ich um die nächste Ecke und suche in einem Hauseingang Schutz. Mein Herz hämmert in meinem Brustkorb.
Als ich auf meine Füße gucke, spüre ich ein Kitzeln im Hals und dann kann ich nicht anders: Ich fange an, leise zu lachen. Ich bin eine Prinzessin, die ihren Schuh verloren hat. Vermutlich verwandle ich mich Schlag Mitternacht wieder in … ja, in was könnte ich mich verwandeln? Vermutlich in den schüchternen Tilo, der von einem Kuss außer Gefecht gesetzt wurde und nun seine Vorsätze für den heutigen Abend über Bord geworfen hat.
Was hatte die andere Prinzessin für einen Vorschlag gemacht? Einen Dreier?
Natürlich würde ich so etwas niemals machen, aber auf der anderen Seite … Ohne darüber nachzudenken, laufe ich den Weg zurück. Der Frosch steht an der Tür und sieht sich suchend um.
Mutig gehe ich auf ihn zu. Was habe ich schon zu verlieren? Es ist schließlich Halloween und ich bin die Prinzessin, die er zuerst geküsst hat.
„Du hast da etwas, was mir gehört“, sage ich mit krächzender Stimme.
Ich räuspere mich und nehme ihm mit zittrigen Händen den Schuh aus der Hand. Sein verdutztes Gesicht bringt meinen Puls zum Rasen und bestärkt mich in meinem Vorhaben. Trotzdem fühlt es sich an, als wenn ich gleich vor Aufregung sterben müsste, als ich den Mund öffne und die unglaublichen Worte meine Kehle verlassen.
„Ich nehme das Angebot an“

Wayne

Ungläubig starre ich die Prinzessin an und versuche, ihre Worte zu verarbeiten. Sie will einen Dreier? Das kann doch nicht ihr Ernst sein! Ich Idiot habe wohl zu viel in den Kuss reininterpretiert und gleich meinen Traummann vermutet, aber das hier ist eher ein Alptraum – allerdings einer in rosa Tüll, der mich mit lolligroßen Augen anglotzt.
Umständlich schlüpft die Prinzessin in den Hackenschuh, während mein Gehirn fieberhaft arbeitet. Keinesfalls will ich, dass sie, eher gesagt er, wieder abhaut. Was mach ich denn nur?
„Wie heißt du überhaupt?“, frage ich, um Zeit zu schinden.
„Tilo.“
„Ich bin Wayne“, erwidere ich, fasse einen Entschluss und packe Tilo am Arm. „Dann lass uns mal nach Hannes suchen, wenn du so scharf auf einen Dreier bist.“
Er stolpert hinter mir her zurück in die Kneipe, wird von mir erbarmungslos durch die Menge gezogen und bis zur hinteren Bar dirigiert, an der sich Hannes in reger Unterhaltung mit einem Skelett und einem Vampir befindet.
„Da seid ihr ja wieder, meine Süßen“, ruft er mit einem hämischen Grinsen. „Ich habe hier noch zwei Kandidaten aufgetan, jetzt wird es ein Vierer, außer, die Gnädigste könnte sich doch noch entschließen …“
„Ein … Fünfer?“ Mir fällt die Kinnlade herunter.
Ich lass Tilos Arm los und meine Augen wandern zwischen meinem Lover und den zwei anderen hin und her. Von Hannes bin ich inzwischen einiges gewohnt, doch das hier stellt alles in den Schatten.
„Wieso nicht? Etwas Abwechslung kann nie schaden.“ Hannes wackelt mit den Augenbrauen, schlingt einen Arm um den Vampir und gibt dem Skelett einen Kuss auf die Wange. „Außerdem ist es hier langweilig. Adrian hat einen Loft mit Wasserbett, lass uns dorthin umziehen.“
Ich spüre, wie sich Tilo eng an meinen Froschhintern drängt und seine Finger sich in meinem Arm verkrallen. Hat er jetzt kalte Füße bekommen, oder ist das die Aufregung?
„Hannes? Ehrlich gesagt hab ich keine Lust auf die Aktion.“
Ich blitze meinen Lover an, der in diesem Moment in schallendes Gelächter ausbricht, sich krümmt vor Vergnügen und den Bauch hält. Ach? Mal wieder ein Scherz auf meine Kosten? Wut brodelt in mir hoch, noch angestachelt durch die Enttäuschung über Tilos Verhalten.
„Weißt du was, Hannes? Du kannst mich mal kreuzweise. Geh doch mit deinen Freunden und die Prinzessin kannst du auch gleich mitnehmen. Die ist scharf auf solche Spielchen, nicht wahr, Tilolein?“
Ich werfe einen Blick über die Schulter und sehe in vor Entsetzen geweitete Augen, die leicht glänzen, als würde der Kerl mit den Tränen kämpfen. Mitleid überkommt mich und ich frage mich, was dieser offenbar schüchterne Mann mit seinem Verhalten bezwecken will. Ist das eine Art Therapie für ihn?
„Nein, oh nein. Das mach … das mach ich nicht“, stammelt er und drängt sich noch enger an mich, wobei sich seine Fingernägel schmerzhaft in meine Haut bohren.
„Ist da jemand schü-hüch-tern?“, sing-sangt Hannes und grinst breit.
„Ich geh mal lieber“, wispert Tilo an meinem Ohr, schnieft leise, lockert den Griff und macht Anstalten, sich durch die Gästeschar zu drängeln, als ich ihn mir auch schon schnappe.
Mit einem Arm um seine schmale Taille geschlungen bugsiere ich ihn in Richtung der Toiletten. Er wehrt sich nicht, lässt sich widerstandslos mitziehen und den Kopf hängen, sodass das Krönchen langsam von seinem Kopf rutscht. Ich zupfe es ihm kurzerhand aus dem Haar und stopfe es in eine der Taschen, die mein ätzendes Plüschkostüm bereithält.

In der Keramikabteilung herrscht reges Treiben, doch eine der vier Kabinen ist frei. Ich stopfe meine Prinzessin hinein, mich hinterher und schließe ab. Dicke Tränen kullern über Tilos Wangen, hinterlassen Schlieren von Wimperntusche und tropfen von seinem Kinn. Ich lange nach dem Klopapier, reiße eine Lage ab und wische ungeschickt an seinem Gesicht herum, bis die meiste Schminke verschwunden ist. Der Kerl wird immer hübscher, finde ich.
„La-hass mich“, schnieft Tilo, bewegt sich aber nicht.
„Was ist nur mit dir los? Erst willst du einen Dreier, dann machst du einen auf Jungfrau“, schimpfe ich leise, während ich ihn an den Schultern leicht schüttle.
Er guckt nach unten, verstockt, aber wenigstens heult er nicht mehr.
„Ist das eine Art Mutprobe?“, hake ich nach, zwinge sein Kinn nach oben und begegne seinem himmelblauen Unschuldsblick.
Es fährt mir direkt in den Bauch. Geigen stimmen eine romantische Melodie an, verhaltener Trommelwirbel erklingt, während mein Herz wild gegen das Rippengefängnis springt. In Zeitlupe beuge ich mich vor, halte den Augenkontakt, bis alles verschwimmt und meine Lippen erneut auf den weichen der Prinzessin landen.
In meinen Ohren summt es, im Bauch poltert Erregung herum. Tilo schlingt die Arme um meinen Hals und seufzt so süß in unseren Kuss hinein, dass mich eine Gänsehaut überläuft. Ich presse ihn an mich, so weit das in diesen Scheißkostümen geht, dränge ihm meine Zunge auf und stelle erregt fest, dass seine mich schon erwartet.
Stöhnend, ächzend, seufzend und schwitzend beißen wir uns aneinander fest, versuchen, irgendwie an die Haut des anderen zu gelangen. Tüll raschelt, eine Naht des Froschkostüms reißt. Die Kabine wird von unserem Duft geflutet und entwickelt sich zu einer Zelle fernab der Kneipe, weit weg von allem.
Gerade habe ich es geschafft, irgendwie mit einer Hand unter Tilos Rock zu gelangen, als jemand von außen gegen die Kabinentür bollert und ruft: „Werdet mal fertig da drinnen. Ich muss kacken.“



Bis morgen!

Kommentare:

  1. Liebe Karo, das ist wirklich so süß von dir, wie du die Sache einleitest. :) Ich finde, wir haben gut harmoniert und es hat voll Spaß gemacht. Der nächste Teil ist auch toll. GGLG Sissi Kaipurgay

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  2. Früher habe ich es leider nicht geschafft die Geschichte zu lesen.
    Es wundert mich eigentlich nur, dass Wayne es tatsächlich zwei Monate mit Hannes ausgehalten hat.
    Thilo passt viel besser zu ihm. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

    LG Piccolo

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