Montag, 29. Juli 2013

Happy End- Freak

 
Ich bin ein Happy End Freak… ich weiß, das habe ich schon das ein oder andere Mal erwähnt, aber manche Sache kann man ja nicht oft genug wiederholen.
Wie ich gerade jetzt darauf komme?
Ich musste ja gestern Abend unbedingt fernsehen und natürlich musste es unbedingt dieser Film sein. Einen Film, bei dem ich nicht lange rätseln musste, um zu wissen, dass er nicht gut ausgehen würde. Es kam, wie erwartet: Ich habe geheult, konnte mich nur schwer zusammenreißen und habe … na ja, die Welt verflucht!
Ich kann so eine Dramaqueen sein!
Mein Mann hat den Kopf geschüttelt und gefragt, wieso wir das denn gucken mussten. Eine Antwort hatte ich nicht… aber einmal mehr gingen mir die Fragen nach dem „Warum“ nicht aus dem Kopf.
Ich meine, warum schreibt bzw. verfilmt man so etwas?
Was bewegt insbesondere einen Autor (denn irgendwie falle ich ja auch so ganz am Rande in diese Kategorie) eine Geschichte zu schreiben, die nicht gut ausgeht?
 Und ich will gar nicht solche Argumente hören, wie das passt zur Geschichte oder es war die einzige logische Möglichkeit … oder was weiß ich.
Nein, ich bin gegen solche Ausreden immun, denn sie machen es ja doch nicht besser.
Wenn ich Drama bis zum Schluss will, dann brauche ich mich doch nur in der Welt umzugucken. Dafür genügt ein Druck auf die Fernbedienung und schon bin ich vom Elend umgeben.
Hungernde Kinder, verfolgte Homosexuelle … Tiersterben … Kriege, Seuchen … Unterdrückung und Folter … Frauen, die verstümmelt werden … die ganze Bandbreite an Drama, die es gibt …
und dazu noch die eigene deutsche Vergangenheit.
Gott, ich habe in Ausschwitz gestanden, habe Buchenwald gesehen, bin durch die Gaskammern gelaufen … geht noch mehr Drama?
Und die persönlichen Dramen … aber davon will ich an dieser Stelle besser nicht berichten.
Womöglich kann man das  auch alles gar nicht vergleichen, aber letztendlich ist es doch das, was uns Zeit unserers Lebens prägt. Die Gewissheit, dass man sich nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens befindet, dass manchmal nur eine Kleinigkeit genügt, um den Weg zu Verlieren, um sich selbst zu verlieren. Letztendlich tanzen wir alle auf dem Drahtseil und wenn wir es schaffen, bis zum Lebensende dort oben zu bleiben, dann ist das durchaus ein Privileg ... 
Wenn ich mich auf ein Buch oder einen Film einlasse, dann will ich unterhalten werden. Natürlich muss es nicht nur seichte Literatur sein. Ich habe nichts dagegen, wenn ernste Themen behandelt werden, gern auch mal Fantasy mit Gewalt und allem drum und dran.
Aber ich finde, man kann den Protagonisten trotzdem ein schönes Ende gönnen. Wofür quält man sich durch viele Seiten, leidet, entdeckt, erforscht, kämpft und liebt, wenn am Ende kein Töpfchen mit Gold wartet? Hat man als Schreiber seine Charaktere dann überhaupt geliebt? Das will mir einfach nicht in den Kopf.
Muss es ja auch nicht, ich weiß …
Und es gibt genügend Bücher auf der Welt, die meine Lesesucht zufrieden stellen und mir die Hoffnung und Befriedigung geben, die mich selbst vorantreibt.
Ich bin ein Happy End Freak und eindeutig nicht heilbar!
Und deshalb gibt es in dieser Woche auch die letzten Kapitel vom Hexentanz ... natürlich mit einem Happy End!

Kommentare:

  1. Hallo Karo,

    ich bin ganz eindeutig kein Happy-End-Freak. Natürlich darf es sein :-), aber wenn es irgendetwas unmögliches/unwahrscheinliches hingeklatscht wird, damit eben ein Happy End da ist, dann dreht sich mir der Magen um.
    Und sorry, aber wenn ich bei einem Autor immer weiß, es gibt ein Happy End, ist das für mich auch langweilig. Dann kann ich mir ja ein paar Irrungen und Wirrungen ersparen und nach der Häflte aufhören, weil ich ja sowieso weiß, wie es ausgehen wird.
    Und gerade wenn die Irrungen und Wirrungen "nur" darin bestehen, dass dass die Hauptfiguren bei den entscheidenden Punkten nicht miteinander reden, oder ähnliche Dinge, die ich jetzt einfach mal polemisch als "Belanglosigkeiten" über den Kamm schere, verliere ich wirklich schnell die Lust.
    Ich frage mich dann, warum mir ein Autor mit so etwas die Zeit zu stehlen versucht. Gibt es denn bei all den Problemen in der Welt nicht irgendetwas, worüber es sich zu schreiben lohnt? Haben diese Menschen keine echten Probleme? Und damit meine ich nicht Gaskammern oder die Schwierigkeit in Syrien am Leben zu bleiben. Auch bei uns steht nicht jeder automatisch auf der Sonnenseite. Auch bei uns löst nicht eine neue Liebe alle bisherigen Probleme, heilt keine Familienkrisen, Krankheiten und krempelt erst recht keine Charaktere um.
    Also warum kann man dann nur Bücher oder Filme ertragen, die alles in eine dicke Schicht Zuckerguss tauchen? Ich weiß nicht, wie viele Menschen es gibt, die im Endeffekt schließlich glauben, das Leben müsste so sein und sie hätten einen Anspruch genau darauf. Vielleicht würde manchmal eine Portion Realismus mehr helfen - aber das heißt noch nicht, dass es deshalb zwangsläufig ein Sad End geben muss. Da ist in meinen Augen noch ausreichend Platz für viele Schattierungen dazwischen.

    Liebe Grüße,
    kiyann

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  2. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich behaupte ja nicht, dass es immer die dicke Zuckerschicht sein muss und natürlich gibt es Schattierungen, mit denen ich durchaus leben kann.
    Auf jeden Fall kannst du dir meine Geschichten ersparen, denn sie gehören ganz eindeutig in die Kategorie, mit der dir der Autor die Zeit stehlen will.
    lg
    Karo

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    1. Hallo Karo,

      ach, ich habe mir von dir auch schon die Zeit stehlen lassen :-)) und das gar nicht so ungerne, sonst würde ich wohl kaum auf deinem Blog landen...
      So wohldosiert und zur Abwechslung mag ich auch ein bisschen Zuckerguss, aber es ist für mich eben nicht zwangsläufig erforderlich, dass eine Geschichte ein Happy End hat.
      Und ich wollte dir nicht auf die Füße treten mit der Formulierung, vielleicht sollte ich gerade um die Uhrzeit noch mal genauer lesen was ich schreibe..

      Liebe Grüße,
      kiyann

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  3. Du hast mir aus der Seele gesprochen, denn ich gehöre als Leser 100%ig in die Kategorie Happy End. Ich lasse grundsätzlich die Finger von Geschichten, Bücher und Filme, bei denen ich genau weiß, es wird nicht gut enden. Damit kann ich einfach nicht umgehen, weil ich in meinem Leben schon genug Drama habe und weiß, dass das Leben nicht eitel Sonnenschein ist.

    LG Piccolo

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  4. Finde auch, dass Happy Ends zum Genre Romanze einfach dazu gehören. :)

    Generell denke ich, dass es darauf ankommt, wann man den Schlussstrich unter der Geschichte zieht. Kann sein, dass ein Happy End das vorzeitige Ende einer Geschichte mit Sad End ist. Kann aber auch sein, dass eine Geschichte mit Sad End einfach noch nicht zu ende geschrieben wurde. :D Ich tendiere zum letzteren und denke mir meist mein eigenes Ende, wenn eine Geschichte mal nicht gut endet. ;)

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  5. Ich neige auch eher den Büchern mit Happy End zu und schreibe selbst am liebsten welche mit. Mir ist es als Autorin in Ausnahmefällen allerdings auch schon anders gegangen. Tatsächlich habe ich in diesen Fällen nur die Wahlmöglichkeit gehabt, die Geschichte nicht zu schreiben oder sie eben so zu schreiben, wie sie sich mir aufgedrängt hat. Mich hat das beim Schreiben nicht froh gemacht, aber es war für mich die richtige Entscheidung. Klar hätte ich die Konstellation so ändern können, dass am Ende doch noch ein Ausweg, ein Kniff, eine Hintertür geöffnet worden wäre. Und dann wäre mir von mir selbst übel geworden, dass ich meine Inspiration so mit den Füßen trete, die Geschichte zu verbiegen oder sogar zu brechen bis sie in das Happy End Schema passt.

    Und wenn du ehrlich zu dir selbst bist, dann könntest du diesen Moment des Schöpfungsaktes unabhängig von deiner eigenen Weltsicht auch nachvollziehen.

    Es gibt Themen auf der Welt wie Sand am Meer. Weshalb sollten Autoren (und Filmschaffende, und, und, und) sich selbst zensieren und sie generell nur zu einem glücklichen Ende führen? Das wäre eine Verarmung der Kultur des jeweiligen Schaffenskreises.

    Ich kann hier nur um Toleranz werben, zwingen kann ich dich nicht dazu, so wie du andere Autorn nicht dazu wirst zwingen können, in Zukunft nur noch gut ausgehende Bücher zu schreiben.

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