Montag, 4. März 2013

Wir Frauen ...

Ich hoffe, ihr erkennt den Hauch Sarkasmus, der sich hier versteckt hat.

Als ich das letzte Mal Frau Reiche im Fernsehen gesehen habe, habe ich mich zurückgehalten. Diesmal ist es mir ein Bedürfnis, etwas zu schreiben. Ein wirklich inniges Bedürfnis.
Wo kommt das feindselige Verhalten dieser Frau her?
Ich vermute, es liegt in der Natur von uns Frauen. Oder besser gesagt, in dem Wandel, den wir in den letzten Jahrzehnten durchmachen mussten /wollten.
Die Emanzipation ist eine tolle Sache. Es ist großartig, dass wir entscheiden dürfen, was wir mit unserem Leben anfangen wollen, dass wir wählen dürfen, aktiv Politik betreiben. Es bleibt uns bestimmt, ob wir heiraten, wen wir heiraten oder ob wir uns für ein Singleleben entscheiden. Wir können Kinder kriegen, aber wir müssen es nicht. Wir können uns um unsere Kinder kümmern, aber wir können die Aufgaben auch verteilen. Wir strotzen vor Selbstbewusstsein und wollen gleichzeitig von einem Prinzen gerettet werden.
Wir treten für unsere Rechte ein, schreiben schwule Bücher … wir sind … machtvoll!
Diese Macht macht uns aber auch angreifbar. Wir sind die Sonne und der Mond gleichzeitig und uns unserer Verantwortung als Frau sehr wohl bewusst. Das macht uns zickig, manchmal sogar aggressiv. Deshalb gucken wir auch genau, was die anderen Frauen um uns herum machen. Es ist uns ein Bedürfnis die anderen zu kritisieren und nach Fehlern zu suchen.
Warum?
Das ist ziemlich einfach zu beantworten. Wir hängen oftmals zwischen allen Stühlen, können nicht loslassen uns nicht entscheiden.
Das geht schon beim Kinder kriegen los. Wir denken nicht darüber nach. Es ist unsere Bestimmung eines Tages ein oder mehrere Kinder zu bekommen. Wenn sich eine Frau allerdings entscheidet (aus welchen Gründen auch immer) keine Kinder zu bekommen, dann muss sie sich nicht etwa vor Männern rechtfertigen. Nein, wir anderen Frauen schauen sie schief an. Zuerst mit einer gewissen Portion Mitleid. „Du kannst wohl keine Kinder kriegen?“ Wenn das allerdings verneint wird, dann hört unsere Akzeptanz auf. Dann heißt es, rechtfertige dich! Wie kannst du keine Kinder wollen? Bist du so geil auf Karriere, dass du das Wichtigste vergisst? Was bist du nur für eine Emanze? Kinder zu kriegen ist unser größtes Glück, wie kannst du das denn nicht wollen?
Wenn man Glück hat, kommt man mit einem blauen Auge davon, die unbegreiflichen Blicke und die Rechtfertigungen werden allerdings wohl nie aufhören.
Haben wir dagegen Kinder, geht es erst richtig los. Wir gucken, was die anderen machen. Das geht schon beim Stillen los. Was nur drei Monate? Wieso hast du nicht länger durchgehalten? Das arme Kind! Stillt jemand sein Kind mit zwei oder drei Jahren noch, dann rümpfen wir erst Recht die Nase …
Zieht dein Sohn auf dem Spielplatz einem Mädchen an den Haaren, hast du als Mutter natürlich komplett bei der Erziehung versagt. Dass das Mädchen die mühsam aufgebaute Sandburg vorher zerstört hat, interessiert niemanden. Hast du Kekse mit, während die Mutter neben dir die kleingeschnittenen Apfelstücke hervorholt, ist sie eine Ökotussi und natürlich gibst du dem anderen Kind mit größter Genugtuung einen Keks ab … Ach, es gibt so viele Beispiele, in denen wir Frauen uns zerfleischen, anstatt uns gegenseitig zu unterstützen. Immer suchen wir nach Fehlern. Besonders, was Erziehungsfragen anbelangt.
Jetzt kommen die Männer ins Spiel. Zuerst einmal die eigenen, sprich heterosexuellen Männer. Ich fand es sehr bedeutend, wie Frau Reiche bei der letzten Diskussion meinte (und ich gebe das jetzt nur sinngemäß wieder) Sie fand es so toll, als ihr Mann endlich etwas mit ihren Töchtern anfangen konnte. Da waren sie wohl drei oder vier Jahre. Ich habe keine Ahnung, wie der Mann bis dahin seine Zeit verbracht hat, aber auch das spricht für die Einstellung vieler Frauen. Ich bin zwar gestresst, weil ich Kind, Karriere und Haushalt kaum unter einen Hut bringe, aber wehe der Mann mischt sich ein. Windelnwechseln? Wir überwachen es mit Argusaugen. Alles andere natürlich auch und wehe, da ist auch nur eine Falte im frisch gebügelten Strampler. Denn ja, dafür nehmen wir uns die Zeit!
Ich gebe es ehrlich zu. Mein Mann konnte schon immer mit den Kindern machen, was er wollte. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass er sie genau so sehr liebt, wie ich. Er hatte niemals das zweifelhafte Glück ein Sonntagsvater zu sein, nein, er wurde schon immer eingespannt. Egal ob Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte oder Elternabende. Ich torpediere seine Erziehung nicht hinter seinem Rücken. Wir fassen gemeinsame Entschlüsse und geben uns Mühe sie durchzuziehen. Oft versagen wir auch gemeinsam, das ist okay.
Aber ich weiß, dass ich damit ziemlich allein dastehe. Ich muss mich nur in meinem näheren Umfeld umsehen. Eine Freundin ärgert sich darüber, dass die Kinderkrankentage nicht übertragbar sind (weil verbeamtet und so) Auf die Idee, dass der Mann mit dem Kind zu Hause bleiben könnte, kommt sie gar nicht (und das Kind ist schon längst kein Baby mehr). Ach, ich könnte noch viele Beispiele anbringen, die zeigen, wo das Problem genau liegt. Aber ich mache es kurz: Ihr homosexuellen Paare seid eine existenzielle Bedrohung. Wie soll denn jemand wie Frau Reiche darauf reagieren, wenn euer Kind möglicherweise wohlerzogener ist, als ihr eigenes. Wenn es vielleicht die Worte „Bitte“ und „Danke“ kennt und sogar benutzt. Anders herum …. Klar das ist kein Problem, aber so?
Wie soll sie denn rechtfertigen, dass nebenan gerade ein Kind mit dem Krankenwagen abgeholt wird, weil Mutter oder Vater im besoffenen Zustand die Kontrolle verloren haben, während ihr mit eurem Adoptivkind auf dem Weg zum Spielplatz seid? Ihr seid eine Bedrohung für unser Recht auf Erziehung. Da muss man schon mal um sich beißen, haltlose Argumente in den Raum werfen. Mit den lesbischen Frauen könnte man vielleicht noch sympathisieren … obwohl … „Da sind zwei Mütter und das Kind ist trotzdem so schlecht erzogen“ … ja, das erfreut uns!
Aber zwei Männer! Unser Leben ist bedroht. Wie wollen denn zwei Männer ein Kind groß ziehen? Wo bleibt der so wichtige weibliche Einfluss? Und überhaupt? Wo bleiben meine Argumente, die dagegen sprechen? Ich finde sie nicht.
Womöglich überlegen sich zwei Männer genauer, ob sie diese Verantwortung übernehmen wollen, als es die meisten Frauen jemals tun. Mit Sicherheit wird es keinen Sturm auf die Jugendämter geben. Aber vielleicht würde das ein oder andere Kind eine Chance bekommen auf eine echte Familie, denn ich sehe keinen Unterschied. Eine Familie ist da, wo man sich wohl fühlt, wo man geliebt wird, wo man Fehler machen kann und jemand da ist, der einem sagt, dass alles wieder gut werden wird.
Und einen Vorteil haben homosexuelle Adoptiveltern auf jeden Fall. Ein Kind, das in so einer Konstellation aufwächst, wird nicht erst mit 20 Jahren oder noch später mit der Wahrheit konfrontiert werden. Hier gibt es keine Lügen über die Herkunft. Diese Eltern müssen von Anfang an offen sein. Ihr Leben wird wahrscheinlich sogar transparenter sein … bewacht von den kritischen Augen der Frauen, die nur darauf warten, dass die Socke ein Loch hat, die Kekse nicht bio sind oder das Kind einen Trotzanfall bekommt.
Sicherlich stelle ich es überspitzt dar, aber mal ehrlich … wir oft rümpfen wir die Nase über andere Mütter (obwohl unser Kind auch schon so reagiert hat) Möglicherweise ist es einfach auch so tief verwurzelt in uns, dass es einigen Angst macht, wenn Männer in diesen Bereich vordringen wollen. Aber gönnen wir ihnen doch auch ein Stück Emanzipation. Denn egal ob hetero oder homo, ich finde es großartig, wenn Männer die Verantwortung für Kinder übernehmen.Ich mag es bunt, bewundere die vielfältigen Möglichkeiten.
Die paar verkalkten männlichen Politiker … über die mag ich nicht reden, denn ihr wisst ja: Hinter jedem großen Mann …
Es sind oft die Frauen, die Geschichte schreiben oder sie eben behindern.

1 Kommentar:

  1. Amen.

    Ich habe es nicht im TV gesehen, aber das Nachlesen hat mir bereits gereicht. Als ob schwule Männer von grundauf schlechtere Väter wären, weil sie eben schwul sind. Oder bi. Oder was auch immer.

    Da kann ich mir nur an den Kopf fassen.

    Gut, ich könnte mich auch ständig über die teils wirklich dummen Kommentare ärgern, die als Grund dafür aufgeführt werden, warum Homosexuelle dieses und jenes besser sein lassen sollten, aber ganz ehrlich, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Meine Güte, lasst die Männer doch einfach Väter sein und die Frauen Mütter. Kindern ist es egal, bei wem sie aufwachsen, Hauptsache, sie haben ein gutes Zuhause.

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