Mittwoch, 23. Januar 2013

Vom Lesen und Schreiben ...


Lesen und Schreiben sind zwei Hobbys, die bei mir im Laufe der Zeit nicht mehr so richtig kompatibel zu sein scheinen.











Seitdem ich selbst schreibe, lese ich anders. Ich weiß nicht, ob es einigen von Euch ebenfalls so geht. Es war ein schleichender Prozess. Früher habe ich einfach nur gelesen. Ich lese gern, bin ein echter Bücherverschlinger. Womöglich ist es eher ungesund, was ich mit Büchern mache. Ich lasse mir keine Zeit beim Lesen, ich schlinge. Ich mag es auch, die letzten Seiten zuerst zu lesen. Es nimmt mir nicht die Spannung zu wissen, wie es ausgeht, ganz im Gegenteil, es sorgt meist dafür, dass ich mir ein wenig mehr Zeit beim Lesen lassen kann. Ich mag es auch ein Buch einfach mal in der Mitte aufzuschlagen und wahllos ein paar Seiten zu lesen. Meist fällt mir dabei dann auf, wie oberflächlich ich lese. Sicherlich ist das ein Überbleibsel meiner Studienzeit, wo es in erster Linie darauf ankam, schnell den Sinn zu erfassen bzw. die richtige Stelle im Buch zu finden.
Nach einer langen Zeit nur mäßiger Leserei, habe ich vor vier Jahren wieder angefangen exzessiv zu lesen. Ich habe erst damals die Möglichkeiten des Internets für mich entdeckt und auch meine Liebe zu Homoerotik (oder slash). Dann kam der Selbstversuch. Meine erste Geschichte … inspiriert von einer Menge Autoren, die ich großartig fand, immer noch großartig finde. Ich habe wild drauf los geschrieben, mir Techniken von anderen abgeguckt, mich an Lemonszenen versucht und dankbar die Hilfe eines völlig fremden angenommen, der mir durch die ersten Szenen geholfen hat. Es machte so viel Spaß, dass ich manchmal darüber echt die Zeit vergessen habe. Ich fühlte mich, als wenn ich am Rand eines Pools stehen würde. Ängstlich sprang ich hinein, nicht sehr weit, kein eleganter Kopfsprung, keine dreifach gedrehte Schraube, nur ein kleiner Hopser … Ich tauchte ein, das Wasser schlug über meinem Kopf zusammen … prustend kam ich wieder an die Oberfläche … und es war toll. Ich war ein Teil des Ganzen, fühlte mich schon bald dazugehörig … So viele tolle Menschen, so viel Enthusiasmus, so viele Geschichten und Möglichkeiten.
Die Geschichten der anderen kamen mir immer viel besser vor. Ich wollte so viel lernen, mehr Farbe in meine Worte bringen, mehr besondere Szenen ausdenken … männlichere Männer … starke Persönlichkeiten … dramatische Geschichten, mehr Liebe, Gefühle, Zerrissenheit … und natürlich auch viel Sex.
Manchmal habe ich ein wenig vom Wasser im Pool gekostet, gehofft, dass ich die Fähigkeiten der anderen in mich aufsaugen kann. (entstehen da vor euren Augen auch merkwürdige Bilder?) Ich glaube, ich verlasse die Poolvorstellung wieder und begebe mich zurück an Land.
Wenn man die ersten (wenn auch nur kleinen) Veröffentlichungen hinter sich gebracht hat, sieht man die Welt mit anderen Augen. Es gibt so viel, auf das man plötzlich achten soll. So viele Worte, die auf einmal nicht mehr gut genug sind, bei deren Erwähnung man eigentlich schon im Fegefeuer landen sollte … Wieso sie trotzdem im Duden stehen weiß ich nicht … es sollte dahinter stehen, dass die Verwendung dieser Wörter im Grunde nicht erlaubt ist. Irgendwann hat man es im Blut (jedenfalls bemüht man sich dahingehend) … der Schreibstil verändert sich, wird sauberer, freier von bösen Wörtern und unbrauchbaren Satzkonstruktionen. Veränderung ist gut! Techniken verbessern ist wichtig! Es macht vielleicht nicht mehr so viel Vergnügen, aber es sind doch die Geschichten und Charaktere die den eigentlichen Spaß ausmachen. Die dafür sorgen, dass die Finger über die Tastatur gleiten. Manchmal so schnell, dass ich mit meinem Kopf gar nicht hinterher komme. Das ist durchaus befremdlich.
Aber kommen wir wieder zurück … Am Ende (nicht, dass ich am Ende wäre … das ist man natürlich nie, denn auch das Schreiben ist eine fortwährende Entwicklung) … jedenfalls versuche ich einen Stil zu finden, eine Möglichkeit, mit der ich selbst zufrieden und die Leser glücklich machen kann Trotzdem kann ich es nicht lassen und gucke immer noch gern, wie und was andere so über das Schreiben schreiben. Dann kommen die Selbstzweifel. Hat mein Charakter genügend Tiefgang? Wieso kann er nicht so leiden, wie andere das können? Ich lasse mich davon wirklich gern beeindrucken.
Jetzt bin ich der Schreiberling, nicht mehr nur der Leser. Wenn ich lese, dann macht es nur noch halb so viel Vergnügen, wie früher. Denn ich kann den Schreibermodus nicht abschalten. Also bemerke ich zuerst, dass da ein Punkt fehlt, noch ehe ich mir einpräge, dass der Mann in der Geschichte grüne Augen hat. Ich lese eine Wortwiederholung und schüttle den Kopf … die leidenschaftliche Liebeserklärung ist mir dabei gar nicht aufgefallen. Steht das Wort „wieder“ im Satz, habe ich Angst, es zu lesen, denn ich habe gelernt, dass die Benutzung ganz, ganz falsch ist (aber es kommt immer wieder und wieder und wieder. Nie kann ich etwas gegen das böse „wieder“ machen. Es schleicht sich wieder in meine Geschichten…. Einfach widerlich!)
Ich sehe Dinge, die gar nichts mit der Geschichte zu tun haben und die mir trotzdem nicht aus dem Sinn gehen.
Das klingt kritisch? Genau! Das ist kritisch und es gefällt mir ganz und gar nicht. Es ist kritisch, weil ich mich selbst so sehr unter Druck setze, weil es mich unter Druck setzt, weil ich das Gefühl habe, diese ganz besondere Erwartungen, die ich daran knüpfe nicht erfüllen zu können.
Wieso mache ich mir all diese Gedanken? Weil ich gestern ein Buch gelesen habe, an das ich mich lange nicht herangetraut habe. Aber dann ist es einfach so in meinem Warenkorb gelandet und nun liegt es als ebook auf meinem PC. Auch dort habe ich es mit gemischten Gefühlen angesehen. Ich dachte die ganze Zeit, wenn du es liest, wirst du wieder mehr an dir zweifeln … es erschien mir so … weit über mir zu sein. Wodurch diese Erwartungen geweckt wurden? Ich kann es nicht genau beschreiben. Manche Autoren vermitteln diesen Eindruck … Ich verstehe, dass man sich abgrenzen muss, dass man (und ich will dieses Bild wirklich nicht überstrapazieren) nicht im Pool untergehen will.
Ich habe dann angefangen zu lesen … und konnte gar keinen Unterschied feststellen. Vielleicht klingt das überheblich, aber es war gar nicht so viel besser. Diese Erkenntnis beschäftigt mich nun seit gestern. Manchmal muss ich es aufschreiben, um den Kopf freizukriegen. Vielleicht mache ich damit sogar irgendjemand Mut, dem es hin und wieder ebenfalls so geht.
Ich lerne … man lernt ja sein Leben lang. Das ist auch gut, ich mag es. Vermutlich gibt es bereits Leute, die mich an meiner Art zu schreiben erkennen können. Ich schätze, ich kann es bei einigen auch. Ich mag diejenigen, die nicht mit aller Macht versuchen alles perfekt zu machen. Die auch im Buch darum kämpfen, dass die berüchtigten drei Pünktchen bleiben können, die nicht jede Phrase verteufeln oder gegen jedes Klischee ankämpfen. Das Schreiben soll in erster Linie Spaß machen und ich glaube, manchmal kann man es herauslesen, ob es dem Autor wirklich Spaß gemacht hat.
Ich hoffe, niemand glaubt, dass es eine fiese Abrechnung sein soll. Wenn, dann ist es das mit mir selbst, mit meinen Zweifeln, meinen verdammten Ängsten, die mich immer wieder davon abhalten, das zu tun, was ich gern machen möchte. Es geht wirklich nur um mich und diese erstaunliche Art, wie sich das Lesen geändert hat. Die erschreckende Tatsache, dass ich nicht mehr vorurteilsfrei lesen kann. Trotzdem mag ich es. Trotzdem gibt es Bücher, die genau meinen Erwartungen entsprechen, bei denen ich am Ende satt und befriedigt bin … aber es gibt eben auch die anderen, die mich staunend zurücklassen und bei denen ich vermutlich in völliger Selbstüberschätzung denke: „Das hättest du aber hinbekommen, vielleicht sogar besser“ Deshalb und nun wirklich zum allerletzten Mal …springe ich zurück in den Pool, ziehe gemütlich zwischen den anderen meine Bahn, lese, was ihnen wichtig ist und versuche zu lernen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.
Und nun liegt John Irving auf meinem Nachttisch (okay, ich habe gar keinen Nachttisch, aber wenn ich einen hätte …) und ich schreibe weiter und freue mich, wenn Euch meine Geschichten gefallen. 

Kommentare:

  1. Liebe Karo du bist für mich die aller beste schreiberin egal was andere sagen und ich sag das wieder und wieder auch zu den die es nicht wissen möchten lol
    Glaub mir wen du spass am schreiben hast haben wie den auch beim lesen lol

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Karo,

    wir hatten neulich diese Diskussion schon einmal auf einer andere Ebene und ich kann dich verstehen, auch wenn ich es im Einzelfall vielleicht anders empfinde.

    Ich lese schon seit ich es kann viel und gern. In den letzten Jahren allerdings durch das Schreiben weniger, denn auch mein Tag hat leider nur 24 Stunden. Seit ich das Internet entdeckt habe, besteht ein großer Teil meines Lesevorrats aus Geschichten von Hobbyautoren auf Fanfiktion. Nur ab und zu brauche ich auch noch einmal ein "richtiges" Buch in meinen Händen. Mein Kindle hat viele Slashgeschichten aber wenig "normale" Bücher, weil ich mich da bisher nicht an zu lange Geschichten traue.

    Lese ich anders seit ich schreibe? Ich denke, ich lese anders seit ich Geschichten von Hobbyautoren auf einer Internetplattform lese und dort der Wahn ausgebrochen ist, dass jeder ein Buch schreiben muss. Viele der Geschichten sind gut, spannend und abwechslungsreich, interessante Storyline, greifbare Charaktere - aber man merkt dennoch, dass es eine Fanfiktion ist. Ich selbst stelle an ein Buch höhere Anforderungen als das, was gerade in dem Slash-Genre teilweise für teures Geld jetzt als Buch erscheint.

    Beim Lesen "normaler" Bücher ist es dann doch auch wie bei vielem anderem - der Geschmack ist unterschiedlich. Was die einen zum Himmel loben, gefällt mir gar nicht und umgekehrt. Von John Irving zum Beispiel habe ich vor Jahren mal "Zirkuskind" und "Hotel New Hampshire" gelesen und war damals begeistert. Aber - auch das spielt zumindest bei meinem Lesen eine Rolle - ich habe sie im Urlaub mit viel Ruhe und Muße gelesen. Das wären keine Bücher für den Alltag gewesen, wo man pro Tag nur zu ein paar Seiten kommt.

    Ich denke, dass Lesen neben Technikfragen auch viel mit Geschmack zu tun hat. So wie bei Musik und Filmen auch. Muss mir immer gefallen, was andere toll finden? Nein, muss es nicht!

    Deine Geschichten zeichnen einige Eigenarten aus (zumindest für mich), die in einem Buch wahrscheinlich nichts zu suchen haben. Ob dein Schreiben auf jeden Fall besser wird,wenn du es vermeidest? Ich weiß nicht, denn es ist eine besondere Wärme und ein Charme, die da entstehen.
    Dennoch will sich jeder weiterentwickeln und gerade das Experimentieren mit verschiedenen Stilen macht auch Spaß. Du kannst mir in einer ruhigen Stunden gern mal die "do & don't" des Schreibens erläutern.

    Quintessenz meines Monologs - mach dir nicht zu viele Gedanken, denn wenn mehr Denken als Idee in einem Buch steckt, wird es meiner Meinung nach nicht besser. Das Herzblut und der Spaß des Autors machen auch einen großen Anteil aus.

    Es sei denn, du möchstest den Pulitzer-Preis oder gar den Literaturnobelpreis gewinnen. Aber selbst da gehört wahrscheinlich noch mehr dazu als reines Können!

    LG
    Martina

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Karo, auch ich muss Dir sagen das ich absolut begeistert bin von all Deinen Geschichten.

    Ich bin auch ein Vielleser und ich habe schon so viele Bücher gelesen, leider auch viele schlechte Bücher. Ich staune immer wieder wie es möglich ist das solche Bücher(Schriftsteller) einen Verlag finden die das Veröffenlichen??

    Oft denke ich mir es gibt so viele tolle Geschichten auf FF, da sollten die Verlage mal "schnuppern" gehen und da würden sie fündig werden.

    Bin ja selbst kein Schreiberling sondern nur Leser. Ich weiss noch als ich Dich, nachdem ich Sommerliebe gelesen habe, angefangen habe zu suchen wie verrückt, wo es noch Geschichten gibt von Dir.
    Ich Liebe Deine Geschichten "Erdbeerdaiquiri" und Klammeräffchen" sie sind einfach absolut GENIAL.

    Ja und dann habe ich Dich auf FF gefunden, ich hatte keine Ahnung das es sowas gibt!! Die erste Geschichte die ich von Dir gelesen habe war "Willst Du ein Eis" und sie war einfach Super - ich kann sie immer wieder lesen und bin jedesmal wieder aufs neue begeistert.

    Durch Dich bin ich zu FF gekommen und ich muss mich bei Dir bedanken, da mir dadurch viele schöne Geschichten offenbart wurden.

    Heute muss ich sagen, bei so vielen Bücher und so vielen Geschichten die ich schon gelesen habe, Dein Schreibstil ist einfach wunderschön. Ich kann mich darin verlieren, Du bringst mich zum lachen und ich denke das ist das absolut schwierigste, den Leser zum lachen zu bringen.

    Ich freue mich immer riesig wenn ich wieder etwas neues von Dir lesen darf, werde dann ganz "kribbelig" und nervös und ja, ich bin auch eine von der Sorte die zuerst den Schluss liest *lach*

    Also liebe Karo weiter so, ich LIEBE Deine Geschichten und für mich sind sie PERFEKT.

    Liebe Grüsse von einem grossen Fan!!!!
    Debbie

    AntwortenLöschen
  4. Ich danke Euch für eure großartigen und so lieben Kommentare! Ich hoffe, ich kann euch mit meinen Ideen auch weiterhin begeistern!
    lg
    karo

    AntwortenLöschen