Mittwoch, 22. August 2012

Sternschnuppenurlaub

Wenn mein Bruder einen Sonnentanz macht, dann scheint das auch hervorragend zu funktionieren. So viel Sonnenschein hatten wir schon seit langem nicht mehr im Urlaub. Da war auch der eine Abend, den wir dank eines heftigen Regenschauers Milchreis essend und Kniffel spielend im Zelt verbringen mussten, nicht wirklich schlimm.


Obwohl die Mitglieder meiner Familie eher Gewohnheitstierchen sind und deshalb auch immer am liebsten den gleichen Zeltplatz an der Ostsee aufsuchen, konnte ich sie in diesem Jahr davon überzeugen, doch einmal etwas anderes auszuprobieren. Unser Ziel hieß deshalb Loissin am Greifswalder Bodden. Auch wenn mein Mann uns allen einreden wollte, dass er immer noch die Strahlung des schon lange stillgelegten Kernkraftwerkes spüren konnte, gab er sich am Ende doch geschlagen und musste sich und uns eingestehen, dass es wirklich schön war.
Die Vorbereitungen liefen wie üblich chaotisch ab. Der Grill, der immer an der gleichen Stelle stand war verschwunden, ebenso die elektrische Luftpumpe und noch so einiges andere, was wir in aller Hektik zusammensuchen mussten. Am Ende war das Auto randvoll gepackt. Wir passten gerade noch so hinein. Unsere Bestrebungen so früh wie möglich los zu fahren, hätten sicher geklappt, wenn wir nicht so müde gewesen wären, sodass wir trotz des Weckers die Zeit verschliefen. Mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung saßen wir dann aber doch alle im Auto und los ging es Richtung Greifswald.
Wieso mir die Fahrt immer so unglaublich lang vorkommt, weiß ich auch nicht, aber nach etwa fünf Stunden hatten wir es geschafft.

Wir standen vor dem Campingplatz, haben uns über den sehr angenehmen Preis für die Übernachtungen gefreut und auch über den strategisch günstigen Stellplatz. Bäcker und Klo in der Nähe … Wasser nicht weit entfernt … Kino und Spielplatz ganz dicht dran.

Beim Zeltaufbau haben wir in all den Jahren eine gewissen Routine entwickelt. Dementsprechend schnell stand unsere Zuhause für die nächsten Tage. Luftbetten aufpumpen, natürlich mit der diesmal nicht vergessenen Luftpumpe, Schlafsäcke drauf, Taschen ins Zelt geräumt und gleich mal die Badesachen herausgesucht.

Es wehte ein ordentlicher Wind, deshalb durften auch die Drachen bei unserer ersten Erkundung nicht fehlen. Der Strand war … zugegebenermaßen nicht so beeindruckend … wild, steinig, nicht sehr breit, dazu noch viele Pflanzen im Wasser … und auch nach gefühlten fünfhundert Metern ging einem das Wasser nicht mal bis zum Knie. Aber die Kite- Surfer waren schön anzugucken, wie sie so an einem vorbei sausten. Das motivierte uns auch gleich dazu, unseren neuen, noch niemals ausgepackten kleinen Lenkdrachen mal durch die Lüfte zu jagen. Ich bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, als der Drachen sich regenbogenfarbig vor uns ausbreitete …
Trotz Wind war es nicht gerade leicht, ihn nach oben zu bekommen. Meine Kinder quälten sich ganz schön damit und meine Versuche ihn zu photographieren endeten mit einer Menge Bilder auf denen nichts als blauer Himmel zu sehen war.

Nach dem Strandcheck ging es zum Einkaufen und Bruder abholen nach Greifswald. Die Innenstadt von Greifswald ist wirklich schön. Ich mag die gotischen Backsteinhäuser, die einem dieses nordische Gefühl vermitteln. Außerdem gibt es ja fast nichts angenehmeres als den Tag bei einem Bier auf dem Marktplatz ausklingen zu lassen. Zumindest, wenn ich eine Jacke mitgenommen hätte, denn es wurde richtig kalt und Kälte ist nichts für mich.
Sozusagen als Entschädigung oder vielmehr als herzlicher Willkommensgruß bekamen wir selbstgekochte Rouladen. Eigentlich leben wir auf dem Zeltplatz ja von diversen Tütensuppen, Dosenraviolis und Milchreis … einen Topf mit lecker duftenden Rouladen auf unseren Herd zu stellen, das war eine echte Premiere. Sie duftenden nicht nur unheimlich lecker, sie waren es auch. Auch an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an den großartigen Koch!

Die erste Nacht im Zelt ist immer … na nennen wir es mal gewöhnungsbedürftig. Und der erste Morgen auch. Nicht nur, dass ich eindeutig vor dem Aufstehen von einer Heerschar Stare geweckt wurde, die sich anscheinend sämtliche Neuigkeiten direkt vor unserem Zelt zuzwitschern mussten, auch das verdächtige Knacken im Rücken erinnerte mich daran, dass ich irgendwie nicht jünger werde. Zum Glück ging es meinem Mann ganz ähnlich. Geteiltes Leid....
Trotzdem, ich mag zelten. Ich mag den etwas muffigen Geruch wenn man zum ersten Mal ins Zelt geht, das Geräusch der Reißverschlüsse, das merkwürdige Licht im Inneren des Zeltes. Ich mag es, wenn wir uns dicht aneinander kuscheln, das Rauschen der Bäume und sogar die unheimlichen Geräusche in der Nacht. Die kamen allerdings von einem Igel und waren deshalb auch gleich weniger unheimlich. Ich mag es, vor dem Zelt zu sitzen, lange zu frühstücken, die anderen Leute zu beobachten … die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein leichter bis mittelschwerer Wind weht mir um die Nase. Es riecht nach Meer, nach Sonnencreme und nach … Kaffee.
Gut, das Chaos, das nach kurzer Zeit im Zelt entsteht ist etwas anstrengend …

Der klare Nachthimmel bescherte uns eine Menge Sternschnuppen. Nicht nur am Samstag und Sonntag, wo die Sternschnuppen ja regelrecht vom Himmel regneten, auch in den anderen Nächten sahen wir sie immer wieder am Himmel verglühen. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Sternschnuppen gesehen und bei jeder einzelnen bekam ich eine Gänsehaut und ein kribbliges Gefühl im Magen. Den Sternenhimmel zu beobachten und die Unmenge an Sternen zu sehen, lässt einen so klein im Universum erscheinen. Wir haben den Sternschnuppen unsere Wünsche mit auf den Weg geschickt. Auch wenn ich weiß, dass nicht jede einen Wunsch erfüllen kann. Manche Wünsche lassen sich nicht erfüllen, manche Hoffnungen muss man irgendwie und vor allem irgendwann ziehen lassen. Auch das durfte ich in diesem Urlaub erfahren. Der Schmerz flammte immer mal wieder auf, mein eigenes Unverständnis begleitete mich die ganze Zeit, aber da waren so viele wunderschöne Erlebnisse und vier Männer, die sich alle um mich kümmerten, dass ich gar nicht anders konnte … Ich habe wirklich jede einzelne Minute meines Urlaubs genossen.

Ich werde nicht jeden Tag aufzählen, nicht von jeder Begebenheit berichten, aber da waren so viele besondere Momente … Momente, in denen ich mich so glücklich fühlte, in denen ich lachen konnte, in denen ich mich unglaublich geliebt fühlte. Ich und meine Männer! Das ist schon irgendwie etwas ganz besonderes. Zugegebenermaßen habe ich mich hin und wieder auch mal nach einer Frau zum Reden oder zum Lästern, zum Frauendinge machen gesehnt, aber irgendwie haben sie es immer wieder geschafft, dass ich nicht weiter darüber nachdachte.
Was ich aber auf jeden Fall empfehlen möchte sind die Störtebeker Festspiele in Ralswiek. Eine spektakuläre Show, ein wirkliches Highlight im Urlaub. Die Kinder waren ganz begeistert und das Feuerwerk am Ende war wirklich beeindruckend.
Wer sich in der deutschen Geschichte herumtreiben möchte, der kommt wohl nicht an Peenemünde vorbei … Ein Einblick in eine Vergangenheit, mit der wohl auch noch Generationen nach uns zu kämpfen haben werden.
Das U-Boot U 461 „Juliett“, das größte konventionelle U- Boot der Welt, haben wir uns auch angesehen. Oh Mann, durch so ein U-Boot zu laufen war schon sehr, sehr merkwürdig, aber auch verdammt spannend. Es war auf jeden Fall ein ziemlich gutes Gefühl auf der anderen Seite wieder nach draußen zu können.
Und die Stadt Greifswald erscheint mir auch immer eine Reise wert zu sein.
Der Tierpark ist schön und im Gummibärenland gibt es so viel leckeres Zeug ...
Der Strand von Ludmin, ungefähr zehn Kilometer vom Zeltplatz entfernt, wurde zu unserem Strand. Er war genau so, wie wir es mochten. Viel Sand, klares Wasser, ein paar Wellen … hier wollten wir gar nicht mehr weg. Ach ja und leckeres Eis gab natürlich auch. Und der Strandverkäufer sah wie Otto aus, meine Kinder waren begeistert!
Im Sand sitzen, ein Bierchen trinken und zugucken, wie die Sonne untergeht. Für einen Moment die Luft anzuhalten, wenn sie das Meer berührt und angestrengt hinzuhören, damit man das leise Zischen nicht verpasst … dabei die Menschen um sich zu haben, die einem am meisten bedeuten … Da kann man wirklich sentimental werden.
Wie jeder Urlaub, ging auch dieser viel zu schnell vorbei. Aber unser Rücken rief am Ende nach einem richtigen Bett, das Chaos im Zelt ließ sich nicht mehr beherrschen … Es war an der Zeit Abschied zu nehmen.
Mich von meinem Bruder zu trennen, fällt mir immer ganz besonders schwer. Vor allem, wenn es keinen konkreten Termin für ein Wiedersehen gibt. Wie gut, dass es Skype gibt!

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