Donnerstag, 5. Juli 2012

Disziplinprobleme...

Nein, ich habe doch keine Zeit!
Wieso wühle ich mich denn durch Amazon?
Wer bitte hat denn jetzt diese zwei Bücher in den Warenkorb gelegt? Suchend sehe ich mich um. Aber da ist niemand und ich ... ich war es ganz, ganz bestimmt nicht. Denn ich habe ja überhaupt keine Zeit zum Lesen.

Es gibt doch so viel zu tun! Schreiben... ich muss schreiben ...
Aber doch nicht mein Passwort! Wer hat denn gesagt, dass ich mein Passwort eingeben soll?
Ein verzweifelter Blick auf die Bestellung. Noch habe ich sie nicht abgeschickt. Noch gibt es ein Zurück ... Ich könnte mir die Bücher in ein paar Wochen bestellen... Vielleicht für den Urlaub...
Zu spät!
Irgendjemand hat die Maus betätigt und das nette "Vielen Dank für ihre Bestellung" klingt wie Hohn in meinen Ohren.

Aber noch bin ich guter Dinge. Das Päckchen muss ja erst einmal ankommen.
Und ich kann auch diszipliniert sein.
Jawohl, ich kann sehr, sehr diszpliniert sein!

zwei Tage später (Dienstag)... mein Telefon klingelt am Vormittag: 
meine Mutter (sie arbeitet bei der Post):Kind, ich habe heute ein Päckchen für dich angenommen.
ich: von Amazon?
Sie: Ja
ich: hmm, hättest du doch nicht machen brauchen. Ich bin ja zu Hause und ich komme auch erst Ende der Woche zu dir. 
Innerlich reibe ich mir die Hände. Perfekt...
Ende der Woche! Freu, freu, freu
sie: Ach daran habe ich ja gar nicht gedacht. Na vielleicht schaffst du es ja noch zwischendurch.
ich (mit Bedauern in der Stimme): nein, das sieht echt schlecht aus. Na ja, dann mus ich eben bis Donnerstag warten.

Vielleicht sollte ich Donnerstag absagen und erst Freitag hingehen... Ich ziehe die Möglichkeit ernsthaft in Betracht.
Wir legen auf und ich fühle ich froh und erleichert ... Das gibt mir noch ein paar Tage mehr Zeit an meiner Disziplin zu arbeiten.

Einige Stunden später... es klingelt an der Haustür.
meine Mutter: Ich dachte, ich bringe dir das Päckchen vorbei. Dann musst du auch nicht so lange warten...
ich: Das wäre doch nicht nötig gewesen (ich verfluche sie innerlich)
Ich nehme das Päckchen und stelle es möglichst weit aus meinem Sichtfeld. Zum Glück bleibt sie noch eine Weile. Ich hoffe auf so etwas wie spontanen Alzheimer... Dann vergesse ich vielleicht, dass sich ein schlimmes Suchtmittel in meiner Wohnung befindet.

Aber was mache ich mir denn Sorgen? Ich bin schließlich so diszipliniert... man könnte behaupten, ich habe das Wort selbst erfunden.
Meine Mutter ist wieder weg. Auch wenn ich den kleinen grauen Karton mit den schwarzen Buchstaben drauf nicht sehe, ich weiß wo er steht. Nach einer gefühlten Ewigkeit (es handelt sich vermutlich um mehrere nutzlos verbrachte Minuten) reiße ich den Karton auf.
Wenigstens mal die Bücher angucken... mehr nicht.
Ich schwöre mir, dass sie gleich ins Bücherregal verschwinden ... und zwar ungelesen!
Ich beginne an meiner Disziplin zu zweifeln...
Aber nur ganz wenig. Nein, ich habe es noch im Griff. Die Einbände gefallen mir und wie gut,dass die beiden Bücher eingeschweißt sind. Ähmm, waren... sie waren eingeschweißt! Aber man kann ja mal kurz durchblättern... sich die wirklich tollen Bilder angucken ...
Ich bin diszipiniert, bewundere die Bilder, blättere mal kurz durch, lese das ein oder andere Wort und lege die Bücher tatsächlich ins Regal. Ich habe keine Zeit zum Lesen... Vielleicht am Wochenende!
Wo kommt nur diese innere Unruhe her? Was sollen die verstohlene Blicke ins Bücherregal?
Wer hat eigentlich behauptet, dass ich diszipliniert sein kann? Und was hat das mit dem Lesen von Büchern zu tun? Nach einer weiteren, schier unendlich langen Stunde schnappe ich mir das erste Buch. Nur ein paar Seiten... Man darf doch schließlich kein ungelesenes Buch ins Regal stellen ... Ich lesen den ganzen Abend ... bis spät in die Nacht hinein. Am nächsten Morgen kriege ich meine Augen kaum auf, aber zum Weiterlesen reicht es. Nach einer weiteren Nacht ist auch das zweite Buch am Donnerstag ausgelesen ... und dabei wollte ich das Päckchen erst am Donnerstag abholen.
Zum Teufel mit meiner Disziplin!

Ach ja, die Bücher, die meine Disziplin so ins Wanken gebracht haben:
Männerheld von Katja Kober
Liebe gegen jede Regel von Andrew Grey

Absolutes Suchtpotential und nichts für Leute, für die die Einhaltung von Disziplin ebenso schwierig ist, wie für mich, obwohl ich habe sie schließlich mit ganz viel Disziplin in nahezu einem Zug zu Ende gelesen!

1 Kommentar:

  1. Das Problem kenne ich, da ich keinen Deut besser bin.
    Die Hälfte der Bücher aus deinem Regal habe ich auch.
    Mein Regal ist allerdings um einiges größer und voller, so ungefähr 1 Meter Tendenz steigend^^
    Ich kann dir sehr einige Bücher aus dem Dead Soft Verlag empfehlen.

    LG Piccolo

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