Montag, 12. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück


Ein weiteres Kapitel ... das Wochenende muss schließlich aufgeholt werden.
Ich ... na ja, ach, ich sage lieber nichts dazu .... "Kerzen und Kuchen" ;-)
Viel Spaß und danke für eure Geduld!


Wie lange sehen wir uns schon schweigend an? Fünf Minuten? Zehn Minuten? Oder sind es erst ein paar Sekunden? Ich kann immer noch seine Worte in meinem Kopf hören.
Seine Hände liegen auf meinen Oberschenkeln und streicheln zärtlich darüber. Ich sehe auf seinen Bauch, verfolge mit den Augen die Linien der Muskeln, die sich so deutlich abzeichnen.
Weiter unten fangen die ersten Herzen an. Größere und kleinere … manche komplett ausgefüllt, manche schattiert … Ich kann das Ende nicht sehen, denn dann müsste ich mich erheben … Aber ich muss es auch nicht sehen, denn ich kann es irgendwie fühlen, die letzten Herzen, die bis zu seinem prallen Glied reichen. Ich frage mich, ob sie irgendeine Bedeutung haben. Ich meine, wer lässt sich denn so viele Herzen auf seinen Körper tätowieren … Trotzdem, die Herzen passen irgendwie zu ihm. Er hat einen wahnsinnig schönen Körper, so gut trainiert … so … heiß und aufregend.
Es fängt an, überall zu kribbeln. Das hier fühlt sich unglaublich gut an … aber irgendwie auch so unwirklich. Wir kennen uns doch gar nicht und wir riskieren ziemlich viel … und wenn es nicht klappt … dann … Ich will das einfach nicht mehr. Ich sollte ihm das sagen, aber ich kann nicht, kann einfach nichts sagen.
Frustriert steige ich von ihm herunter und setze mich auf die Bettkante.
Die Kerzen, die wir vorhin auf den Nachtschrank gestellt haben, sind schon fast heruntergebrannt. Die Flammen flackern und werfen merkwürdige Schatten an die Wand … Schatten, die auch mich irgendwie berühren, die ich tief in mir verborgen halte. Auch wenn ich nicht sehr oft darüber nachdenke, auch wenn ich mir den Schmerz und die Trauer verbiete … aber manchmal kann ich es nicht ändern. Dann kommen die Erinnerungen einfach wieder zum Vorschein … dann kann ich ihn immer noch fühlen, sein Parfüm im Bad riechen. Dann ist es, als wenn er nicht gegangen wäre … Und obwohl ich in diesem Moment nicht an David denken sollte, schleicht er sich im Kerzenschein eben doch ins Zimmer.
Das hier macht mir Angst. Ich schließe die Augen, versuche mich zu sammeln. Franks Hand streicht meine Wirbelsäule entlang. Ich drehe mich zu ihm um. Er liegt auf der Seite. Sein Kopf ist in die andere Hand gestützt. Er sieht mich ernst an.
„Scheint, als wenn es nicht das ist, was du willst!“ Seine Stimme klingt frustriert und enttäuscht. Ich bekomme eine Gänsehaut und schüttle leicht den Kopf. Er lässt sich nach hinten fallen und atmet hörbar aus.
„Ich … weiß nicht … findest du es nicht kompliziert? Oder auch merkwürdig … Ich meine, du bist der Lehrer von meinem Sohn … Wird das nicht …?“
„Nein!“, unterbricht er mich bestimmt. „Das spielt doch im Moment gar keine Rolle.“
„Nicht?“ Ich sehe ihn erstaunt an. „Für mich spielt das eine Rolle. Bruno ist mein Sohn. Ich sehe ihn oft, er bedeutet mir alles und wenn das mit uns nicht klappt, was wird dann?“ Ich rede mich in Rage, stehe auf und ziehe mir meine Shorts über.
„Du machst dir Sorgen wegen Bruno … das kann ich verstehen. Aber das ist doch ein Problem, das im Moment gar nicht so akut ist … Du musst mich nicht gleich morgen als seinen neuen Daddy vorstellen.“ Ich höre das Lachen in seiner Stimme und fange auch an zu grinsen. Allerdings eher, weil ich bei dem Wort „Daddy“ gleich wieder an Micha denken muss und an seine so gar nicht zutreffende Beschreibung von Frank.
„Ich denke, wir haben durchaus ein wenig Zeit uns kennenzulernen, zu sehen, wohin das mit uns führen kann. Und wenn wir uns sicher sind … können wir uns Bruno stellen. Er ist ziemlich aufgeweckt und ich habe den Eindruck, dass er eure Lebenssituation gut kennt.“
Abermals fange ich an, an meiner Lippe zu nagen. Sich kennnenlernen … aber lernt man den anderen denn jemals wirklich kennen. Woher soll ich wissen, dass er wirklich so ist, wie …
„Nicht mal dazu bist du bereit?“, fragt er aufgebracht und springt nun ebenfalls aus den Bett. Mit wenigen Schritten ist er bei mir und packt mich an den Armen.
„Anton! Warum bin ich eigentlich hier? Wolltest du lediglich deine fehlenden Erinnerungen auffrischen? Ich dachte … Oh Mann!“
Ehe ich mich versehe, presst er seine Lippen auf meine, befreit meine Unterlippe von meinen Zähnen und zieht sie stattdessen sanft zwischen seine Lippen. Ich lasse es zu, dass er mich fest an sich drückt, merke, wie meine Zweifel sich in seinem Kuss auflösen.
„Willst du wirklich, dass ich gehe?“, haucht er zwischen zwei Küssen.
Will ich das? Nein! Natürlich nicht! Eine Umarmung hat sich schon lange nicht mehr so gut angefühlt … ein Kuss hat mich schon lange nicht mehr so um den Verstand gebracht und seine Härte an mir zu fühlen …
„Machst du dir um deinen Job wirklich keine Sorgen?“, frage ich leise und schiebe ihn ein Stück von mir weg.
„Nicht in diesem Moment!“, grinst er und reibt seinen Unterleib gegen meinen. Ich versuche ihn ernst anzusehen, kann aber gegen den kleinen Seufzer, der meiner Kehle entspringt einfach nichts machen.
„Wie oft ist es dir schon passiert, dass du das Gefühl hast, den anderen unbedingt kennenlernen zu wollen? Nein, dass du das Gefühl hast, ihn bereits zu kennen. Es ist wie … wie ...“ Frank fängt auf einmal an zu lachen und küsst mich ganz kurz. Ich schüttle den Kopf, will gerade etwas dazu sagen, als er seinen Finger auf meinen Mund legt.
„Nein, warte … Es ist wie ein Kuchen. Dein Lieblingskuchen … Er steht da vor dir auf dem Tisch und du kannst es gar nicht erwarten, davon zu kosten … und wenn du dann gekostet hast, dann ist er so lecker, dass du immer mehr willst …“
„Kuchen?“, frage ich und sehe ihn unsicher an.
„Ja, Kuchen. Ich liebe Kuchen! Und du scheinst mir ein ganz besonders begehrenswerter zu sein … Oder nein! Das zwischen uns scheint ein ganz besonders leckere Kuchen zu sein. Wir sollten ihn probieren und vielleicht ...“
„Essen wir ihn auf? Gemeinsam? Und dann?“ Ich kann einfach nicht anders … ich will …
„Wir werden sehen, aber ich denke, er ist so groß, dass es eine ganze Weile dauern könnte, bis wir ihn aufgegessen haben … Vielleicht schaffen wir es nie! Ich meine, wäre das nicht einen Versuch wert?“
Die erste Kerze erlöscht und es wird ein wenig dunkler im Zimmer. Weniger Schatten … dafür mehr Nähe … Frank nimmt mich erneut fest in seine Arme.
„Merkst du nicht, wie unglaublich lecker der Kuchen ist?“ Noch ehe ich antworten kann, liegen seine Lippen wieder auf meinen ...


Kommentare:

  1. Hey,

    ich muss grinsen, denn Franks Erklärungsversuch mit einem Kuchen kommt mir so vor wie ein Unterricht in der Grundschule. Da kann der Herr Lehrer wohl nicht über seinen Schatten springen.
    Ist es nur das Alter und die Vernunft, die Frank so reagieren lassen, oder eher die Unvernunft, denn das Risiko trägt m.E. eindeutig er. Dennoch will er dem starken Gefühl eine Chance geben und weiß, dass zwar nie eine Garantie auf dauerhaftes Glück da ist, man sich aber ärgert, wenn man die Chance nicht ergreift und es wenigstens probiert. Die Idee, sich erst kennen zu lernen und dann die "Familienzusammenführung" zu machen, ist doch ein sinnvoller Vorschlag, dem sich auch Anton sicher nicht verschließen kann - hoffe ich jedenfalls.

    LG
    Martina

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  2. Ja. aufgeben, bevor mans versucht hat -das geht ja mal gar nicht ... da hat Frank recht - alles andere wird sich zeigen ;) - erstmal Kuchen essen :D

    LG Nir77tak

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  3. Hallo Kath,

    ein schönes Kalendertürchen. :o) Der Vergleich mit dem Kuchen, den Frank hier bringt, finde ich sehr schön und es ist verständlich und einfach. Anton sollte es versuchen und nicht schon von vorn herein die Flinte ins Korn werfen. Das die Sache mit David ihm immer noch anhägt ist verständlich, aber sich deswegen Frank nicht annähern? Ich denke dieser wird Antons Bedenken sicher verstehen, wenn dieser sie ihm erklärt, aber Anton sollte es mit Frank versuchen. Schließlich hat er ja schon selbst bemerkt, daß es mit Frank anders ist und ihm gut tut. Ich freue mich schon auf die nächsten Türchen. Liebe Grüße

    -KW-

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  4. Anton ist echt noch ganz schön David-geschädigt.
    Er will sich ja gerne auf Frank einlassen, aber dieses Stimmchen in ihn, das dagegen ist, ist leider noch sehr hartnäckig.
    Frank wird da noch so einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen.
    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Jenny und Micha Anton deswegen auch noch ins Gewissen reden werden und müssen.
    Ich bin ganz Frank's Meinung, dass sie es zumindest versuchen sollten.
    Seine Erklärung mit dem Kuchen war toll^^

    Ganz liebe Grüße
    Piccolo

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  5. Man merkt wie hin- und hergerissen sich Anton fühlt. Nach dem Erlebnis mit David hat er Angst sich wieder auf eine Beziehung einzulassen. Aber er sollte sich und Frank eine Chance geben, denn da ist unbestreitbar mehr zwischen den beiden als bloße körperliche Anziehungskraft
    lg misha

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  6. hachja ............. , mitten in der nacht heimkommen von der arbeit und dann solch schöne lektüre ............. , beziehungen mit kuchen vergleichen ........... köstlich ....... haste wieder schön geschrieben
    Danke lg kerstin

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