Mittwoch, 21. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Holen wir den Abstand wieder ein wenig auf. Hier kommt Kapitel 19.
Es ist total lieb von euch, dass ihr mir die kleinen Pausen verzeiht. Ich freue mich, dass euch meine kleine Geschichte so gut gefällt. Vielen Dank!


Wie nicht anders zu erwarten, ist der Laden seit Stunden brechend voll.
Auch der Schneesturm, der irgendwann im Laufe des Nachmittags eingesetzt hat, hat den Menschenstrom nicht abreißen lassen. Ganz im Gegenteil! Die Leute flüchten vor dem Schnee, bringen Kälte und Nässe herein und hinterlassen ein unglaubliches Chaos.
Vor zwei Stunden fielen die ersten Schneeflocken, dann wurde es immer mehr und mittlerweile ist das Schneetreiben so dicht, dass man die Hand vor Augen kaum noch erkennen kann.
Die vielen Menschen sorgen dafür, dass ich keine Zeit zum Nachdenken habe. Auch wenn meine Gedanken genau wie die Schneeflocken umherwirbeln und ich richtig viel Kraft darauf verwenden muss, mich um die Wünsche der Kunden zu kümmern.
Der Vormittag steckt mir in den Knochen. Die ganze Situation und mein blöder Versuch cool zu sein. „Du kannst ruhig noch bleiben!“, habe ich zu Frank gesagt und er hat mich zum Abschied geküsst und ist tatsächlich bei den anderen geblieben. Nur Micha und ich sind gegangen. Natürlich hätte ich damit rechnen müssen, dass er das Angebot annimmt. Es kam so gut mit den anderen zurecht, ganz besonders mit Heiko. Und ich musste ja zur Arbeit … trotzdem … Ich … bin ein Idiot und Micha hat es mir deutlich vor Augen geführt.
„Bist du etwa eifersüchtig!“, hat er lautstark auf dem Weg zum Geschäft gerufen.
„Bin ich nicht!“, habe ich gebrummt, aber meine Gesichtsfarbe hat mich leider enttarnt. Daraufhin fing er dermaßen an zu lachen, dass sich die Leute nach uns umgedreht haben. Ich will nicht eifersüchtig sein. Ich habe auch überhaupt keinen Grund dazu.
Wenn ich es genau betrachte, habe ich ohnehin keine Ahnung, wo wir im Moment stehen. Wir wissen so gut wie nichts voneinander. Wir kennen uns nicht … Mal abgesehen von dem großartigen Sex … Vielleicht verbindet uns in Wirklichkeit überhaupt nichts.
Ich sollte wirklich mit dem Grübeln aufhören und mich besser konzentrieren. Der Kunde vor mir denkt bestimmt schon, dass ich nicht ganz zurechnungsfähig bin. Ich habe ihn jetzt zum dritten Mal die gleiche Frage gestellt und er hat bereits nach meinem Chef verlangt. Ich sollte mich wirklich zusammenreißen. Zum Glück schließen wir in einer halben Stunde.

Als ich hinter dem letzten Kunden die Tür abschließe, würde ich mich am liebsten auf den Fußboden werfen und einfach nur schlafen. Allerdings ist er viel zu schmutzig … so wie mein gesamter Laden. Es sieht aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen hätte.
„Aufräumen?“, fragt Micha und hält mir eine Tasse Tee hin. Ich nehme sie dankend an und schaue mich ein wenig ratlos um. Es wäre mit Sicherheit besser, jetzt noch aufzuräumen, aber die Aussicht auf mindestens zwei weitere Stunden ist nicht gerade berauschend.
„Chaos ist ein viel zu harmloses Wort, um den Zustand hier zu beschreiben!“, jammere ich und Micha grinst mich an.
„Stimmt, wir könnten eine grobe Ordnung machen, die Bücher einigermaßen sortieren und den Rest machen wir morgen.“, schlägt er vor und ich nicke sofort.
Es klopft an der Tür.
„Wir haben geschlossen“, brumme ich und drehe mich um. Es sieht aus, als wenn ein Jeti davor stehen würde, aber bei näherem Hinsehen ist es … Frank!
Schnell schließe ich auf und öffne die Tür. Frank versucht den Schnee abzuschütteln, ist allerdings nicht besonders erfolgreich dabei. Der Wind peitscht die Flocken nur so durch die Luft.
„Na, das nenne ich mal einen Schneesturm!“, sagt er lachend und kommt herein.
„I´m dreaming of a white Christmas!“, singt Micha theatralisch und verschwindet nach hinten.
„Hey …“, sagt er leise.
„Was machst du hier?“, frage ich und merke, dass meine Stimme alles andere als begeistert klingt. Dabei freue ich mich, ihn zu sehen. Gott, ich würde am liebsten sofort über ihn herfallen. Der Schnee in seinem Haar ist getaut und lässt sein schwarzes Haar so schön glänzen. Frank sieht mich erstaunt an. Anscheinend ist ihm mein Tonfall auch nicht entgangen.
„Ich wollte fragen, ob du noch Zeit für mich hast. Wir könnten zu mir fahren und ich mache uns etwas zu essen.“
Essen … klingt verdammt gut. Noch ehe ich eine Antwort geben kann, übernimmt mein Magen das für mich. Ich habe seit dem Brunch nichts mehr gegessen. Und wenn ich es genau betrachte, habe ich dort auch nicht besonders viel gegessen. Ich war ja damit beschäftigt, mich darüber zu wundern, dass sich Frank so gut mit allen verstanden hat.
„Ich nehme das jetzt mal als ein „Ja!““, sagt er schmunzelnd und haucht mir einen Kuss auf die Nase.
„Braucht ihr noch lange?“, fragt er dann und sieht sich im Laden um. „Sieht aus, als wenn der Schneesturm hier auch durchgefegt wäre.“ Er lacht und von hinten stimmt Micha mit ein.
„Scheiße, es war so voll heute. Die Leute flippen vor Weihnachten immer aus!“ Micha macht sich über die Neuerscheinungen her und versucht sie wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. Ich sehe ihm einen Moment dabei zu.
„Wir machen das morgen!“, entscheide ich. „Ich denke, wenn wir schon gegen acht herkommen, haben wir genügend Zeit, um alles wieder herzurichten.“
„Okay, habe nichts dagegen … Meine Wanne ruft ganz laut und ich folge diesem Ruf nur zu gern!“, schwärmt er genießerisch.
„Na, dann verschwinden wir von hier!“
Wir holen unsere Jacken und stürzen hinaus in den Schneesturm.
„Mein Auto steht gleich dort drüben!“, sagt Frank. „Sollen wir dich mitnehmen?“ Micha schüttelt den Kopf. „Nee, lasst mal, ich habe es nicht weit!“

Eine Weile sitzen wir stumm im Auto. Die Schneeflocken tanzen aufgeregt im Lichtkegel der Scheinwerfer und auch ich fühle, wie die Aufregung in mir steigt.
„Was ist los?“, fragt Frank auf einmal. „Habe ich etwas falsch gemacht? Du bist so still.“
Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll, ohne mich komplett lächerlich zu machen. Er hat ja nichts falsch gemacht und ich weiß auch nicht, was ich erwarte … Ich weiß es einfach nicht.
„Woher kennst du Heiko?“, bricht die Frage, die mir schon die ganze Zeit durch den Kopf geht, heraus.
„Heiko?“, wundert er sich. „Wir waren mal ein Paar. Ist schon ewig her … wirklich ewig!“ Frank lacht leise. „Hat dich das so verstimmt, das ich so lange mit ihm geredet habe?“
Ich nicke. Frank legt seine Hand auf mein Bein und streichelt langsam darüber. Ich spüre die Wärme durch den feuchten Stoff auf meiner eiskalten Haut und fange an zu zittern.
„Du bist ja ganz nass und kalt!“, murmelt er und rubbelt kräftig über mein Bein.
„Wir haben uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen!“, setzt er seine Erklärung fort. „Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, ihn heute zu treffen.“ Ich sehe zu ihm. Er grinst, dreht sich kurz zu mir und lässt seine Hand ein wenig höher gleiten. Ich keuche leise auf.
„Wart ihr lange zusammen?“, versuche ich meine Neugier weiter zu stillen.
„Vier Jahre … mehr oder weniger. Wir haben im Grunde nicht zusammengepasst, aber wir brauchten eine ganze Weile, um es einzusehen. Es war … ein schleichender Tod und am Ende ziemlich schmerzhaft.“
„Für wen?“
„Für uns beide, denke ich. Aber das ist wirklich schon lange her und ich denke, dass er mit Falk einen Partner gefunden hat, der eindeutig besser zu ihm passt.“ Frank wirkt nachdenklich. Mir wird schlecht und ich würde am liebsten aus dem Auto steigen. Tatsächlich hält er nur wenige Augenblicke später an.
„Wir sind da! Bereit für eine neue Runde durch den Schneesturm?“ Er lacht leise, dann zieht er meinen Kopf zu sich heran. „Du machst dir ganz umsonst Gedanken. Ich will schon lange nichts mehr von Heiko und er nicht von mir. Wir haben eine lockere Freundschaft aufgebaut. Sehr locker … manchmal sehen wir uns ein paar Monate nicht und treffen uns plötzlich bei einem Brunch wieder.“ Seine Stimme klingt heiser und auch ein wenig amüsiert. „Ich wollte nicht, dass er mich so in Beschlag nimmt … Es tut mir leid. Mich interessiert nur ein ... wirklich unglaublich heißer Typ.“
„Kenne ich den?“, frage ich atemlos.
„Könnte sein. Er sitzt hier mit mir im Auto … Alles, was ich mir seit unserer ersten, zugegeben etwas merkwürdigen Begegnung wünsche, ist ihn besser kennen zu lernen. Und alles, woran ich im Moment denken kann, ist mit ihm unter der Dusche zu verschwinden und anschließend auf dem Sofa zu kuscheln … vielleicht sogar ein ganz klein wenig mehr als kuscheln .“ Frank flüstert mir die Worte ins Ohr, streift dabei immer wieder meine Haut, sodass sich sämtliche Härchen aufstellen und ich abermals leise keuche.
„Los, lass uns reingehen!“, fordert er mich auf.
Ehe ich mich zur Autotür wende, küsse ich ihn. Ich küsse Frank so heftig, dass diesmal er leise stöhnt. Der Schneesturm scheint sich in meinem Bauch verlagert zu haben. Die Schneeflocken tanzen wie verrückt herum, zeigen mir, wie sehr ich diesem Mann bereits verfallen bin … Ich habe mich verliebt, es gibt keinen Zweifel mehr.


Kommentare:

  1. Oh man nur noch vier Türchen. Ich hoffe, dass du vielleicht noch ein kleines Sylvesterkapitel dazu packst. Die zwei sind zu süß :)

    LG Juli

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  2. hachja ...........
    Eifersucht ist eine Leidenschaft,die mit Eifer sucht, was Leiden schafft .............. hihi ,aber die 2 kriegen das hin ......da bin ich mir ganz sicher ..........
    hab mich nach meinem stressigen "freien" tag grade sehr über das 2te kapitel gefreut . vielen dank dafür ...... lg kerstin

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  3. Hi Karo! Noch ein Türchen? Grandios vielen Dank, da waren wir aber echt lieb. ;)
    So jetzt ist es raus, er ist eifersüchtig und Frank hatte echt was mit Heiko! Warum hat er sich so in Beschlag nehmen lassen?
    Na ja jetzt ist ja alles gut oder?
    Was sagt Jenny zu den beiden und erst sein Sohn?
    Klärst du das auch noch? Bin echt gespannt, die Story ist sooooooooooo schön.
    Lg Renke

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  4. Mal wieder Hut ab vor dir, dass du so kurz vor Weihnachten noch 2 Kapitel an einem Tag postest.
    Das war noch mal so ein richtig schönes Betthupferl heute abend.
    Die 2 sind so schnuckelig zusammen, ich weiß jetzt schon, dass ich sie vermissen werde. Du könntest natürlich auch noch einen Jahreswechsel-Kalender anhängen, dann haben wir noch 2 Kapitel mehr ;).
    Bis hoffentlich morgen.

    lg misha

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  5. wow sehr süß
    und es sind noch 5 Türchen hihi :D
    Ich finde die Geschichte sehr süß einfach fluffig zu Weihnachten :D
    lg Zwackl

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  6. Hey,

    schon blöd, wenn man gegen seine Eifersucht nicht ankommt ;-) Allerdings auch verständlich und zeigt doch nur, dass Anton etwas an Frank liegt. Aber zum Glück gab es ja eine einfache Erklärung für das innige Verhältnis von Frank und Heiko.
    Nun kann Anton sich nach dem stressigen Nachmittag ein wenig verwöhnen lassen (mit einer Badekugel????;-)

    LG
    Martina

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  7. Ah, Frank und Heiko waren also vor Ewigkeiten mal ein Paar.
    Damit wäre das Rätsel ja gelöst.
    Aber das wichtigste ist, dass Anton endlich einsieht, dass er in Frank verliebt ist.

    LG, Piccolo

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  8. Na, da kann Frank ja unter der Dusche zeigen, wie sehr er heiko vergessen hat ;)
    Immer diese Eifersucht ... nenenene

    LG Nir77tak

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