Samstag, 24. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Guten Morgen! Ich wünsche euch allen einen wunderschönen heiligen Abend!
Leider passt das heutige Kapitel nicht gerade zur weihnachtlichen Stimmung. Ich habe sogar überlegt, ob ich es lieber nicht posten sollte ... aber nun ja, ein ganz klein wenig Drama gehört eben auch dazu und die beiden haben ja noch zwei Kapitel ...
Wer also Sorge um seine weihnachtliche Stimmung hat, der wartet lieber bis zum nächsten Kapitel.


Der Augenblick hält genau so lange, bis mir bewusst wird, wo wir sind. Ich sehe Bruno auf mich zukommen und lasse Franks Hand los. Er versucht, mich festzuhalten, aber ich bin schneller, verstecke meinen Hände in der Jackentasche. Mein Herz klopft wie verrückt, als ich Franks erstaunten Blick auf mir spüre. Ich kann ihn nicht ansehen, starre stattdessen Bruno an, der sich scheinbar mächtig konzentrieren muss, um den Inhalt des Bechers heil bis zu mir zu bekommen.
„Was ist los?“, fragt Frank leise. Ich zucke nur mit den Schultern, kann ihn immer noch nicht ansehen. Ich weiß nicht, was los ist. Da ist irgendetwas in mir … etwas, was sich schon die ganze Zeit bemerkbar machen will. Etwas, dass sich schon die ganze Zeit nicht gut anfühlt. Ich habe es bis jetzt nicht zu fassen bekommen. Aber jetzt und hier wird es deutlicher … wie ein dunkler Schatten, der allmählich Gestalt annimmt.
„Papa, ich habe dir Punsch geholt!“, ruft Bruno stolz.
„Danke“, murmle ich, „Denkst du, du kannst ihn mir ins Zelt stellen? Ich muss mal auf die Toilette.“
„Klar schaffe ich das!“, erwidert er entrüstet. „Weißt du denn, wo das Klo ist?“
Ich schüttle den Kopf und deute auf Frank. „Er zeigt es mir!“ Bruno sieht kurz zwischen uns hin und her, dann nickt er zustimmend.
„Aber beeile dich. Ich will noch ein Märchen hören!“
Ich sehe Frank an und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Für einen Moment bleibe ich irritiert stehen … dann gehe ich an ihm vorbei. Ich höre ihn leise schnaufen, bevor er mir ins Innere des Gebäudes folgt.
„Was ist los?“, brummt er kaum, dass wir die Tür geschlossen haben.
„Ich will das nicht!“, antworte ich ihm und versuche, seinem Blick standzuhalten.
„Was denn genau?“
Mein Herz rast, ich sehe auf den Fußboden.
Er klingt enttäuscht, sogar ein wenig sauer. Da ist er allerdings nicht der einzige, denn immer deutlicher kann ich es fühlen.
„Ich … anscheinend weiß hier jeder, was gut für mich ist. Ich habe das Gefühl, ständig vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Ich habe keine Zeit, zum Nachdenken, keine Gelegenheit herauszufinden, was ich will. Du spielt mit mir … du, Micha … sogar Jenny. Jeder weiß angeblich so genau, was richtig ist. Und ich werde dabei vergessen … Du wusstest, dass ich heute hier sein würde. Du baust mit Bruno diesen albernen Stuhl und sagst nichts zu mir. Du lässt mich ins offene Messer laufen. Du fragst nicht, ob ich das hier auch will ...“
Ich komme ins Stocken, habe das Gefühl, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Was mache ich denn hier?
„Bist du fertig?“, fragt er tonlos. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau. In mir tobt ein Sturm. Ich spüre, wie diese unsichtbare Last der letzten Tage langsam von mir abbröckelt.
„Ich bin zu alt für solchen Kinderkram. Ich will einen Partner, der zu mir steht. Ich will mich mit ihm zeigen, egal ob hier in der Schule oder … was weiß ich wo … Ich habe keine Lust auf Versteckspiele. Spielen kann ich nämlich mit den Kindern Ich will eine ehrliche Partnerschaft, einen erwachsenen Partner. Ich habe auch keine Lust mehr, mich ständig gegen die Anmachen der ledigen Mütter zur Wehr zu setzen ...“
„Dann komme ich wohl gerade Recht.“, lache ich bitter auf. Jennys Worte fallen mir wieder ein. Die Wetten der Mütter, wer ihn zuerst kriegt. Ich schüttle den Kopf. Ich will nicht Teil einer Wette sein, ich will vor allem nicht sein Alibi sein, um in Ruhe gelassen zu werden.
„Ich bin nicht dein Püppchen. Du kannst mich nicht einfach vorführen. Ich will selbst entscheiden, wie und wo ich jemand von uns erzähle. Die Mütter interessieren mich nicht. Es geht einzig und allein um meine Familie, um Bruno … und ich werde ihn ganz bestimmt nicht hier vor vollendete Tatsachen stellen. Nur damit du dich nicht mehr belästigt fühlst!“ Ich habe mich in Rage geredet und kaum, dass die Worte meinen Mund verlassen habe, weiß ich, dass es Blödsinn ist. Ich bin ein Idiot! Ein verdammter Idiot.
„Das denkst du also? Glaubst du wirklich, dass es nur darum geht?“
Wieso nicke ich denn? Natürlich glaube ich das nicht, aber ich bin zu wütend, viel zu wütend, um noch irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Eine Weile sehen wir uns an. Es ist falsch … so falsch … Ich habe ihn verletzt. Kopfschüttelnd dreht Frank sich um und öffnet die Tür. Ich sollte ihn aufhalten. Ich sollte zu ihm … Die Tür fällt ins Schloss und ich spüre die Kälte in mir. Es ist, als wenn ich langsam erfrieren würde. Angefangen bei den Füßen kriecht die Eisschicht immer höher und höher. Ich kann mich nicht bewegen … Ich kann nur auf die Tür starren, bis mein Herz vom Eis umschlungen ist, selbst mein Verstand heruntergekühlt ist.
„Ich hatte Recht!“, hämmert mir mein eingefrorenes Herz zu. Ich hatte Recht. Er ist eben doch zu alt, denkt wohl, dass er nur ein weiteres Kind vor sich hat. Aber ich bin kein Kind. Ich will in die Entscheidungen mit einbezogen werden. Ich will selbst entscheiden und wenn er nicht akzeptieren kann, dass ich ein wenig länger brauche … Was sind schon zwei Wochen? Was bedeuten sie denn? Nichts! Gar nichts!
Allmählich setze ich mich in Bewegung. Meine Schritte kommen mir irgendwie mechanisch, fast ein wenig fremdgesteuert vor. Ich gehe zum Zelt. Jenny ruft nach mir, aber ich drehe mich nicht um. Zwischen den Kinderlachen und der Weihnachtsmusik kann man so ein Rufen schon einmal überhören. Mein Körper schmerzt. Die Kälte umhüllt mich komplett, von innen und außen. Es tut weh, es macht mir Angst … Ich will nicht darüber nachdenken, was gerade passiert ist … Ich will nicht nachdenken.
Im Zelt warten die Kinder schon ungeduldig auf mich. Ich versuche zu lächeln, trinke einen Schluck von Brunos Punsch. Ich wünschte, er würde mich wieder erwärmen. Das schafft er jedoch nicht. Nur einer kann mich erwärmen, aber den habe ich wohl verloren ...
„Also, habt ihr euch entschieden, was wir als nächstes lesen?“, frage ich. Meine Stimme klingt ganz fremd in meinen Ohren.
„Ja!“, kichern die Kindern. „Lies uns „Väterchen Frost“ vor!“


Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    Ich weiß du hast mich gewarnt, aber ich war zu gespannt! Oh nein er ist überfordert mit der Situation und irgendwie hat er auch recht. Er sollte in Ruhe mit Bruno reden und nicht auf der Feier mit Frank knutschen!
    Mist, natürlich ist Frank verletzt, aber er wusste, dass Anton schon mal schwer verletzt wurde!
    Ich freue mich sehr auf morgen.
    So ich starte jetzt mit den Letzten Vorbereitungen und wünsche dir und deiner Familie ein superschönes und entspannendes Weihnachtsfest mit ganz vielen Geschenken.
    Bis Morgen ;)
    Lg Renke

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  2. Kurzes Kapitel hin oder her....MÄNNER *vordieStirnklatsch* Hoffentlich ist morgen besseres "Wetter" angesagt. Väterchen Frost nervt :)

    Euch allen ein frohes Weihnachtsfest!

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  3. hmhm ............ hachja kann ich ja heute nicht schreiben , aber schön geschrieben hast du s trotzdem . gebrannte kinder scheuen das feuer ............ so ist das aber frank ist schlau er erkennt das bestimmt noch .......... so bei mir geht gleich der stress los zu einer oma zum mittag hinfahren ,kaffee zu hause und abendbrot bei meiner mutter .... ich würde am liebsten in mein bett verschwinden ... :-( aber ich wünsche dir und deiner familie einen schönen heiligen abend und strahlende kinderaugen zur bescherung ....... lg kerstin

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  4. Oh nöööö . Anton du ... ich sags nicht - ist nicht weihnachtlich genug .
    EIn bisschen hat er recht - das war im Ganzen ein wenig drüberund ich käme mir an seiner Stelle auch ein bisschen veralbert vor - und der Ort und Zeitpunkt ist wirklich falsch, ums Bruno zu sagen - und Anton wirkt nicht wie einer, der den großen Auftritt braucht - Frank an sich auch nicht ... Wortwahl und Ton allerdings ;) - gut dass es noch zwei Kapitel sind.
    Feier schön und hab wenig Stress
    LG Nir77tak

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  5. Danke für die Warnung. Aber so schlimm fand ich es nicht. Ich kann Anton durchaus verstehen und es ist gut, dass er es gleich angesprochen hat.Zu Beginn einer Beziehung müssen die Regeln aufgestellt werden. Später ist es schwer, sich umzugewöhnen. Was hat Frank erwartet? Dass Anton ihm an den Hals springt, um allen Anwesenden klar zu machen, dass eine weitere Jagd auf ihn sinnlos ist? Allein die Tatsache, dass noch nicht einmal Bruno weiß, dass sein Vater und sein Lehrer sich verliebt haben, schließt aus, dass es so ablaufen kann. Gleichberechtigte Partnerschaft heißt auch, dass der jüngere Partner die gleichen Rechte hat. Wehret den Anfängen - sonst sieht sich Anton irgendwann immer bevormundet.
    Anton ist nur leider eine Dramaqueen, deshalb sieht er die Unstimmigkeit als soooo schwerwiegend an. Dabei wird alleine der Bruno-Grund auch Frank überzeugen, wenn er darüber nachdenkt.

    Schönen Heiligabend dir und deiner Familie!

    LG
    Martina

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  6. Ich kann Anton schon verstehen, dass er sauer ist. Wie er schon sagte, anscheind weiß jeder besser was gut für ihn ist und er wird nicht gefragt. Sicherlich hat er etwas überreagiert, aber es ist auch nicht zu viel verlangt, dass er etwas länger braucht.
    Na ja, die Versöhnung wird dafür umso schöner werden.

    Ich wünsche einen schönen heiligen Abend!

    LG, Piccolo

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