Mittwoch, 21. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück


Ich kämpfe gegen die Zeit und ich gebe mir alle Mühe nicht zu verlieren! Entschuldigt, dass ihr schon wieder warten musstet!


Die Stimmung ist gut. Viel zu gut … irgendwie. Peter sitzt neben mir und redet schon die ganze Zeit auf mich ein. Ich kann mich kaum auf das Gespräch konzentrieren, aber anscheinend gebe ich an den richtigen Stellen die richtigen Kommentare ab. Er hört jedenfalls nicht auf, zu reden und scheint auch nicht zu bemerken, dass ich nicht bei der Sache bin. Denn ich bin ablenkt. Abgelenkt von Frank … oder nein, nicht von ihm direkt, sondern eher von dem, was er tut …
Wie konnte ich auch nur eine Sekunde denken, dass niemand Frank kennen würde? Ich meine, klar haben die, die auf der Feier waren, ihn gesehen und auch mehr oder weniger mitbekommen, was da zwischen uns abgegangen ist … aber ich rede nicht von „Schon mal irgendwo gesehen“, sondern von „Kennen“. 
Heiko und er reden schon eine ganze Weile miteinander. Die Art ihrer Unterhaltung lässt eindeutig darauf schließen, dass sie sich kennen. Kennen? Die beiden sind so vertraut miteinander … die … Verdammte Scheiße!Bin ich wirklich gerade dabei, eifersüchtig zu sein? Ich fasse es nicht. 
Was hatte ich überhaupt erwartet? Wir leben in einer Kleinstadt, keine 20000 Einwohner. Sicherlich ist man hier jedem Homosexuellen schon einmal über den Weg gelaufen … oder gegebenenfalls auch etwas mehr.
Heiko und Frank sind außerdem im gleichen Alter. Vielleicht hatten sie mal irgendwann was miteinander … vielleicht waren sie sogar ein Paar. Würde mich das stören? Keine Ahnung …
Auch einer der Freunde von Falk scheint Frank zu kennen. Er war wohl sein Lehrer. Die Welt ist eben ein Dorf! Ich versuche mich wieder mehr auf das Gespräch mit Peter zu konzentrieren, aber es gelingt mir einfach nicht. Meine Gedanken wirbeln wild herum. meine Ohren versuchen Gesprächsfetzen zu erhaschen, aber es ist viel zu laut und ich will eigentlicha auch nicht lauschen. Ich fühle mich merkwürdig. Ich könnte nicht einmal genau erklären warum. Eigentlich sollte ich mich doch darüber freuen, dass es so gut läuft, dass alles so entspannt ist … Tue ich ja auch … irgendwie …
Selbst Micha hat sich schon mit Frank unterhalten. Sie haben gelacht und hin und wieder in meine Richtung geschaut. Ich habe natürlich nicht hingesehen, aber ich konnte ihre Blicke genau fühlen.
Kommt dieses merkwürdige Gefühl daher, weil er sich so gut mit den anderen versteht oder weil er mich so wenig beachtet? Sollte er nicht eigentlich neben mir sitzen und … eben neben mir sitzen?
Ein lautes Wummern an die Tür lässt schlagartig die Unterhaltungen verstummen. Gespannt schauen alle zur Tür. Max kommt herein. Wie angekündigt als Nikolaus. Das Bischofskostüm lässt ihn äußerst imposant erscheinen. Er stützt sich locker auf seinem Bischofsstab ab. Nur der Sack, den er in der anderen Hand hält, der scheint nicht besonders gut gefüllt zu sein.
„Guten Morgen!“, ruft er mit besonders tiefer Stimme. Weil wir alle gut erzogen sind, antworten wir ihm nahezu im Chor. Frank sitzt immer noch neben Heiko. Wenigstens bin ich nicht der einzige, der davon nicht begeistert ist. Auch Falk guckt irgendwie angepisst. Dafür nimmt mich immer noch Peter in Beschlag und ehrlich, ich habe immer noch keine Ahnung, wovon er redet.
„Ich weiß, ich bin ein wenig spät dran ...“, brummt der Nikolaus und erntet dafür ein kleines Gelächter.
„Aber der Max hat mich eindringlich gebeten, dass ich heute noch einmal hier vorbei kommen soll. Hier sollen eine Menge guter Jungs sein und … davon wollte ich mich mit eigenen Augen überzeugen. Gibt es denn hier gute Jungs?“, poltert er nun ein wenig lauter.
„Jaaaa!“, rufen wir lachend.
Max ist der geborene Schauspieler. Er wackelt mit dem Kopf, gibt sich nicht wirklich überzeugt.
„Ich weiß nicht, ob ich das glauben soll.“ Er kommt noch ein Stück näher, wedelt mit dem Bischofsstab vor unseren Nasen herum.
„Du!“, sagt er mit ernster Stimme und zeigt auf Frank, „bist du denn immer brav gewesen? Mir ist zu Ohren gekommen, dass du unseren kleinen Anton hier ...“, der Bischofsstab deutet nun auf mich und ich werde sofort bis über beide Ohren rot. „verführt hast und das, wo er viel zu viel Stolle genascht hatte. Hast du denn heute schon ein Stück Stolle gekostet, lieber Anton?“ Ich schüttle den Kopf und wünschte, ich könnte mich in Luft auflösen. Peter boxt mir in die Seite und sieht mich grinsend an. „Unglaublich, wie du abgegangen bist!“, murmelt er mir zu und ich nicke und versuche mich an einem Grinsen. Die anderen lachen und das was Frank sagt, höre ich gar nicht nicht richtig. Aber es scheint sehr witzig gewesen zu sein. Ich werfe eine vorsichtigen Blick in seine Richtung und treffe auf zwei Augen, die mir sofort den Atem verschlagen.
„Der Max hat mir erzählt, dass ihr alle den Verführungen nur schlecht widerstehen könnt. Ihr nascht ja alle gern von unerlaubten Früchten, trinkt Alkohol und raucht wie die Räuchermänner!“ Erneutes Lachen, aber auch gespieltes Entsetzen.
„Wir doch nicht!“, feixt Micha.
„Lügst du etwa den Nikolaus an, Micha? Ich kenne dich genau! Aber ich will mal nicht so sein. Ich habe hier etwas ganz Besonderes für euch.“ Er kramt in seinem Sack und holt eine Schachtel hervor. Gespannt schauen wir ihn alle an. Max öffnet die Schachtel und hält sie so, dass wir den Inhalt alle sehen können.
„Was wäre so ein gemütliches Frühstück ohne eine dicke Zigarre? Räuchern wir die Bude mal so richtig ein. Räuchermänner gehören doch schließlich auch zur Weihnachtszeit“, brummt er und geht reihum.
„Geil!“, ruft Peter und greift zu. „Da werde ich nachher aber ganz schön lüften müssen.“ Der Nikolaus sieht ihn grinsend an.
„Tja, lieber Peter, dann reiß mal schön die Fensterchen auf. Jetzt wird ordentlich gepafft!“
Fachmännisch riecht Peter an der Zigarre, dreht sie zwischen seinen Fingern.
„Da hat sich der Nikolaus aber in Unkosten gestürzt!“, sagt er anerkennend.
Ich lege das Monsterteil vor mir auf den Tisch. Ich rauche eigentlich nicht, aber gegen eine gute Zigarre hin und wieder habe ich nichts auszusetzen, so am späten Abend mit einem guten Whiskey. Womöglich bin ich auch einfach nur misstrauisch, was Max betrifft.
Der Nikolaus reißt noch ein paar Witze, dann verschwindet er wieder und die ersten Rauchwolken ziehen Richtung Decke. Es dauert nicht lange bis der Sauerstoff im Raum wirklich knapp wird. Man muss gar nicht selbst rauchen, um seine Lungen mit Nikotin zu füllen. Frank hat seine Zigarre ebenfalls angezündet, aber noch immer sitzt er bei Heiko. Ich kann gegen die aufsteigende Enttäuschung einfach nichts machen. Er weiß doch, dass ich gleich los muss und ich dachte …
Verdammt! Ich schnappe mir mein Geschirr und bringe es in die Küche. Auf ein Gespräch mit Peter habe ich auch keine Lust mehr.
In der Küche steht Micha und sieht mich grinsend an.
„Hey, wieso machst du denn so ein grimmiges Gesicht? Eigentlich müsste ich doch derjenige sein, der sauer ist.“
„Ich weiß nicht, was du meinst!“, brumme ich und stelle meine Tasse in den Geschirrspüler.
„Ach Anton! Du und deine Geheimniskrämerei. Ich dachte, ich bin dein Freund. Wo genau liegt denn dein Problem? Wie lange kannst du dich denn schon wieder erinnern und hast mir nichts von ihm erzählt?“
Ich sehe ihn an und Micha sieht wirklich ein wenig enttäuscht aus. Seufzend zucke ich mit den Schultern. „Du hast von einem Lederdaddy geredet … und von schlechtem Sex, den man vergisst … ich weiß auch nicht …“
Micha schlingt die Arme um meinen Hals. „Du machst es immer viel zu kompliziert. Anscheinend ist der Sex ja nicht so schlecht gewesen … wenn du dich wieder erinnerst!“, sagt er lachend.
Ich nicke und werde erneut rot.
„Okay, für mich wäre er definitiv zu alt … Wir würden mit Sicherheit auch nicht zusammenpassen. Aber das bedeutet doch nicht, dass das für dich auch gilt. Und ich habe ihn beobachtet … er hat dich mit seinen Blicken ja förmlich ausgezogen. Anton, der Kerl fährt vollkommen auf dich ab und wenn ich dich so ansehe, dann scheint das auf Gegenseitigkeit zu beruhen … Das ist doch toll!“
Ich lehne mein Gesicht gegen seine Schulter. Es tut so gut, dass Micha diese Dinge sagt, aber die Zweifel und die Angst können sie trotzdem nicht so richtig vertreiben.
„Höre auf, ständig an David zu denken. Er war ein mieses Arschloch und hatte dich nicht verdient. Ich glaube nicht, dass Frank so ist.“
„Woher willst du das wissen?“, flüstere ich und warte gebannt auf eine Antwort.
„Weil ...“, haucht mir eine Stimme ins Ohr, während gleichzeitig zwei starke Arme mich von Micha wegziehen. Frank steht vor mir und sieht mich eindringlich an.
„Weil ich dich niemals absichtlich verletzten würde.“ Seine Hände umfassen mein Gesicht. Er lächelt. Sehnsüchtig starre ich auf seine Lippen. Mein Herz pocht wie wild in meinem Brustkorb, ein angenehm kribbliges Gefühl steigt in mir auf. Noch ehe ich etwas sagen kann, liegen seine Lippen auf meinen, dringt seine Zunge in meinen Mund. Er schmeckt nach Rauch, aber es macht mich total an.


Kommentare:

  1. ............. hachja der nikolaus verschenkt zigarren ............ das ist aber sehr ungesund ....... lol .hat dich ein bissel der der mütterliche vorweihnachtsstress erobert ,liebe kath ? naja wie auch immer das warten hat sich wie immer gelohnt . freue mich wenns weitergeht und am 27 und 28 dezember kann man doch auch noch ein türchen lesen .........., da sind die schokokalender doch alle ,also mach dir keinen stress .....
    lg kerstin

    AntwortenLöschen
  2. HI, wie schön es geht weiter!!!
    Ach Anton ist eifersüchtig, mmh das kann ich verstehen, Frank unterhält sich mit jedem nur nicht mit Anton. Tja aber zum schluss ist alles gut. Genau soetwas brauchte ich heute um gut durch den Tag zu kommen.
    Vielen Dank
    lg renke

    AntwortenLöschen
  3. Hey kath,

    dass es enormer Stress wird, einen solchen Kalender von Tag zu Tag zu schreiben, hätte ich dir aus eigener leidvoller Erfahrung erzählen können. Ich war froh, nur noch drei Türchen am 1.12. zu haben und bin gerade vorgestern damit fertig geworden.

    Anton ist eifersüchtig. Aber er sollte sich daran gewöhnen, dass auch Zusammensein nicht bedeutet, auf einer Party die ganze Zeit zusammen zu verbringen. Ich habe meinen Mann auf Feten meist beim Kommen und beim Gehen gesehen. Musste ich mich auch dran gewöhnen, dann war das aber okay. So kann jeder mit denen quatschen, mit denen er reden will und am Ende geht man wieder gemeinsam.

    Ich finde die Verzögerung im Grunde auch nicht schlimm, denn der Entzug nach 24 Tagen täglichen Zuckerschocks ist dann nicht so abrupt.

    LG
    Martina

    AntwortenLöschen
  4. Ich stimme Kerstin zu. Es ist nicht schlimm, wenn der Kalender ein bisschen länger geht als bis zum 24., weil du etwas im Weihnachtsstress bist.
    Na der Stammtisch läuft doch richtig gut. Irgendwie logisch, dass Frank und ein paar von den anderen sich kennen. Da Anton schon eifersüchtig wird, ist wohl klar, wie viel er schon für Frank empfindet.

    AntwortenLöschen
  5. Du hast mir den Tag versüßt. Ein neues Kapitel *freu*. Aber mach dir keinen Stress, wir lesen auch nach Weihnachten noch garantiert gern an dieser wunderschönen Geschichte. Ich hoffe, Frank kann Anton von sich überzeugen. Und Antons Eifersucht hat mir auch gut gefallen. Was sitzt Frank auch so lange bei anderen Männern? Aber die beiden wissen bestimmt bald ganz genau, zu wem sie gehören.....wenn sie es nicht schon wissen.....

    Liebe Grüße
    Petra

    AntwortenLöschen
  6. Kämpfe gegen die Zeit werden aber immer von der Zeit gewonnen. ich weiß das. Bei mir ist der Tag auch immer schon zu Ende obwohl erst die Hälfte der Sachen abgehakt ist. Und Weihnachten ist a auch erst am 25.! Also kein Streß!

    Das Kapitel war wieder echt schön und ich weiß ich bin traurig weils bald zu Ende ist.

    lg Siggi

    AntwortenLöschen
  7. Oha, da ist Anton auch gleich eifersüchtig ... ;)

    Die Szene in der Küche war schööööööön

    LG Nir77tak (in Weihnachtshektik)

    AntwortenLöschen