Sonntag, 18. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

 Ich wünsche euch einen schönen vierten Advent!
Unglaublich, wie die Zeit dahinrast ... Heute in einer Woche ist Weihnachten schon fast wieder vorbei! *gg* Der Adventskalender leergefegt und ich ... habe es hoffentlich geschafft, die beiden in eine glückliche Zukunft zu entlassen. Aber so weit sind wir ja noch nicht.
Hier kommt erst einmal Teil eins vom gemeinsamen Brunch!


Zehn Minuten zu spät stehen wir vor dem kleinen Café. Leise Weihnachtsmusik dringt nach draußen, auch ein paar gedämpfte Stimmen kann ich vernehmen. Allerdings könnte ich sie niemanden zuordnen. Durch die kleinen Butzenfenster kann man nicht ins Innere des Hauses gucken. Peter hat jedes Fenster mit Sternen dekoriert. Das kleine Fachwerkhaus sieht aus, als wenn es direkt aus Grimms Märchenbuch heraus geholt wurden wäre. Peter hat es vor Jahren gekauft, liebevoll restauriert und im Erdgeschoss ein Café eingerichtet. Kurz nach der Eröffnung kam uns die Idee mit dem Stammtisch und es war klar, dass wir uns hier treffen würden. Das hat sich in all den Jahren nicht verändert. Irgendwann ist auch der Sonntagsbrunch dazu gekommen.
Mein Puls rast, das Herz will mir nahezu aus meiner Brust springen. Ich zittere ein wenig und ich bin mir sicher, dass es nicht an der Kälte liegt. Denn eigentlich ist mir ziemlich warm, nein mir ist regelrecht heiß. Ich verbrenne … vor Anspannung und Nervosität. Mein Gesicht glüht.
Mein Fluchtinstinkt versucht mich dazu zu bewegen, weiter zu gehen. Weg von dieser Tür, weg von den Leuten, die dort drin sind, aber auch … weg von ihm …
Als wenn Frank meine Gedanken lesen könnte, schnappt er nach meiner Hand.
„Bereit?“, fragt er grinsend.
Ich sehe ihn an, versuche zu nicken, aber so richtig kann sich mein Kopf mal wieder nicht entscheiden. Franks Grinsen wird noch eine Spur breiter, dann zieht er mich an sich heran.
„Wovor hast du eigentlich solche Angst? Werden deine Freunde uns gleich in Stücke zerreißen oder liegt es an … uns? Willst du doch nicht?“ Am Ende ist seine Stimme ganz leise geworden und sein Blick ruht schwer auf mir. Ich senke den Kopf, betrachte seinen schwarzen Mantel.
Ja, wovor habe ich eigentlich solche Angst? Vor den anderen? Vor dem, was Micha sagen könnte, wie er reagieren wird? Wenn ich es bejahen würde, wäre es nur ein Teil der Wahrheit. Das ist nur eine oberflächliche Sorge … Natürlich will ich nicht unbedingt Mittelpunkt eines heftigen Gelästers werden … aber auch Heiko hat es überlebt und der Unterschied zwischen ihm und Falk ist wirklich krass. Und gelästert wird immer … als Jenny von mir schwanger wurde, ging auch die Post ab. Nein, das stört mich … gar nicht so sehr und Micha … wird schon damit klar kommen.
Ich stehe mir selbst im Weg … es sind meine Ängste … David steckt mir immer noch in den Knochen. All diese vielen Eindrücke in den letzten Tagen, diese Anziehungskraft zwischen uns, die unleugbaren Gefühle, haben die alten Wunden wieder aufgerissen. Ich weiß nicht, ob ich das kann, ob ich mich wirklich auf jemand wieder einlassen will.
Frank seufzt leise, entfernt sich ein Stück von mir.
„Nein“, hallt sofort meine innere Stimme. Nein, er soll nicht weggehen. Ich packe seinen Mantel, ziehe ihn wieder zurück zu mir. Ich hebe den Kopf und lächele ihn entschuldigend an.
„Habe ein wenig Geduld mit mir!“, flüstere ich und noch ehe er etwas darauf erwidern kann, verschließe ich seinen Mund.
„Okay … aber verrätst du mir, gegen welche Dämonen ich ankämpfen muss? Und werde ich ihnen jetzt und hier zufällig begegnen?“
Ich schüttle den Kopf. „Höchstens ein paar dämonisch grinsenden Leuten.“ Frank fängt an zu lachen. Gott, ich bin verrückt nach diesem Lachen, nach seinem Gesicht, dass mich dermaßen anstrahlt, dass sich meine Gedanken gleich in ganz andere Gefilde zurückziehen. Zurück auf mein Sofa oder noch besser in mein Bett, zusammen mit dem Kuchen, den er mitgebracht hatte. Ein Schokokuchen, mit höllisch viel Schokolade und wenn ich höllisch sage, dann meine ich das auch so, denn in der Schokolade war Chili drin und ich glaube, er war da etwas großzügig. Die Hitze, die sich bereits nach dem ersten Bissen in uns breit machte, die kam nicht davon, dass wir so heiß aufeinander waren …
„Wenn wir noch länger hier draußen stehen, dann erfriere ich!“, brummt Frank und holt mich vom Sofa wieder runter … weg vom scharfen Kuchen, den wir natürlich nicht mitgenommen haben. Ich hatte gestern Abend noch Quarkplätzchen gebacken … die gehen ganz schnell und sind saulecker. Ausnahmsweise nichts Süßes, denn die werden mit einer Mischung aus Frischkäse und Kräuterquark gebacken … mit viel Knoblauch.
„Du hast Recht. Lass uns hineingehen!“, antworte ich und versuche so selbstsicher zu sein, wie nur möglich. Ich schnappe nach seiner Hand und öffne mit der anderen die Tür, was nicht so leicht ist, denn die Schüssel mit den Quarkplätzchen behindert mich ein wenig. Frank kommt mir zu Hilfe und schon stehen wir in dem kleine Flur. Wir hängen unsere Jacken an die übervolle Garderobe.
Die Musik, die wir bereits auf der Straße gehört haben, wird nun von einem fröhlichen Stimmengewirr übertönt. Ich atme tief durch und gehe voraus.
Franks Hand ist immer noch in meiner. Kurz räuspere ich mich, als wir vor der langen Tafel stehen, dann rufe ich laut: „Hallo und einen schönen guten Morgen!“
Etliche Augenpaare sind auf uns gerichtet. Es ist Micha, der zuerst reagiert. „Anton! Du bist zu spät … und nicht allein!“, brummt er und kommt auf mich zu. Erst kurz vor mir scheint er Frank zu erkennen und sieht mich fragend an. Ich zucke mit den Schultern.
„Micha, das ist Frank...“ Ehe ich noch zu einer weiteren Erklärung ansetzen kann, grinst Micha schon von einem zum anderen Ohr und hält Frank seine Hand hin.
„Wir kennen uns doch!“, lacht er.
„Ja, ich denke auch!“, erwidert Frank ebenso lachend.
Dann umarmt mich Micha. „Du kannst dich also nicht mehr erinnern?“, mosert er mir ins Ohr.
„Zuerst nicht, aber … dann schon!“, flüstere ich.
„Ich will alles wissen!“
„Aber nicht jetzt!“, wende ich ein und löse mich aus seiner Umarmung. Micha nickt und wir wenden uns den anderen zu, die dieses Schauspiel anscheinend mit großem Interesse verfolgt haben. Die Runde ist groß, nicht alle kenne ich. Einige sind recht jung. Möglicherweise Freunde von Falk.
Wir klopfen einfach auf den Tisch und werden mit einem großen „Hallo“ zurück gegrüßt.
„Das ist Frank, mein ...“, ich atme tief durch, sehe Micha dabei an. Er lächelt und es ist wie … wie eine Art Einverständnis. Nicht, dass es nötig wäre, aber es macht mich noch eine Spur sicherer … irgendwie.
„Also!“, fange ich noch einmal an. Ich sehe im Augenwinkel, wie Frank grinst und seinen Arm um mich legt. Seine Hand streichelt ganz leicht meine Schulter.
„Das ist mein Freund Frank. Ich dachte, ich bringe ihn mal mit zum Brunch!“, sage ich schnell und kann nicht verhindern, dass sich meine Wangen rot färben.

Kommentare:

  1. Na siehst du, Anton, so schlimm ist es doch gar nicht! Und Frank scheint mir durchaus in der Lage zu sein, auch eine lästige Fragerunde souverän zu meistern. Eine Gruppe neugieriger Kerle kann nicht schlimmer sein als eine Schulklasse mit quengelnden Grundschülern.

    Schönen 4.Advent!
    Martina

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  2. Na, das war doch gar nicht so schlimm Anton! Micha hätte ich echt knuddeln können, so süß wie er Anton unterstützt hat und Frank dafür, dass er so viel libevolle Geduld für Anton aufbringt.
    Hach, es ist einfach eine richtig schöne Weihnachtsgeschichte, so richtig was fürs Herz.

    lg misha

    P.S. Die Quarkplätzchen hören sich total lecker an. Veröffentlichst du vielleicht mal das Rezept dafür?

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  3. Der Brunch scheint ja bei Weitem nicht so schlimm zu werden, wie Anton es befürchtet hat.
    Zum ersten Mal steht er auch ganz öffentlich zu Frank und hat ihn als seinen Freund vorgestellt.
    Es geht aufwärts mit ihnen.

    Ich wünsche dir und deiner Familie ebenfalls einen schönen vierten Advent.

    LG, Piccolo

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  4. Gut, dass sie mal drüber geredet haben, dass da noch ein ein kleiner Misstrauenens-Dämon in einer Ecke von Antons Gefühlswelt lauert. Dann kann Frank Antons manchmal ablehnendes Verhalten vielleicht besser einordnen.
    liebe Grüsse
    tina

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  5. Schöööön! Muss grade furchtbar breit grinsen. Ich freue mich so für die Beiden.

    lg und auch Dir einen schönen 4. Advent

    Denise

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  6. "Mein Freund" - juhuuuuuuuuuuu ;)

    Da wird sich einer aber noch Michas Fragen stellen müssen :D selbst schuld

    und den Dämon - kriegen sie schon gemeinsam platt
    LG Nir77tak

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  7. Na bitte, geht doch... Wie heißt das weltweit gültige Motto: It gets better :) aber ich muss meiner anonymen Vorschreiberin recht geben: Wo ist das Rezept? Plätzchen mit Knobi??? Haben will!

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  8. ............ ich komme grade hungrig von der arbeit ............ lol .ich arbeite ja schließlich in einer gaststätte da gibt es nichts zu essen (hahahahaha) und du erzählst mir was von herzhaften plätzchen .......... HUNGER .
    achso vor lauter hunger fast vergessen
    Hachja ............ ich freue mich auf morgen
    lg kerstin

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  9. ... und schon hast du mir den Abend versüßt :)
    Ich habe ürigens auch Interesse an dem besagten Rezept;)
    lg Juli

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  10. Mir gefällt die advents_Story sehr gut! Bin süchtig danach und auf entzug, im Moment, denn.....es geht nicht weiter....! *schürzt die Lippen trotzig* :-)
    Im Ernst, bin sehr, sehr gespannt, wie's weitergeht...! Ich mag die beiden und auch Bruno und Jenny, Micha....ein nettes Grüppchen Leute...!!! :-)))
    xo

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  11. Nicht zu vergessen, natürlich auch 'ne suuuper Story!
    Ach, und das Design der seite UND die Schriftart gefällt mir auch sehr!

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