Donnerstag, 15. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Regelmäßig, aber immer noch einen Tag hinter her ... Und nun nicht nur einen Tag, sondern jetzt kommt das typische Karo Stein Problem ... ich werde zu ausführlich und kriege nicht mehr alles in das Kapitel hinein, was da eigentlich hinein sollte. Ich weiß schon, die Kapitel könnten ruhig länger werden ... aber dann wird das mit dem Schreiben schwierig ...
Ach Gott, was für Probleme *gg* 
Irgendwie wird das schon mit einem Happy End am 24. Dezember klappen ...
Aber erst einmal wünsche ich euch viel Spaß mit dem folgenden Kapitel und ich gebe hiermit eine kleine Cliff-Warnung heraus.
Natürlich gilt mein ganz besonderer Dank wieder allen Kommentarschreibern und auch den stillen Lesern. Ich sehe ja ab und an mal auf die Statistiken und freue mich, dass mein Blog so gut besucht ist!


„Geschafft!“, murmle ich müde und schließe die Tür hinter uns zu. Der Strom der Touristen hat deutlich nachgelassen, denn die Höfe und Geschäfte sind geschlossen. Nur die Buden auf dem Weihnachtsmarkt haben noch auf und dorthin zieht es nun alle.
Obwohl ich das Gefühl habe, gleich im Stehen einschlafen zu können, bin ich irgendwie auch aufgekratzt. Das liegt mit Sicherheit an dem kleinen Zettel, der in meiner Hosentasche steckt. Kurz bevor ich den PC heruntergefahren habe, habe ich mir noch Franks Telefonnummer aufgeschrieben. 
Den ganzen Tag ging mir sein kurzer Besuch nicht mehr aus dem Kopf. 
Die ganze Zeit habe ich ihn vor mir stehen sehen … mit diesem Lächeln, mit diesem verführerischen Blick, aber auch mit diesem Gefühl, dass der nächste Schritt von mir kommen sollte. 
Und das wird er, denn sobald ich zu Hause bin, werde ich ihn anrufen. Schon bei dem Gedanken fängt es in meinem Magen an zu kribbeln, werden meine Knie ganz weich …

„Das war doch ein ganz erfolgreicher Tag. Oder was sagst du?“, fragt Micha grinsend und reibt sich die Hände. Ich bin mir nicht sicher, ob er diese Geste wegen der Kälte oder wegen des guten Geschäfts macht, sie bringt mich jedoch zum Lachen. Er erinnert mich gerade irgendwie an Scrooge.
„Ja, es war ein guter Tag. Wenn es morgen auch so läuft ...“
„Apropos Morgen. Was ist nun mit dem Brunch?“, unterbricht er mich. Der Brunch … auf den habe ich immer noch keine Lust.
„Micha! Ich bin todmüde und alles, was ich will ist in mein Bett. Und so lange schlafen, wie es geht, bevor wir morgen erneut so viel Trubel haben werden. Ich verzichte wirklich auf den Brunch!“
„Du bist Teil der Community … und du solltest dir das hin und wieder mal bewusst machen. Es ist der letzten Brunch in diesem Jahr. An wie vielen hast du denn bisher teilgenommen?“ Micha klingt erstaunlich sauer. Ich sehe ihn sprachlos an. Was soll diese Ansprache denn? Okay, ich war in letzter Zeit wirklich selten da. Und das, obwohl ich einer der Initiatoren des Stammtisches vor gut 10 Jahren war. Wir leben in einer kleinen Stadt und ich fand es wichtig, dass auch hier Schwulen und Lesben eine Anlaufstelle haben. Mittlerweile habe ich das alles leider ziemlich vernachlässigt. Brunos Geburt hat mein Leben ganz schön durcheinander gewirbelt und die Tatsache, dass mich Jenny wirklich an seinem Leben teilnehmen lässt, ist zwar wunderbar, aber auch äußerst zeitraubend.
Zu der Weihnachtsfeier vor zwei Wochen musste mich Micha auch schon nötigen. Dabei waren dort wirklich viele gute Freunde. Allerdings hat mich diese Idee mit dem Brunch noch nie so richtig begeistert. Sonntagmorgen! Da will ich ausschlafen und möglichst viel gammeln. Meist schläft auch Bruno bei mir. Wir haben ja nicht so viel Zeit miteinander, schon gar nicht, seit er zur Schule geht.
Allerdings ist der Blick, mit dem mich Micha stumm mustert, auch nicht wirklich zu ertragen. Was soll's! Schlafen wird ohnehin überbewertet!
„Wann geht es denn los?“, seufze ich ergeben.
„Halb elf, wie immer!“, brummt er. Gott, er ist tatsächlich sauer. Ich verstehe nur nicht, warum er so ein Theater macht. Ich schiebe das jetzt mal darauf, dass er genau so erschöpft ist wie ich. Also sollte ich lieber schnell zusagen. Und je eher ich nach Hause komme, umso eher kann ich Frank anrufen.
„Halb elf!“, wiederhole ich gedankenverloren, „Dann kann ich ja gleich anschließend ins Geschäft fahren.“ Das „Großartig“ verkneife ich mir lieber …
„Ist das ein „Ja“? Und warum lächelst du dabei plötzlich so?“
Ich habe gelächelt? Oh, das liegt wohl weniger an den Brunch, als an meinen Gedanken, die schon längst zu Hause sind. Ich versuche möglichst teilnahmslos mit den Schultern zu zucken.
„Habe ich eine andere Wahl?“
„Nein, hast du nicht. Und es wird bestimmt toll. Max will sich als Nikolaus verkleiden.“ Jetzt scheint Micha wieder bessere Laune zu haben.
„Max? Als Nikolaus? Na von dem nehme ich ganz bestimmt keine Geschenke mehr an!“, brumme ich. Schon der Gedanke, dass da wieder irgendetwas drin sein könnte … Nein, danke. Ich werde so was ganz bestimmt nicht noch einmal probieren.
„Ach Quatsch. So was macht er doch nicht vormittags. Da sind doch schließlich auch Kinder dabei.“ Micha schüttelt den Kopf und prustet dann los. „Aber wenn ich es mir recht bedenke, so gelöst hat dich wahrscheinlich noch niemand gesehen … Echt erstaunlich, wie du sein kannst !“
„Na danke. Vielleicht überlege ich mir das mit dem Brunch doch noch mal!“
„Sei nicht beleidigt.“, sagt er und legt mir seinen Arm versöhnlich auf die Schulter. „Diesmal hat der Nikolaus bestimmt ein besseres Geschenk für dich!“
„Wieso eigentlich Nikolaus? Ist der nicht ein wenig spät dran?“
„Max hat sich das Kostüm aus dem Theaterfundus geholt. Er findet den Bischofsstab so toll!“ Wir grinsen uns an.
„Und Andi ist bestimmt auch ganz beeindruckt … vom Bischofsstab!“ Micha nickt und dann können wir beide nicht mehr an uns halten. Wir fangen lauthals an zu lachen.
„Wusste gar nicht, dass er auf so alte Männer steht!“, feixt Micha und automatisch fängt mein Herz wieder an zu klopfen. Alte Männer … Scheiße, Frank ist nicht alt … er ist … perfekt. Ich sehe ihn in meinem Bett liegen, fühle seine Haut, seine Muskeln … sehe die Herzen … und sein Geschlecht … groß und tief in mir … Es war ein absolut irres Gefühl.
„Hey … träumst du auch von seinem Bischofsstab?“, flüstert mir Micha ins Ohr und ich weiche erschrocken von ihm weg.
„Was?“, frage ich und versuche möglichst unauffällig meine Hose zu richten. Die Bilder waren wohl nicht nur in meinem Kopf und nun ist es etwas beengt in meiner Hose.
„Ähm, nein. Der Nikolaus soll lieber bei Andy seinen Bischofstab einsetzen. Ich habe in dieser Richtung kein Verlangen. Aber ich gehe jetzt mal nach Hause. Wenn du willst, dass ich morgen zum Brunch komme, dann sollte ich vielleicht nicht vorher hier fest frieren.“ Der Wind ist echt ekelhaft kalt und findet anscheinend jede Lücke, um unter die Klamotten zu kriechen. Ich habe eine Gänsehaut und fange an, zu zittern.
„Ja, mir ist auch kalt. Also, wir sehen uns morgen. Soll ich dich abholen?“
„Willst du sicher gehen, dass ich auch erscheine?“, grummle ich empört. Micha umarmt mich, haucht mir einen Kuss auf die Wange und verschwindet dann lachend.
„Bis morgen! Bring was Schönes zu essen mit.“ 

Wo soll ich denn jetzt noch etwas zu Essen her kriegen? Kopfschüttelnd gehe ich in die entgegengesetzte Richtung. Bereits mit dem ersten Schritt spüre ich eine eigenartige Erregung in mir aufsteigen. Jegliche Gedanken an den Brunch verschwinden. Ich kann nur noch daran denken, möglichst schnell nach Hause zu kommen. Zum Glück steht mein Auto nicht so weit entfernt.
Ich steige ein, starte den Motor und sehe das leichte Zittern meiner Hände am Lenkrad. Der Weg bis zu meiner Wohnung ist nicht weit. Wenn ich nicht so faul wäre, könnte ich auch locker laufen. Aber ich liebe mein Auto und ich habe viel zu selten Gelegenheit, wirklich lange Strecken zu fahren. Da nutze ich einfach jeden Meter, der sich mir bietet.
Zu Hause angekommen verstärkt sich meine Nervosität noch weiter. Ich habe das Gefühl, dass der kleine Zettel mir ein Loch in meine Hosentasche brennt. Am liebsten würde ich sofort den Hörer in die Hand nehmen. Trotzdem gehe ich zuerst in die Küche, gieße mir ein Glas Wasser ein. Ich trinke mit großen Schlucken, aber es ändert nichts daran, dass mein Herz anfängt zu rasen, dass meine Hände feucht werden. Ungeduldig nehme ich den Zettel heraus, starre die Zahlen an. Vielleicht sollte ich ihn doch nicht anrufen. Vielleicht sollte ich doch warten, bis das Buch angekommen ist … Was soll ich überhaupt sagen?
Meine Beine haben mich anscheinend ganz von allein zum Telefon gebracht. Während ich noch immer zweifele, entwickeln auch meine Arme ein Eigenleben. Plötzlich habe ich den Hörer in der Hand, tippe die Nummer ein und halte erwartungsvoll die Luft an ...

Kommentare:

  1. soso frau cliff ......... ,naja morgen gehts ja schon weiter und wir müssen keine ganze woche warten ............, schönes kapitel wieder freue mich auf morgen ........ hachja
    lg kerstin

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  2. Genau, jetzt ist es an Anton einen Schritt auf Frank zu zugehen.
    Vielleicht hat er ja Glück und Frank kommt auch zum Brunch.

    LG, Piccolo

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  3. Habe ich dir schon gesagt, dass ich Cliffs hasse? Noch mehr, wenn sie sogar angekündigt werden, weil ich dann schon beim Lesen ständig darauf warte.

    Ansonsten ist es gut, wenn Anton den ersten Schritt macht. Und der Brunch wird sicher nur halb so schlimm, wenn er Frank gleich überredet mitzukommen.

    LG
    Martina

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  4. bei meinem glück ging jetzt mein Handteil aus. Was mich dazu bringt mit dem Herrn des Hauses (haha) über neue Telefone zu reden.

    Das Frank aber jetzt doch so einfach aufgetaucht ist... Mach was draus Anton.

    Und du Karo: Wenn du nen Tag mehr oder weniger brauchst... ist doch egal... das ist dann die Kirche Schuld, die einfach keine Rücksicht auf deine Geschichten genommen hat. Damals! :)

    Bis morgen! Siggi

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  5. ZUr Not gibts das Happy End eben erst am 25. oder Silvester ;) macht ja nix - ich lese hier gerne mit ;)

    Blöder Cliff, grad wos spannend wird :(

    Warte gespannt auf morgen

    Nir77tak

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  6. Sehr schön :) Und wer sagt, dass man für den 25. und 26. Dezember keine Türchen braucht??

    LG Juli

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  7. Hallo Kath,

    ein schönes Kapitel wie die letzten beiden Kalendertürchen auch. Von Anton muß jetzt wirklich die Initiative ausgehen und ich denke, daß Frank die Sache zwischen ihnen ja auch noch nicht abgehakt hat. Und Antons Bemerkung als er Frank das Marzipanherz gegeben hat, hat auch einges ausgesagt. Nun bin ich aber gespannt wie Frank reagieren wird, wenn er Anton am Telephon hat. Und Micha wird sicher auch nicht so leicht locker lassen und wissen wollen was bei Anton nun Sache ist und woran es liegt, daß dieser zur Zeit nicht so gut aussieht.
    Ich schließe mich auch in dem Punkt meinen Vorrednern bzw. Schreibern an, daß es nichts ausmacht, wenn die Geschichte über den 24.12. hinaus geht. So haben wir etwas länger an dieser schönen Geschichte zu lesen. :o) So nun wünsche ich Dir ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein gesunder neues Jahr. Bis bald und liebe Grüße

    -KW-

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