Mittwoch, 14. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück


Mit einem kranken Kind sind die Prioritäten etwas verschoben ... aber ich denke, ich werde den Rückstand schon noch aufholen.;-)
Sollte sich jemand gewundert haben, dass ich für das neue Buch des FWZ- Verlages "Winterliebe 5 andere Lovestorys" noch keine Werbung gemacht  habe ... dann hole ich das hiermit nach. Aber ich mache das diesmal auf eine ganz besondere Art ... also lest das folgende Kapitel!
Wie immer an dieser Stelle: Vielen Dank für eure tollen Kommentare!


Nachdem ich die letzten zwei Tage überwiegend grübelnd verbracht habe, ist jetzt zum Glück keine Zeit mehr dazu. Das Nachdenken war ebenso frustrierend, wie das Starren auf die Wohnungstür, die blöde Hoffnung, dass er vielleicht doch noch einmal erscheinen würde, oder und das war überhaupt der blödeste Gedanke: Jedes Mal, wenn Bruno aus der Schule kam, hoffte ich irgendwie, dass er eine Nachricht für mich hätte. Dabei wusste ich genau, dass es nicht der Fall sein würde und trotzdem … Ich habe meinem Sohn womöglich noch nie so genau zugehört. Habe noch nie so darauf gewartet, dass er mir irgendetwas von seinem Lehrer erzählt und nur mit Mühe konnte ich mich zurückhalten, sonst hätte ich Bruno gefragt, ob er vielleicht Nachricht für mich hat. Für einen Moment habe ich sogar darüber nachgedacht Jenny zu fragen, ob sie nicht die Telefonnummer von Frank kennt. Aber dann hätte ich ihr das alles erklären müssen und … ich will mich ihrem Verhör einfach noch nicht stellen. Ich bin schon erstaunt, dass sie mich noch nicht auf den Abend angesprochen hat. Erstaunt, aber vor allem froh.
Wenn nicht so viel im Geschäft zu tun gewesen wäre, hätte ich Bruno vielleicht von der Schule abgeholt … Wem mache ich hier eigentlich etwas vor? Natürlich hätte ich die Zeit gehabt, um Bruno abzuholen … ich habe mich einfach nicht getraut. Und was hätte ich ihm sagen sollen? Es wäre doch vollkommen sinnlos gewesen und ich … quäle mich hier meisterhaft mit sinnlosen Gedanken, obwohl ich heute all meine Kraft und Energie brauchen werde.
Jeder Gedanke an Frank lässt mein Herz höher schlagen, schickt mir ein erregendes Kribbeln durch den Körper. Ich habe letzte Nacht sogar von ihm geträumt. Es fühlte sich so echt an, dass ich erschrocken aufwachte und tatsächlich einen Moment lang dachte, er wäre da … War er natürlich nicht!
Ich habe ständig das Gefühl etwas verloren zu haben, dass ich eigentlich noch gar nicht besaß … und nun beginne ich es zu vermissen. Dabei ist es doch ganz leicht, etwas gegen den Verlust zu unternehmen … aber ich ... habe keine Zeit darüber nachzudenken.

Schon seit dem frühen Morgen sind die Straßen brechend voll. Autos und Busse drängen von überall her in die Stadt. Auf der Suche nach den, wie in jedem Jahr, zu wenigen Parkplätzen verstopfen sie die Innenstadt. Durch die engen Gassen drängeln sich schon jetzt die Touristen, obwohl der Weihnachtsmarkt und die Höfe erst in ein paar Stunden öffnen.
Anscheinend wird diese Zeit für Stadtführungen genutzt und so herrscht auf dem Weg zum Schloss ein reges Treiben. Massenweise strömen die Leute am Geschäft vorbei, bleiben an den Schaufenstern stehen und ich weiß, wenn wir in einer halben Stunde öffnen, werden wir kaum noch Zeit zum Durchatmen finden.
„Hier ist der Karton mit den Marzipanherzen!“, ruft mir Micha von hinten zu. „Wir haben noch drei Stück davon!“
„Lege ein paar von den Herzen neben die Kasse, den Rest schiebst du einfach unter den Tisch. So wie immer!“, erwidere ich und versuche meine Gedanken an Frank zu vertreiben. Die Marzipanherzen bestellen wir jedes Jahr. Unser Weihnachtsgeschenk an die Kunden und na ja … ich liebe Marzipan.
„Mein Herz für Dich!“, sagt Micha theatralisch und schiebt mir ein Marzipanherz über den Schreibtisch.
„Die süßen Dinger!“, brumme ich, nehme es aber trotzdem, packe es aus und lasse es in meinem Mund verschwinden. Bitterschokolade und der süße Geschmack nach Mandeln … Gott, dafür könnte ich echt sterben. So wie für all das andere süße Weihnachtszeug auch. Na ja, zur Stolle habe ich mittlerweile ein eher gespaltenes Verhältnis …
„Das wird ein anstrengender Tag werden. Geht es dir gut?“, fragt Micha und mustert mich intensiv. Diesen Blick habe ich in den letzten Tagen des öfteren bei ihm bemerkt. Er sieht mich an, sagt aber nichts. Allerdings weiß ich, dass das nicht mehr lange so bleiben wird. Früher oder später wird er sich nicht mehr mit einem „Habe schlecht geschlafen“ abspeisen lassen.
„Anton Schreiber! Ich fange an, mir Sorgen zu machen. Was ist mit dir los? Machst du dir immer noch Gedanken wegen deinem kleinen Blackout? Ich meine, so tragisch ist das doch nicht gewesen. So etwas passiert jedem früher oder später mal … Also, kein Grund sich fertig zu machen und dir ist ja anscheinend auch nichts passiert. Du bist gesund und munter und wie gesagt, wenn man sich an den Typen nicht mehr erinnern kann, dann war der Sex auch nichts Besonders!“ Er lacht und legt mir noch ein zweites Herz hin. Das ist ja genau das Problem! Ich kann mich erinnern und es war etwas Besonderes … und jetzt sitze ich hier und weiß nicht was ich machen soll … Frustriert schiebe ich mir das Herz in den Mund.
„Mir geht es gut!“, erwidere ich kauend und senke den Blick. „Ist eben einfach eine stressige Zeit ...“
„Weihnachten ist immer eine stressige Zeit.“, erwidert er und sieht auf die Uhr. „Du hast Glück, das wir gleich öffnen. Aber ich kriege schon noch heraus, was mit dir los ist!“ Micha steht auf und ich sehe ihm hinterher. Ich weiß selbst nicht, was mit mir los ist und das macht mich wirklich verrückt.
Seufzend stehe ich ebenfalls auf und gehe nach vorn.

Die Stunden vergehen wie im Flug. Der erwartete Ansturm ist eingetreten. Die Menschen geben sich die Klinke in die Hand. Die Bücher wechseln den Besitzer so schnell, dass ich kaum hinterher komme. Wie immer sind es die Bestseller, aber auch viel regionale Literatur. Wenn man schon mal hier war, dann will man sich auch etwas besonderes von diesem Ort mitnehmen. Die Auswahl ist wirklich gut … Vom Stadtplan bis zum Krimi, vom Kinderbuch bis zum Museumsführer ist alles vorhanden, was das Touristenherz begehrt.
Die kleine Glocke über der Tür bimmelt ununterbrochen, aber jetzt spüre ich ein merkwürdiges Kribbeln in meinem Körper. Erstaunt sehe ich auf und … da steht er. Mitten im Getümmel. Er sieht sich um. Für einen Augenblick scheint mein Herz stehen zu bleiben. Frank sieht so verdammt gut aus. Er überragt die meisten Leute hier drin. Mein Herz rast davon und ich kann mich gar nicht mehr konzentrieren. Noch ehe er mich entdeckt, entwickeln meine Hände ein Eigenleben. Ich schnappe mir einen kleinen Zettel, schreibe meine Telefonnummer darauf und rolle den Zettel zusammen. Meine Hände zittern, als ich einen schmalen Streifen Klebeband abreiße. Ich nehme eines der Marzipanherzen und klebe die kleine Rolle darunter. Ich weiß, dass ich keine Zeit für ein Gespräch haben werde und ich bin mir sicher, dass Frank auch nicht hier im Geschäft über mich herfallen wird …
„Hey Anton!“ Eine tiefe sonore Stimme reißt mich aus meinen Gedanken und mir schießt sofort das Blut in die Wangen, noch ehe ich nach oben schaue.
„Hallo!“, hauche ich und versuche ihn anzusehen. Er lächelt, aber seine Augen sehen mich ernst an. „Ich würde gern ein Buch bestellen. Ich weiß, dass gerade ziemlich viel los ist, aber ich … hätte es gern bis Weihnachten und war gerade in der Nähe.“
Grinsend sehe ich ihn an und diesmal ist er es, der ein wenig Farbe aufzieht. Das er gerade in der Nähe war, ist eine glatte Lüge … kein Einheimischer geht an diesem Wochenende in die Stadt, außer er hat Besuch und ein Buch kann er überall bestellen … es gibt allein bei uns drei Buchläden … viel günstiger gelegen als dieser hier.
„Okay, dann sag mal den Titel des Buches.“ Ich öffne das entsprechende Programm am Computer und winke Micha zu mir an die Kasse. Eine kleine Schlange hat sich bereits hinter Frank gebildet und die Leute sollen ja nicht unnötig warten.
Winterliebe heißt es glaube ich“, flüstert er und ich hebe erstaunt den Kopf. Warum sagt er es denn so leise. Ich tippe den Namen ein und es dauert eine ganze Weile, bis auf meinem Bildschirm entsprechende Ergebnisse kommen.
Winterliebe, Fünf andere Lovestorys?“, frage ich. Als ich ihn ansehe, formt sich sein Mund gerade zu einem Lächeln. Ich starre auf seine Lippen, die so schön geschwungen sind, würde sie gern auf meinen fühlen …
„Ja, das meine ich. Kannst du es mir bestellen?“
„Klar. Ich mache die Bestellung fertig.“ Dann überlege ich eine Weile, starre den Monitor an.
„Soll ich dich anrufen, wenn es da ist?“, frage ich und halte den Atem an.
„Das wäre ganz toll!“, erwidert er und ich weiß nicht genau, ob ich es mir nur einbilde, aber seine Stimme hat so einen erotischen Tonfall angenommen.
„Okay!“ Unsere Blicke treffen sich und das Kribbeln in meinem Inneren verstärkt sich wieder. Frank nennt mir die Nummer und ich tippe sie in den Computer. Seine Nummer … ich habe seine Nummer … Für einen Moment sind die vielen Leute um uns herum verschwunden. Ich fühle seine Nähe. Hitze macht sich in mir breit. Gott, ich würde ihn so gern küssen …
„Ich … ähm … sollte besser gehen. Es ist ziemlich voll und na ja. Ich will dich nicht länger von deiner Arbeit abhalten.“
Unbewusst nicke ich und Frank dreht sich um.
„Warte!“, rufe ich ihm hinterher und halte ihm das präparierte Herz hin. „Hier, weil Weihnachten ist!“; murmle ich. Frank nimmt es. Für einen kleinen Augenblick berühren sich unsere Hände und ich würde am liebsten leise seufzen. Aber natürlich reiße ich mich zusammen.
„Nimm es ...“, ich räuspere mich und sehe ihn an. „Nimm es bitte als Dekoration für den Kuchen ...“

Kommentare:

  1. Hach einfach schön. Wie du den armen Anton langsam aber sicher sich immer mehr seiner Gefühle bewußt werden läst dabei qält er sich auch ein bischen ;) und der Moment wo Frank im Laden auf taucht. seufzt
    ein wunderschönes Kapitel.
    seufzt ich freu mich schon auf den nächsten Teil.
    Ich muß zugeben dein Adventskalender hat Suchtpotential.
    lg Zwackl

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  2. Die Idee mit der Werbung war witzig - zwei Fliegen mit einer Klappe.

    Bin gespannt ob der gute Frank jetzt noch einen echten Kuchen backen muss, um den virtuellen beim Verzehr zu unterstützen.

    LG
    Martina

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  3. Warum ist mein halber Kommentar weg?

    Zum Glück hat Frank die Initiative ergriffen, Anton hätte wahrscheinlich noch ewig gezögert.

    LG
    Martina

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  4. Eine super Idee so Werbung für das Buch zu machen.
    Ich warte nur noch darauf, dass Amazon es listet, damit ich mich darauf stürzen kann^^
    Anton's Glück, dass gerade so viel los ist, ansonsten wäre Micha sicherlich nicht mehr zu halten gewesen, bis er alles aus ihm heraus gequetscht hätte.

    PS: Ich wünsche deinen Sohn gute Besserung!

    Ganz liebe Grüße
    Piccolo

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  5. Hach schön, sie nähern sich einanender wieder an.
    Anton hatte ja ganz schön an seinen Gefühlen zu knabbern. Und dann noch Michas Bemerkung über Sex, an den man sich nicht erinnern kann. Wenn der wüsste!
    lg misha

    P.S. Gute Besserung für den kranken Sohnemann!

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  6. Oh das war schön ♥ ... jetzt haben sie wenigstens schon mal Nummern ausgetauscht ;)

    LG Nir77tak

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  7. Der heutige Teil dieser tollen Geschichte hat mich richtig in Weihnachts- und Bücherlaune versetzt. So ein Bücherladen ist doch einfach nur schön. Alleine der Geruch der neuen Bücher. Herrlich. Deine Werbung war auch genial untergebracht. Und die aufkommende Zuneigung zwischen den Jungs.......da kommt eine richtig schöne, romantische Stimmung auf. Das passt wirklich einfach nur gut zu Weihnachten. Freue mich auf morgen.

    Liebe Grüße
    Petra

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  8. hachja von einem stressigen arbeitstag heimkommen und deine geschichte lesen ist ein bissel wie urlaub ...........
    vielen dank ............ und gute besserung an den sohnemann
    lg kerstin

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