Dienstag, 13. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Halbzeit! Ich weiß, ich hänge immer noch, aber ich hoffe, ich kann das gleich noch aufholen!
Ich freue mich, dass euch meine kleine Geschichte so gut gefällt!


„Was ist eigentlich mit der Lichterkette hier?“, fragt Micha. „Ich finde die so toll. Warum haben wir sie noch nicht aufgehangen?“
Es poltert und ich sehe von meinem Bildschirm auf. Micha wirft die Kellertür hinter sich zu, wedelt mit einer Hand den Staub vor seinem Gesicht weg und hat eine Lichterkette um den Hals geschlungen.
„Was hast du denn da unten gesucht?“
„Weiß auch nicht!“, erwidert er grinsend.“Die ganze Zeit habe ich schon das Gefühl, dass wir noch eine Weihnachtsdekoration vergessen haben. Und voilà hier ist sie. Die schöne Lichterkette mit den Lebkuchenmännchen.“ Er fängt an, begeistert durch das Büro zu tänzeln und hält mir die Kette unter die Nase.
„Haben wir nicht schon genug dekoriert?“, frage ich genervt. Ich habe schlechte Laune, die ganze Nacht kein Auge zu gemacht und für Lichterketten fehlt mir wirklich im Moment jegliche Geduld. Aber das schreckt Micha nicht ab. Seine Laune ist so gut, dass man es kaum ertragen kann.
„Ach, man kann doch nie genug dekorieren. Denk nur an all die Touristen, die wie ein Schwarm Heuschrecken am Wochenende über die Stadt fallen werden … Da müssen wir uns doch von der besten Seite präsentieren!“
„Das tun wir doch. Unsere Schaufenster sehen sehr weihnachtlich aus … hier drin riecht es nach Lebkuchen, nach Zimt und Koriander. Tannenzweige … alles da. Also räume das Ding doch einfach wieder zurück!“ Ich klinge so genervt, dass ich es selbst unheimlich finde und Micha sieht mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Ich hasse es, wenn er das macht und verschränke die Arme vor der Brust. Mein Blick ist starr auf ihn gerichtet.
„Los, bring sie wieder in den Keller!“
„Nö!“, mault er bockig. „Ich hänge die jetzt noch auf!“
„Hast du nichts Anderes zu tun?“ Eine Antwort darauf bekomme ich nicht mehr, denn Micha ist schon nach vorn in den Verkaufsraum verschwunden. Seufzend wende ich mich wieder meinem PC zu, Soll er sie doch aufhängen, solange er mich damit in Ruhe lässt.
Ich bin müde und unkonzentriert. Der gestrige Abend verlief … keine Ahnung, wie er verlief. Frank hat sich angezogen und ist gegangen. Und ich … hätte ihn aufhalten sollen und konnte es nicht. Erst als die Tür ins Schloss flog, bin ich aus meiner Starre erwacht. Aber da war es schon zu spät. Ich werde ihm ganz bestimmt nicht hinterher rennen. Und ich hätte auch nicht gewusst, was ich ihm sagen soll. In meinem Kopf kreisen die Gedanken, aber wenn es darum geht, sie einzufangen und auszusprechen, sind sie verschwunden … Dann kommt mir mein Gehirn leergefegt vor .Also habe ich ihn gehen lasse. Ich bin so ein verdammter Idiot und Feigling!
Alles, was er gesagt hat, klang ehrlich, jede Berührung fühlte sich so richtig an. Was hat mich nur so … verunsichert? Habe ich es jetzt versaut? Wahrscheinlich … und mein Schweigen hat ihn dazu gebracht, zu denken, dass ich nur meine Erinnerungen auffrischen wollte. Aber das stimmt nicht. Es war viel mehr als das … viel, viel mehr. Frank hat Recht … da ist ein verführerischer Kuchen zwischen uns … Er kommt mir jetzt schon so groß vor und wenn ich davon koste, dann werde ich mich haltlos verlieren.
Ich schlage die Hände vors Gesicht. Wieso passiert mir nur immer so etwas?. Sex kann einfach kein guter Start sein … Und wir haben erst ein wenig vom Rand genascht, noch können wir uns davon lossagen … Zuviel Kuchen ist eh ungesund. Dieser Kuchenvergleich geht mir schon die ganze Nacht nicht mehr aus dem Kopf.
„Träumst du schon wieder?“, unterbricht Micha meine wirren Gedanken. Ich sehe ihn fragend an.
„Hast du was gesagt?“
„Klar habe ich was gesagt. Zuerst einmal, die Lichterkette hängt!“
„Na, das ging ja schnell. Wo hast du die denn dran gezaubert?“, frage ich erstaunt.
„Schau es dir selbst an!“, brummt er und sieht mich erwartungsvoll an. Ich habe eh keine andere Chance, denn Micha wird nicht eher Ruhe geben. Also erhebe ich mich und folge ihm nach vorn. Ein paar Kunden stöbern zwischen den Büchern herum. Es ist um diese Zeit meist nicht viel los, aber das ist okay. Die Ruhe vor dem Sturm der kommenden Tage …
Die Lichterkette hängt über der Tür. Die Lebkuchenmännchen blinken freudig den Besuchern entgegen und ich kriege bereits nach zwei Minuten Kopfschmerzen davon. Jetzt weiß ich auch, wieso ich das Ding in den Keller verbannt hatte.
„Sieht super aus!“, murmle ich vor mich hin und verdrehe die Augen.
„Sag ich doch! Jetzt ist es perfekt hier!“
„Du hast ne Macke!“, nuschle ich und drehe mich um. Ich habe noch so viel zu tun. Die Arbeit sollte mich eigentlich ablenken, aber das tut sie leider nicht. Meinen Gedanken kreisen unablässig um Frank, um Kuchen und um diesen absolut genialen Sex … und … und das unglaubliche Gefühl hinterher. So dicht umschlungen, so vertraut … ja, irgendwie richtig kuschelig und nach mehr verlangend. Auch wenn ich es mir nicht eingestehen will, es war viel mehr als Sex. Ich fühlte mich mit ihm in mehr als einer Art verbunden …
Verdammt, ich muss meine Gedanken sofort wieder aus dem Schlafzimmer zurückholen !
Vielleicht sollte ich den Bürokram erst einmal lassen. Ich gehe wieder nach vorn. Vielleicht klappt es ja dort besser mit der Ablenkung. Micha ist gerade mit einem Kunden beschäftigt und ich schaue mich ein wenig um. Draußen ist es ziemlich windig. Die Leute gehen mit eingezogenen Köpfen und dick eingepackt auf der Straße. Was bin ich froh, dass es hier drin so schön warm ist.
Ich sortiere ein paar Bücher ordentlich ins Regal, richte die Bücher mit weihnachtlichem Inhalt aus und sehe, wie Micha den Kunden abkassiert. Dann sind wir beide allein.
„Gehst du am Sonntag zum Brunch vom Stammtisch?“, fragt er und kommt zu mir ans Regal.
„Ich glaube nicht. Und du?“
„Hmm, ich war schon lange nicht mehr da und es ist der letzte Stammtisch in diesem Jahr. Eigentlich sollten wir beide uns mal wieder sehen lassen!“
„Am Sonntag will ich ausschlafen, denn am Nachmittag müssen wir ja wieder öffnen … Da gehe ich bestimmt nicht noch zum Brunch!“, brumme ich. „Woher weißt du überhaupt, dass der Stammtisch am Sonntag stattfindet?“ Ich sehe Micha neugierig an und er verzieht sein Gesicht zu einem Grinsen.
„Ich habe gestern Abend Heiko getroffen … Heiko und sein Baby … Hand in Hand sind sie über den Weihnachtsmarkt gegangen!“, prustet er los.
„Sei doch nicht so fies!“, fahr ich ihn an.
„Was heißt hier fies. Falk ist wie alt? 22? Und Heiko? Gott, der ist doch schon locker Mitte 40 … Keine Ahnung, was Falk an dem findet!“ Micha krümmt sich vor lachen und mir wird schlecht. „Was spricht gegen einen älteren Mann und mal ehrlich Heiko sieht doch gut aus!“
„Ja, wenn man auf alte Säcke steht, dann schon. Komm schon Anton! Die haben einen Altersunterschied von über 20 Jahre. Erzähl mir nicht, dass du das nicht heftig findest.“
„Doch, 20 Jahre sind ´ne Menge. Aber wenn sie sich lieben … und sie sind auch schon eine Weile zusammen. Es scheint also gut zu klappen“ Mir ist schlecht und aus irgendeinem Grund fühle ich mich auch angegriffen … Frank ist auch 44 … und ...
„Liebe! Pah … Ich würde so einen alten Kerl nicht haben wollen. Das kann doch auf Dauer nicht gut gehen. Ehrlich, Anton, wenn mich ein Typ ansprechen würde, der älter als 40 ist, dann bin ich aber so was von weg!“
Mir wird heiß, mein Gesicht verfärbt sich rot und ich fühle mich elend. Im Grunde denke ich genau so darüber wie Micha. Wir haben uns von Anfang an über Heiko und Falk lustig gemacht, so wie die meisten anderen auch. Aber jetzt … komme ich mir total bescheuert vor. Nicht eine Sekunde habe ich gestern Abend über den Altersunterschied nachgedacht … nein, er spielte keine Rolle … nicht gestern Abend. Und jetzt? Spielt er jetzt eine Rolle?
„Und sie dich doch an!“, sagt er lachend und boxt mir in die Seite, „Da ziehst du einmal mit so einem alten Kerl los und kannst dich an nichts mehr erinnern. Also … wird es wohl ziemlich mies gewesen sein … An guten Sex kann man sich doch immer erinnern!“

Kommentare:

  1. mhm ............ naja vielleicht sollte Anton sich mal mit Micha unterhalten und ihm alles erzählen ,soll ja manchmal helfen ......... und altersunterschied ist immer relativ ,muß ja nichts schlechtes sein ,kommt immer auf die seite des betrachters an .........^^
    ähm wollte ich noch was sagen ?
    hachja ..... haste wieder schön geschrieben ......... hätte ich doch fast vergesessen ........ *kicher*
    schönen tag ........ich hab heute frei *freufreu*
    lg kerstin

    AntwortenLöschen
  2. Na immerhin weiß Anton, dass er ein Feigling ist.
    Ich kann nur noch einmal sagen, dass er noch mächtig David-geschädigt ist.
    Jetzt hoffe ich mal ganz kräftig auf Jenny, dass sie Anton in den Hintern tritt.
    Vielleicht hilft sogar Bruno unbewusst weiter.

    Ganz liebe Grüße
    Piccolo

    AntwortenLöschen
  3. Mein erster Gedanke war Micha an die Wand zu klatschen. Der zweite...was ist Frank nur für
    ein Feigling!! Was macht der Altersunterschied
    schon?? Freu mich aufs nächste Kapitel!
    lg,Pepsi

    AntwortenLöschen
  4. Hey,
    am liebsten würde ich Anton schütteln bis er zur Besinnung kommt. Er will Frank nicht hinterherrennen - soll der das etwa tun nach dem Abend? Vielleicht sollte er wirklich mal mit seinem Freund oder Jenny sprechen. Manchmal hilft das laute Aussprechen seiner Gedanken, um sie zu ordnen und von selbst zu einem Entschluss zu kommen. Im Grunde denke ich ähnlich bezüglich des Altersunterschiedes. Aber 20 und 12 (soviel waren es doch, oder denke ich da an eine andere Geschichte) sind noch ein himmelweiter Unterschied und wie so vieles im Leben verschwimmen in der Realität die Grenzen sowieso oft. Manch einer ist mit 20 schon uralt und der andere mit 40 noch jugendlich frisch. Wo die Liebe halt hinfällt, sollte man ihr auch eine Chance geben.
    Los, Anton, bring in Ordnung, was du verbockt hast! *anton-in-den-hintern-tret*

    LG
    Martina

    AntwortenLöschen
  5. Oh nein, buuuh, Feigling!
    Und am Altersunterschied langs nun wirlich nicht :)
    LG Nir77tak

    AntwortenLöschen