Freitag, 9. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Was soll ich sagen? Ich habe es nicht geschafft.
Aber dafür heute. Tür Acht und Neun sind bereits gefüllt!
Auch heute mein großer Dank an die fleißigen Kommentarschreiber. Ihr seid einfach toll!


Drei Minuten nach Acht fange ich an, unruhig zu werden. Ich sitze auf dem Sofa und lausche erwartungsvoll in die Stille, aber nichts passiert. Drei Minuten sind noch kein Grund zur Beunruhigung … ich weiß! Trotzdem, ich kann es nicht leiden, wenn jemand zu spät kommt. Ich bin auch immer pünktlich … das ist doch schließlich eine Art der Höflichkeit.

Fünf nach Acht: Ich springe auf und laufe durch die Wohnung. Vielleicht kommt er doch nicht. Vielleicht war es nur irgendeine Art von Ablenkungsmanöver … Vielleicht hat er noch einmal über unser Gespräch nachgedacht und die Sache mit der Stolle stört ihn doch mehr, als er gesagt hat.

Sieben nach Acht: Er wird nicht kommen. Mir ist schlecht. Ich starre aus dem Fenster auf die dunkle Straße hinaus. Ein paar Autos fahren vorbei, aber keines hält an und auch von den Leuten, die auf dem Fußweg gehen, scheint niemand Frank zu sein. Ich vergrabe meine Hände tief in meinen Hosentaschen und starre in die Dunkelheit.
Ich will auch nicht mehr auf die Uhr gucken, aber ich kann es nicht lassen. Magisch wird mein Blick immer wieder von den sich bewegenden Zeigern angezogen. 

Zehn Minuten zu spät!
„Er ist Lehrer“, versuche ich mich aufzumuntern, „da gehört das akademische Viertel zum guten Ton.“ Aber auch das vergeht, ohne das es an der Tür klingelt.
Frustriert wende ich mich vom Fenster ab und gehe in die Küche. Meine Kehle ist wie ausgetrocknet. Ich gieße mir ein großes Glas Wasser ein und trinke es mit schnellen Zügen.
„Frank versetzt mich!“, flüstere ich vor mich hin und lache bitter auf. Was hatte ich auch erwartet? Und wenn ich es mir genau überlege, ist es bestimmt auch viel besser so. Ein kleiner unbedeutender Ausrutscher … Nicht der Rede wert … kein Grund, sich weitere Gedanken darüber zu machen. Trotzdem pocht mein Herz wie wild in meiner Brust und meine Hände zittern. Ich bin ein Idiot!
Die Enttäuschung kommt wie eine riesige Welle über mich. Enttäuschung aber auch Wut! Wütend schlage ich mit der Faust auf den Küchentisch und seufze frustriert auf. Verdammt! 

Kurz vor halb neun begrabe ich meine Hoffnungen endgültig und schalte den Fernseher an. Irgendeine Castingshow läuft. Es interessiert mich im Grunde nicht, aber die Unterhaltung lenkt mich ein wenig von meinen wirren Gedanken ab. Frank hat mich versetzt … Die Erkenntnis brennt sich wie glühendes Metall in meine Eingeweide. Er hat mich versetzt. Einfach so, ohne … 

Es klingelt! Erschrocken fahre ich zusammen. Ich bin mir nicht sicher, ob es vielleicht nur eine Einbildung war. Also bleibe ich auf dem Sofa sitzen und lausche gespannt. Tatsächlich! Nur kurze Zeit später klingelt es erneut. Diesmal länger … und noch ehe ich mich erhebe, ertönt ein weiteres Mal die Klingel.
Wie fremdgesteuert gehe ich zur Tür. Mein Herz schlägt immer schneller, je näher ich der Wohnungstür komme. Als ich den Hörer der Gegensprechanlage in die Hand nehme, merke ich, wie sehr meine Hand zittert. Ich lasse ihn fallen und habe alle Mühe den Hörer irgendwie an mein Ohr zu bekommen.
„HoHoHo... ich bin nicht der Weihnachtsmann, aber lass mich trotzdem rein!“, erklingt eine tiefe und viel zu fröhliche Stimme am anderen Ende.
„Du bist zu spät!“, brumme ich und merke, wie die Wut überhand nimmt.
„Ich weiß und es tut mir leid, auch wenn es nicht meine Schuld war ...“, sagt er.
Ohne weiter darüber nachzudenken drücke ich den Summer und öffne die Tür eine Stück. Das Licht geht an. Gebannt lausche ich dem Widerhall seiner Schritte, bis er am letzten Treppenabsatz angelangt ist. Frank lächelt mich an. In der Hand hält er die Tüte mit unserem Essen. Für einen Moment bleibt er stehen, dann überwindet er lächelnd die letzten Stufen.
„HoHoHo!“, ruft er noch einmal. „Ich habe auch Geschenke mitgebracht … oder na ja eigentlich nur unser Essen!“

Ich starre ihn an. Er trägt eine schwarze Lederhose, mit so einer Schnürung an den Seiten. Sie scheint total eng zu sein. Er hat unglaublich lange Beine … und … oh Mann! Meine Erinnerung überschwemmt mich geradezu. Lederdaddy! Micha spinnt! Ich war den ganzen Abend schon von ihm fasziniert gewesen und dann haben die Drogen und der Alkohol meine Hemmungen sinken lassen. Ich habe ihn tatsächlich aggressiv angemacht. Sein Hintern sah in dieser Hose so … so geil aus …. und diese langen, schlanken Beine … er trug ein weißes Hemd. Nein, er sah gar nicht alt aus … ich hatte ihn für viel jünger gehalten und wir haben uns irgendwie gleich so gut verstanden, haben rumgealbert, anzügliche Bemerkungen gemacht … Ich habe anzügliche Bemerkungen gemacht …
Mir wird heiß und ich spüre, wie sich meine Wangen verfärben. Ich werde rot und kann nicht anders, als Frank weiterhin anzustarren. Dabei steht er schon längst vor mir und sieht mich erwartungsvoll an …

Irgendwann bin ich auf seinem Schoß gelandet … Sein Geruch hat mir auch die letzten Sinne vernebelt. Lasziv habe ich mich nach vorn gelehnt. „Hast du vielleicht auch noch irgendwo ein Tattoo?“, habe ich leise und verführerisch in sein Ohr gehaucht. Frank hat gelacht. Sein Lachen setzte meine Körper unter Strom, ließ meine Finger neugierig über sein Hemd streichen
„Ja!“, hat er aufreizend gesagt, „Willst du auch wissen wo?“
Natürlich wollte ich das … ich wollte …

„Herzen!“, murmle ich geschockt vor mich hin und mein Gesicht beginnt zu glühen.
„Was?“, fragt Frank und grinst mich an. Ich versuche die Bilder wegzuschieben … mich auf die Gegenwart zu konzentrieren, aber es will mir nicht so recht gelingen. Zwei Wochen lang habe ich so gut wie keine Erinnerung an diesen Abend und jetzt stürzen die Bilder förmlich auf mich ein. Herzen, sein Tattoo bestand aus Herzen … große und kleine, wie ein Schwarm … beginnend an seiner linken Leiste, bis zu seinem …
„Oh mein Gott!“, hauche ich und vermutlich falle ich gleich vor Scham um. Deshalb wollte ich schon in der Kneipe an seinen Schwanz … ich wollte die Herzen sehen …
Ich schlage die Hände vor mein Gesicht.

„Alles klar mit dir?“, fragt Frank und seine Stimme klingt besorgt.
„Herzen!“, murmle ich noch einmal und nun gesellt sich auch ein deutliches Bild dazu.
„Ich weiß, dass du ganz scharf darauf bist, aber kann ich vielleicht erst reinkommen, bevor ich sie dir noch einmal zeige?“, flüstert er in mein Ohr. Ich schrecke zurück. Sehe ihn an. Sein Gesicht ist so dicht vor meinem … Seine Nähe lässt meinen Puls höher schlagen, seine Augen nehmen mich gefangen, mustern mich eindringlich.
„Anton? Willst du mich nicht hineinlassen? Ich kann nichts dafür, dass ich zu spät komme. Beim Chinesen war es unglaublich voll und ich bin mir nicht sicher, aber vermutlich musste er die Ente erst noch erlegen und den Reis persönlich von den Reisfeldern in China ernten … Ich dachte, er wird niemals fertig und ich war schon kurz davor, ohne das Essen hier aufzutauchen … Wenn ich eine Telefonnummer gehabt hätte, dann hätte ich Bescheid gesagt … Lässt du mich bitte rein?“
Seine Worte dringen nur sehr langsam zu mir durch. Dafür ist der Hundeblick, mit dem er mich ansieht sehr wirkungsvoll.
„Ich zeig dir auch die Herzen!“, haucht er gegen meine Lippen, bevor er sanft darüber gleitet.
„Die Herzen“, seufze ich leise und frage mich, ob an der Selbstentzündungstheorie etwas dran ist. Wenn ja, dann bin ich auf dem besten Weg gleich in Flammen aufzugehen.


Kommentare:

  1. Ich verstehe Anton voll und ganz, was das Warten angeht.
    Nicht nur er dreht dabei fast durch, weil man selber immer überpünktlich ist.
    Ah, es kommen immer mehr schmutzige Details des Abends zum Vorschein^^
    Dann werde ich mich mal gleich auf das zeite Türchen für heute stürzen^^

    LG, Piccolo

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  2. Hachja........

    Verstehen kann ich Antons Unmut schon was die Pünktlichkeit angeht, aber ich habe schon beim Lesen darüber nachgedacht, ob Frank eigentlich eine Telefonnummer gehabt hat. Gut, in der Schule hätte er sicher eine Notfallnummer, aber daran muss man ja nicht denken. Dass es ausgerechnet beim Chinesen so lange dauert, hätte ich auch nicht erwartet, denn meist sind die gerade sehr fix (mir manchmal zu fic) mit dem Essen.

    Juhu, gleich geht es weiter!

    LG
    Martina

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  3. so............... jetzt kommt mein "Hachja" ,haste das wieder schön geschrieben .
    ich warte auch nicht gerne ,das ist echt nervig und dann auch noch beim ersten date .........
    lg kerstin

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