Dienstag, 6. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Wenn ihr das hier seht, dann war blogger wieder sehr brav und ich habe alles richtig gemacht *LOL*
Obwohl bei "F" die Auswahl wirklich groß war, habe ich mich nur für ein Wort entschieden ... Ihr werdet auch gleich erkennen, warum. Ich weiß, dass ich noch viel mehr hätte zu diesem Thema schreiben können und glaubt mir... ich musste mich zusammenreißen! Aber ich hoffe, dieser kleine Einblick genügt erst einmal.


„Papa? Ich habe da noch eine Hausaufgabe...“, fängt Bruno zögerlich an und wirft mir einen unsicheren Blick zu.
„Ich denke, ihr bekommt keine Hausaufgaben auf?“, frage ich verwundert und der Kleine windet sich etwas unter meinem Blick.
„Na ja, es ist keine richtige Hausaufgabe ...“
„Keine richtige? Was dann? Eine falsche? Gibt es so etwas denn?“ Bruno fängt an zu kichern. „Papa, du veralberst mich!“
„Mache ich gar nicht!“, wende ich ein. Aber mal ehrlich … in dieser Schule ist doch alles möglich. Vielleicht sind falsche Hausaufgaben eine Umschreibung für … was auch immer.
„Wir sollen unsere Familie vorstellen! Die ersten waren heute schon dran und ich … soll das gestern machen!“
„Gestern?“, frage ich irritiert und Bruno nickt heftig. „Ja, May sagt immer wer als nächster etwas über seine Familie erzählen soll. Und sie hat mich aufgerufen!“
„Aber gestern? Das … Mensch Bruno! Morgen! Du kommst morgen dran!“
„Hab ich doch gesagt!“, motzt er und verdreht die Augen. Die Sache mit der Zeit und den Tagen kriegt er einfach nicht hin.
Wir schlendern über den Weihnachtsmarkt, der um diese Zeit nicht mehr ganz so voll ist. Der richtige Ansturm kommt wahrscheinlich auch erst am Wochenende. Da werden die Touristen mit Bussen von überallher in die Stadt gefahren … nur für ein paar geöffnete Hinterhöfe und allerlei Schnickschnack.
Bruno kann sich nicht entscheiden, was er essen will. Er zieht mich von einer Bude zur nächsten, versucht die Schilder so gut es eben geht zu lesen und sieht mich unschlüssig an. Obwohl mein Magen noch vor ein paar Minuten geknurrt hat, ist er jetzt wie zugeschnürt. Ich habe keinen Hunger, ich bin einfach nur schrecklich aufgeregt. Dabei dauert es noch eine ganze Weile bis Frank zu mir kommt. Ich war vorhin schon fast mit Bruno aus dem Kino verschwunden, als er mich noch einmal aufgehalten und nach meiner Adresse gefragt hat. Er kommt zu mir und ich … habe keine Ahnung, was das bedeutet. Wozu haben wir uns eigentlich verabredet? Was ... ist das? Ein Date? Mein Herz rast davon und in meinem Kopf schwirrt alles wild durcheinander. Er ist 12 Jahre älter und Brunos Lehrer … das klingt nicht gerade nach ...
„Papa! Ich glaube ich nehme doch eine Bratwurst mit viel Ketchup und Brötchen.“ Bruno zupft an meinem Arm und ich nicke spontan.
„Ich brauche Geld!“, sagt er ungeduldig und hält mir seine Hand hin. Ich hole meine Brieftasche heraus und suche das Geld heraus. Mit stolzgeschwellter Brust kommt er ein paar Minuten später zurück und hält mir sein Würstchen unter die Nase.
„Willst du mal kosten?“, fragt er und ich schüttle den Kopf.
„Lass es dir schmecken! Ich habe keinen Hunger!“
„Das ist aber heiß!“, mault er und pustet wie ein Verrückter.
„Wird gleich kälter... bei dem Frost wird es in ein paar Minuten eingefroren sein!“, jammere ich und stecke meine Hände tief in die Jackentaschen. Es ist verdammt kalt geworden und der erste Schnee wird bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lassen.
„Also hilfst du mir jetzt?“, fragt er plötzlich und ich muss einen Moment nachdenken, wovon er redet. In meinem Kopf dreht sich alles um das Treffen mit Frank.
„Hast du vielleicht ein Bild von dir und Mama von früher?“, bohrt er weiter.
„An was für ein Bild hast du denn gedacht?“
„Hmmm, weiß nicht, aber Bente hatte ein Bild von ihren Eltern mit. Da haben sie geheiratet. Jetzt sind sie geschieden. Wie … wie ist das denn mit dir und Mama … habt ihr euch auch noch lieb?“
„Ob wir uns noch liebhaben?“, frage ich verwundert, „wie kommst du denn da drauf?“
„Na ja, Bente meinte, auch wenn ihr Papa nicht mehr zu Hause wohnt, sie hätten sich alle noch lieb! Und du wohnst ja auch nicht bei mir und Mama!“
Im ersten Moment möchte ich eigentlich sagen: „Frag deine Mutter!“, aber ich mache das natürlich nicht. Wir haben uns von Anfang an vorgenommen immer ehrlich zu sein. Ehrlichkeit in einer kindgerechten Form … aber auf jeden Fall nichts, was wir ihm irgendwann später noch einmal anders erklären müssten.
„Ich habe doch noch nie bei euch gewohnt. Und du weißt, dass wir auch nie verheiratet oder so waren …“, fange ich vorsichtig an. Bruno kaut nachdenklich an seinem Würstchen.
„Und Waldemar hat gesagt, dass es keine richtige Familie ist, wenn Mama und Papa nicht verheiratet sind!“, sagt er und sieht mich irgendwie traurig an.
„Der Waldemar!“, brumme ich. „Etwa der, der aus Büchern Flugzeuge macht?“ Bruno nickt und ein Grinsen huscht über sein Gesicht. „Du würdest da aber mit ihm meckern, oder?“
„Auf jeden Fall. Also, woher will Waldemar so genau wissen, was eine richtige Familie ist?“
Wir sind am Auto angekommen. Bruno steht nachdenklich neben mir und wartet, bis ich ihm die Tür aufschließe. Er steigt ein und ich setze mich anschließend hinters Steuer. Wir schweigen beide. Das gibt mir die Gelegenheit darüber nachzudenken, was ich ihm sagen soll. Als ich das Auto starrte, sehe ich kurz zu Bruno hinüber und fange an zu grinsen.
„Wie würdest du denn deine Familie beschreiben?“, frage ich. „Fangen wir doch einfach mal damit an, wer alles zu deiner Familie gehört!“
Bruno rutscht aufgeregt auf seinem Sitz hin und her. Sein Würstchen hat er inzwischen aufgegessen, nur der Mund ist noch ziemlich mit Ketchup beschmiert.
„Also …“, fängt er an und nimmt seine Finger zu Hilfe. „Natürlich Mama und du! Oma Silvi und Opa Paul, Oma Bärbel …“
„Onkel und Tanten?“, komme ich ihm zu Hilfe.
„Ja, Onkel Micha!“, ruft er laut.
„Onkel Micha? Aber Micha ist doch nicht dein richtiger Onkel … das ist doch ...“
„Dein Freund. Ich weiß!“, sagt er triumphierend. Freund klingt irgendwie merkwürdig und falsch, aber ich nicke zustimmend.
„Aber da gehören doch noch mehr Mitglieder zu deiner Familie!“, versuche ich den Anschluss wieder herzustellen.
Bruno sagt eine ganze Weile nichts. Ich bin mir nicht sicher ob er nachdenkt oder mit etwas anderem beschäftigt ist.
„Ward ihr denn nun eigentlich mal verliebt? Also Mama und du?“, fragt er plötzlich und starrt mich von der Seite an.
„Nein“, sage ich ehrlich und fühle mich einen Moment wirklich unwohl in meiner Haut.
„Aber Jenny und ich … wir mögen uns... wir sind schon ganz lange befreundet und ...“ Ich parke das Auto vor dem Haus und lehne mich in meinem Sitz zurück.
„Sieh mal, es ist eigentlich gar nicht wichtig, was früher war … oder aus welchen Gründen ein Baby den Weg zu seinen Eltern gefunden hat. Wir sind deine Eltern und wir lieben dich. Wir wollen, dass es dir immer gut geht. Und auch wenn wir keine klassische Familie sind …
„Was bedeutet denn 'klassisch'“, fragt er leise. Ich sehe ihn grinsend an.
„Klassisch bedeutet … so … so wie es eben alle kennen und so wie Waldemar denkt, dass es richtig ist. Aber wir sind etwas Besonderes. Eine besondere Familie, denn auch wenn wir nicht zusammenleben, so passen wir gut aufeinander auf und kümmern uns umeinander. Das ist es nämlich, was eine Familie ausmacht … das man für den anderen da ist!“
„Und wenn du dich verliebst und Mama sich auch in jemanden verlieben würde … dann bleiben wir trotzdem eine Familie und ich bleibe euer Kind?“
Ich fange an zu lachen. „Ja, genau... wir bleiben immer eine Familie und du bleibst immer unser Kind und wir … werden dann eben eine größere Familie. Aber das ist auch toll. Denn sitzen noch mehr Leute am Tisch und es gibt auch mehr Geschenke zu Weihnachten oder zum Geburtstag.“
Jetzt fängt Bruno auch an zu lachen. „Dann verliebe dich doch noch schnell … Der Weihnachtsmann kommt schließlich bald“



Kommentare:

  1. Ja, das F Wort hast du gut hin bekommen. Kinder sind einfach die mit dem offeneren Geist. Außer Waldemar .. der kriegt Stubenarrest fürs Flieger basteln :)

    Bis morgen
    siggi

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  2. ................. verliebe dich doch noch schnell der weihnachtsmann kommt ja bald ........... lol
    du kannst herrliche sätze schreiben .
    ich freu mich auf morgen ....... danke
    lg sendet kerstin

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  3. Eine nicht unbedingt leichte Aufgabe einem Kind zu erklären, warum man keine klassische Familie ist.
    Ich finde Anton hat die Aufgabe sehr gut gelöst.
    Am Besten finde ich, dass sie Bruno von Anfang an die Wahrheit sagen, wenn auch kindgerecht.
    Bruno ist mit seinem letzten Satz näher an der Wahrheit als er denkt.

    Ich wünsche dir und deiner Familie einen schönen Nikolaus!

    LG, Piccolo

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  4. Hey,
    bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache, habe ich noch schnell dein Türchen gelesen.
    Ich finde es gut, dass Anton gleich die Wahrheit erzählt und er hat es sehr kindgerecht getan. Das ist es, was Familie ausmacht - auch wenn es leider dafür viele Ausnahmen gibt.
    Allein der Schlusssatz lässt mich mit einem Schmunzeln zurück und auf morgen warten. Nicht nur Anton ist gespannt auf das Date;-)

    Bis gleich,
    Martina

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  5. Sorry, uff, habs erst heute geschafft - dafür dann gleich zwei Kapitel ;) ...

    Ja, das ist eine nette Erklärung, dass es viele Wege gibt, Familie zu sein :)
    Les mal schnell weiter

    LG Nir77tak

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  6. :D jaja, der berüchtigte kindermund... "verliebt dich doch noch schnell"... frecher fratz :D aber furchtbar niedlich. allerdings frage ich mich, warum anton so darum herumkurvt, dass er nunmal männer mag? auch das kann man denke ich in kindgerechte worte kleiden... und je früher desdo besser in meinen augen, ehe er anfängt, in der pubertät komische ideen zu kriegen... wie das homosexualität ekelig is oder so... ^^

    lg, kessy

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  7. Eigentlich gibt es nicht viel zu sagen.

    Eine schöne Geschichte :)

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  8. Hallo Kath,

    es war ein schönes Kalendertürchen und ich freue mich schon auf das nächste. Anton hat es seinem Sohn wirklich gut erklärt warum sie keine klassische Familie sind und ich denke Bruno reicht diese Erklärung erst einmal. Er sieht das ja mit der Familienerweiterung ja auch sehr praktisch. ;o) Ich bin schon gespannt wie der Abend zwischen Anton und Franz wird. (Hoffe ich habe mich an den richtigen Namen erinnert. :o) ) Also dann liebe Grüße

    -KW-

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