Samstag, 3. Dezember 2011

Quer durchs Alphabet ins Glück

Ich weiß, es ist mehr ein Betthupferl als ein Kalendertürchen... aber heute war es ein wenig stressig. Meine Multitaskingfähigkeiten worden mal wieder auf die Probe gestellt...
Über eure Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Und zu den Fragen. Eine gewissen Ähnlichkeit zu mir bekannten Eltern besteht durchaus ... aber sie sind eindeutig überzeichnet :-)
Ich habe auch nichts gegen alternativen Schulformen, denn ich kenne ein paar wirklich gute Lehrer dort und ich denke, wenn die Lehrer an einer "normalen" Schule nur halb so motivert und engagiert wären...
Aber nun, lasst uns mal schauen, was sich hinter dem "C" verbirgt!


Intensivblaue Augen, der Geruch von Ouzo, von Sandelholz und Zitrone … Hände auf meinem Körper … lautes Stöhnen … Mein Stöhnen? Sein Stöhnen? Lippen auf meinem Mund … eine Zunge, die mich um den Verstand bringt … muskulöse Arme … warme Haut … Nähe … noch mehr Küsse … und immer wieder dieser Geruch, diese Augen …
„Sag mal, schläfst du mit offenen Augen?“ Erschrocken sehe ich auf und direkt in das Gesicht von Micha, der mich grinsend ansieht.
„Was?“, frage ich gereizt.
„Oh, da hat aber jemand schon am frühen Morgen gute Laune!“, erwidert Micha. „War es gestern etwa so schlimm? Was musstest du denn Schreckliches basteln, dass du heute so gut drauf bist?“ Micha schnappt sich eine Clementine und macht es sich auf dem kleinen Sofa bequem.
„Hast du nichts zu tun?“, frage ich mürrisch und versuche meine Gedanken wieder ins hier und jetzt zu bekommen, während ich ihn dabei beobachte, wie er die Schale auf meinen Schreibtisch legt.
„Nö! Und du sitzt ja auch hier rum und starrst Löcher in die Luft!“ Micha hält mir ein Stück seiner Clementine hin. Gedankenverloren greife ich zu. Verdammt ist die sauer! Unwillkürlich fange ich an, mich zu schütteln und Micha lacht laut.
„Na, wach?“, feixt er.
„Scheiße, wer hat denn so saure Dinger gekauft. Das wollten wohl Zitronen werden?“, meckere ich und trinke eine großen Schluck von meinem Kaffee. Aber das macht es auch nicht besser. Aus sauer wird ekelhaft!
„Also, wie war es gestern?“, fragt Micha und sieht mich erwartungsvoll an. Ich zucke mit den Schultern. „War ganz okay!“
„Hmmm... und warum siehst du heute so scheiße aus?“ Ich liebe seine bedingungslose Aufrichtigkeit. Eine Weile betrachte ich meinen besten Freund schweigend. Wir kennen uns schon ewig. Eigentlich kennt mich niemand so gut wie er. Eine kurze Zeit waren wir sogar zusammen, aber das hat nicht funktioniert und endete mit einer fast einjährigen Pause. Dann stand Micha plötzlich wieder vor meiner Tür und ich habe sie ihm gern geöffnet. Womöglich hat er damals mehr Gefühle investiert als ich, aber er hat mir immer viel bedeutet. Seit zwei Jahren arbeitet er nun auch für mich und es funktioniert nahezu perfekt …
„Anton! Was ist denn nur los? Träumst du schon wieder?“
„Äh... Mensch Micha … ich ...habe keine Ahnung. Ich bin tierisch müde. Hatte eine beschissene Nacht!“
„Beschissene Nacht? Wieso das denn. Hat Bruno bei dir geschlafen?“ Wieder grinst er mich breit an. Mit Bruno zieht er mich gern auf. Denn er kann bis heute nicht verstehen, was Jenny und mich zu diesem Arrangement bewogen hat. Muss er im Grunde auch nicht! Es war unsere Entscheidung und ich bereue sie nicht eine Sekunde. Außer vielleicht, wenn Bruno bei mir schläft. Dann ist es nämlich besser mit Vollkontaktschutz zu schlafen, denn der Kleine wirft gern mitten in der Nacht mit Armen und Beinen um sich und die Treffer sind alles andere als angenehm. Ein Arm im Gesicht oder ein Bein … gut platziert in meiner Körpermitte. Das kann einen schon einmal um den Schlaf bringen.
„Nein, mit Bruno hat es nichts zu tun … eher mit mir und dieser Party ...“, erwidere ich. Sofort erscheinen die Bilder … unscharf, bruchstückhaft … irgendwo in einem unglaublich nebligen Teil meiner Gehirnwindungen verschollen.
„Party? Was denn für eine Party?“, fragt Micha. Seine Miene spiegelt absolutes Unverständnis wider.
„Na, die letzte Party … die bei mir mit einem Filmriss und einem Erwachen in einer fremden Wohnung endete.“, präzisiere ich und sehe ihn forschend an.
„Wie kommst du denn jetzt da drauf? Die ist doch schon fast zwei Wochen her. Hast du etwa immer noch keine Ahnung was passiert ist?“ Micha fängt leise an zu lachen und schält eine weitere Clementine.
„Nein … aber gestern, beim Basteln. Brunos Lehrer, der Geruch der Anissterne und … keine Ahnung. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich mich da an etwas erinnern sollte, aber es ist wie ausgelöscht!“ Ich klinge richtig verzweifelt und so ein bisschen bin ich das nach diesem merkwürdigen Abend und der schrecklichen Nacht auch.
„Du warst aber auch breit!“ Micha schiebt sich lachend das erste Stück in den Mund. Dann verzieht er sein Gesicht und schüttelt sich kurz. „Die ist auch nicht besser!“ Trotzdem isst er tapfer weiter.
„Und du weißt wirklich nicht, mit wem ich da mitgegangen bin? Ein schöner Freund bist du! Lässt mich sturzbetrunken mit einem wildfremden Kerl mitgehen ...“ Empört sehe ich ihn an.
„Oh nein, diese Schuld lade ich nicht auf mich. Ich habe versucht dich abzuhalten. Ich und die anderen … aber du wolltest ja nicht auf uns hören. Und ehrlich, wir waren alle nicht ganz bei uns. Aber du hast es ja echt übertrieben!“
„Übertrieben? Das trifft es wohl nicht ganz! Ich bin eigentlich nur erstaunt, dass es mir relativ gut ging … für so einen Totalabsturz!“ Es ging mir wirklich gut. Okay, mein Kopf tat ziemlich weh. Aber ansonsten war mir nicht einmal schlecht … nur, ich kann mich eben an nichts mehr erinnern.
„Mensch Anton! Denkst du wirklich immer noch, dass du von den paar Ouzo so breit warst?“ Micha schüttelt den Kopf und lacht jetzt richtig laut los. „Echt mal Anton. Niemand ist so dicht … von … von ein paar Ouzo!“ Ich verstehe kein Wort. Aber ich bin mir sicher, dass ich ansonsten nichts weiter getrunken hatte. Mit verschränkten Armen lasse ich mich nach hinten fallen und sehe ihn abwartend an.
„Also … was willst du mir damit sagen?“
„Wie fandest du denn den Christstollen, den Max mitgebracht hat?“, fragt Micha prustend.
„Den Christstollen?“ Ich habe echt keine Ahnung, wie er jetzt darauf kommt.
„War ziemlich lecker? Oder?“, feixt er. Verständnislos nicke ich.
„Ja, ich mag Christstollen und Max kann echt gut backen!“
„Ja, das kann er und da waren auch so gehaltvolle Zutaten drin!“ Micha sieht mich gespannt an. Ich weiß nicht was er von mir will und ich weiß wirklich nicht, wieso wir jetzt über Christstollen und gehaltvolle Zutaten reden … ich wollte doch ganz etwas anderes wissen.
„Stehst du wirklich so auf dem Schlauch oder tust du nur so? Anton … das war ein ganz besonderer Christstollen … wenn man es genau betrachtet war da weniger Christ dafür aber eine gute Portion Hasch drin!“
„Ist nicht dein Ernst!“, murmle ich tonlos und sehe ihn entsetzt an. „Das war eine Haschstolle? Du verarschst mich doch!“
„Nein natürlich nicht. Alle haben es gewusst und Max hat doch nicht umsonst gesagt, dass alle nur ein Stück essen sollen! Nur du hast es anscheinend nicht gerafft. Du musstest dich ja heimlich noch mal bedienen!“
„Fuck! Ich hatte keine Ahnung. Ich … wäre niemals darauf gekommen, dass Max da irgendwas reingemacht haben könnte. Niemals! Und ihr … habt es alle gewusst?“ Fassungslos starre ich Micha an, weiß gerade nicht ob ich lachen oder ihm eine reinhauen soll.
„Als Max meinte, jeder darf nur ein Stück essen war es doch klar, dass das eine ganz besondere Christstolle sein würde ...“
Ich schlage mir die Hände vors Gesicht. „Ich war bekifft!“, stelle ich irritiert fest.
„Jep! So siehts aus und du musstest dich ja unbedingt noch heimlich daran bedienen. Dann warst du vollkommen abgedreht … hast dich auf einmal an diesen Typ vom Nachbartisch rangeschmissen. So ein Lederdaddy … Und als ich dich retten wollte, da hat er mich ziemlich furchterregend angesehen und gemeint, er würde sich schon um dich kümmern. Und du hast deine Arme um seinen Hals geschlungen und gesagt, dass ich verschwinden soll, denn du hättest endlich deinen Traummann gefunden. Zuerst hielt ich es für einen Scherz … aber du warst ja wie von Sinnen...“
„Ich war von Sinnen!“, unterbreche ich ihn unwirsch. „Ich war vollkommen zugedröhnt und habe Unsinn erzählt!“
„Na ja, eure Knutscherei war nicht von schlechten Eltern. Dabei dachte ich immer, du stehst nicht besonders auf Küssen.“
„Tu ich ja auch nicht!“, murmle ich und werde gleich wieder von unscharfen Bilder geflutet. Bilder von fremden Lippen auf meinen … fremde Lippen, die sich so unglaublich gut angefühlt haben …. Selbst diese undeutlichen Bilder lösen ein kribbliges Gefühl in meinem Bauch aus. Lederdaddy? Ich schätze, ich werde noch verrückt, wenn ich weiter darüber nachdenke. Seufzend versuche ich die Gedanken von mir zu schieben.
„Hör auf meine Clementinen zu essen und schließe lieber den Laden auf! Tu was für dein Geld!“, meckere ich Micha an, der sich daraufhin lachend erhebt und nach vorn ins Geschäft geht.


Kommentare:

  1. Zwar etwas spät, aber besser als gar kein Türchen ;)
    Ah, so ganz langsam kommen die ersten Erinnerungsfetzen zum Vorschein.
    Oho, eine Christstolle der ganz besonderen Art.
    Kein Wunder, dass Anton einen Flimriss hat.

    Wann kann man denn mit dem nächsten Kapitel von "Verschlossene Türen" rechnen?

    Hab noch einen schönen Abend!
    LG, Piccolo

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  2. Hey,

    ich muss bei deiner Geschichte echt dauernd grinsen, weil sie einige Erinnerungen wachrufen. Es gab eine Ouzo-Party mit Ausfallerscheinungen und eine Fete mit Haschkeksen - da habe ich mich genauso bescheuert angestellt wie Anton. Nur dass ich erfolgreich am Verzehr gehindert wurde. Sonst wäre es mir sicher genauso gegangen.

    Ob die Erinnerung wiederkommt? Was mir schwerfällt ist, Brunos Lehrer als Lederdaddy vorzustellen. Aber ich bin sehr gespannt, was daraus wird.

    LG
    Martina

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  3. ja, mir fehlen Hannes u Farid auch ;)

    Anton bekommt so langsam Erinnerungsfetzen ;)

    Lederdaddy ... klingt jetzt an sich erstmal nicht - öhm - so als, dass man sich verlieben könnte ;)
    Da war der Lehrer (ja, ich weiß, das ist der Gleiche) irgendwie netter ... und ein bisschen pissig, dass Anton sich nicht erinnern kann, hm ;))))

    LG Nir77tak

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  4. Hallo Karo!

    Ich versuch jetzt doch einmal, ein Feedback zu hinterlassen. Leider ist das über Livejournal so kompliziert, dass ich mich da wohl nicht oft durchkämpfen werde.
    Ich liebe diese Geschichte. Es liegt auf der Hand, dass der heiße, wenn auch ältere Lehrer, der Ledertyp ist, der Anton abgeschleppt hat. Wobei ich mir unter Ledertyp jetzt einen Vollblutrocker in voller Montur und Ledermütze vorstelle,und das will eigentlich gar nicht zu Frank passen. Hat er gar nicht gemerkt, wie hinüber Anton in dieser Nacht war? Dann wird er wohl über Antons (Nicht)Reaktion beim Wiedersehen sauer oder zumindest verwundert sein.
    Am meisten beneide ich Anton um seinen Buchladen. Das wollte ich immer haben, hab mich aber letztendlich nicht getraut.

    Naja, freue mich schon auf das nächste Kaoitel, das hoffentlich heute noch kommt.
    Dank Dir für die Mühe.

    lg rosenrot7

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