Freitag, 4. November 2011

Eine Autorin auf Reisen...

Einmal abgesehen von der alles verzehrenden Nervosität, von den anklagenden Worten der eigenen Mutter, die Angst hatte, meine Ehe würde in die Brüche gehen und von der Tatsache, dass ich fünf Tage allein unterwegs sein würde … machte ich mich am Samstag auf den Weg nach Lüneburg. Merkwürdig war auch, dass mich niemand verabschieden konnte, denn meine Kinder waren bereits seit sechs Uhr zu einem Floorballturnier unterwegs, mein Mann musste um sieben zur Arbeit und ich war allein zu Hause, starrte abwechselnd das Buch und meine Reisetasche an und murmelte „Du musst verrückt sein!“ vor mich hin. Aber auf der anderen Seite freute ich mich unglaublich darauf. Ja, es war viel mehr als ein „Ich mache es halt mal!“, es war ein „Wow, ich habe richtig Lust dazu. Ich will das austesten, mich da hinsetzen und Geschichten lesen!“

Nun, wenn eine blonde Frau auf Reisen geht, kann das natürlich nicht ohne Pannen ablaufen und ich oute mich hier gleich mal. Ich sitze also im Auto und will mein Navi programmieren und was gebe ich ein? Meine eigene Adresse! Und anscheinend ist die Frau, deren Stimme mich ansonsten so wunderbar durch die Gegend geleitet hat auch blond … „Route wird berechnet!“, sagte sie freundlich und ich schüttelte über mich fassungslos den Kopf. Das fing ja gut an! Der Rest der Fahrt verlief ruhig und angenehm und ich habe mich nur verfahren, weil ich auf das Navi gehört habe, obwohl mein Verstand mir sagte, dass es die falsche Richtung ist. Aber gut, ständig wird an den Autobahnen gebaut und mein Navi ist nicht auf dem neuesten Stand. Auf jeden Fall bin ich sehr pünktlich bei Michaela angekommen und wurde dort zuerst noch etwas schüchtern, aber dann um so herzlicher von zwei süßen Kindern willkommen geheißen! Und für mich als Jungsmutter ist es natürlich eine enorme Horizonterweiterung jetzt alles über Fillypferdchen zu wissen (allerdings konnte ich meine Jungs mit meinem Wissen nicht überzeugen...sie haben nur angewidert das Gesicht verzogen :-)... schade eigentlich!) Etwas später wurde Chris vom Bahnhof abgeholt und dann waren wir sozusagen vollzählig! Nachdem wir uns mit Pizza gestärkt hatten, fuhren wir los … und da war sie wieder, die Nervosität! Aber ich glaube, ich war damit in guter Gesellschaft!
Und dann ging es los. Tische umstellen, alles ein wenig nett herrichten, Schokotorte ...  und die Gäste empfangen. Auch wenn es eine sehr intime kleine Runde war, es machte unglaublich Spaß! Wir haben gelesen, geredet und wieder gelesen … und gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit dabei verging. Das war echt klasse! Und weil gleich nebenan noch eine Party war, sind wir da auch noch hin und haben getanzt! Und Chris....mehr sage ich an dieser Stelle nicht dazu *verschwörerisch zwinker*
Und weil wir so durchaus aufgeputscht waren und außerdem auf die offizielle Zeitumstellung gewartet haben, die unsere Handys aber leider doch nicht umstellte, saßen wir noch bis nach drei Uhr morgens zusammen. Es hat mich irgendwie an frühere Pyjamapartys erinnert!
Der Morgen kam viel zu schnell, aber ich fühlte mich trotzdem erstaunlich munter. Wir haben noch zusammen gefrühstückt, über Gott und die Welt gequatscht und dann ging es für mich weiter. Auf nach Greifswald, oder besser gesagt in einen kleinen Ort, der vielleicht noch nicht das Ende der Welt bedeutetete, aber man konnte es definitiv schon sehen :-) Mein Navi und ich verstanden uns recht gut und so kam ich ohne größere Zwischenfälle in meiner Pension an. Und meine Pension ist hier wörtlich zu nehmen... Ich war bis Dienstag der einzige Gast und genoss die Stille sehr!
Sagen wir mal so, hätte ich gewusst, dass eine kleine SMS über meine Ankunft zur Folge hat, dass ich keine 15 Minuten später Besuch habe, dann hätte ich damit noch bis nach dem Duschen damit gewartet. Denn eigentlich hatten die Dusche und ich schon miteinander kommuniziert, denn nach der Fahrt und der doch recht kurzen Nacht wäre so ein wenig Wasser von oben sehr angenehm gewesen … So, um wieder fit zu werden. Aber die Chance hatte ich wohl vertan, denn jetzt kam das „Karorundumwohlfühlpaket“ Und das fing mit einem leckeren Nudelauflauf an! Und wenn ich lecker sage, dann meine ich auch lecker! Keine Ahnung, was ihr daran zu meckern hattet! Hmm, was soll ich noch über den Abend berichten? Ich habe mich bei euch total wohl gefühlt! Die Sache mit der Schrankwand im Wohnzimmer ist der Hammer *gg*! Ja, es war ein toller Abend! Etwas schwankend bin ich irgendwann wieder zurück in meine Pension und nahezu zeitgleich in mein Bett gefallen. Ein kleiner Schwindel überkam mich, als sich das Bett zu drehen begann, aber dann bin ich auch schon eingeschlafen ...
Erstaunlich erholt, ohne Kopfschmerzen und auch die Kater blieben brav vor der Tür sitzen, bin ich am nächsten Morgen losgezogen. Die Mission lautete: Karo will zum Meer! Das Wetter war okay, es war erstaunlich warm und dank MP3 Player machte die kleine Wanderung auch sehr viel Spaß.
Die Plotbunnys, die mich anspringen wollten, habe ich erfolgreich abgewehrt, denn ich kann da gerade niemanden gebrauchen. Stattdessen dachte ich über die laufenden Projekte nach. Ich könnte jetzt sagen, dass das Meer mich enttäuscht hat, aber es kann ja nichts dafür.... Wenn man sozusagen direkt auf Rügen guckt, keine einzige Welle da ist, dann ist es allenfalls ein großer See!
Aber trotzdem schön... ich bin auf sehr, sehr einsamen Pfaden gewandelt, habe natürlich Steine gesammelt! Wenn man einmal damit anfängt!!! Und bin dann irgendwann wieder zurück. Ein wenig k.o.und müde... aber das konnte ich ja sein. Ich musste mich ja um nichts kümmern. Also habe ich es mir auf meinem Sofa bequem gemacht, den Fernseher angestellt und keine Ahnung wieso... aber plötzlich war es draußen dunkel!
Den Dienstag habe ich zum größten Teil schreibend verbracht. Da warteten schließlich zwei Weihnachtsgeschichten auf mich und von Farid will ich gar nicht reden. Karo packt alles ein, aber die Infos über Miami bleiben natürlich zu Hause. Keine Ahnung, wieso die nicht im meinem Ordner waren... Nach etwas mehr als einer Seite war dann Schluss … und recherchieren ging ja nicht. So abgeschnitten von der Welt!
Und dann begann auch wieder die Nervosität in mir hoch zu klettern! Möglicherweise war sie der Grund, weshalb ich nicht richtig zugehört und mich prompt in Greifswald verfahren habe. Zehn Minuten zu spät am verabredeten Ort, aber man(n) hat mir großzügig verziehen. Als ich das Jugendzentrum betrat, fühlte ich mich zum zweiten Mal ein wenig zu Hause. Ich bekam das Grinsen kaum aus dem Gesicht, denn ich dachte die ganze Zeit, gleich triffst du jemanden, den du kennst oder besser gesagt, gleich kommen deine Bauchtanzmädels... Die Ähnlichkeit war schon irgendwie erstaunlich! Na ja, die Welt ist ein Dorf! Auch hier hielt sich die Lesung in einem kleinen Rahmen, auch hier gab es eine nette Diskussion im Anschluss. Es hat mir super gut gefallen und ich hoffe, den Zuhörern ebenso!
Der Abend endete sehr gemütlich mit ein paar von diesen leckeren Erdbeerdingern.
Die Heimfahrt kam mir unglaublich lang vor und ich war echt froh, als ich aus dem Auto aussteigen konnte. Die Begrüßung fiel recht spärlich aus, man hatte mich nur bedingt vermisst. O-Ton „Wir müssen auch mal was mit Papa allein unternehmen!“
Zurückblickend kann ich also sagen: Mein erster Urlaub allein kommt mir sehr gelungen vor. Eigentlich gab es nur eine kleinen Wermutstropfen, an dem ich immer noch ein wenig knabbere, aber ich denke, den werde ich auch noch überwinden. Ansonsten war es super! Und keinen Ahnung, aber ich bin auch ein wenig Stolz auf mich. Die lange Fahrerei, die vielen neuen Eindrücke und die ja doch fremden Menschen... ich bin erstaunlich gut mit allem zurecht gekommen! Sollte es so etwas noch einmal geben...ich bin definitiv dabei!


Danke an Michaela und Chris! Es war toll euch kennenzulernen!
Danke an den Queerkompass Greifswald, dass ich (wir) bei euch lesen durften und natürlich ein ganz besonderes Dankeschön an Andre und Felix! Ich habe mich wirklich wohl bei euch gefühlt!

Kommentare:

  1. Hey Kath,

    danke für den ausführlichen Bericht. In einigem kann ich dir nur zustimmen. Die Ostsee ist ein See und kein Meer (....was immer zu Diskussionen führt, wenn ich das sage...). Und die Tatsache, dass man wenig vermisst worden ist, tut immer ein bisschen weh. Aber man kommt darüber hinweg.

    Ist doch toll, dass das alles so gut gelaufen ist und deine Ängste völlig umsonst waren. Dann könnt ihr das ja bald in größerem Rahmen deutschlandweit ausbauen *zwinker*.

    LG
    Martina

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  2. Danke kath für deinen wundervollen Bericht und ich war wirklich mit dabei... also was das lesen deiner Worte angeht hast du uns Lesern jetzt ebenfalls mitgenommen.*zwinker*

    ich freue mich für dich dass dir das alles so gut gefallen hatte.
    Die Ägste, die macht man sich immer vorher und ich kenne das auch von mir....
    Liebe Grüße Randy

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  3. Bin gefolgt und ohne Navi angekommen wie man sieht ;-))) Sehr guter Bericht. Ich war leider noch nie an der OstSEE, kanns mir aber dank dir nun gut vorstellen. *gg*
    Man macht sich immer viel zu viel Angst vorher. Nachher stellt man fest, es war ja gar nicht so schlimm. Das nächste mal wird sicherlich Routine: "Ich mach es halt mal!!!"
    lg
    Ashan

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  4. Es war klasse, dich gleich zweimal zu treffen. Du bist real so symphatisch wie virtuell ;-)
    bis zum nächsten Mal.

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  5. Danke das du mich auf diese Art an deiner Reise teilhaben läßt. In Gedanken war ich dabei und es hört sich sehr entspannend an. Ich hoffe sehr es folgen weitere.
    Liebe Grüße Ani (amel)

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