Montag, 17. Oktober 2011

Was ich noch loswerden wollte...

Ich bin ja jemand, der viel nachdenkt bzw. der auch gern einmal nachdenkt, nachdem er etwas geäußert hat (leider) … jemand, der auch lange braucht, um Gespräche zu verarbeiten. Jemand, der darüber nachdenkt, ob das, was er sagen wollte, auch so angekommen ist oder ob das Bild durch äußere Einflüsse verfälscht wurde.
Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal zu den Büchern von Uli Bendrick „Entführt- Die Geschichte einer Abrichtung“ äußern. Ich will hier keine Rezension schreiben, nur ein paar Gedanken, weil ich heute bei FB und vor allem danach noch eine Diskussion ausgelöst habe, die ich so gar nicht beabsichtigt hatte und die mich auch irgendwie berührt hat. Ich hatte das Gefühl mich verteidigen zu müssen, obwohl ich es gar nicht konnte und so etwas lässt mich dann nicht zur Ruhe kommen. Es gibt da ein paar Punkte, die ich gern erwähnen möchte.
Ich bewundere jeden, der es schafft, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Hier waren es gleich drei Teile. Also meine dreifache Hochachtung.
Und auch wenn ich mich nicht als Kritiker aufspielen will. Jahrelanges Lesen und auch das Schreiben haben meinen Fokus geändert. Ein Buch ist eben mehr als ein paar aufgeschriebene Worte, es hat eine Botschaft, auch wenn man die Botschaft nicht immer versteht, auch wenn die Botschaft möglicherweise die Falschen erreicht. Nicht jede jedes Buch erschließt sich einem. Erstaunlicherweise sind es manchmal auch die hochgelobten, die mir dann gar nicht gefallen, bei denen ich bereits nach ein paar Seiten die Nase voll habe, die mich enttäuschen. Und da ich mich hier schon so oute … ich habe mal angefangen „Das Kapital“ von Marx und Engels zu lesen... Ich habe kein Wort verstanden und in Anbetracht der Dicke der Bücher nach ein paar Seiten aufgegeben. :-)
Also sage ich an dieser Stelle, dass mir persönlich der Schreibstil nicht gefallen hat. Obwohl das so auch nicht ganz richtig ist. Der Schreibstil war wahrscheinlich genau richtig für den Inhalt der Bücher. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was diese Bücher mit einem machen, wenn man in die Gedankenwelt des Hauptprotagonisten eindringen kann. Nein, ich bin eigentlich dankbar, dass ich das Leid und die Zerrissenheit nur erahnen, nur aus einem entfernten Fokus wahrnehmen konnte. Ja, ich bin dankbar dafür, dass mir Rajk eigentlich immer fremd blieb. Ich konnte nicht nachvollziehen, wieso er auf der einen Seite so extrem devot war und auf der anderen Seite immer wieder um seine Freiheit gekämpft hat, nur um am Ende eben doch gebrochen zu sein und letztendlich gar keine Platz mehr zu haben. War das Ende eine Erlösung? Ich weiß es nicht und ehrlich, mein kleines und romantisches Herz (was in diesem Büchern wirklich nichts zu suchen hatte), das stellt sich vor, dass es vielleicht nur ein Betäubungsschuss war, dass Ahmed ihn irgendwo hin verschleppt hat und die beiden glücklich wurden. Ich weiß, dass es total verrückt ist...
Aber letztendlich kann ich nur sagen, dass ich von diesem Thema im Grunde keine Ahnung habe. Möglicherweise ist auch hier meine Vorstellung eher rosarot angehaucht. Ich kann da wohl nicht aus meiner Haut. Irgendwie denke ich, egal was man macht, welche Vorlieben man in welcher Art auch immer ausleben möchte, ein Mindestmaß an Vertrauen sollte da sein, Liebe wäre ideal, aber sicher nicht immer erforderlich... Ich frage mich, ob für jemanden, der sich in diesem Bereich auskennt dieses Buch so etwas wie... vielleicht … wie … für mich eine Geschichte mit einem Happy End ist. Eine besondere Fantasie, die nicht der Wahrheit entsprechen muss, eine Fantasie, von der man träumt. Ein besonderer magischer Ort eben.
Ich möchte gern tolerant und aufgeschlossen gegenüber all den Dingen, die möglich sind, sein. Ich finde es wichtig, dass jeder so leben kann, wie er es möchte, natürlich unter der Prämisse, dass man seinen Nachbarn ebenso toleriert und akzeptiert. Ich bin neugierig und aufgeschlossen. Ich glaube, es gibt in diesem Bereich gute Bücher... gemäßigte Bücher, die trotz der alles bestimmenden Gewalt, doch irgendwie berührend sind. Ach, ich steigere mich hier rein...und deshalb sage ich nichts weiter dazu.
Jeder, der das Bedürfnis hat, diese Bücher zu lesen, sollte es machen. Aber ich würde es nicht noch einmal machen und kann auch nur warnen, dass es nichts für empfindliche Gemüter ist, schon gar nicht für Menschen, denen die Gewalt im Fernsehen bereits zu schaffen macht. Danke fürs Lesen!

Kommentare:

  1. Ich stimme dir vollends zu. Ich habe mich lange dagegen gewehrt, mich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen bzw. Bücher hierzu zu lesen. Dann ist ein Mitglied meines Forums auf den "Geschmack" gekommen und hat Bücher empfohlen und schließlich hat meine Neugier gesiegt. Ich dachte, dass ein Buch, das jemand gelesen hat, den ich kenne, nicht so schlimm sein kann.

    Nun ja, es ist sicher gewöhnungsbedürftig, denn im Normalfall möchte ich auch lieber Romantik und ein Happy End. Aber beim Lesen hat es mich schon zum Teil fasziniert, dass es Menschen gibt, die es augenscheinlich mögen wie der letzte Dreck behandelt zu werden, die daraus sogar für sich einen Lustgewinn ziehen. Für mich absolut unverständlich, aber es soll doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden und wenn sich zwei Menschen treffen, die das gleiche wollen, ist es auch okay. Dennoch hat es in den Büchern, die ich gelesen habe, für mich klar erkennbare Gefühle zwischen den Akteuren gegeben - bei aller Brutalität (über die ich zugegebenerweise teilweise recht schnell hinweggelsen habe). Ich glaubte ihnen, dass sie sich liebten, obwohl sie sich wehtaten.

    Aber was ich nie getan habe, ist, dieses Leben in irgendeiner Weise auf mich zu übertragen. Das ist nicht mein Leben und wird es nie sein. Ich verspüre auch nicht den Drang, mich immer tiefer in dieses Thema einzulesen. Weil ich einfach lieber rosarote Happy Ends lese als das, was du hier als Ende geschildert hast. Aber es hat mich dennoch ziemlich fasziniert und ich bereue das Lesen nicht, auch wenn es mich nicht dazu drängt, mein Wissen zu vertiefen.

    Was ich damit sagen will. Jeder muss es für sich selbst entscheiden, ob er ein solches Leben leben will oder kann oder sogar ob er Bücher dieser Art lesen will. Aber du solltest dir das wirklich nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Denn das ist es nicht wert! Es gibt so viele schöne Geschichten und Bücher, dass die "anderen" doch auch anderen übrigbleiben können. Versuche es, von einem Beobachterposten zu sehen und nicht mittendrin. Oder lass es einfach sie zu lesen.

    So, ich glaube, das ist jetzt ausreichend wirr geworden und ich weiß nicht, ob das, was ich sagen wollte, überhaupt rausgekommen ist. Ich hoffe, zumindest ein bisschen.

    Lass dich einfach nicht runterziehen von anderen, sondern bleibe bei dir, deiner Familie, deinen Freunden - und deinen Geschichten. Die sind toll.

    LG
    Martina

    PS. Ich kann auch nicht alle "guten" Bücher lesen - an Karl May bin ich z.B. nie herangekommen, obwohl mein Mann davon ohne Ende schwärmt.

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann dir nur zustimmen, nur weil ein Buch hochgelobt wird, muss es einen nicht gefallen.

    PS: Ich kann wieder Kommentare schreiben^^

    LG, Piccolo

    AntwortenLöschen