Mittwoch, 7. September 2011


Nachdem die letzte Woche ohne einen Mittwoch auskommen musste, gibt es heute wieder eine neue Zuckerwatte.Ich will nicht darüber philosophieren, wie schnell es einen tatsächlich aus der Bahn werfen kann... Aber es erstaunt mich noch immer. Hier ist jedenfalls eine neue kleine Geschichte und sollte sich jemand über den Anfang wundern... (das sind wohl die Nachwirkungen von gewissen Büchern...oder Randy????)




„Stehst du auf Schmerzen?“
Noch ehe ich die Frage richtig begriffen hatte, noch ehe ich überhaupt wahrnahm, dass er hinter mir stand, hatte Conrad schon grob in mein Haar gegriffen. Wie erstarrt hielt ich inne, traute mich nicht zu bewegen. Nur mein Herz, das fing an, wie verrückt in meiner Brust zu schlagen. In meinem Magen breitete sich ein furchtbares Gefühl aus. Angst, Panik und vor allem... Scham. Ich wollte aufspringen, mich zu ihm umdrehen, aber da wurde sein Griff nur noch fester. Es zog heftig an meiner Kopfhaut, als er meinen Kopf nach hinten bog. Unser Blicke trafen sich. Sturmgraue Augen sahen mich ernst an. Sein Gesicht wirkte wie versteinert, kein Muskel regte sich. Einzig seine blonden Haare standen ein wenig zerzaust ab, so als wäre er schnell gerannt. Aber da sein Atem im Gegensatz zu meinem, ganz ruhig ging, war es wohl draußen einfach nur etwas windiger als gewöhnlich. Wie gern hätte ich ihm jetzt durch die Haare gewuschelt. Wie gern hätte ich ihn angelächelt. Aber sein Blick war so ernst, dass er jeden Versuch schon im Keim erstickte. Mit weit aufgerissenen Augen sah ich ihn an, spürte die Macht, die er über mich hatte.
Noch immer brachte ich kein Wort über meine Lippen. Ich konnte mich auch nicht mehr an seine Frage erinnern. Viel zu erschrocken war ich über seine plötzliche Anwesenheit. Conrad sah mich abwartend an. Ich wusste, dass er wartete, aber ich hatte keine Antwort parat. Mein Kopf war wie leergefegt.
„Sag es!“, donnerte seine tiefe Stimme, „Stehst du auf Schmerzen, Marvin?“ Seine Tonfall bereitete mir eine Gänsehaut, schickte ein kribbliges Gefühl durch meinen Körper. Ich schluckte schwer und war mir sicher, dass ich kein Wort über meine Lippen bekommen könnte. Noch immer hielt er mich an meinen Haaren, noch immer sorgte er dafür, dass ich den Kopf in den Nacken legen musste. Seine Augen bohrten sich in meine. Wie hypnotisiert sah ich hinein. Wie dunkelgraue Wolken, aus denen sich gleich ein heftiges Gewitter entladen würde, Wie der Himmel kurz bevor die ersten Regentropfen fallen und ein Sturm heraufzieht. Ich konnte stundenlang seine Augen betrachten, mich darin verirren und immer wieder neue Schattierungen entdecken. Noch nie war mir jemand begegnet, dessen Augen sich je nach Gemütslage so sehr veränderten. Noch nie haben Augen solche Empfindungen bei mir ausgelöst. Womöglich hatte ich mich tatsächlich zuerst in seine Augen verliebt. Diese Augen, die mich den ganzen Abend verfolgten, die dafür sorgten, dass ich mich so unsicher wie noch nie gefühlt hatte. Mein ganzer Körper stand unter Hochspannung...

Erst sein noch ein wenig fester werdender Griff erinnerte mich daran, dass er noch immer auf eine Antwort wartete.
Ich schluckte noch einmal. „Nein“, krächzte ich leise.
Augenblicklich ließ er meine Haare los. Seine Hand streichelte meinen Kopf. Sein Gesicht entspannte sich etwas und kam näher. „Wieso bist du dann nicht zu deinem Termin gekommen? Ich habe bis jetzt auf dich gewartet!“ Seine Stimme war immer noch vorwurfsvoll und ich hatte es auch verdient. Aber seine Lippen näherten sich meinen so verführerisch, dass ich meine Hand in seinen Nacken legte und ihn küsste. Wunderbar weiche Lippen, eine Zunge, die nur wenige Augenblicke später meinen Mund öffnete und sich dann gierig daran machte, alles zu erforschen. Ich seufzte hingerissen. Conrad konnte so gut küssen!
Es tut mir leid“, flüsterte ich gegen seinen Mund und schnappte nach seinen Lippen „Ich habe die Zeit anscheinend ganz vergessen!“, sagte ich entschuldigend. Es war natürlich nur eine billige Ausrede und er erkannte es sofort.
„Marvin, ich habe versucht dich anzurufen. Mehrmals sogar!“ Auch wenn seine Lippen nicht ganz von mir abließen, sprach sein Tonfall eine ziemlich deutliche Sprache. Er war sauer, nein nicht nur sauer, er war wütend! Natürlich hatte er jedes Recht wütend zu sein. Ich hatte seine Zeit vergeudet und das Problem war auch noch nicht behoben. Aber gerade das war ja das Problem. Für ihn war das alles so leicht... für mich war es der reinste Horror...
„Ich habe mein Handy gar nicht gehört!“, versuchte ich es weiter und sah ihn verwirrt an.
Seine Augen blitzten spöttisch auf. „Du hast es also nicht gehört? Obwohl es hier auf dem Schreibtisch direkt neben dir liegt?“
„Oh... Hmmm, dann... Na ja, vielleicht ist das Akku alle!“, stammelte ich.
Er richtete sich ein wenig auf und griff nach meinem Handy. Als er es aufschob, war es wirklich aus. Kunststück! Ich hatte es schließlich ausgeschaltet. Ich wusste, dass er anrufen würde, wenn ich nicht erschien. Ich fing noch ein wenig mehr an, mich zu schämen. Gleich würde auch diese letzte Ausrede auffliegen. Seufzend sah ich auf seine Hände.
„Akku alle?“ Er schaltete das Telefon an und gab es mir. „Tipp deine Nummer ein!“ Mit zittrigen Händen gab ich meine Pin ein und nur wenige Sekunden später zeigte mein Display mehrere Anrufe und eine SMS an. Der Akkuladestand präsentierte ein gemeines „Voll“ und ich bekam einen roten Kopf. Ich war ein schlechter Lügner und mit guten Ausreden kannte ich mich auch nicht aus. Nervös spielte ich mit dem Telefon in meiner Hand. So lange, bis es Conrad anscheinend reichte, er mir das Teil aus den Händen nahm und mich mit sanften Druck dazu zwang aufzustehen.
Ich stand direkt vor ihm, den Kopf hielt ich gesenkt und besah mir die Streifen auf seinem Hemd. Wie spannend Streifen doch sein können! Sein Parfüm stieg mir in die Nase und auch ein leichter Geruch nach Schweiß. Ich mochte diese besondere Mischung sehr und unter anderen Umständen...
Conrad schob mir einen Finger unter mein Kinn und zwang mich, ihn anzusehen.
„Süßer... es wird nicht von allein besser!“ Er seufzte und nahm mein Gesicht in seine Hände. Seine Daumen streichelten meine Wangenknochen entlang. Ich genoss die Berührungen, versuchte seinem Blick standzuhalten. Natürlich würde es nicht von allein besser werden. Aber das änderte auch nichts an der Tatsache, dass ich schreckliche Angst hatte. Ja, ich hatte Angst und ich konnte nichts dagegen machen. Es gab nicht viele Dinge, über die ich mir Sorgen machte. Es gab so gut wie nichts, dass mir wirklich Unbehagen bereitete. Ich probierte alles aus. Ich war ein Draufgänger und musste schon das ein oder andere Lehrgeld bezahlen. Aber diese eine Sache, die machte mir wirklich Angst und es war schon als Ironie des Schicksals anzusehen, dass ich ausgerechnet mit Conrad zusammen war. Eine bitterböse Ironie, dass ich mich Hals über Kopf in ihn verliebt hatte. Eine fieser Streich, dass es ihn auch so ging und dass ich mir keinen anderen Mann an meiner Seite wünsche. Man konnte durchaus behaupten, ich wurde vom Schicksal gefickt... und es fühlte sich leider so gut an, dass ich darauf trotz allem nicht verzichten möchte.
„Was geht nur in deinem Kopf vor?“, fragte Conrad und sah mich fassungslos an. Auch hier hatte das Schicksal sich einen perfiden Plan ausgedacht. Conrad konnte in mir lesen, wie in einem offenen Buch. Eigentlich hätte er doch wissen müssen, dass ich diesen Termin versäumen würde. Und dass er trotzdem gewartet hatte, zeigte nur, wie sehr er mir vertraute. Ich hatte sein Vertrauen mißbraucht...
Stöhnend schloss ich die Augen. Ich schämte mich so unglaublich und auch ein wenig Panik machte sich in mir breit. Vielleicht hätte er bald die Schnauze von mir voll. Wer stellte sich schon so kindisch an? Ein erwachsener Mann sollte sich da wirklich im Griff haben...
„Hey... in spätestens einer Woche wirst du ein echtes Problem haben!“, murmelte er und küsste meine Lippen sanft. „Lass mich dir helfen. Jetzt, wo es noch nicht wehtut... In einer Woche sieht das anders aus. Dann wirst du den Schmerz kaum noch aushalten... Es geht nicht von allein weg!“
Ich öffnete die Augen wieder und Conrad sah mich an. Jetzt war es keine Wut mehr, jetzt war da vor allem Liebe und Mitgefühl zu sehen. Mein Herz stand in Flammen, das Blut rauschte in meinen Ohren. Ich biss mir auf die Lippe. 

In spätestens einer Woche... Er hatte ja keine Ahnung. Die Woche hatte bereits begonnen. Schon gestern, wenn man es genau betrachtete. Seid gestern hatte ich Schmerzen.... Zahnschmerzen. Und Conrad war Zahnarzt. Alles wäre so leicht, wenn... Ja, wenn ich nicht diese beschissenen Angst hätte.
Und er hätte es auch gar nicht mitbekommen, wenn seine verdammte Zunge vor zwei Wochen nicht so neugierig in meinem Mund gewesen wäre. Dann wäre das kleine Loch mit Sicherheit unentdeckt geblieben. Aber Conrad hatte einfach den Kuss unterbrochen, die Nachttischlampe so hingestellt, dass sie in meinen Mund leuchten konnte und sich den Schaden genau angesehen. Wenn er gekonnt hätte, hätte er es mitten in der Nacht noch repariert. Schon allein der Gedanke daran, ließ meine Hände feucht werden.
„Das muss so schnell wie möglich gemacht werden. Du läufst schon seit Wochen mit diesem Loch herum. Marvin! Das dauert nicht mehr lange, dann tut es richtig weh!“
Ich riss mich von ihm los und er stampfte wütend auf. „Verdammt, was ist nur mit dir los? Gegen Zahnschmerzen helfen irgendwann auch keine Tabletten mehr. Wenn es an mir liegt... das ist okay, geh zu einem anderen Zahnarzt. Ich kann dir eine ganze Liste empfehlen. Wir suchen zusammen jemanden heraus und ich rufe an, damit du am besten gleich morgen einen Termin bekommst! Bitte Süßer!“
Conrad trat hinter mich und legte seine Hände auf meinen Bauch. Seinen Kopf legte er auf meine Schulter und knabberte sanft an meinem Ohr. Wohlig bot ich ihm auch noch meinen Hals an. Meinen Po streckte ich ein wenig aus und rieb mich aufreizend an ihm. Er reagierte auch sofort darauf, ließ seine Hände langsam tiefer gleiten, während seine seine Zunge meinen Hals entlang fuhr. Ich keuchte leise, rieb mich stärker an ihm und entlockte damit auch Conrad ein paar erregende Töne. Ich wollte jetzt nicht darüber nachdenken. Ich wollte mich dem einfach nicht stellen. Langsam öffnete er den Knopf meiner Jeans und ließ eine Hand in meine Hose fahren. Die andere schlüpfte unter meine Shirt, streichelte meine Bauch und suchte nach eine meiner Brustwarzen.
Ich ließ meine Hände nach hinten wandern und legte sie auf seinen Po. Massierte das feste Fleisch durch seine Hose. Ich spürte seine Erregung in meinem Rücken und fing an zu lächeln. Ich hatte ihn umgarnt...ich hatte ihn abgelenkt...
Langsam schob er mich Richtung Schlafzimmer. Wir ließen uns aufs Bett fallen. Und das, was wir dann machten, lenkte nicht nur ihn ab. Es sorgte auch dafür, dass ich die Schmerzen in meinem Mund vergaß.
Eng aneinandergekuschelt sahen wir noch ein wenig fern. Conrads Magen knurrte. 
„Soll ich dir etwas zu essen machen?“, fragte ich leise.
„Bleib nur liegen. Ich kann das schon selbst!“, erwiderte er und schob die Decke beiseite.
„Conrad! Kann ich das nicht machen? Bitte!“ Ich sah ihn mit einem Augenaufschlag an und er erzielte genau die gewünschte Wirkung.
„Hunger!“, murrte er und deckte sich wieder zu. „Großen Hunger!“ Er packte mich und biss mir verspielt in den Hals. Ich fing an zu jammern und befreite mich aus seinen Armen. Nackt lief ich in die Küche, um ihn ein paar Schnitten zu machen. Allerdings verzog ich mich zuerst ins Badezimmer. Ich brauchte dringend eine von den Schmerztabletten. Auch wenn wir noch nicht zusammen wohnten, kannte ich mich ziemlich gut in Conrads Wohnung aus. Wir verbrachten die meiste Zeit hier. Meine Wohnung war einfach zu klein und zu unbequem für uns beide. 

Als ich die Tablette mit Wasser hinunterspülte, stand Conrad hinter mir. Er sah mich im Spiegel an. Jetzt war sein Gesicht wieder zu einer Maske erstarrt. Eine Maske, ohne erkennbare Regungen. Auch wenn es mir wesentlich schwerer fiel, in ihm zu lesen, hier musste ich mich nicht anstrengen. Er war sauer auf mich. „Wie lange schon?“, fragte er und das Grau seiner Augen wurde noch ein wenig dunkler. Ich sah betreten nach unten und er holte die Tablettenschachtel aus dem Schrank.
„Die Wirkung wird nicht lange vorhalten!“, sagte er leise, drehte sich um und ging wieder hinaus. Ich sah ihm nach, fühlte mich so schlecht, wie schon lange nicht mehr. Der Zahnschmerz war höllisch und obendrein hatte ich noch ein schlechtes Gewissen. Ich ging in die Küche, machte die Schnitten für ihn und legte mich wieder zu ihm ins Bett. Er sprach nicht mehr mit mir, aß allerdings seinen Teller leer. Als der Film zu Ende war, ging Conrad ins Bad und kam nach einiger Zeit frisch geduscht wieder ins Bett. Er roch so gut, aber er hielt mich auf Abstand. Ich bekam lediglich einen kleinen Kuss, dann drehte er sich auf die Seite.
Seufzend erhob ich mich und ging ebenfalls schnell ins Bad. Wieso war ich nur so ein Feigling? Wieso fiel es mir nur so schwer, Vertrauen aufzubringen. Aber am allerschlimmsten war das Gefühl, dass ich Conrad damit verletzte, obwohl ich ihn doch so sehr liebe. Ausgerechnet ich musste mich in einen Zahnarzt verlieben...
Leise kroch ich zu ihm unter die Decke, kuschelte mich an seinen Rücken. Ich hauchte ihm einen Kuss in den Nacken und schlief dann ein. 

Mitten in der Nacht wachte ich schweißgebadet auf. Vor lauter Schmerz konnte ich mich kaum bewegen. Ich wimmerte leise, hatte keine Ahnung, was ich machen sollte. Auf jeden Fall wollte ich Conrad nicht aufwecken. Aber den Schmerz würde ich auch nicht aushalten können. Es war noch ganz dunkel draußen. Vorsichtig hob ich meinen Kopf und versuchte die Digitalanzeige des Weckers zu erkennen. Drei Uhr dreißig! Stöhnend ließ ich mich wieder ins Kissen sinken. Mitten in der Nacht. Wütend hämmerte der Schmerz in meinem Kopf, im gleichen Takt rauschte das Blut in meinen Ohren. Vielleicht würde so eine Tablette doch noch einmal helfen. Ich sollte aufstehen und ins Bad gehen, aber ich konnte mich einfach nicht rühren. Jede Bewegung ließ den Zahn noch wilder pochen...
„Bleib liegen!“, sagte Conrad auf einmal leise und war im gleichen Moment verschwunden. Ich wollte nicht darüber nachdenken, was jetzt passieren würde und ich konnte es ehrlich gesagt auch nicht. Ich fühlte mich einfach nur ohnmächtig.
Dann lag er wieder neben mir, drehte mich auf den Rücken. „Mund auf!“, befahl er leise und ich leistete keinen Widerstand. Er legte irgendetwas gegen den Zahn. Es schmeckte ganz widerlich, aber ich hatte den Eindruck, dass der Schmerz tatsächlich weniger wurde.
Dann strich er mir die Haare aus dem Gesicht und küsste meine Stirn. „Baby, was machst du denn nur für Sachen!“
Ich fühlte mich hilflos und sah ihn ängstlich an. Was würde er nur von mir denken?
„Morgen früh fahren wir zusammen in die Praxis.“ Meinen Augen fielen ganz von allein zu. Ich spürte die Panik, die seine Worte auslösten. Sie war immer noch größer, als das Bedürfnis den Schmerz loszuwerden.
„Sieh mich an!“, forderte er eindringlich.
„Bitte, Conrad... ich kann das nicht!“, jammerte ich leise. Er strich mir über die Wange.
„Hey, du schaffst das! Wir schaffen das! Du wirst schon sehen... es wird alles gut werden!“ Ich nickte, obwohl ich ihm nicht wirklich glaubte. Er lächelte mich an.
„Wieso hast du nur solche Angst. Du machst all diese verrückten Dinge und...“
Ich stöhnte leise auf. „Kindheitstrauma!“, nuschelte ich.
„Natürlich! Wie bei den meisten! Verdammt!Dabei gibt es wirklich keinen Grund sich zu fürchten. Wir Zahnärzte sind keine Monster und wir sind nicht dafür da, jemanden Schmerzen zu bereiten... wir sind auch keinen Irren, die sich Befriedigung daran verschaffen, jemanden mit dem Bohrer das Hirn rauszuholen...“
Ich gluckste vor mich hin. Er sah mich wütend an, dann fing er allerdings auch an zu grinsen. „Ich meine es ernst... Vertraue mir doch bitte!“
Der pochende Gefühl im Mund ließ ein wenig nach, dafür zog sich mein Herz nun schmerzhaft zusammen.
„Wird der Schmerz weniger?“, fragte Conrad uns sah mich mitleidsvoll an. Ich nickte und versuchte zu lächeln.
„Du bist echt verrückt!“, murmelte er und küsste mich, „Und du schmeckst gar nicht gut!“ Im Moment war mir der ekelhafte Geschmack vollkommen egal, denn das Zeug wirkte und ich kam tatsächlich zur Ruhe. Conrad hielt mich den Rest der Nacht in seinen Armen. 

Ich fiel in einen leichten Schlaf. Immer wieder wachte ich auf, sah, wie es langsam heller draußen wurde. Der Zahn puckerte ununterbrochen, aber der Schmerz war irgendwie erträglich geworden.
Mit Unwillen dachte ich an das, was jetzt kommen würde. Diesmal gab es wohl keine Ausrede für mich. Er würde mich bestimmt nicht allein lassen und ich würde ihm wohl oder übel folgen müssen. Ich hoffte wirklich, dass der Zahn doch einfach so von allein herausfallen würde.... Aber das tat er natürlich nicht.
Als der Wecker klingelte schreckte ich regelrecht auf. Mein Puls fing an zu rasen, meine Hände wurden schwitzig. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.
Conrad sah mich kritisch an. „Zieh dich an!“, sagte er ernst und erhob sich. In meine Sachen zu schlüpfen, war recht schwierig. Mir war schwindelig und auch ein wenig schlecht. Conrad dagegen stand schon nach wenigen Minuten fertig angezogen vor mir. Er griff nach meinen Händen und half mir beim Anziehen. Wir schwiegen beide. Womöglich war ihm klar, dass es nichts gab, was es für mich erträglicher machen würde. Ich hatte all die unsinnigen Worte schon dutzende Male gehört und noch nie konnten sie mich beruhigen. Das Bedürfnis wegzulaufen machte sich in mir breit. Aber Conrad ließ mich nicht aus den Augen. Wo hätte ich auch hinlaufen sollen?
Als wir vor der Praxis ankamen, dachte ich meine Beine würden mir den Dienst versagen. Meine Muskeln samt Knochen schienen sich in Luft aufgelöst zu haben. Da war nichts mehr, was mein Gewicht tragen konnte. Und ich hatte das Gefühl mindestens hundert Kilo zu wiegen. Jede Bewegung fühlte sich unglaublich schwer an. Irgendwie schaffte ich es in die Praxis. Eine Schwester war schon da. Sie lächelte mir freundlich zu, aber ich konnte ihr Lächeln wirklich nicht erwidern.
Conrad gab ihr ein paar Anweisungen, die ich nicht verstand. Dann ging er mit mir in eines der Behandlungszimmer. Ich sah den Stuhl und mein Herz raste regelrecht davon.
Er küsste mich, bevor er mich sanft hinunterdrückte. „Alles wird gut!“, sagte er und seine Stimme klang merkwürdig rau. Die Schwester betrat das Zimmer und Conrad verschwand für einen Moment. Sie legte mir so ein Tuch um den Hals, bereitete anscheinend alles vor. Die Instrumente auf dem kleinen Tisch sahen mich grimmig an. Jedes einzelne schien mich töten zu wollen.
Die Behandlung war die Hölle. Ich dachte, es würde niemals vorbei sein. In Strömen lief mir der Schweiß von der Stirn. Dabei merkte ich im Grunde fast nichts. Conrad arbeitete sehr konzentriert. Nur hin und wieder trafen sich unsere Blicke und seine Augen schafften es, mich ein wenig zu beruhigen. „Gleich geschafft“, murmelte er ein paar Mal und ich nickte tapfer. Die Schwester strich mir über die Hände, die total verkrampft meinen Pullover festhielten. Ich konnte sie kaum lösen.
Irgendwann war es dann vorbei. Conrad grinste mich an und seine Augen leuchteten so merkwürdig. „Geschafft!“, sagte er und streifte sich die Handschuhe ab. Ich spürte, wie sich mein Herz wieder beruhigte, wie langsam wieder leben in meinen Körper kam. Vorsichtig strich ich mit der Zunge über den reparierten Zahn. Es fühlte sich ganz glatt an. Ich biss zu, aber ich da kam kein Schmerz mehr. Erleichtert strahlte ich ihn an.
„Danke!“ murmelte ich. Am liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt. Ich fühlte mich aufgeputscht, aber gleichzeitig auch vollkommen erledigt. Mein Körper schien gar nicht zu mir zu gehören.
Die Schwester verließ den Raum und Conrad ging zur Tür. Ich hörte wie er einen Schlüssel in das Schloss steckte und beobachtete ihn erstaunt. Was um alles in der Welt hatte er denn jetzt vor? Conrad drehte sich grinsend um.
„Und jetzt zeige ich dir, was so ein Zahnarztstuhl noch alles kann!“


Kommentare:

  1. Guten morgen liebe Kath,
    soso zahnschmerzen also .............,aber kindheitstrauma ist mir nur alzu bekannt wir hatten eine schulzahnärztin die war graf horror und viele haben durch sie heute angst vorm zahnarzt...........,haste wieder schön geschrieben ,jetzt kann der mittwoch losgehen.
    lg kerstin

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  2. Zum Anfang dachte ich schon fast das schlimmste.
    Aber ich wurde Gott sei Dank eines besseren belehrt.
    Ja, Zahnschmerzen sind alles andere als toll, wenn dann noch eine Zahnarztphobie hinzu kommt, ist es der blanke Horror.
    Ich bin gerade echt glücklich, dass ich seit Jahren nie länger als 2-3 Minuten beim Zahnarzt verbingen muss.

    Habe noch eine schöne Woche^^

    LG, Piccolo

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  3. Am Anfang war ich wirklich irritiert, denn das klang so gar nicht nach Zuckerwatte. Bestimmt hat der gute Doktor der Zahnmedizin auch etwas gegen den Genuss derer ;-))

    Angst vor dem Zahnarzt hat wohl fast jeder, besonders, wenn er schon einmal schlechte Erfahrungen machen musste. Als Erwachsener schafft man es wenigstens, sich irgendwann dem Unabänderlichen zu fügen, weil man im Grunde weiß, dass es danach besser wird.
    Wenn Marvin gewusst hätte, wie seine Belohnung aussieht, hätte er sich den zusätzlichen Schmerz bestimmt erspart.

    LG
    Martina

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  4. So eine Schulzahnärztin wie Kerstin sie oben beschrieb kenne ich auch, der bin ich als Kind mal während der Behandlung vom Stuhl gesprungen und abgehauen. Ich kann also die Angst vor dem Zahnarzt total nachvollziehen. Zum Glück hat sich die Angst mit der Zeit total in Luft aufgelöst.

    Zum Glück hat Marvin ja auch einen netten Zahnarzt gefunden, der wird ihm die Angst vor dem Zahnarzt(stuhl) schon austreiben ;-)

    LG anavlis

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  5. Hi Kath!

    Wooah... also, am Anfang dachte ich schon... ääähm... najaaa... also... *hust* Na, Du weißt schon. Und DAS hätte ich von Dir nicht erwartet, hätte mich aber am Ende auch nicht wirklich gestört... hihi.
    So, aber irgendwann, so mittendrin... da kam mir schon so ein Verdacht... hmm... keine Ahnung, das waren so ein paar Andeutungen von Dir... sehr gerissen! *grins*
    Du hast mich total auf den falschen Weg geführt, am Anfang zumindest.
    Taja... der Zahnarzt also! *lach* Wer kann da nicht auch schon ein Lied davon singen? Ich auch.

    Jedenfalls; super Idee, super umgesetzt, spannend und auch gewürzt mit einer großen Portion Erotik. Wunderbar!
    Na- und jetzt wird Conrad seinem Marvin wohl einen... ähem... "anderen Bohrer" vorführen? *gg*

    GLG
    starship

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  6. Hehe, ich habs gewusst :D der böse zahnarzt :D und die idee mit dem zahnarztstuhl finde ich auch super... da würde ich doch gerne mal mäuschen spielen ^^

    liebe grüße aus jordanien, kessy

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