Mittwoch, 1. Juni 2011

Zuckerwatte am Mittwoch

Jeden Mittwoch gibt es einen kleinen fluffigen Oneshot von mir an dieser Stelle. Wenn er euch gefällt, dürft ihr gern einen Kommentar hinterlassen.;-)

Erschöpft und vollkommen außer Atem lasse ich mich nach vorn auf den Bauch fallen. Nur wenige Augenblicke später liegt er neben mir. Ebenso atemlos!
„Diese Kondome sind echt der Hammer!“, sagt er leise und auch ohne dass ich ihn ansehe, weiß ich, dass er grinst. Ich sage nichts dazu. Aber er hat Recht. Dieses Zeug in den Kondomen wirkt wirklich. Ich dachte schon, die Wirkung würde gar nicht mehr nachlassen und er würde einfach ewig so weiter machen. Ich allerdings bin gleich zwei Mal gekommen! Zwei Mal! Ich fühle mich völlig ausgelaugt.
Der perfekte Abschiedssex! Denn das ist es. Am Ende wird nur noch einer in diesem Bett liegen. Ich hoffe insgeheim, dass er geht. Ich will jetzt einfach nur einschlafen und wenn ich wieder aufwache, dann soll er weg sein. Ich werde die Gardinen schließen und die nächsten Tage das Bett nicht mehr verlassen. Ich werde meiner großen Liebe nachtrauern und hoffen, dass der Schmerz irgendwann vergeht.
Aber wenn er nicht geht, dann werde ich es tun. Dann werde ich mir einen anderen Ort zum Trauern suchen. Es muss ein Ende haben! Seit Wochen schleichen wir um einander herum. Ich weiß nicht warum er es mir nicht einfach sagt. Ich bin keine Dramaqueen, ich werde es überleben! Aber dieses Schweigen, das ertrage ich nicht mehr.
Er legt sein Bein über meins. Seinen Arm platziert er auf meinem Rücken. Ich möchte schreien! Wie kann er diese Nähe zu mir nur ertragen, wenn er doch schon längst einen anderen Mann hat? Trotzdem rühre ich mich nicht. Es fühlt sich immer noch so gut an. Auch wenn wir schon zwei Jahre zusammen sind, genieße ich immer noch jede Berührung, jeden Kuss einfach alles. Ich liebe ihn und es tut so verdammt weh, zu wissen, dass er mich nicht mehr liebt. Er liebt einen Anderen. Vor drei Wochen hat dieser Typ auf unseren Anrufbeantworter gesprochen. „Ich bin jetzt bereit für dich!“, hat er gesagt. Was könnte das wohl sonst bedeuten? Ich habe ihn nicht darauf angesprochen, aber ich habe seine Veränderungen bemerkt.
Fast wie in so einem kitschigen Liebesfilm. Er kommt spät nach Hause, ist immer müde…wir haben keinen Sex und das, obwohl wir sonst kaum die Finger voneinander lassen konnten. Und diese Ansage auf dem Telefon! Alles passt zusammen. Nur vielleicht die Tatsache nicht, dass er es so lange schon hinauszögert. Eigentlich ist er immer ehrlich, immer direkt. Keine Versteckspiele, keine Lügen… aber anscheinend hat er seine Meinung nun geändert. Ich hoffe, der neue ist es auch wert.
Seufzend vergrabe ich mein Gesicht im Kissen. Ich will nicht heulen und trotzdem merke ich diesen Druck in den Augen. Ich dachte, das mit uns wäre etwas Besonderes und würde ewig halten. Ja, ich hatte uns schon uralt zusammen durch den Park laufen sehen…
Ein Abschiedsfick…ein besonders guter obendrein. Wie soll ich mich davon nur erholen? Seine Hand streicht über meine Wirbelsäule. Zuerst nach oben, dann hinunter bis zu meinem Po, dann wieder nach oben. Ich kriege eine Gänsehaut. Wieso tut er mir das nur an? Kann er nicht einfach gehen? Er muss doch spüren, dass es nun Zeit ist zu gehen! Ich kann einfach nicht mehr!
„Was ist nur mit dir los?“, flüstert er leise und küsst meine Schulter. Ich schlucke, spüre die ersten Tränen.
„Jannis, sieh mich an!“, bittet er nun, aber ich grabe mein Gesicht nur noch tiefer in mein Kissen. Ich spüre seine Hand in meinem Haar, fühle wie er eine Haarsträhne um seinen Finger wickelt.
„Es tut mir leid, dass ich in den letzten Wochen so wenig Zeit hatte… Dieses Projekt…“
„Projekt?“, frage ich grimmig und hebe meinen Kopf jetzt doch. Er wagt es mich hier und jetzt auch noch anzulügen?
„Projekt?“, rufe ich noch einmal und ich merke, wie meine Stimme einen hysterischen Tonfall annimmt. „Ich kenne dein Projekt und ich finde, es wird Zeit, dass du mit der Wahrheit herausrückst. Findest du nicht, dass ich das verdient habe…nach all der Zeit?“ Ich versuche, ihm nicht in die Augen zu sehen. Also halte ich meinen Blick gesenkt, starre auf seine so gut definierten Brustmuskeln, auf die kleinen Brustwarzen, die so unglaublich empfindlich sind. Auch nicht gut, gar nicht gut! Wieder entkommt eine Träne meinen Augen. Ich hätte sie so gern zurückgehalten, aber der Schmerz durchflutet meinen ganzen Körper. Ich habe mich einfach nicht mehr unter Kontrolle.
Seine Hand schnellt nach oben, fängt die Träne ein. „Du weinst ja!“, stellt er fest. Jetzt sehe ich ihn doch an. Trotzig starre ich in die Augen. „Ich weiß, dass du einen anderen hast. Ich habe ihn auf unserem AB gehört. Also komm mir nicht mit einem Projekt, wenn du in Wirklichkeit beim ihm warst. Denkst du, ich habe nicht bemerkt, dass wir schon seit Wochen nicht mehr miteinander geschlafen haben? Glaubst du, ich weiß nicht, was das hier eben zu bedeuten hatte?“ Ich rede schnell, viel zu schnell. Die Worte verlassen unkontrolliert und holprig meinen Mund.
Er starrt mich mit offenem Mund an. Ja, er sieht sogar ein wenig entsetzt aus. Er ist anscheinend ein guter Schauspieler, aber es gibt doch nun wirklich keinen Grund mehr dafür.
„Wovon redest du denn? Und was hatte das denn eben deiner Meinung nach zu bedeuten?“, fragt er. Seine Stimme ist ebenfalls lauter geworden.
„Ein Abschiedsfick! Das war es doch. Und wenn du mich nur noch ein wenig mögen würdest, dann wärst du einfach gegangen. Anstatt…“
Er reißt mich in seine Arme, presst seine Lippen auf meine und sorgt dafür, dass ich nicht mehr reden kann. Ich möchte ihn von mir drücken, aber er hat ohnehin so viel mehr Kraft als ich und… sein Kuss fühlt sich so gut an. Ich will ihn nicht erwidern, aber meine Lippen bewegen sich ganz von allein gegen seine. Seine Arme halten mich gefangen…
„Was redest du denn da nur?“, murmelt er gegen meinen Mund. „Was geht nur in deinem Kopf vor?“ Noch ehe ich antworten kann, küsst er mich wieder… Ich verstehe das alles nicht, aber Wut macht sich in mir breit und diese Wut gibt mir die Kraft, mich endlich aus seinen Armen zu befreien.
Eine Weile starren wir uns einfach nur an. Dann schüttelt er den Kopf. „Du irrst dich! Es gibt keinen anderen, nur dich. Ich hatte wirklich viel zu tun. Wenn du willst, kannst du meinen Chef anrufen. Wir haben alle wie die Irren für dieses Projekt geschuftet. Wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich an dich geschmiegt. Ich wollte dich so sehr, aber ich wollte dich nicht wecken, weil ich weiß, wie anstrengend dein Job ist. Ich habe mich so unendlich nach dir gesehnt…“
„Was ist mit dem Anruf?“, wispere ich. Eine Weile scheint er nachzudenken, dann lächelt er.
„Der Anruf! Natürlich! Der war ehrlich gesagt nicht für deine Ohren bestimmt, denn du hast Recht, da gab es noch eine andere Sache…“
„Ich wusste es!“, rufe ich aufgebracht, aber sein Blick bringt mich zum Schweigen. Plötzlich steht er auf, verlässt das Zimmer. Panisch sehe ich ihm hinterher. Ist jetzt der Zeitpunkt, an dem er mich verlässt? Mein Herz wummert wie verrückt, ich habe das Gefühl mich gleich übergeben zu müssen…
Ich lasse mich nach hinten fallen, schließe die Augen. Selbst als er wieder ins Zimmer kommt, lasse ich sie geschlossen. Er kommt nicht wieder ins Bett. Was macht er denn nur? Neugierig öffne ich die Augen eine Spalt und erstarre. Er kniet vor dem Bett, mit einem kleinen Kästchen in der Hand. Ruckartig setze ich mich auf.
Wie ein Ritter kniet er vor mir, ein nackter Ritter…und sieht mich aufmerksam an. Er sieht nervös aus. Ja, seine Hände zittern sogar. Ich fange ebenfalls an zu zittern. Die Situation überfordert mich. Ich würde wirklich gern weglaufen. Aber ich mache es nicht. Meine Beine würden mich ohnehin nicht tragen. Ich starre ihn einfach nur an. Ihn und das kleine Kästchen in seiner Hand.
„Jannis!“, sagt er und in diesem Moment hat er meine volle Aufmerksamkeit. Er scheint es zu merken, denn nun fängt er an zu lächeln.
„Jannis! Ich weiß nicht, wie du darauf kommst. Aber ich will überhaupt keinen anderen. Ich will nur dich! Ich liebe dich. Du bist mein Leben und ich könnte es mir ohne dich gar nicht vorstellen…“ Wir schlucken beide und schon wieder spüre ich, wie sich eine kleine Träne davon stiehlt. Ich lasse sie über meine Wange kullern. Schmunzelnd wischt er sie fort.
„Und weil ich dich so sehr liebe… Willst du mich heiraten?“
Ich starre ihn an, dann das Kästchen. Er hat es geöffnet. Zwei schmale goldene Ringe liegen darin. Sämtliche Gefühle durchlaufen gleichzeitig meinen Körper. Angst, Panik, Unverständnis, Trauer, Freude, Liebe, Erleichterung… Mir ist ganz schwindlig. Ich kann nicht reden. Ich kann nicht antworten. Dafür merke ich allerdings, wie er sich versteift. Sein Blick wird unsicher, fragend, ein wenig ängstlich sogar. Ich versuche zu lächeln, sehe auf die Ringe.
„Du willst mich heiraten?“, frage ich tonlos.
„Ja, du Dummkopf, das will ich…und diese Ringe, die habe ich extra für uns anfertigen lassen. Die Stimme auf dem AB gehörte dem Goldschmied. Ein alter Freund von mir…“
„Du willst mich wirklich heiraten?“
Er zieht eine Augenbraue nach oben. „Also gut!“, sagt er und grinst mich an.
„Dann eben noch einmal und wenn du diesmal nicht antwortest…“
Ich schlucke, räuspere mich und sehe ihn gespannt an.
„Jannis Hartmann, du bist die Liebe meines Lebens. Willst du mich heiraten?“
„Ja…Ja, das will ich!“ Ich stürze mich in seine Arme. Sie halten mich, geben mir Sicherheit.
„Ich liebe dich so sehr!“, flüstere ich, bevor sich unsere Lippen für einen unendlich langen Kuss finden.

(c) by crazykath
das Bild findet ihr hier

Kommentare:

  1. und warum nicht bei ff ?
    lg ketin

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  2. Hach war das süß *schnief*

    (Allerdings dass Mann mit diesen Kondomen länger kann, kann ich nicht bestätigen.)

    lg anavlis

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  3. Hat mir sehr gut gefallen, bist richtig kreativ.

    LG Randy

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  4. Große Irrtum, toller Sex und gelungene Entwirrung des Chaos. Super geschrieben. Freu mich auf mittwochs. Zuckerwattentag!

    LG Klee

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  5. jeden mittwoch ein os...
    da wird die mitt der woche ja richtig angenehm...

    lg maia

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  6. Was soll ich sagen, außer dass dieser OS sehr süß war.
    Ich würde mich freuen, wenn du diese OS auch auf ff.de veröffentlichst.

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  7. hallo kath,

    bin gerade über deinen Blog gestolpert und konnte mich nicht losreissen ... dieser one-shot ... wow super ... so viel Gefühl zum Ende, wobei man anfangs denkt, dass dort etwas zu Ende geht ... Klasse!!!! Liebe Grüße Roxy68

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  8. Hey Kath,

    ich werde mich mal bei Deinen Mittwochs-Zuckerwatte durchlesen und mit den Zweien fang ich an (allerdings muss ich das anonym machen, denn mit meinen Einlogdaten kann ich es nicht versenden - sorry):

    Also der Goldschmied hätte sich auch anders ausdrücken können - denn "Ich bin jetzt für Dich bereit" kann man wirklich falsch verstehen.

    Aber anstatt sich die ganze Zeit fürchten, wann der Freund von Jannis Schluss macht ist auch nicht gut. Da hätte er lieber mit ihm reden sollen. Aber das ist sicher leichter gesagt als getan.

    Aber wenn er jemanden anders gehabt hätte, dann hätte er ja mit Jannis nicht geilen Sex haben können oder - hat er aber gesagt.

    Aber es ist nochmals alles gut ausgegangen. Und Jannis Freund will ihn sogar heiraten - echt urr süsss.

    Wünsch Ihnen alles gute.

    Danke
    LG
    Nati

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